Eselsmöhre

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RE: ALG II auf Null absenken: Logistik und Gesundheitskosten | 06.12.2009 | 19:02

Guten Tag, Twister,

Ihrer Nutzmenschen-Satire hätte ich mehr Resonanz gewünscht - mir hat sie gefallen und ich habe mich recht gegraust.

Zusätzlich wünsche ich mir, daß alle Szenarien, die Sie entworfen haben, für immer totalitäre Phantasiegebilde bleiben mögen.

Mit freundlichen Grüßen
Eselsmöhre

RE: Die Klimazocker | 04.12.2009 | 23:19

Guten Abend, Zacryptocerus,

danke für Ihren Hinweis auf den Jungle-World-Artikel.

Ist es Ihrer Meinung nach erforderlich, den Kapitalismus abzuschaffen, um klimapolitische Fortschritte zu machen, oder habe ich Ihnen da jetzt etwas in den Mund gelegt?

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang denn die Einlassungen der Entwicklungsländer, die ihr Recht auf Entwicklung durch restriktive Klimabeschlüsse gefährdet sehen?
Dazu ein Artikel aus Le Monde diplomatique:
www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/die-reichen-zuerst/

Obwohl saftiger Kapitalismuskritik herzlich zugetan, frage ich mich mehr und mehr, ob hier die Grenze nicht eher zwischen Wachstumsbefürwortern und Wachstumsskeptikern verläuft.

Freundliche Grüße
Eselsmöhre

RE: Weg in die Katastrophe | 04.12.2009 | 22:54

Ich korrigiere mich: Erscheinungsdatum war der 29.November.

Eselsmöhre

RE: Weg in die Katastrophe | 04.12.2009 | 22:52

Hier ein Link zu einem Artikel J. Hansens, der am 27.11. im Guardian erschien.

www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/nov/29/copenhagen-summit-climate-change

Dort ist die Idee der CO2-Steuer ein wenig ausführlicher erläutert, die er anstelle des üblichen Emissionshandels, den er für untauglich hält, vorschlägt.

Für Eilige versuche ich eine kurze Zusammenfassung, natürlich ohne Gewähr:-)

Aus wissenschaftlicher Sicht fordert eine Aufgabe der Nutzung fossiler Brennstoffe innerhalb der nächsten zwanzig Jahre; zusätzlich Verbesserungen in Land- und Forstwirtschaft. Das scheint ihm nur mithilfe einer progressiv wachsenden Abgabe auf fossile Brennstoffe möglich zu sein, die derzeit aufgrund ihres niedrigen Preises, der die durch sie verursachten Folgen nicht berücksichtige, so billig seien. Diese Abgabe soll der Gesellschaft zugute kommen und der Rückfluß soll für mehr als 60 % der Verbraucher die erhöhten Energiekosten wettmachen.

Über die politische Umsetzbarkeit solcher Ideen mache ich mir keinerlei Illusionen, auch über die ökonomischen Folgen einer solchen Lösung bin ich mir nicht ganz im klaren, bedaure trotzdem das Fehlen einer breiten öffentlichen Diskussion solcher Ideen.

Eselsmöhre

RE: Zügellos, unersättlich, gierig | 30.11.2009 | 20:53

Guten Tag, Lethe,

es war mir ein Vergnügen, Ihren Kommentar zu lesen. Sehr amüsant.

Mit freundlichen Grüßen
Eselsmöhre

RE: Zügellos, unersättlich, gierig | 30.11.2009 | 20:51

Guten Tag, ed2murrow,

danke für Ihren Kommentar und den Hinweis auf die praktische Merkliste - die hatte ich noch gar nicht entdeckt!

Kurz zur Metaebene - sorry, daß ich in Rätseln gesprochen habe. Damit ist in bestimmten Kreisen:-), z. B. Pädagogen, Psychologen, Kommunikationsfachleute, Therapeuten u. ä., gemeint, daß jetzt nicht der Inhalt - was wird besprochen? -, sondern die Art der Kommunikation - wie wird etwas besprochen? -, betrachtet wird. Dieses Mittel wird gern dann eingesetzt, um (vermutete) Kommunikationsstörungen zu klären.

Sie haben mir die Einsicht ermöglicht, daß diese Verfahren nicht allgemein gebräuchliches Kommunikationswerkzeug sind, wie ich fälschlich - deformation professionelle - annahm.

Ich muß Sie bitten, auf ausführlichere Ausführungen wenigstens bis Donnerstag zu verzichten - ich bin sehr unter Arbeitsdruck, wollte aber schon einmal eine Rückmeldung geben.

Mit freundlichen Grüßen
Eselsmöhre

RE: Die Klimazocker | 29.11.2009 | 14:15

Guten Tag, Herr Göller,

Sie finden mich einigermaßen fassungslos ob der Tatsache, daß Sie meine Beiträge nicht als sachlich erkennen konnten.

Zum jetzigen Moment: sei's drum.

[...Ihre Aussage, dass menschlicher Einfluss wohl kaum keinen Einfluss auf die Erdentwicklung haben könne...]

Fürs Protokoll: so allgemein habe ich mich nicht ausgedrückt. Ich zitiere mich selbst: "...daß das Ausmaß an Raubbau an der Natur und die exorbitante Zunahme der Weltbevölkerung keinen Einfluß auf unsere Umwelt haben...". Darin stecken zwei dezidierte Wertungen, nicht? "Raubbau" und "exorbitante Zunahme".

[...Sie wollen sich aber einfach nicht auf den Kern einlassen: Haben diese Treibhausgasler recht, uns derart herzunehmen, wie sie es versuchen, oder haben sie dieses nicht?...]

Sie haben völlig Recht, Herr Göller. Zu dieser Frage werde ich mich nicht abschließend äußern. Ich betrachte sie allerdings auch nicht als Kern der Sache.

Als interessierte und einigermaßen informierte Laiin maße ich mir nicht an zu glauben, über genügend Informationen zu verfügen, die mir ein endgültiges Urteil ermöglichen. Ich plädiere äußerst dringend für intellektuelle Bescheidenheit statt forscher Meinungsfreudigkeit, die möglicherweise im nachhinein von intellektueller Beschränktheit zeugt.

Kernthema und Motivation ist für mich, in einer Peer-Situation Meinungen auszutauschen und dadurch ein umfassenderes Verständnis für einige Probleme zu gewinnen.

In unserer Diskussion ist mir das gelungen, Ihnen sei herzlich gedankt.

Mit freundlichen Grüßen
Eselsmöhre

RE: Die Klimazocker | 28.11.2009 | 22:46

Guten Tag, Herr Göller,

eine Menge neuer Aspekte... CO2 als limitierender Faktor, Schnee jenseits der Polarkreise, der den Anstieg der Meeresspiegel verhindert - ich hoffe, ich habe das alles richtig verstanden.

First of all möchte ich klarstellen, daß meine Beiträge nicht den Zweck verfolgen, Sie oder irgendjemand zu - wie sagten Sie? - kitzeln.

Persönlich meine ich, daß ein konfrontativer Diskussionsstil im Web noch ungeeigneter ist als in traditionellen Gesprächssituationen, zumindest, wenn komplexe Themen exploriert werden sollen. So oft reibt man sich an diesen neuen Medien wund...

Zurück zu den Pflanzen:
Ich will gar nicht bestreiten, daß höhere Temperaturen ein üppigeres Wachstum ermöglichen.

Die Betrachtung scheint mir etwas allgemein: schon geringe Klimaschwankungen reichen aus, um das ökologische Gleichgewicht empfindlich zu stören. Wir können erste Anzeichen bei uns längst beobachten: Zugvögel, die seit einigen Jahren hier überwintern, Einwandern von Tier- und Pflanzenarten, die bisher nur im Mittelmeerraum vorkamen, hingegen Probleme bei Lebewesen, die in alpinen Regionen heimisch sind. Die Schwächung von Schmetterlingspopulationen (Distelfalter?), deren Nahrungspflanzen seit einiger Zeit ihre Blütezeit verschoben haben und die deshalb nach einer anstrengenden Wanderung (ver-)hungern müssen, ist ein weiteres trauriges Beispiel.

Conclusio: die Lage ist kompliziert. Zu kompliziert, um ihr mithilfe einfacher Ursache-Wirkungs-Betrachtungen zu begegnen.

Zu den langfristigen Klimaschwankungen:
Die These wird gerne benutzt, um die jetzige Entwicklung als quasi natürlich und damit nicht anthropogen zu erklären. Soweit ich weiß, sinkt die Zahl der Verfechter aber ziemlich rasch.

Ich neige zu der Einstellung, daß die Veränderung sehr wohl menschlichem Einfluß geschuldet ist - nicht nur, weil es in der Zeitung steht, sondern weil es schlicht außerhalb meiner Vorstellung liegt, daß das Ausmaß an Raubbau an der Natur und die exorbitante Zunahme der Weltbevölkerung keinen Einfluß auf unsere Umwelt haben kann. Ich fröne meinem Sinn für Pathos: Gäa ächzt.

Die Veränderungen sind derart dramatisch, daß die Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts von manchen auch als "Anthropozän" bezeichnet wird, um deutlich zu machen, daß sich der Mensch endgültig von der Natur emanzipiert hat.

Danke trotzdem für die Dosis Optimismus - allein, mir fehlt der Glaube.

EOT?

Freundliche Grüße
Eselsmöhre

RE: Die Klimazocker | 28.11.2009 | 17:57

Schön, daß es mit dem Schmunzeln geklappt hat!

Ich würde mich über Hinweise freuen, die einen Weg aus dem Dilemma bieten - Optimismus in therapeutischer Dosis, bitte.

Was den Pflanzennährstoff angeht - in Anbetracht des nahenden Nikolausfestes übernehme ich jetzt den Ruprecht-Part und versuche, Ihnen doch ein bißchen Angst zu machen:

1. Frei nach Paracelsus: auf die Dosis kommt es an. Viel CO2 braucht viele Pflanzen, die es speichern; am besten solche, die recht alt werden, z. B. Bäume. Ein Blick in die Wirklichkeit zeigt, daß es eher weniger als mehr Pflanzen gibt - Sie erwähnten die massiven Rodungen der Regenwälder. Hierzulande gilt Grün im Zweifelsfall wohl auch als disponibel - so sind gerade erst dieses Jahr einschlägige Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes wirtschaftsfreundlich gelockert worden. (www.landnutzungsstrategie.de/.../09-07_Stellungnahme_Novelle_BNatSchG _Michler.pdf)

2. Die Fleischerzeugung - Aufzucht der Tiere und Bereitstellung des nötigen Futters - ist klimarelevant. Zwar geht es in der Rinderhaltung um CO2-Äquivalente, aber das kann man vielleicht großzügig übersehen.

Verständlich dargestellt wird das Problem von Jens Holm, einem ehemaligen schwedischen EU-Abgeordneten mit einem Ko-Autor in
www.jensholm.se/wp-content/uploads/2008/03/meat_climate_report.pdf

Aber andererseits gilt das gesunderhaltende Kölner Motto "Et hät no emmer jot jejange" (Letztlich hat noch immer alles funktioniert).

In diesem Sinne
Eselsmöhre

RE: Die Klimazocker | 28.11.2009 | 16:49

Guten Tag, Herr Göller,

danke für Ihre ausführlichen Antworten!

Ein paar Bemerkungen:

... "CO2-Mache" als schädliche Aktivitäten...

Sie befürchten, daß die jetzigen Aktivitäten letztlich benutzt werden, um wirkliche Probleme - Sie haben einige genannt - aus dem Blick zu halten.

Natürlich weiß ich es nicht genau, neige aber nicht dazu, Ihren Vermutungen zu widersprechen.

Was mir in dem Zusammenhang immer wieder auffällt, ist das Credo, daß Ökonomie und Ökologie versöhnt werden müssen und keine Gegenpole bilden dürfen. So verständlich mir ist, warum das gesagt wird - es gibt Tatsachen, an denen man nur schwer vorbeikommt, nicht wahr? - so wenig kann ich an die Möglichkeit einer solchen Versöhnung glauben.

Ein paar Beispiele aus dem Handgelenk:
Windparks zu Wasser und zu Lande verschandeln die Landschaft und werden irgendwann zu nutzlosen Ruinen - die Auswirkungen auf das Ökosystem sind nicht langfristig untersucht, die Projekte aber sind längst realisiert.
Bei Desertec - ein wahres Hybris-Projekt, nicht wahr? - steht zu befürchten, daß die Lebensgrundlagen der dort lebenden Nomaden stark beeinträchtigt werden.

Aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, daß Verhandlungen über Klimaschutz in Wirklichkeit nichts als hochkomplizierte Eiertänze mit dem Ziel sind, den Interessen der eigenen Wirtschaft möglichst gut zu dienen. Altruistische Motive oder etwas wie globale Solidarität wird es dort vermutlich nicht geben.

Vielleicht irre ich mich ja - es würde mich sogar freuen...

Freundliche Grüße
Eselsmöhre