Altmaiers Frohe, aber unkluge, Botschaft

Die Energieberatung Die Finanzierung staatlicher Vorhaben bei gleichzeitiger Zufriedenheit nahe stehender Klientel und näher rückenden Wahlterminen gleicht einem Minenfeld.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Bild: Herr Altmaier, die wichtigste Frage zuerst: Wie teuer wird der Strom noch?

Altmaier: Sehr teuer, wenn wir nicht handeln. Deutschland ist Industrie- und Exportland und muss es bleiben. Private Verbraucher sollen ihre Stromrechnung auch künftig bezahlen können...

Bild: … über Stromrabatte für Bedürftige?

Altmaier: Nein, aber wenn der Preis um drei Prozent steigt, bleibt die Rechnung die alte, wenn man gleichviel Strom einspart. Deshalb will ich, dass jeder Bürger innerhalb von sechs Monaten eine fachkundige Energieberatung erhalten kann

Quelle: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2012/06/2012-06-19-altmaier-bild.html;jsessionid=82524CE5504C6C1ACF127CB249AFBC5D.s1t1?nn=391850

Diese Botschaft erreichte heute alle Mitbürger, sogar jene, die derzeit nicht mehr wissen wie sie ihren Stromverbrauch bezahlen sollen. Gerade die Bildungsferne Gruppe der Hartz-IV Empfänger wird von den Rechenkünsten des Herrn Altmaier entzückt sein. Wer die Stromrechnung nicht bezahlen kann, dem wird die Anschaffung einer Energiesparbirne ein unerfüllbares Verlangen bleiben. Den Gedanken an einen neuen Kühlschrank wird sein Sinn für die traurige Realität unterbinden.

Diese Realität scheint dem Herrn Altmaier verborgen zu sein?

Auch die 600000 Menschen denen derzeit jährlich der Strom abgestellt wird scheinen einem Herrn Altmaier persönlich nicht bekannt zu sein.

Quelle: http://www.n-tv.de/ratgeber/Hartz-IV-Empfaenger-gehen-leer-aus-article6486736.html

Zitat:

Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“

Die Stromkosten senken (und somit für Kleinverbraucher erhöhen) können dagegen so manche Industriezweige:

„Für höhere Kosten sorgt auch die im Sommer 2011 neu beschlossene Stromnetzentgeltverordnung. Danach können Unternehmen mit hohem Stromverbrauch Rabatte beantragen. Die Zahl der Anträge auf Ermäßigung oder Befreiung von den Netzentgelten sei in die Höhe geschnellt, heißt es in dem Papier. Dieser Weg stehe nicht nur energieintensiven Industriezweigen wie Chemie, Metall oder Glas offen. Auch der Lebensmittelhandel, Hotels und Gaststätten können profitieren.“

Quelle: http://www.n24.de/news/newsitem_7772036.html

Weiterhin müssen also Mitmenschen, denen es am Nötigsten fehlt – denen jeder Rabatt und die Kreditwürdigkeit verweigert wird, für die Rabatte anderer bezahlen.

Leider lässt Altmaier auch unerwähnt, das nur 33 % jeder Stromrechnung eines Normalbürgers wirklich der Energieerzeugung dienen.

Der schäbige Rest der Rechnung landet entweder gleich in der Staatskasse, oder wandert auf Weisung staatlicher Organe in die Taschen besonders begünstigter Bedürftiger. Deren Auswahl obliegt Herrschaften, wie z. B. Herrn Altmaier, die ihre jeweiligen Anliegen nicht immer vollends veröffentlichen können.

Quelle: http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/FAQs/DE/BNetzA/Energie/PreiseEntgelte/WieSetztSichDerStrompreisZusammen.html

Jeder Geringverdiener, genauso wie jeder Hartz-IV Empfänger zahlt also, mit seiner Stromrechnung, nicht nur die ökologisch-solaren Installationen des Eigenheimbesitzers, sondern auch die Freiheitsverteidigung am Hindukusch, den Bau von Bahnhöfen in Stuttgart, den von Flugplätzen in Berlin, die Rettungsschirme für Griechen und Spanier und nicht zuletzt ihr Salär, Herrn Altmaier. Selbst wenn wir hier das restliche, beutelschneiderische Repertoire ihrer Berufsgruppe einmal unbeachtet lassen, kommen schöne Sümmchen zueinander.

Und nun wollen sie uns, „innerhalb von sechs Monaten eine fachkundige Energieberatung“ zukommen lassen“?

Lieber Herr Altmaier: wenn dieser Schuss mal nicht nach hinten losgeht! Haben sie denn keine Angst? Fachkunde sollten sie den Energieverbrauchern besser nicht vermitteln.

17:30 19.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

fahrwax

Lieber auf dem Wagen, als unter den Rädern.... Bekennender, autonomer Pferdeknecht
fahrwax

Kommentare 11

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