eweinholz

Autor, Kritiker, Büchersammler
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RE: Die Freiheit, die ich meine | 10.05.2009 | 21:20

Zu Recht und mit plausiblen Argumenten kritisiert Christoph Hein die Entscheidung, in die Ausstellung „60 Jahre, 60 Werke“ keine zwischen 1949 und 1990 in der DDR entstandenen Arbeiten aufzunehmen. Grundlage dieses Ausschlusses ist die – bei Betrachtung der DDR immer wieder anzutreffende – irrtümliche Gleichsetzung von Staatswillen und Wirklichkeit. Wenn etwa Marcus Jauer in seiner Besprechung dieser Ausstellung schreibt, im Osten seien die Künstler angehalten gewesen, „in ihren Werken ihre Zeit und ihr Land zu repräsentieren“ (FAZ vom 2. Mai 2009), dann wäre doch zu klären, ob sie es auch tatsächlich getan haben.
Christoph Heins Argumentation suggeriert allerdings, daß nur diejenigen Künstler ihre Freiheit bewahrt hätten und folglich ausstellungswürdig seien, die sich allen Staatsvorgaben widersetzt haben. Das halte ich für fraglich. Man konnte ja als Künstler beispielsweise ein vorgegebenes Thema zum Anlaß nehmen, um publik zu machen, nicht was dem Staat, sondern einem selber wichtig war. Damit ging man dann so etwas wie einen dritten Weg zwischen Totalverweigerung und Anpassung. Daß das schwierig war und diese Option im Nachhinein auch als Feigenblatt für Opportunismus herhalten kann, ist klar. Dennoch sollte man diese Möglichkeit nicht ausschließen.