Pech gehabt

Fridays for Future Klimaaktivistin Luisa Neubauer, lehnt hoch dotierten Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy ab und legt sich stattdessen mit der Konzernführung an.
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Nachdem Klimaschützer gegen die Lieferung einer Zugsignalanlage des Technologiekonzerns Siemens, für ein australisches Kohlebergwerk protestiert haben, bot dessen Chef Joe Kaeser, der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, im Rahmen eines Gesprächs mit Vertretern der Bewegung Fridays for Future, für eine: „aktivere Beteiligung und Konfliktlösung zwischen Jung und Alt“, einen Platz im Aufsichtsgremium einer 2020 vom Konzern geplanten Unternehmenstochter namens Siemens Energy an.

Nur wenige Stunden danach, verkündete Neubauer ihre Entscheidung: Sie könne als potenzielles Mitglied des Aufsichtsrates, den Konzern nicht mehr weiter kritisieren und wird das Angebot deshalb persönlich nicht annehmen können, bat aber Siemens darum, den Posten im Aufsichtsrat, an einen Vertreter oder eine Vertreterin von Scientists For Future weiterzugeben.

Die Antwort von Siemens-Chef Kaeser kam prompt: „Der Vorschlag Neubauers sei gut gemeint, aber mit Experten und Wissenschaftler arbeite man schon zu Genüge zusammen.“ Im Klartext lehnte Siemens das Gegenangebot der Klima-Aktivistin ab.

Chance

Laut dem Siemens-Geschäftsbericht des Jahres 2019, liegt die Grundvergütung für Aufsichtsratsmitglieder bei mindestens 140.000 Euro-brutto im Jahr, zuzüglich weiterer Ansprüche, zum Beispiel für die Teilnahme an Sitzungen, Geld für Ausschusstätigkeiten, Bonuszahlungen sowie aktienbasierte Auszahlungen.

Round-up hätte Neubauer zwischen 140.000 Euro-brutto und 612.500 Euro-brutto verdienen und die Liste der „wohlhabendsten“ deutschen Aktivisten ihres Alters anführen können.

Zudem haben Mitglieder eines Aufsichtsrates die Möglichkeit - Geschäftsprozesse mitzugestalten als auch die Arbeit des Vorstandes zu kontrollieren.

Analyse

Luisa-Marie Neubauer, geboren 1996 in Hamburg, entstammt aus einer Familie, der ein verwandtschaftliches Verhältnis zu Jan Philipp Reemtsma (Deutscher Publizist und Erbe der 1910 gegründeten Reemtsma Cigarettenfabriken) nachgesagt wird.

2018 traf sie als Jugenddelegierte für die Deutsche Gesellschaft der Vereinten Nationen, auf dem Weltklimagipfel in Kattowitz, erstmals auf die schwedische Initiatorin der Fridays-for-Future-Bewegung - Greta Thunberg und wurde 2019 als eine der führenden Aktivisten von Fridays for Future, in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Kritik

In den sozialen Medien wird heftig über Neubauers „Absage“ und den anschließenden Frontalangriff der Klimaaktivisten gegen Siemens diskutiert. Viele sind verwundert, über das große Selbstbewusstsein der 23-jährigen Geografie-Studentin, sich mit einem der mächtigsten CEO's anzulegen und vorneweg ein in Deutschland bis anhin einzigartiges Angebot in den Wind zu schießen.

Auch der Umstand, dass Neubauer bisher nicht „mehr“ als ein Abitur und ehrenamtliches Engagement vorzuweisen hat, entfacht die personenbezogene Missgunst vieler Menschen.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner propagierte gar: „Das Thema Klimaschutz sei nur etwas für Profis“.

Fazit

Schwierige persönliche Entscheidungen können und sollen natürlich von jedem selbst getroffen werden, ohne das von Dritten versucht wird, diese zu beeinflussen.

Aber von einer: „Person des öffentlichen Lebens“, selbstinszenierten „Weltretterin“ und „Langstreckenfliegerin“, kann man mehr erwarten, als nur ein Verweis auf die eventuelle Einschränkung der eigenen Kritikkompetenz und Integrität.

Vielleicht die Offenbarung, den Posten im Aufsichtsrat wegen dem „vielen Geld“ nicht angenommen zu haben, um weiter moralische Glaubwürdigkeit darzustellen.

Auf jeden Fall hat Neubauer mit ihrem Desinteresse, auch sich selbst den Weg zur wirkungsvollen Machtausübung verbaut.

Sie setzt dagegen auf den virtuellen Angriff mit sozialen Medien wie Twitter und ruft Spontan-Demonstrationen gegen den Siemens-Konzern ins Leben.

Und Siemens? Zeigt sich von den Klimaschutzaktionen, nur teils beeindruckt und hält weiter an seiner Beteiligung zum Kohleförderprojekt in Australien fest.

Fabian Angelo Dönges | geboren 1992 im bayerischen Kempten. Schreibt über kontroverse Themen: Politik // Wirtschaft // Musik // Kultur.

18:35 13.01.2020
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