RE: „Ich fühle mich wie 40“ | 04.12.2012 | 18:00

280 Kommentare und die meisten männlich gekränkt, hasserfüllt oder schlicht dummdreist. Da ich annehme, dass der "Freitag" eher von linken Menschen gelesen wird, kann ich nur eines sagen: Ich bin erschüttert.

Ich bin beileibe keine begeisterte Anhängerin von A.S. An ihren politischen Haltungen gibt es viel zu kritisieren, insbesondere ihre ethnozentrische Arroganz gegenüber Musliminnnen, die ihre eigenen Vorstellungen von Emanzipation haben. Es gibt auch viel an ihrem Umgang mit anderen Frauen zu kritisieren, an ihrem, ja, Willen zur Macht. Aber um Himmels Willen: Nicht so, meine Herren!

Einige von euch sprechen von Hass und Missgunst zwischen den Geschlechtern, den A.S. säen soll. Hier wird die Botschafterin für die Botschaft verantwortlich gemacht. Ihr seid Zeitungsleser. Lest ihr nicht über Massenvergewaltigungen in Kriegsgebieten, über die Bestrafung eines Mannes mittels Vergewaltigung aller seiner weiblichen Familienmitglieder in Pakistan, über die Verstümmelung weiblicher Genitalien? Seht ihr nicht die Fotos von Parlamenten ohne Frauen, vom Politbüro in China zum Beispiel?

Gut, das trifft alles auf Deutschland in der Krassheit nicht zu. Glücklicherweise. Aber Gewalt gegen Frauen gibt es auch hierzulande genug, auch wenn es nicht jeden Tag in der Zeitung steht. Ist das kein Hass? Oder trägt A.S. auch dafür die Verantwortung? Der deutsche Mann sollte stolz sein, dass wir hierzulande ein gewisses Maß an Geschlechterdemokratie erreicht haben. Es geht um Demokratie, meine Herren! Und die wollt ihr doch, nicht? Überdies: Was Schwarzer über die Quote für Frauen in Führungspositionen sagt, ist einfach klug. Und ihre Kritik an Frau Schröder ebenso. Frauen hätten in diesem Land eine bessere Ministerin verdient. Es ist eine Schande.

In welcher Welt lebt ihr? Seid ihr denn nicht in der Lage, die Augen zu öffnen und euch umzusehen? Seht ihr nur euer eigenes kleines Ego, das beleidigt ist, weil eure Machtvollkommenheit allmählich schwindet, weil es ein klein wenig gleicher wird zwischen Männern und Frauen? Und dazu, ja, hat A.S. ihren nicht unwesentlichen Teil beigetragen. Insofern gratuliere auch ich.

Sie ist eine historische Person, und historische Personen müssen wir nicht unbedingt lieben. Wir müssen nur ihre Leistung anerkennen. Viele historische Personen in der Vergangenheit waren Kriegstreiber, Ehebrecher, Frauenmörder, Frauenverächter. Da lob ich mir allemal A.S.