Studienfinanzierung: Probleme und Optionen

Kritisch: Die Studienfinanzierung ist keine einfache Angelegenheit; vermehrt scheitern junge und lernwillige Menschen an hohen finanziellen Belastungen.
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Mit Abschluss des Abiturs haben viele Menschen eine der größten Hürden in ihrem jungen Leben genommen und freuen sich darauf, entweder ins Berufsleben einzusteigen oder aber die Hochschule zu besuchen. In der Regel ist damit auch der Auszug aus dem elterlichen Haushalt verbunden; der Einzug in die erste eigene Wohnung steht bevor. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um ein eigenes kleines Reich handelt oder aber um eine Wohngemeinschaft: Miete muss bezahlt werden. Doch nicht nur wegen ihr fallen monatliche Kosten an – Strom, Internet und Telefon sowie natürlich auch Lebensmitteleinkäufe und andere notwendige Lebenshaltungskosten häufen sich. Wer nicht das Glück hat, ausreichende finanzielle Unterstützung aus dem Familienkreis zu erhalten, sieht sich schnell vor Probleme gestellt: Wie sollen diese Kosten dauerhaft gedeckt werden?

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BAföG-Beantragung

Für viele Neu-Studenten ist das BAföG-Amt die erste Anlaufstelle, wenn der Beginn des Semesters näher rückt. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz ist eine staatliche Unterstützung für Studenten. Die Sozialleistung wird zur Hälfte als Darlehen verbucht; dieser Anteil ist nach Berufseinstieg an das BAföG-Amt zurückzuzahlen. Die andere Hälfte wird zugeschossen und muss nicht erstattet werden. Damit ist BAföG an und für sich eine attraktive Lösung für das Finanzierungsproblem im Studium, wenn es da nicht einige Probleme gäbe.

1. Berechtigung

Nicht jeder Student ist zum Erhalt von BAföG berechtigt. Menschen, die schon ein Studium abgeschlossen haben entfallen ebenso wie Menschen unter 25, deren Eltern ein zu hohes Einkommen haben. Ein Besuch beim BAföG-Amt kann helfen, in Erfahrung zu bringen, wie sich die Chancen für den BAföG-Erhalt gestalten. Eine andere Alternative ist die, den Antrag zu stellen und auf Zu- beziehungsweise Absage zu warten.

2. Dauer der Beantragung

Insbesondere zu Beginn des ersten Semesters kann es sehr lange dauern, ehe das BAföG-Amt mit einer Rückmeldung auf den Antragsteller zukommt. Zum einen liegt das an der Masse der Anfragen und zum anderen daran, dass der Erstantrag etwas zeitaufwendiger zu bearbeiten ist als ein Folgeantrag. Ein solcher wird in den Semestern gestellt, die sich dem ersten anschließen.

3. Beitragshöhe

Besonders viele Studenten, deren Eltern durchschnittlich verdienen, haben oftmals allen Grund zur Verärgerung: Durch das mittelmäßige Einkommen ihrer Eltern sind sie zwar zum BAföG-Erhalt berechtigt, das Einkommen ist jedoch zu hoch, als dass sie den vollen oder zumindest einen ausreichenden Satz gezahlt bekommen. Ihr BAföG-Einkommen genügt demnach nicht, um alle Kosten zu decken. Die Aufnahme eines Nebenjobs, auf die gleich noch einmal näher eingegangen wird, ist zwar möglich, jedoch auf einen Minijob begrenzt. Maximal 4.880,00 Euro darf der Studierende neben dem BAföG jährlich dazuverdienen. Verdient er mehr, wird ihm der überschüssige Betrag von der Sozialleistung abgezogen.

Weitere Informationen zum BAföG lassen sich hier finden:

1. http://www.bafoeg.bmbf.de/

2. http://www.bafoeg-rechner.de/

3. http://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/ueberhaupt.php

Jobben neben dem Studium

Wer kein BAföG bekommt oder aber wer dennoch parallel zum Studium arbeiten möchte, der kann das gerne tun. Während der Semesterferien darf der Student in Vollzeit arbeiten; im Semester sieht das etwas anders aus. Arbeitet er zu viel, so verliert er seinen Studentenstatus. Dies ist dann eine komplizierte Angelegenheit, die zu Problemen mit der Studienfortführung sowie der zu leistenden Krankenversicherungsbeiträge führen kann. Deshalb sollte sich ein Job neben dem Studium auf 20 Stunden pro Woche beschränken. Temporäre geringfügige Beschäftigungen und Minijobs sind demnach alles, wofür ein ordentlich immatrikulierter Student zugelassen ist.

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Übrigens: Von der Lohnsteuer wird der Student nur dann belangt, wenn er mehr als einen 450,00 Euro-Job innehat. Da die damit verbundenen Abzüge sehr hoch ausfallen, sollte deshalb idealerweise keine weitere Tätigkeit neben einem Job aufgenommen werden.

Weitere Informationen zum Jobben neben dem Studium lassen sich hier finden:

  1. http://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/jobben.php
  2. http://studieren.de/studium-jobben.0.html

Bei allem finanziellen Bedarf sollte die Aufnahme einer Berufstätigkeit parallel zum Studium gut überlegt sein. Wird neben den Vorlesungen und Seminaren zu viel gearbeitet, fehlt Zeit zum Lernen, für Hausarbeiten und andere Aufgaben. Die Qualität des Studiums beziehungsweise die Benotungen könnten hierunter leiden.

Eine individuelle Lösung – und ein bisschen Taschengeld

Eine allgemein gültige Lösung für das Finanzierungsproblem gibt es nicht. Eine solche hängt immer von dem jeweiligen Studenten und seiner finanziellen Situation ab. Deshalb ist es lohnenswert, eine unabhängige Studienberatung in Anspruch zu nehmen. Auf diese Weise lässt sich ein Optimum finden – vielleicht orientiert sich ein solches ja auch in Richtung Wohngeld oder Studienkredit. Hierbei handelt es sich ebenfalls um nutzbare Optionen, allerdings kommen sie vergleichsmäßig selten zum Einsatz.

Allen finanziellen Überlegungen zum Trotz darf nicht vergessen werden, dass das Studium in Zentrum stehen sollte – dass hierbei niemand reicht wird, sollte eigentlich bekannt sein. Damit es nicht doch plötzlich an Geld fehlt, ist es sinnvoll, rechtzeitig um Hilfe zu bitten. Während ein kleines Taschengeld aus der Familie grobe Abhilfe schafft, müssen in einer solchen Situation längerfristige Lösungen gefunden werden.

1. Bild: Wikipedia.org (c) Exter (CC BY-SA 3.0).

2. Bild: Fotolia.com (c) Tatjana Balzer

16:54 08.01.2014
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Geschrieben von

Esther

Hallo :) Ich bin Esther, komme aus Hamburg und sammele neben meinem Soziologie- und Medienwissenschaftstudium erste journalistische Erfahrungen.
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Esther

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