Meine und andere Gedanken zur Ukraine-Krise

Amerikas Spiel Die große Ähnlichkeit des Vorgehens beim Umsturz in der Ukraine 2004 und 2013/14 erlaubt einen Bezug auf Peter Scholl-Latours Bücher 206 (Russland im Zangengriff) u. 2008
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Ich habe Angst!! Angst vor einem neuen „heißen“ Krieg in Europa, was ich nie mehr für möglich gehalten hatte. Denn ich bin Jahrgang 1931 und werde in wenigen Wochen 84 Jahre alt, oder auch nicht. Ich habe also als Kind den furchtbaren 2.Weltkrieg erlebt, wenn auch in der relativen Geborgenheit einer sächsischen Kleinstadt an der Grenze zu Thüringen.

Außer einigen Bombenexplosionen am Schienenstrang Leipzig-Chemnitz in der Nähe unseres Bahnhofs sowie einem Maschinengewehr-Feuerstoß aus einem amerikanischen Panzer in den Turm unserer Kirche als Ankunftssignal am 12. April 1945 habe ich keine direkten Kampfhandlungen erleben müssen. Aber den hellen Feuerschein am Abend des 6. Dezember 1943 am nördlichen Firmament, den ich aus den Dachfenstern unseres Hauses beobachtete, werde ich nie vergessen!!! Es war die Nacht als Leipzig starb!

Als dann im Sommer 45 etliche Schulkameraden, die zwei, drei Jahre älter waren als ich und noch als Flakhelfer oder Volkssturm“männer“ die letzten Kriegstage ihr Leben aufs Spiel setzen mußten,

nach Hause kamen, machte ein Versprechen die Runde:

Wenn jemals wieder ein Deutscher ein Gewehr in die Hand nimmt, soll ihm die Hand abfallen!“

Es blieb ein frommer Wunsch!!!

Heute, und nicht erst seit heute!, sind wir involviert in unzählige Kriegshandlungen rund um den Erdball im Namen und im Auftrag der NATO und unsere Politiker aller Couleur verweisen auf die gewachsene ökonomische Stärke unseres Staates und denken laut und öffentlich über weitere

friedensstiftende Maßnahmen in aller Welt nach. (Gauck, van der Leyen, Steinmeier)

Solange sich solche Einsätze auf Gebiete weit von Europa entfernt begrenzen, habe ich mich zwar immer darüber geärgert, mir aber ansonsten keine allzu großen Sorgen gemacht.

Mein Nachkriegstraum von einer ewig friedlichen Welt wurde schon vor 55 Jahren (Korea, Vietnam) für immer zerstört!

Aber seit dem Herbst 2013 in Kiew werde ich meine Angst, mein bewußtes Leben in einem Krieg

abschließen zu müssen, wie ich es mit einem Krieg begonnen hatte, nicht mehr los.

Weil ich wissen wollte, wie die Räder der Geschichte sich drehen und warum und weshalb, habe ich seit ca. 12 Jahren etliche einschlägige Bücher gelesen, manche schnell und oberflächlich, manche intensiv und mehrfach sowie alle TV-Dokumentationen über Deutschland und die Welt seit etwa 1941 ein- oder mehrfach „in mich aufgesogen“.

Dabei ging es mir aber auch darum Einsicht zu gewinnen in die Entwicklung der „alten“ Bundesrepublik seit 1945 unter dem Einfluss der westlichen Siegermächte (re-education), denn über die Gehirnwäsche in der DDR war ich einigermaßen informiert.

Das Ergebnis meiner Bemühungen ist für mich fast wie ein Schock gewesen. Denn das Land,

das ich für das Mutterland von Freiheit, Demokratie und Menschenrechte hielt, ist der Initiator und Katalysator fast aller Krisenherde dieser Welt:

Die Vereinigten Staaten von Amerika !

Erst im Herbst 2014, als die Ukraine-Krise immer stärker eskalierte, erinnerte ich mich daran, daß in meinem Bücherschrank etliche Bücher von PSL – Peter Scholl-Latour – standen, den ich für einen der weitestgereisten, bestinformierten und objektivsten Journalisten der Nachkriegszeit halte.

Und ich wurde fündig: In seinen Büchern „Russland im Zangengriff“ (2006) und

Der Weg in den neuen Kalten Krieg“ (2009) beschreibt er ziemlich hellseherich die heutige Situation und wie bzw. wodurch sie so entstanden ist.

Ich kann mir also eigene Formulierungen ersparen und werde nachfolgend -nicht ohne Kommentar- aus „Russland im Zangengriff“ zitieren.

Russland im Zangengriff“. ( Kiew, Ende April 2006 )

Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde dann aber vorwiegend ein asiatisches Reich werden“, so argumentiert Zbigniew Brzezinski in seinem Buch >The Grand Chessboard<.

Drückt er damit eine objektive Feststellung oder eine politische Wunschvorstellung aus?

Gewiß, Brzezinski verfügt seit dem Ausscheiden Jimmy Carters aus dem Präsidentenamt über keinen unmittelbaren Einfluß mehr auf die Entscheidungen des Weißen Hauses, und die polnische Abstammung erklärt seine antirussische Grundhaltung.

Angesichts der subversiven Manipulationen, der robusten Einmischung, die heute die US-Politik gegenüber Kiew charakterisiert, stellt sich jedoch die Frage, ob die engste Umgebung George W. Bushs – Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld zumal- nicht die gleiche Verdrängungspolitik betreibt, die Brzezinski ihnen vorgab.“

Während ich an irgendeiner goldverzierten Säule vorbeigehe, die -wenn ich mich recht erinnere-

die Deklaration der ukrainischen Unabhängigkeit vor etwa 15 Jahren zelebriert, drängen sich mir die Fernsehbilder aus dem Winter 2004 auf. Da war das Pflaster des Meidan gar nicht zu erkennen, so komplett war es mit orangefarbenen Bannern zugedeckt, die von Hunderttausenden begeisterter

Demonstranten geschwenkt wurden. Sie protestierten gegen die gefälschten Resultate der letzten Präsidentenwahl und verlangten einen neuen, dieses Mal fairen Urnengang.

Die Welt huldigte in fast einstimmiger Bewunderung diesem Aufbäumen einer jungen osteuropäischen Nation, die nicht nur die Fesseln der eigenen Despoten und Ausbeuter, sondern vor allem auch die Bevormundung durch die Putin-Mannschaft im Moskauer Kreml abschütteln wollte.

War es nicht ein Wunder, daß diese gewaltige Menge -ohne ein Zeichen von Nachgiebigkeit und Schwäche- nächtelang im klirrenden Frost und ohne angemessene Versorgung ausharrte, um ihren hohen Idealen zum Durchbruch zu verhelfen?

Die Kameras der westlichen TV-Stationen vermieden es seltsamerweise, die immense Ansammlung von 1500 geheizten Zelten zu filmen, in denen warme Nahrung kostenlos ausgeteilt wurde.

Die Reporter hüteten sich damals, die dubiosen Schattenaktivitäten, den gewaltigen Finanzaufwand zu erwähnen, der bis zur aktiven Bestechung reichte, aber dem organisierten Taumel das Rückgrat stärkte. Der Zeitungsleser – vom Fernsehkonsumenten ganz zu schweigen, der von solchen Hintergrundinformationen ausgeschlossen blieb – brauchte etliche Monate, um durch die Berichte renommierter Printmedien auf ausführliche und vorbildliche Weise über die Machenschaften

amerikanischer Spender-Organisationen – Institute, Foundations und Regierungsstellen – informiert zu werden, die ihre subversive Einmischung gar nicht zu kaschieren suchten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch von dem, was der „Spiegel“ die >Revolutions-GmbH< nannte,

ein Verfügungstrupp internationaler Umstürzler, der den amerikanischen Geheimdiensten zur Beseitigung mißliebiger Regime zur Verfügung steht.

Es ist aufschlussreich für die Zaghaftigkeit, die >politicall correctness< einer großen deutschen Zeitung, daß sie die lückenlose Auflistung der Verschwörerzellen, der noch zahllose >non government organizations< jeder Colour hinzuzufügen wären und die einen betrüblichen Eindruck von den Methoden amerikanischer Brachial-Diplomatie vermittelt, mit der Einleitung versah:

>Bis heute wollen die Stimmen nicht verstummen, die in der Orange-Revolution, mit der im November 2004 das Kutschma-Regime gestürzt wurde, eine Machenschaft des Westens, vor allem der Vereinigten Staaten von Amerika sehen. Doch bisher hielt keines der für diese These vorgebrachtenArgumente einer Überprüfung an den Orten des Geschehens stand<.

In Wirklichkeit verfügt man bei der Lektüre des Artikels von Konrad Schuller über jene präzisen Fakten, die die amerikanische Steuerung und Finanzierung der Orange-Revolution lückenlos

belegen, die das Bild einer krassen fremden Intervention unter Mißachtung aller überlieferten Souveränitätsrechte malen. Der Autor beendet seinen hervorragenden Beitrag mit einem Satz, über dessen Hintergründe man lange nachdenken sollte:

>Die stolzesten Trophäen dieser Methode waren bisher die Tyrannenstürze von Serbien und Georgien. Erst im Winter 2004 , während das amerikanische Militär, der Hauptkonkurrent in der Branche >Demokratie-Export< , im Irak immer noch die täglichen Opfer zählte, ist das Meisterstück hinzugekommen: Die Orange-Revolution der Ukraine<.

Der Artikel ist vom 21.September 2005 datiert, und man kann seinem Verfasser schwerlich anlasten, daß er das Wort Demokratie-Export damals im Zusammenhang mit dem Irak erwähnt oder daß er die orangefarbene Volkserhebung, die inzwischen zerbrochen und gescheitert ist, als >Meisterstück< darstellt.

Wie viele Hundertmillionen US-Dollar in das Unternehmen Ukraine geflossen sind, wird wohl nie publiziert werden. Allein vom State Department wurden 65 Millionen an diverse Behörden und Auftragsfirmen verteilt. An der Spitze stehen die Hilfsorganisationen US-AID, die für ihre humanitären Aktionen bekannt ist, von Insidern jedoch längst als wirksames Instrument der CIA entlarvt wurde. Dazu gesellt sich die Stiftung >Freedom House<, die weltweit operiert und, wie der Planungsstab von >Eurasia< , enge Kontakte zu den Nachrichtendiensten pflegte. Die großen Parteien der USA hatten ebenfalls das orangefarbene Banner gehißt. Für die Demokraten trat das >National Democratic Institute< als Sponsor auf, das unter dem Vorsitz von Madleine Albright, der ehemaligen Außenministerin Bill Clintons, tätig ist.

Als besonders engagierter Verfechter einer handfesten Ost- und illusorischen Demokratisierungspolitik tat sich der ansonsten gemäßigte und tolerante Senator Mc Cain hervor.

Tatsache ist, daß die Fäden in der amerikanischen Botschaft zusammenliefen, daß die Europäer, insbesondere auch die Diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Abstimmung mit der >Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa< an dem Regierungswechsel aktiv beteiligt waren.

Angesichts eines solch gewaltigen Aufwands und des kläglichen Resultats kann man sich einer gewissen Erheiterung nicht erwehren, die mit Schadenfreude nichts zu tun hat. Dazu ist die Angelegenheit viel zu ernst, denn hier wurde eine Form der flagranten Einmischung in fremde Angelegenheiten praktiziert, die ja nicht auf ein oder zwei Einzelfälle begrenzt ist, sondern -um zunächst nur diese Beispiele zu nennen- in der näheren Umgebung der USA, in den Zwergstaaten Mittelamerikas und der Karibik, in Nicaragua, Panama, Honduras, El Salvador, Haiti und andere mehr, zur Routine gehört.

Meine ersten Erfahrungen dort hatte ich als junger Mann im Jahr 1953 gemacht, als in Guatemala die von Amerika aufgestellten >Konterrevolutionäre< den demokratisch gewählten Präsidenten Jakobo Arbenz ins Visier nahmen, dessen soziale und progressistische Regierungslinie mit den Interessen der >United Fruit< nicht zu vereinbaren war.“

Anmerkung des Verfassers:

Beim Lesen dieser Kapitel im o.gen. Buch mußte ich mich mehrmals des Herausgabedatums dieses

Buches von PSL ((2006 !) versichern. Fast komplett deckungsgleich verlief die „neue“ Ukraine-

Revolution des Jahres 2013/14 , und kein selbständig denkender Europäer wird hinter dieser gegen-

wärtigen Krise einen anderen Verursacher ausmachen können als ihn 2006 Peter Scholl-Latour

analysierte! Denn: Wer waren die ersten Ausländer im Oktober 2013 in Kiew?

Mr. Biden, Vizepräsident der USA; Mr. Kerry, Außenminister der USA; Mr. Mc Caine, Senator der USA, 2009 Präsidentenkandidat der Republikaner und bereits im PSL-Buch von 2006 erwähnt,

danach erst die Europäer mit Mrs. Ashbott, Ostbeauftragte der EU und Mr. Westerwelle, Außenminister der BRD, der dabei auf dem Meidan in Kiew einem unbekannten Militär die Hand reichte, der einen Stahlhelm mit SS-Runen trug.

.Ein kleines Detail ist heute allerdings anders als bei der „Orangenen Revolution“ 2004:

Die finanzielle Unterstützung für die nun proeuropäische Ukraine geht in die Milliarden, während

die verhängten wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland sowohl diesem als auch den europäischen Staaten, die naturgemäß mehr wirtschaftliche Beziehungen zu Russland unterhalten als die weitabliegende USA, wirtschaftlichen und finanziellen Schaden zufügen.

Doppelter Nutzen also für die >Demokratie-Exporteure< aus Überrsee!

Und noch ein weiteres Detail erscheint mir erwähnenswert, daß nämlich zur festen Verankerung amerikanischer Vorstellungen von Demokratie in der Ukraine im Eilverfahren drei Ausländer eingebürgert und zu Ministern ernannt wurden : Die US-Amerikanerin Natali Jaresko (Finanzen) sowie der Georgier Alexander Kwitaschwili (Gesundheit) und der Litauer Aivaras Abromavicius (Wirtschaft) erhielten per Erlass die Staatsbürgerschaft der früheren Sowjetrepublik. Angesichts der Notwendigkeit radikaler Reformen und der Bekämpfung der Korruption seien „unorthodoxe Entscheidungen“ nötig, hieß es.

Das Parlament bestätigte dann ebenfalls kurzfristig unter Ministerpräsident Arseni Jazenjuk.

Da die USA aber eine zweite Pleite ihres Ukraine-Engagements nicht akzeptieren werden,

andererseits Russland die Eingliederung der Ukraine in die NATO ebenfalls nicht akzeptieren wird,

Europa aber bedingungslos der amerikanischen Expansionspolitik Folge leistet, sind meine Sorgen

um die Erhaltung des Friedens in Europa grenzenlos und berechtigt – und auch meine Angst !

Was aber war den „blumenreichen Revolutionen“ ( Rosen- Tulpen- und Orangene Revolution).in den Jahren 2004 bis 2006 in Osteuropa vorausgegangen?

Welche revolutionäre Veränderungen und welche politischen Vereinbarungen und Abmachungen gingen dieser unglaublichen Eskalation der Konfrontation ausgerechnet in Europa voraus, dem Territorium, auf dem vor erst 75 Jahren der härteste und brutalste Krieg der jüngeren Geschichte tobte und an dessem Ende europaweit „Nie wieder Krieg“ skandiert wurde?

Diese Entwicklung beschreibt PSL im Kapitel “Die NATO drängt nach Osten“ ausführlich in seinem Buch .

Ich erlaube mir hier auszugsweise nur kurze Passagen daraus

Noch heute fragen sich die politischen Analysten in Moskau, aus welchem Grunde die USA die gewaltigen Zugeständnisse, die Gorbatschow der westlichen Allianz durch seine Zustimmung, ja seine stillschweigende Förderung der deutschen Wiedervereinigung gewährte, in keiner Weise honoriert haben. Das Gegenteil war der Fall.

Die NATO hatte sich auf die zerbrechende Sowjetunion wie auf ein waidwundes Tier gestürzt,

als der letzte Generalsekretär der KpdSU seine Bereitschaft zur Kapitulation zu erkennen gab.

Die sowjetische, dann die russische Führung wurde systematisch über den Tisch gezogen.

Sämtliche Zusagen wurden widerrufen. Wie eine Art >Juggernaut< - der Vergleich stammt von einem britischen Diplomaten, der lange in Indien gedient hatte - bewegte sich der erdrückende militärische Apparat der NATO gen Osten.

Dabei hatte der damalige US-Außenminister James Baker, ein enger Vertrauter der Familie Bush, 1991 Michael Gorbatschow gegenüber versichert: > Wir sind der Meinung, daß die Konsultationen und Diskussionen im Rahmen des Mechanismus Zwei plus Vier die Garantie dafür geben sollen,

daß die Vereinigung Deutschland nicht zur Erweiterung der militärischen Organisation des Atlantik-Paktes gen Osten führen soll <.

Im Frühjahr 1990, so erinnert sich der russische Historiker Boris Primakow, habe Gorbatschow:

sich noch der Illusion hingegeben, man könne die sowjetische Zustimmung zum Abzug einer

halben Million Soldaten mit dem Ausscheiden der Bundesrepublik West aus der Nato verknüpfen.

Von Helmut Kohl, der es mit seiner Absicht, Rußland zu schonen, im Gegensatz zu James Baker ernst meinte, ist in Moskau folgende Aussage vom 10. Februar 1990 im Dialog mit Gorbatschow

festgehalten: > Wir sind der Meinung, die NATO solle die Sphäre ihrer Aktivitäten nicht erweitern. Hier muß man eine vernünftige Lösung finden. Ich verstehe die Sicherheitsinteressen der sowjetischen Führung und ich bin mir dessen bewußt, daß Sie, Herr Generalsekretär, und die sowjetische Führung das Geschehen der Bevölkerung der UdSSR verständlich machen müssen <.

Francois Mitterand, der vergeblich versucht hatte, den nationalen Zusammenschluß zwischen Rhein und Oder zu verhindern, äußerte sich am 6.Mai 1991 mit folgender Warnung :

> Die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Paktes werden danach streben, ihre Sicherheit durch separate Vertragsabschlüsse zu gewährleisten. Mit wem ? Offenkundig mit der NATO.

Aber eine solche Perspektive wird das Gefühl der Isolierung und sogar der Umzingelung bei der

UdSSR hervorrufen. Ich bin davon überzeugt, daß ein solcher Weg nicht der richtige für Europa ist.<.

Schon Valentin Falin hatte mir gegenüber in anklagendem Ton bedauert, daß Gorbatschow auf westliche Kompensation verzichtet habe – außer einer lächerlichen Summe von 14 Milliarden US-Dollar -, daß er den Verzicht der Atlantischen Allianz , nach Osten zu expandieren, der ihm von amerikanischer Seite expressis verbis zugesagt war, in keine vertraglichen Form gekleidet, sondern sich mit verbalen Versprechen begnügt habe, die für die Nachfolgeadministration in Washington keinerlei zwingende Verpflichtung enthielten.

Der Vorwurf, leichtfertige Preisgabe, ja unbewußten Landesverrat betrieben zu haben, ist seitdem an der Moskwa nie verstummt.

Eins ist sicher : Die von Gorbatschow ohne Gegenleistung akzeptierte Wiedervereinigung Deutschlands löste einen Erdrutsch aus, dessen globale Auswirkungen sich auch heute noch nicht

ermessen lassen.“

Abschließend nur noch ein oder zwei verkürzte Abschnitte aus dem Buch „Der Weg in den neuen kalten Krieg“ sowie die Rezension dieses Buches auf dem Einband :

Im Kapitel „Provokation am Kaukasus“ schreibt PLS am 25. August 2008 unter Anderem:

Man stelle sich vor, die Kaukasusrepublik Georgien sei am 9. August 2008 bereits vollgültiges Mitglied der NATO gewesen. Auf grund der Unklarheit, die über dem Ausbruch der Kämpfe zwischen Russen und Georgiern anfangs bestand, und des rasanten Vorrückens russischer Panzertruppen weit über Süd-Ossietien hinaus in die Stadt Gori, zum strategischen Hafen Poti am Schwarzen Meer sowie in die Reichweite der Hauptstadt Tiflis, hätte Präsident Michael Saakaschwili sich auf den Artikel V des Vertrages der Atlantischen Allianz berufen und den militärischen Beistand seiner Verbündeten anfordern können.

Was niemand mehr für möglich hielt : Ost und West hätten unmittelbar am Rand nicht nur des Wiederauflebens des >Kalten Krieges< gestanden, wie wir es heute erleben, sondern NATO und Russland wären -der Bündnislogik folgend- auf eine „heiße“ kriegerische Konfrontation zugesteuert.

Wer jetzt noch ernsthaft dafür plädiert, den >Drang nach Osten< , der von Amerika geführt und von seinen europäischen Vasallen gefördert wird, weiter fortzusetzen, und wie Bundeskanzlerin Merkel sowohl den Georgiern als auch den Ukrainern weiterhin Hoffnung auf Beitritt zur Allianz macht, ist sich der ungeheuerlichen Gefahr wohl nicht bewußt, die er damit heraufbeschwört.

Inzwischen ist eine gezielte Propagandakampagne gegen Rußland in Gang gekommen.

Im Kreml kann man sich heute gut ausmalen, was der NATO noch zusätzlich eingefallen wäre, wenn Moskau die gewaltsame Rückeroberung Süd-Ossietien durch Tiflis reaktionlos hingenommen hätte. Die Atlantische Allianz hätte die Integration der Ukraine, deren Hauptstadt Kiew als >Mutter der russischen Städte< bezeichnet wird, ebenfalls eingeleitet.

Mit allen Mitteln hätte die CIA einen Umsturz in Weißrussland herbeizuführen gesucht und auch auf Aserbeidschan ausgegriffen. Sogar der NATO-Beitritt Kasachstans wäre vermutlich nur eine Frage der Zeit und der Opportunität gewesen, hatten amerikanische Agenten doch bereits im fernen Kirgisien versucht, ein ihnen ergebenes Regime herbeizuputschen.“

Nachfolgend noch die wörtliche Wiedergabe der Rezension auf dem Umschlag obigen Buches :

Nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion trat der Westen als Sieger der Geschichte auf. NATO-Osterweiterung, Balkankriege, Afghanistan-Einmarsch oder

Irak-Feldzug- sie alle wurden ohne Rücksicht auf Rußland oder andere nicht-westliche Mächte in Scene gesetzt. Peter Scholl-Latour hat diese Muskelspiele von Anfang an mit Skepsis beobachtet.

Eindringlich beschreibt er den Weg in einen neuen , diesmal „multipolaren“ Kalten Krieg zwischen

Washington und seinen europäischen Partnern auf der einen Seite, Moskau, Peking und der islamischen Welt auf der anderen.

Diese Auseinandersetzung kann der Westen nur verlieren.

Frühzeitig hat Deutschlands erfahrenster Kommentator des Weltgeschehens vor der Isolation Russlands, der Explosivität des Nahen und Mittleren Ostens, der Herausforderung durch China und der Überdehnung der westlichen Kräfte gewarnt.

Auch die aktuellen Konflikte im Kaukasus, in Pakistan, im Iran oder im Osten Afrikas hat er seit langem vorausgesehen.

Wie immer zeichnen sich Peter Scholl-Latours Analysen durch profunde Kenntnis der geschilderten Länder und Kulturen sowie durch geradezu prophetische Urteilskraft aus.

Zusammenhänge, die die Medien übersehen oder unterschlagen – hier werden sie deutlich.

Dramatische Veränderungen des globalen Machtgefüges – hier werden sie erklärt

Mit unbestechlichem Blick kommentiert Scholl-Latour die angeschlagene Weltmachtrolle Amerikas und die schwere Hypothek, mit der der neue US-Präsident (Barak Obama;d.V.) sein Amt antritt.

Für den Provinzialismus der Europäer inmitten einer Welt, die sich immer rascher von den vertrauten Szenarien des 20. Jahrhunderts entfernt, findet er besonders kritische Worte.

Jede Zeile des Buches spiegelt auf einzigartige Weise die sechzigjährige Erfahrung des Autors als

Chronist der Weltpolitik“.

Dies alles analysierte und schrieb PSL in den Jahren 2006 bis 2008!! Und heute ?

Sieben Jahre sind vergangen und ich weiß beim besten Willen nicht, welche ehemaligen Teilrepubliken der ehemalige Sowjetunion, die PSL hier aufführte, heute zu wem gehören oder hörig sind.

Mindestens was die Ukraine betrifft, sind seine düsteren Voraussagen voll eingetroffen, was ganz offensichtlich die Kontinuität und Unbelehrbarkeit des von Amerika initiierten, inszenierten und praktizierten „Drang nach Osten“ demonstriert, dem die Europäer noch immer widerspruchslos folgen!

Insbesondere den europäischen Regierungen, die es eigentlich besser wissen könnten oder müßten, hier noch ein letzter Kurzabschnitt aus seinem Buch in ihr Stammbuch geschrieben :

Unser Fahrer und Beschützer (auf einer Reise in den „Donbass“ im Mai 2006) hatte sich meist in Schweigen gehüllt. Doch unerwartet bricht es aus Wladimir heraus :

>Wie weit wollen die Amerikaner denn noch mit ihrem NATO-Bündnis nach Osten vordringen, und welche Feindschaft gegen Russland tragen sie hier aus ? Ihr Deutschen habt in diesem Raum doch ausreichend bittere Erfahrungen gesammelt. Warum macht Berlin diese unsinnige Politik mit?

Die Deutschen sollten es doch besser wissen. Habt Ihr denn ganz vergessen, daß 300 km von dem Punkt entfernt an dem wir jetzt stehen, eine Stadt an der Wolga liegt, die einst den Namen

Stalingrad“ trug?<

19:07 25.02.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ernstjuxmann

ich bin ein 84-jähtiger "Ostrentner" mit viel Interesse an Politik und Gesellschaft. Ich bin bzw. war Ingenieur-Chemiker.
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