Uranmunition: Stiller Todesengel

Kriegsverbrechen Den in ehemaligen Kriegsgebieten wie dem Irak oder dem Kosovo lebenden Menschen steht eine strahlende Zukunft bevor
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Obwohl die verheerenden Auswirkungen der hauptsächlich von den USA und der NATO benutzten Urangeschosse weitestgehend bekannt und dokumentiert sind, scheint die Gefährlichkeit und das Ausmaß dieser menschenverachtenden Kriegspraktik der Öffentlichkeit kaum bekannt. Sogenanntes „depleated uranium“ (abgereichertes Uran), ein Abfallprodukt der Atomindustrie, kommt bei der panzerbrechenden Uranmunition zum Einsatz. Die ursprünglich in Deutschland entwickelten Urangeschosse stellen somit ein gefundenes Fressen dar, einerseits für die US-amerikanische Rüstungsindustrie, die somit eine äußerst effektive Waffe kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, anderseits für die Atomindustrie, die sich nicht weiter um den lästigen radioaktiven Sondermüll kümmern muss. Abgereichertes Uran per se ist hochgiftig und radioaktiv. Dennoch schreckte die USA nicht vor der grotesken Vorstellung zurück, eine so menschenverachtende Waffe tatsächlich zu benutzen – unabhängig von den entsetzlichen Spätfolgen, v.a. für die Zivilbevölkerung, für die keiner der Schreibtischtäter Verantwortung übernehmen will.

Fehlende Berichterstattung

Der Einsatz der hochgiftigen Uranmuntion scheint ein verschwiegenes Kapitel der makabren Kriegshistorie der vergangenen zwei Jahrzehnte zu sein. Während die USA beim erstmaligen Einsatz der DU-Munition im Golfkrieg 1991 leugnete, ebenjene verwendet zu haben, gab man es 1995 im Bosnienkrieg immerhin zu, streitete jedoch die Gefährlichkeit ab. Für US-Regierung und NATO waren die grauenhaften Konsequenzen, welche sich in Form schrecklich missgebildeter Kinder (Bilder hiervon erspare ich dem Leser an dieser Stelle), exorbitanten Anstiegen der Krebsraten (v.a. Leukämie) und grässlichen Organschäden äußerten, wohl purer Zufall. Lediglich der Mythos des „Golfkriegssyndroms“ entstand. Die entsetzlichen Kriegsfolgen wurden nicht in Verbindung mit der verwendeten Uranmunition gebracht. De facto wurde DU-Munition nicht nur im Golfkrieg 1991, im Bosnienkrieg 1995, sondern auch im Kosovo-Krieg 1999 sowie in Afghanistan 2001 und im Zweiten Irakkrieg 2003 verwendet.

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Gegenwärtig existiert an Orten ehemaliger Panzergefechte, z.B. im irakischen Basra oder in den Regionen um Bagdad immer noch eine enorm hohe Kontamination. Ausschlaggebend hierfür ist die verhängnisvolle Tatsache, dass abgereichertes Uran eine Halbwertszeit von etwa 4,5 Milliarden Jahren besitzt. Da einige der Gegenden, bspw. im Irak, nahezu komplett zerbombt wurden und die Zivilbevölkerung nicht über die Folgen der verwendeten Urangeschosse aufgeklärt wurde, gab es zahlreiche Fälle von Kindern mit Neuerkrankungen an Krebs, teilweise sogar mit mehreren Krebsarten gleichzeitig.

Jene Kinder, so stelle sich heraus, spielten oft an den in den Gefechten zerbombten Panzern und wurden so kontaminiert. Im Übrigen kamen die Erkenntnisse über die verwendete DU-Munition und die daraus resultierende Kontamination durch den deutschen Arzt und Forscher Siegwart-Horst Günther ans Licht. Dieser nahm nach dem Golfkrieg im Irak 1991 ein ihm seltsam erscheinendes Geschoss mit nach Berlin zur Untersuchung. Gleich mehrere Universitäten konstatierten die Radioaktivität des Geschosses, wollten jedoch nicht mit Günther kooperieren. Schließlich wurde gegen ihn Strafbefehl wegen der „Freisetzung ionisierender Strahlung“ erlassen. Als er sich weigerte die Geldbuße zu zahlen, musste er für fünf Wochen ins Gefängnis. Soviel zum Thema freie Forschung. Das Grundgesetz lässt grüßen. Interessant ist zudem die Tatsache, dass die investigative Dokumentation des Filmproduzenten Frieder Wagner („Deadly Dust – Todesstaub“), über die Schrecken der Uranmunition lediglich ein einziges mal im WDR gezeigt wurde. Kein anderer Sender zeigte Interesse. Außerdem bekam Wagner im Anschluss daran keinerlei Aufträge von öffentlich-rechtlichen Sendern mehr.

Verheerende Auswirkungen


Weitaus fataler als der alleinige Einsatz der Uranmunition per se ist die quasi unsichtbare Konsequenz jener Munition. Bei eintreffenden Urangeschossen im Innern (z.B. Panzer), erhitzt jener sich im Innern auf extrem hohe Temperaturen. Etwaige Soldaten im Panzer verglühen, Uranoxid wird freigesetzt. Dieser von Dr. Asaf Durakovic des Uranium Medical Research Center „Deadly Dust“ (Todesstaub) genannte massenhaft entstehende radioaktive Uranstaub enthält Nanopartikel, welche problemlos in Körperzellen eindringen können und dort die maximale Strahlendosis an das Gewebe abgeben können. Jedoch ist nicht nur die Zivilbevölkerung der jeweiligen Kriegsschauplätze betroffen – logischerweise wurden auch dort stationierte Soldaten kontaminiert. Genaue statistische Daten darüber existieren selbstverständlich nicht, diese würden vermutlich die ohnehin fragwürdige Legitimität der NATO und ihrer Angriffskriege - respektive „humanitäre“ Interventionen - in kriselnden Ländern sowie der US-Außenpolitik noch weiter ankreiden. Schätzungen gehen von 30 bis 40 % aller in den Einsatzgebieten (ehemals) stationierten Soldaten aus. Doch nicht die allgemein fehlende Legitimität jener Einsätze, z.B. der völkerrechtswidrigen Interventionen in Bosnien und im Kosovo, ist das was entscheidend ist. Ein Bombenkrieg, der eine gewisse Zeit dauert und eine gewisse Anzahl an Todesopfern fordert, ist schon schlimm genug. Noch schrecklicher jedoch ist die Anwendung von Waffen, welche auch 15 Jahre später noch nahezu täglich Todesopfer (Bsp. Kosovo) in geradezu noch grässlicherer Weise fordert, nämlich durch Krebserkrankungen. Unschuldige Kinder sterben oder können nur mit schweren Krankheiten leben, da sie an den Auswirkungen eines Krieges leiden, mit dem sie nicht im Geringsten etwas zu tun hatten.

Scheuklappenpolitik


Gekaufte Wissenschaftler, NATO und Pentagon mögen von einem übertriebenen Alarmismus sprechen, doch die harte Realität spricht eine andere Sprache. Nach dem Bosnienkrieg bspw. mussten im Ort Hadzici etwa 3500 Menschen umgesiedelt werden. Dennoch starben innerhalb der nächsten fünf Jahre ungefähr ein Drittel dieser Menschen an Krebserkrankungen, die wie Unkraut aus dem Boden schossen. Nicht nur die direkten Konsequenzen für die vielen zivilen Opfer sind grauenhaft, auch die Gewissheit, dass zumeist nichts gegen den radioaktiven Verursacher ihrer psychischen und physischen Leiden getan wird. So fand bspw. eine UN-Umweltorganisation Reste von Uranstaub in Boden, Luft und Grundwasser – die NATO kümmerte sich allerdings nicht um eine Entkontaminierung. Analysen von Tiergewebe aus dem Irak und dem Kosovo ergaben, dass sogar jenes Tiergewebe radioaktiv verseucht ist. Nicht nur der Mensch, sondern auch Tiere und die Umwelt werden massiv belastet. Ein eindrucksvolles Beispiel für Letzteres liefern Wasserproben aus den Quellgebieten nahe dem Tora-Bora Höhlenkomplex in Afghanistan. Diese Quellgebiete sind nicht nur für einen großen Teil der Trinkwasserversorgung der afghanischen Bevölkerung verantwortlich, sie sind auch kontaminiert, da man in der Tora-Bora Region Osama Bin Laden vermutete und entsprechend Uranmunition verwendete, um den vermeintlichen Drahtzieher der Terrorattacken des 11. September hervorzulocken.

Vergangenheitsbewältigung?


Dank medialer Propaganda und weitgehender Linientreue der Massenmedien (z.B. Die Zeit: http://www.zeit.de/2001/26/Uransyndrom_Die_Blamage_der_Alarmisten) sowie politischer Agitation (beispielhaft hierfür die Aussage des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping) und nicht zuletzt manipulierter Wissenschaftsarbeit, bspw. jener Studie, die Scharping vorgelegt wurde, ist es gelungen, dieses Kriegsverbrechen – so sollte man es nach gründlicher Auseinandersetzung mit dieser Thematik bezeichnen – der ahnungslosen Öffentlichkeit vorzuenthalten. Es ist an der Zeit, einen Diskurs über dieses heikle Thema in Gang zu setzen. Die Verantwortlichen im Westen haben sich bis jetzt jeglicher Verantwortung entzogen. Was hätte man anderes erwartet?

Dunkle Zukunftswolken am Horizont


Trotz der großen Unwissenheit in der Bevölkerung und der gezielten medialen Desinformation bleibt die Frage, ob diese verheerende Waffe mit all ihren tödlichen Folgen nicht irgendwann einmal verboten wird. Im Jahre 2008 gab es eine Abstimmung der UN über ein Verbot der Uranmunition. Es stimmten 144 Staaten für ein Verbot. Vier Länder jedoch stimmten dagegen und haben infolgedessen ein Veto erreicht: Großbritannien, Frankreich, Israel und zu guter Letzt natürlich die USA. Ebenso ist die Tatsache besorgniserregend, dass weltweit etwa 30 Staaten (Stand: Februar 2009) im Besitz von panzerbrechender DU-Munition sind. Obgleich der Einsatz von Urangeschossen seit Jahrzehnten laut Haager und Genfer Konvention verboten ist, scheint dass die westlichen Großmächte nicht zu interessieren, deren Interessen bekanntlich primär darin bestehen, Frieden und Demokratie in kriselnde Länder zu bringen. Oder eben einen langsamen, schleichenden und qualvollen Tod. Gerne würde ich einen optimistischen Ausblick am Ende dieses Artikels schreiben. Angesichts neuester Erkenntnisse, wie etwa der dem Russell-Tribunal vorgelegte Bericht zur Dokumentation der Kriegsverbrechen israelischer Streitkräfte, wurde auch vom Einsatz von DU-Munition in Gaza berichtet. Noch fataler als jeglicher Einsatz der Uranmunition in Kriegsgebieten ist letztlich die Tatsache, dass der tödliche Uranstaub mit dem Wind weitergetragen wird, teilweise hunderte Kilometer. Des Weiteren kann die Munition nicht nur Panzer, sondern auch den Gencode brechen: Chromosomenbrüche infolge der Urangeschosse sind keine Seltenheit. Den Kindern und Kindeskinder der heimgekehrten US-Soldaten blüht schreckliches. Wenn Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, so haben wir es hier mit einer äußerst fragwürdigen Politik zu tun.

Quellen:
- http://www.nachdenkseiten.de/?p=3799
- http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/090302-Kriegfuehrung.pdf
- http://www.expresszeitung.ch/redaktion/geopolitik/europa/nato-bombenkrieg-%6099-der-unsichtbare-tod-darf-nicht-thematisiert-werden
- http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/russell-tribunal-zu-palaestina-untersuchung-des-verbrechens-des-genozids-gaza
- http://www.uni-oldenburg.de/physik/forschung/ehemalige/uwa/rad/du/
- Frieder Wagner: Deadly Dust – Todesstaub (2012), Ochoa-Wagner Filmproduktion

13:18 05.01.2015
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ExNihilo

"Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein." - Goethe "Think for yourself and question authority." - Timothy Leary
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