Und ewig lockt der Hackepeter

Glosse Der Handel ist mit Hackfleisch auf Kundenfang. Was sagt uns das?
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Als mir zu Wochenbeginn im Verlauf eines Lachkrampfes Kaffee in die Nasennebenhöhlen schoss, las ich gerade das Wort "Lockfleisch" in der Netz-FAZ.

Lockfleisch, das ist vor allem Hackfleisch, welches der Lebensmittelhandel zu günstigen Preisen und teilweise unter Einkaufspreis verkauft, um damit Kunden anzulocken. Fleischpreise seien Lockpreise, zitiert die FAZ einen Tim Koch von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Die Angelockten – so hofft der Händler – kaufen dann nicht nur das Lockfleisch, sondern auch andere Produkte, und so wird aus dem Minusgeschäft doch noch ein Plusgeschäft.

Auf ernüchternde Weise wird hier deutlich – pardon einmal mehr deutlich – wo der deutsche Mensch in der Evolutionsskala der Säugetiere wirklich steht: nämlich immer noch am Anfang. Mit Käse fängt man Mäuse und mit Lockfleisch fängt man Deutsche. Und wie die Maus dem Duft des Käses in den sicheren Tod der Mausfalle folgt, so folgen die Bürger dem Lockfleisch in die Hölle Supermarkt, um sich dort das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Denn, wo man schon mal da ist, da kann man ja noch dieses und jenes kaufen.

Das Interessante am Lockfleisch ist der Fakt, dass hier mit Fleisch geködert wird und nicht wie üblich nur mit einem billigen Preis. "Geiz ist Geil" ist demnach nur die halbe Wahrheit. Fleisch ist mindestens ebenso geil, denn es scheint sich besonders gut zum Anlocken von Konsumenten anzubieten. Dies hat der Einzelhandel erkannt, und zumindest aus dieser Erkenntnis lässt sich eine gewisse Listigkeit - um nicht zu sagen Intelligenz - ableiten. Wenngleich auch – und das sei hier nicht verschwiegen – andere Säugetiere und sogar Insekten zuweilen Köder ausbringen, um ihre Beute anzulocken.

Dass sich der Konsument besonders gut mit Fleisch ködern lässt und nicht mit Gurken oder Porree ist ein soziales Phänomen und es liefert einen Erklärungsansatz, mit welchem sich eine weitere aktuelle Fleischdebatte versachlichen ließe: Die Rede ist von der Sexismusdebatte. Diese wurde angestoßen, als sich die Fleischeslust Rainer Brüderles darin sublimierte, dass dieser einer ihn begleitenden Journalistin zuraunte, dass er ihr Lockfleisch gerne mal im Dirndl zu sehen bekommen täte.

Unterstellt man nun das seltsame soziale Phänomen des Lockfleisches, so erhält man eine vollkommen natürliche Erklärung für die in unserer Gesellschaft grassierende Fleischbeschau zwischen den Geschlechtern, auch Sexismus genannt. Wenn ein Mitglied des einen Geschlechts einem Mitglied des anderen Geschlechts zweifelhafte Komplimente nachruft, in denen das Fleischliche zum Thema erhoben wird, so lässt sich das nicht nur mit der Herrschaft dieses einen Geschlechtes über das andere erklären.

Vielmehr wird durch den dominanten Reiz dargebotenen Lockfleisches eine Reaktionskette im Menschen ausgelöst, die es ihm schwer möglich macht, fleischlichen Versuchungen zu widerstehen.

Am Ende einer Fleischbeschau stünde dann nicht mehr die Gewissheit über die Geilheit eines älteren Herren, geschweige denn die Frage „Zu dir oder zu mir?“, sondern die hier einzig angemessene Frage: „Geschnitten oder am Stück?“

10:35 21.02.2013
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Geschrieben von

Eric Wallis

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