Der Albtraum der Grand Old Party

US-Primaries Donald Trump und Ted Cruz schicken sich an, das GOP-Ticket zwischen sich zu entscheiden. Eine Katastrophe für das Parteiestablishment.
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Der Albtraum der Grand Old Party

Foto: TIMOTHY A. CLARY/AFP/Getty Images

Die Grand Old Party ist am Ende ihres Lateins. Nach zwei gemeinhin als desaströs angesehenen Amtszeiten von George W. Bush, während deren die Ultrahardliner Dick Cheney und Paul Wolfowitz größtenteils die Fäden zogen, begann der Abstieg der GOP zur „stupid party“. Mit Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin 2008 und den Primary-Kandidaten Herman Cain und Michelle Bachmann 2012 etablierten sich die Republikaner zur Partei der Antiintellektuellen, oder zumindest als deren Auffangbecken. Klimawandel als Schwindel, christliche Gesetze über konstitutionellen, Ahnungslosigkeit bezüglich dem Rest der Welt, Aufnahme der Tea Party in ihre Mitte, blinde Obstruktionspolitik im Kongress gegen den ersten schwarzen Präsidenten - damit machte die Partei ihre Schlagzeilen, im Ausland noch mehr als im Inland.

Als die Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2016 letztes Jahr begannen, zählte das republikanische Feld 17 Kandidaten. Darunter waren so illustre Namen wie Jeb Bush, die zahmere, klügere, aber ebenso in der Tasche der Wirtschaft steckende Variante der Dynastie Bush, oder Scott Walker, dem zu Beginn der Kampagnen große Chancen vorhergesagt wurden, oder Rand Paul, von dem eine Gefolgschaft ähnlich der seines ebenso libertären Vaters Ron erwartet wurde. Neben diesen einigermaßen ernstzunehmenden Kandidaten ließen sich auch obskurere Figuren aufstellen, so der Gehirnchirurg Ben Carson, der bereits 2012 krachend gescheiterte Rick Santorum, der noch krachender gescheiterte Rick Perry sowie der größtenteils völlig unbekannte Jim Gilmore. Dazu dann noch naheliegendere Kandidaten wie der Tea-Party-Prediger Ted Cruz, der junge Senator Marco Rubio, der etwas mafiös wirkende Governor von New Jersey, Chris Christie und der tatsächliche ehemalige Priester Mike Huckabee.

Doch die größte Aufmerksamkeit erlangte die Kandidatur von Donald Trump, Millionär, Reality-TV-Star und Immobilienmarke. Der Donald Trump, der nach Barack Obamas Wahl 2008 die Birther-Bewegung anführte und nachweisen wollte dass Obama nicht Präsident sein dürfe weil er nicht auf Hawaii geboren sei sondern in Kenia. Trump war schnell die unterhaltsame Witzfigur des republikanischen Feldes. Sein Ankündigungsauftritt, als er mit seiner Tochter im Trump Tower die Rolltreppe heruntergesegelt kam, seine offenkundige Unwissenheit zu politischen Themen, seine blaffende Arroganz und sein grobschlächtiger Großmaulcharme waren ein gefundenes Fressen für die Medien. Ernstgenommen hat ihn niemand.

Einige Monate später ist dieser Mann der momentan klar führende Frontrunner in einem auf vier Personen geschrumpften Kandidatenfeld und nur einer der drei verbleibenden Konkurrenten ist ihm ernstzunehmend auf den Fersen: Ted Cruz. Marco Rubio, der den Platzhalter des Establishments für deren vermutlich größte Enttäuschung namens Jeb Bush spielen sollte, ist weit abgeschlagen und konnte sich mit seinen harten Attacken der letzten Tage gegen Trump nicht profilieren wie erwartet. Kurze Zeit sah es gar danach aus, als wäre die bittere, peinliche Schlammschlacht zwischen Trump und seinen beiden Widersachern Cruz und Rubio, die sich vollends auf Trump-Bashing konzentrieren und dabei wie ihre Zielscheibe Trump das Terrain von Niveau und Sachlichkeit komplett verlassen haben, eine Chance für den meist unscheinbaren John Kasich, einem vergleichsweise moderaten Common-Sense-Republikaner, der mit gemäßigter Rhetorik und Programmatik wie ein Fremdkörper in diesem Zirkus wirkt.

Doch der Super Tuesday und der Super Saturday haben Kasich keinen nennenswerten Auftrieb beschert. Es scheint derzeit auf ein Duell zwischen Trump und Ted Cruz hinauszulaufen. Was vielen hier bisher nicht bewusst sein mag: Ted Cruz ist vermutlich ein noch schlimmerer Kandidat als Donald Trump. Denn Ted Cruz ist klug und taktisch, mag sich gewählter und versöhnlicher klingend ausdrücken als Trump, seine politischen Positionen stehen denen Trumps jedoch in nichts nach, ja sind sogar noch eine Spur extremer. Ted Cruz ist ein ultrakonservativer, radikaler, evangelikaler Hardliner. Als Trump noch Mexikaner nur beschimpft hat, hat Cruz bereits Gesetzesinitiativen zur großen Abschiebewelle in den Senat gebracht. Cruz und Trump vereinen weit mehr als 50% der bisherigen Vorwahlstimmen unter sich. Die Grand Old Party ist in Schockstarre. Ein das Parteiestablishment ablehnender politikfremder Milliardär-Egomane oder ein permanent Bibelzitate salbadernder, unsympathischer Tea-Party-Fanatiker von Rechtsaußen, einer dieser zwei soll also diese Partei repräsentieren und ihr den Wiedereinzug ins Weiße Haus bescheren? Es ist ein republikanischer SuperGAU. Der unbändige Hass der Republikaner auf Hillary Clinton, der nur noch von ihrem Hass auf Barack Obama übertroffen wird, ist der letzte Bindfaden der diese Partei noch halbwegs zusammenhält. Und Clintons Kandidatur ist nicht einmal gesichert. Zwar kann die GOP eigentlich froh sein, dass es nicht zu einem Duell zwischen Clinton und Jeb Bush kommen wird, wären die Unterschiede im politischen Programm und in der Käuflichkeit beider Kandidaten so marginal, dass die republikanischen und unabhängigen Protestwähler der Wahl fernbleiben würden, was demographisch stets den Demokraten in die Hände spielt. Und mit Donald Trump haben sie einen Kandidaten, der wie kaum ein anderer versteht, die Protestwähler und die äußersten rechten Ränder der Wählerschaft zu mobilisieren. Doch Trump pfeift wie bisher kein anderer auf die Parteiführung und führt einen reinen Egowahlkampf, und Ted Cruz ist der Tea-Party-Störenfried aus dem Senat. Eine nicht unerhebliche Zahl der Unentschiedenen würde noch eher Bernie Sanders wählen als einen der beiden republikanischen Frontrunner.

Die Demokraten sind unter Bill Clinton und Barack Obama stetig weiter nach rechts gerückt und lassen den Republikanern kaum mehr Platz an ihrem angestammten Platz im Mitte-Rechts-Bereich des politischen Spektrums. So absurd es klingen mag, aber die einzige Hoffnung des republikanischen Establishments, wieder aus dem Fegefeuer der religiösen erzkonservativen rechten Ecke herauszukommen, ist wenn ihnen wieder mehr Platz in der Mitte geschafft wird. Sonst wird sie am äußersten rechten Rand zur Splitterpartei zerquetscht werden. Und so muss die Grand Old Party auf den unwahrscheinlichsten potentiellen Retter der jüngeren Zeit hoffen: Auf Präsident Bernie Sanders.

01:52 07.03.2016
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