Meine und andere Gedanken zur Ukraine-Krise 2

Amerikas Spiel (2) Amerika verfolgt zweifellos die außenpolitischen Zielstellungen aus Brzezinskis Buch "The Grand Chessbord" im eurasischen Raum
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Stalingrad, heute Wolgograd, ein Name,den wirklich jeder Deutsche kennen sollte!

In dieser Stadt wurden im Februar 1943, nach 4-monatigen auf beiden Seiten verlustreichen Kämpfen, die Großmachtillusionen Nazideutschlands zu Grabe getragen und für (fast) immer beerdigt.

Zu DDR-Zeiten kursierte dann die Floskel : „Es gibt in der europäischen Geschichte nur zwei Idioten, die keine Ahnung von einem russischen Winter hatten: Napoleon und Hitler.“

Mir bleibt heute nur die Hoffnung, daß es bei diesen Beiden bleibt.

Doch diese meine Hoffnung steht nur auf dünnem Eis:

Inzwischen, seit November 2013 und mehr noch seit Februar 2014, ist der Krieg in der Ukraine Dauerthema in den Nachrichten.

Für die meisten besteht kein Zweifel daran, daß Wladimir Putins Russland diesen Konflikt schürt.

Doch der bekannte Analyst geostrategischer Entwicklung, F.William Engdahl,zeigt in seiner

Chronik (Krieg in der Ukraine), wer den Krieg in der Ukraine in Wirklichkeit anheizt :

Es sind die Vereinigten Staaten und ihre Geheimdienste.

Messerscharf analysiert Engdahl Amerikas verborgene Strategie und belegt seine Auswertungen mit eindringlichem Quellenmaterial.“ (Rezension auf der Einbandrückseite dieses Buches).

Engdahl erreicht in meinen Augen mit Sicherheit nicht die universale Komplkexität Scholl-Latourscher geostrategischer Übersicht und Kenntnisse. Dafür aber beleuchtet er die bisher lokal orientierten Krisensituationen detaillierter.

So auch die gegenwärtige Ukraine – Krise.

Ich stütze mich in meinen folgenden Ausführungen hauptsächlich auf o.gen. Buch.

Am 25. September 2013 kündigte der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch auf der UN-Generalversammlung in New York den Beitritt seines Landes zu einem besonderen Freihandels- und Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine an.

Das stand natürlich im krassen Gegensatz zu den Vorstellungen Russlands von einer im Aufbau befindlichen Zollunion zwischen Russland, Kasachstan, Weißrussland, Armenien und der Ukraine.

Der russische Ministerpräsident Medwedew warnte denn auch entsprechend:

Unseren ukrainischen Partner wird so die Mitgliedschaft in der Zollunion verschlossen sein.

Die bisher bestehende besondere Handelspartnerschaft mit der Ukraine wird enden. Wir werden Freunde bleiben, unsere Exporte aufrechterhalten, aber die Ukraien wird keine Sonderrechte erhalten, vielleicht sogar Beschränkungen unterliegen.“

In den folgenden ca. 4 Wochen war die Ukraine Mittel- und Zielpunkt sowohl von Drohungen als auch Lockungen und Versprechungen von beiden Seiten: sowohl Russland einerseits als auch USA und EU andererseits.

Am 24. November 2013 erklärte dann Viktor Janukowytsch beim EU-Gipfeltreffen in Wilnius, die Ukraine werde entgegen früheren Absichten kein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnen, wodurch das Land näher an die Europäische Union herangeführt worden wäre.

Stattdessen setze die Ukraine auf eine Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen mit Russland.

Diese Kehtwendung des Ukrainischen Präsidenten und die schon am nächsten Tage beginnenden Demonstrationen und Unruhen gegen diesen Entschluss sind der Beginn der „Ukraine-Krise“

und nicht, wie wir es wahrscheinlich in unseren Geschichtsbüchern in 15 Jahren lesen werden,

die „widerrechtliche Annektion der Krim durch Putins Russland“.

Dabei sollten man aber nicht vergessen, daß Janukowytsch im Jahr 2010 als Präsident der Ukraine gewählt wurde, nach dem der im Rahmen des von PSL im ersten Teil des Beitrags kurz beschriebenen Umsturzes 2004 zur Macht gekommene Viktor Juschenko sich soweit in Korruption und Machtmißbrauch und einem persönlichen Zweikampf mit seiner Konkurrentin Julio Timoschenko verstrickte, daß er in einer vorgezogenen Wahl 2010 Janukowytsch Platz machen musste.

Dass dieser nun seinerseits mit Hilfe von Korruptions- und Machtmißbrauchsvorwürfen konfrontiert wurde, lag wohl in erster Linie an seinen Pendeln zwischen Ost und West und seiner letzen Endes vollzogenen Hinwendung zu Russland und in zweiter Linie daran, dass er fulminanten US-amerikanischen Interessen im eurasischen Raum einen Stolperstein in den Weg legte.

Nicht völlig grundlos wählte ich als Unter-Überschrift für meinen Beitrag „Amerikas Spiel“ ,

in Anlehnung an eine immer deutlicher werdende „Abarbeitung“ der Vorstellungen und Prinzipien, die Zbigniew Brzezinski, ein 1928 in Polen gebürtiger Amerikaner, der seit Jimmy Carters Zeiten einigen oder fast allen amerikanischer Präsident beratend zur Seite stand und seit einigen Jahren auch Barak Obama berät, bereits 1997 in seinem Buch „The grand Chessboard“ entwickelte.

Schon PSL bezog sich in seinen beiden Büchern „Russland im Zangengriff“ (2006) und „Der Weg in einen neuen kalten Krieg“ (2008) auf Brzezinski`s Buch „The grand Chessboard“, das offensichtlich für amerikanische Poliitiker und Regierungsmitglieder nicht nur ein Buch schlechthin ist, sondern eine „Anleitung zum Handeln“ darstellt, insbesondere zum Handeln der Vereinigten Staaten von Amerika im eurasischen Raum.

Die deutsche Ausgabe dieses Buches ist übrigens keine wörtliche Übersetzung („Das große Schachbrett“), sondern trägt bezeichnenderweise den Titel „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“, was ganz offensichtlich dem Inhalt des Buches eher entspricht.

Dieser Titel bezeichnet den ersten Grundsatz, nämlich den erklärten Willen, die »einzige« und – wie Brzezinski es nennt – sogar »letzte« Weltmacht zu sein.

Noch entscheidender für meine Ausführungen ist jedoch die zweite Prämisse. Derzufolge ist Eurasien »das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird«.

Diesem zweiten Grundsatz liegt die Einschätzung zugrunde, daß eine Macht, die in Eurasien die Vorherrschaft gewinnt, damit auch die Vorherrschaft über die gesamte übrige Welt gewonnen hätte. »Dieses riesige, merkwürdig geformte eurasische Schachbrett – das sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt – ist der Schauplatz des global play« , wobei »eine Dominanz auf dem gesamten eurasischen Kontinent noch heute die Voraussetzung für globale Vormachtstellung ist«. Und zwar einfach deshalb, weil Eurasien der mit Abstand größte Kontinent ist, auf dem 75 Prozent der Weltbevölkerung leben und der drei Viertel der weltweit bekannten Energievorkommen beherbergt.
Brzezinski kommt zu dem Schluß, daß das erste Ziel amerikanischer Außenpolitik darin bestehen muß, »daß kein Staat oder keine Gruppe von Staaten die Fähigkeit erlangt, die Vereinigten Staaten aus Eurasien zu vertreiben oder auch nur deren Schiedsrichterrolle entscheidend zu beeinträchtigen.« Es gelte, »die Gefahr eines plötzlichen Aufstiegs einer neuen Macht erfolgreich hinauszuschieben.< Die USA verfolgen das Ziel, »die beherrschende Stellung Amerikas für noch mindestens eine Generation und vorzugsweise länger zu bewahren«. Sie müssen »das Emporkommen eines Rivalen um die Macht vereiteln «.

Da die „Familie Brzezinski“ in Vorbereitung der amerikanischen Präsidentenwahlen 2009

in Obamas Beraterstab tätig war, Obama seitdem Präsident der USA ist und auch die „Falken“ in seinem Kabinett eine große Affinität zu Brzezinskis Weltmacht-Vorstellungen haben, muß man tatsächlich davon ausgehen,daß auch ein amerikanischer „Friedensnobelpreisträger“ , so sehr er sich seinem Preis auch verpflichtet fühlen möge, an einer robusten und evtl. gewalttätigen Umsetzung der „Brzezinski-Doktrin“

nicht herumkommt!

Aus russischer Sicht ist die langfristige Strategie amerikanischer Außenpolitik gerade unter geopolitischen Gesichtspunkten eindeutig:

Wie von Brzezinski vorgeschlagen, streben die USA an, ihren Einfluß auf dem asiatischen Kontinent immer weiter auszudehnen. Dabei dient ihnen Europa als Sprungbrett auf dem eurasischen Kontinent. Da jede Osterweiterung der Europäischen Union unter den gegebenen Umständen zugleich auch den amerikanischen Einfluß ausdehnt, sollen durch eine Kombination aus EU- Osterweiterung und Expansion der NATO viele der ehemaligen Sowjetrepubliken – wie zum Beispiel Georgien, Aserbaidschan, Ukraine und Usbekistan – in die westliche Einflußzone integriert werden.

nicht herumkommt. Gute Nacht dann Abendland !

Maßgeblich für diese Integration ist allerdings,, daß sich ein Land für ausländisches Kapital öffnet und an das westliche Rechtsverständnis anpaßt. Geschieht dies, dann ist es westlichen Konzernen möglich, sich die Rohstoffvorkommen zu sichern und über die Medien Einfluß auf die Öffentlichkeit eines Landes zu gewinnen.

Seit Brzezinski diese Ziele formulierte, haben die USA jedoch einen starken Verlust geopolitischer Macht erfahren. In seinem jüngsten Buch »Second Chance« gibt Brzezinski offen zu, daß der Plan einer direkten militärischen Besetzung einiger Länder des Nahen Ostens, wie sie den Neokonservativen vorschwebte, gescheitert ist. Doch diese Niederlage ist für Brzezinski nicht so massiv, daß er die 1997 formulierten Pläne einer US-Vorherrschaft in Eurasien grundsätzlich aufgeben möchte. Das Scheitern der direkten militärischen Machtausdehnung im Süden Eurasiens bedeutet für ihn lediglich, daß nun die von Europa ausgehende Osterweiterung der NATO an Priorität gewinnt. Dies bedeutet jedoch einen massiven Vorstoß in die russische Einflußsphäre. Damit würde nach dem Iran nun Rußland ins Fadenkreuz der US-Geopolitik geraten.


Muss man nun, in Kenntnis der „Brzezinski-Doktrin“ und der Tatsache, dass sie seit über 15 Jahren von den USA realisiert wird oder zumindest eine Realisierung und Umsetzung intensiv angestrebt wird, noch Fragen zu den bisher unaufgeklärten Vorkommnissen zur Ukraine-Krise stellen?

Zum Beispiel Fragen wie :

  • Wer gab am 13.oder 14 Februar 2013 die tötlichen Schüsse am Maidan ab, an deren Opfer in diesem Jahr auch von unserem Bundespräsidenten in Kiew gedacht wurde?

  • Werr brachte die Leute „in Front“, die nun auch die Eu-freundliche und USA-hörige Regierung stellt ?

  • Wer empfahl der „neuen“ ukrainischen Regierung die Aufnahme von drei Ausländern ins Kabinett, die innerhalb von wenigen Tagen formlos die ukrainische Staatsbürgerschaft erhielten und Minister wurden?

  • Wer schoss wirklich die Malayische Maschine des Flugs „MH17“ ab, deren Absturz als Begründung für die immer ausgedehnteren „Sanktionen“ dient ?

  • Wer schickte seine so wenig vorbereiteten Soldaten „zur Verteidigung jeden Meters ukrainischen Bodens“ in die Ostukraine, statt vielleicht lieber mit der russisch-ethnischen Minderheit (oder ist es dort evtl. eine Mehrheit?) zu verhandeln, deren Muttersprache man kurz vorher als Amtssprache verboten hatte ?

  • Wieviel NGO-Kämpfer (Nicht Regierungs Organisationen) kämpfen wirklich inzwischen in der Ost-Ukraine (auf beiden Seiten), die sich den Befehlen zu Waffenstillstand häufig

  • und gern widersetzten ?

  • In welchen Staaten des ehemaligen Ostblocks sind inzwischen amerikanische bzw. NATO-Raketenabwehr-Stellungen errichtet worden, um Amerika vor iranischen

  • Langstreckenraketen zu schützen ?

  • Was hatten die amerikanischen Politiker und Regierungsvertreter und ihre EU-Mitkämpfer im November 2013 und wiederholt in den folgenden Monaten bei der fragwürdigen Ukraineregierung gewollt und beabsichtigt ? Um nur einige zu nennen:,

  • (Mrs. Victoria Nuland- inzwischen als „fuk the eu-Nuland“ bekannt- EU-Beauftragte im US-Aussenministeriun, vormals US-Botschafterin bei der NATO; Mr. Kerry, US Aussenminister; Mr. Biden, US-Vizepräsident, Vater von Hunter Biden, welcher-oh wunder- seit April 2014 Vorstandsmitglied in der „Burisma Holdings“, eines der oder überhaupt der größte ukrainische Erdgasproduzent ist. Dort ist er „Leiter der Rechtsabteilung mit Zuständigkeit für internationale Beziehungen“; Mr. MC Cain,letzter Präsidentschaftskandidat der Konservativen in USA, schon im Teil 1 von PSL aus dem Jahr 2004 erwähnt, ein Scharfmacher besonderer Güte: Mrs Ashton, Ostbeauftragte der EU; Auch Mr. Westerwelle u.A.

  • Und noch eine letzte oder neue Frage: Wer erschoß gestern Abend in Moskau Boris Nemzow ??? In wessen Plan passt dieses Ereignis?

Und auf der anderen Seite, auf der russischen? Welche Dinge sind dort „volkerrechtswidrig“

inszensiert und in Gang gestzt worden?

Darüber muss ich nichts schreiben. Das wäre „Eulen nach Athen getragen“, denn darüber haben unsere Medien mehr als umfassend berichtet. Ich kann nur hoffen, dass meine Zeilen hier vielleicht dazu beitragen, die mediale Berichterstattung über die Ukraine-Krise besser auf

ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können.

Dabei mache ich mir zunehmend Gedanken, wie eigentlich die Ausbildung der jungen Leute verläuft, die als berufliches Ziel eine Arbeitstelle als politischer Journalist, Moderator oder einfach nur Nachrichtensprecher im Auge haben ? Was bekommen sie gelehrt, Wer erklärt ihnen die Vorgänge in der Weltpolitik, im Wirtschaftssystem und den gesellschaftlichen Institutionen, welche Bücher müssen sie lesen? Offenbar gehört „The grand Chessboard“

nicht zur Pflichtlektüre junger Journalistik-Studenten, sonst würde ihnen später beim Vortragen oder Beschreiben der politischen und geopolitischen Vorgänge in der Welt, hier also speziell der Ukraine-Krise, wohl selbst zeitweise übel werden!

Ein „journalistisches Gewissen“ ist wohl gerade eine Worterfindung von mir und spielt wohl n den „Ethnischen Grundlagen der Journalistik“ keine prägende Rolle für Journalisten.

Oder ist es hier mit den Medien ähnlich wie ich es aus DDR-Zeiten kenne ?

Hier schreibe ich, ich kann nicht anders, …...

19:00 02.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ernstjuxmann

ich bin ein 84-jähtiger "Ostrentner" mit viel Interesse an Politik und Gesellschaft. Ich bin bzw. war Ingenieur-Chemiker.
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