Gefährliche Passivität

NSA-Affäre Große Veränderungen beginnen im Kleinen, so heißt es. Allerdings lassen manche Großereignisse die Bevölkerung unbeeindruckt zurück, so scheint es.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die NSA-Affäre ließ den Großteil der Bevölkerung fassungslos zurück. Doch was nützen Erkenntnisse aus hitzigen Stammtisch-Diskussionen, wenn man diese nicht in sein Alltagsverhalten implementiert?

Welche Konsequenzen zieht der Bürger aus Ereignissen wie der NSA-Spähaffäre? Ein Ursache-Wirkungsschema wäre nachvollziehbar: Die bekanntgewordene Spähaffäre als Ursache, eine neue kritische Sicht auf die Dinge als Auswirkung. Doch dies scheint nahezu so utopisch wie die guten Vorsätze fürs neue Jahr. Vermutlich weil es für Menschen schwierig ist, alte Gewohnheiten zu ändern, die sich fest in den Alltag integriert haben[1].

Jedoch ist das Ursache-Wirkungsprinzip gerade bei solchen Ereignissen von immenser Wichtigkeit. Passivität kann gefährlich werden, vor allem wenn es um persönliche Daten geht. Besorgniserregend ist mitunter die mangelnde Besorgnis der Bundesbürger: Laut einer Umfrage sind lediglich 24 % der Deutschen „sehr besorgt“ über die Abhöraktion der NSA[2]. Diese Passivität erscheint mir suspekt, schon aufgrund der Tatsache, dass es sich hier um eine Angelegenheit von nationalem Interesse handelt[3]. Jeder ist betroffen. Die Betroffenheit scheint sich jedoch in Grenzen zu halten. Nicht zuletzt im eigenen Bekanntenkreis spürt man immer wieder diese Passivität. Finanzkrise? Fürchterlich, aber das wird schon wieder. Irgendwie kommt wieder alles ins Lot. NSA-Skandal? Schrecklich, aber irgendwie regelt sich das auch alles wieder, auch ohne ein Zutun meinerseits. Gerade einmal 57 % der Bundesbürger befürchten, ihre Daten sind im Internet nicht sicher[4].

Ernüchternde Zahlen, die wenig Hoffnung auf ein grundlegendes Umdenken aufkommen lassen. Doch auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich ihrer gemütlichen Passivität hingibt, bleibt dennoch für den Rest die Möglichkeit des Schwimmens gegen den Strom: Das eigene Verhalten im von Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Neuland“ titulierten Internet überdenken. Die Herausgabe persönlicher Daten fortan mit kritischen Augen sehen. Sich über Anonymisierungsdienste im Internet informieren. Personen im Bekanntenkreis aufklären und gegebenenfalls helfen. Dass sind alles Dinge, die jeder Bürger selbst machen kann und die darüber hinaus der allgemein grassierenden Passivität gezielt entgegenwirkt.

Letztlich liegt es in der Hand jedes einzelnen, was man aus Ereignissen wie der Abhöraffäre der NSA lernt. Man sollte jede Krise als Chance sehen. Als Chance, daraus zu lernen und im Nachhinein gestärkt daraus hervorzugehen. Als Chance, seinen Mitmenschen zu helfen. Als Chance, letztendlich zu einer besseren Gesellschaft beizutragen.

[1] http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/02/Psychologie-Gewohnheiten

[2] http://www.wiwo.de/politik/deutschland/allensbach-umfrage-mehrheit-der-deutschen-sieht-sich-durch-nsa-attacken-nicht-bedroht/9010650.html

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article118908953/Was-Sie-ueber-die-NSA-Affaere-wissen-muessen.html

[4] http://www.wiwo.de/politik/deutschland/allensbach-umfrage-mehrheit-der-deutschen-sieht-sich-durch-nsa-attacken-nicht-bedroht/9010650.html

17:07 24.04.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ExNihilo

"Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein." - Goethe "Think for yourself and question authority." - Timothy Leary
ExNihilo

Kommentare