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RE: Bibi, Tina, Sabrina | 21.09.2016 | 13:11

Allein die rhetorische Gleichstellung von "Kästner und Kauka" - offenbar nur dem Stabreim geschuldet - disqualifiziert diesen Beitrag als den eines "ideologiekritischen" Eiferers - und überführt ihn damit selbst der Ideologie.

RE: Bibi, Tina, Sabrina | 21.09.2016 | 13:09

Allein die rhetorische Gleichstellung von "Kästner und Kauka" - offenbar nur dem Stabreim geschuldet - disqualifiziert diesen Beitrag als den eines "ideologiekritischen" Eiferers - und überführt ihn damit selbst der Ideologie.

RE: Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden | 27.07.2012 | 17:20

Sie behaupten, ich hätte Ihren Artikel nicht gelesen? Mal sehen: Sie haben in Ihrem Artikel geschrieben, das PC zwischen Richtig und Falsch unterscheide, woraufhin ich Ihnen vorgehalten habe, dass Sie mit der Vertauschung von „Gut und Böse“ durch „Richtig und Falsch“ den Menschen in seiner moralischen Entscheidung entmündigen und Sie selbst eine totalitäre Gesinnung zeitigten.

Des weiteren habe ich Sie mit Ihrer Aussage wörtlich zitiert, dass „Neger“ ein übles Wort sei, worauf ich Ihnen vorgeworfen habe, die Sprache instrumentalisieren, weil es keine üblen Worte, sondern nur üble Absichten gibt - worauf Sie nur mit einem "Ich kann also selbst entscheiden, wie ich die Worte meine, echt?" in der vorgespielten oder tatsächlichen Ahnungslosigkeit eines Siebtklässers reagieren (Sprachphilosophie? Null Ahnung? Echt?).

Im Anschluss daran habe ich argumentiert, dass der Tugendkatalog aus Richtig und Falsch einem Rassisten nur die Möglichkeit gibt, seine üble Gesinnung verbergen zu können, während der Gebrauch des Wortes "Negers" aus einem Menschen noch lange keinen Rassisten macht. Das haben Sie zwar nicht behauptet, aber ohne diese Behauptung ließe sich der Anspruch auf Sprachdiktate moralisch gar nicht legitimieren. Dass Sie es offenbar vorziehen, solch eine positive Begründung gar nicht mehr zu geben, sondern stattdessen sich an den Ressentiments gütlich tun, die der ganze PC-Unterdrückungs-Irrsinn letztlich selbst heraufbeschwört (nebst der Heuchelei, die aber nicht so in dem Blickfeld gerät, weil Sie sich selbst darin erkennen müssten), war mein letzter Vorwurf an Sie.

Nun, ich gebe zu, vielleicht ist das alles etwas zu grundsätzlich für Sie. Wenn man sich einmal in einer Wahrheit eingerichtet hat, hat man vielleicht wirklich keine Lust mehr, sich mit Gegenargumente herumzuschlagen, die einem eh nur als Ausdruck von Unwissenheit oder Böswilligkeit erscheinen. So ergeht das auch dem Pabst. Andererseits ist keine Lust zu haben, auf Argumente einzugehen, für den Kulturredakteur einer Zeitung, die sich doch Debattenkultur auf ihre Fahnen geschrieben hat, doch auch ein wenig kläglich. Finden Sie das, nach einigen Minuten oder Stunden oder Tangen des Nachdenkens, vielleicht nicht doch auch?

RE: Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden | 26.07.2012 | 11:01

Abgesehen von dem gestelzten bis verschwurbelten Stil, der sich aus der Verlegenheit ergibt, dass sichTugendgebote und Sprachverbote demokratisch schlecht ummänteln lassen, taucht an einer Stelle doch die wahre Gesinnung hervor, die man allerdongs erstmal verstehen muss:

„Richtig“ und „falsch“ sind Kategorien, die moralische Werte betreffen.

Nun sind "Gut" und Böse" Kategorien der Moral. "Richtig" und "Falsch" sind Kategorien der Tatsachenbehauptung.

An dieser Vertauschung der Begriffe zeigt sich eben die totalitäre Gesinnung, die allen Tugendkatalogen seit Calvins Diktaktur in Genf obliegen: Die Entscheidung über Gut und Böse soll nicht mehr den Einzelnen überlassen bleiben, sondern von Komitees o.ä. getroffen werden: so werden aus Gut und Böse eben Richtig und Falsch, die zwar keine moralischen Kategorien sind, aber sie nun mehr, wie die Autoren schreiben, "betreffen", und warum? Weil diese moralische Entscheidung ja andernorts schon getroffen worden ist.

Entsprechend entpersonalierend schreiben die Autoren über das Wort "Neger": Dass „Neger“ eine üble Bezeichnung ist, weil sie bis zum Hals im Bodensatz einer langen Kolonialgeschichte aus Unterdrückung, Versklavung und Ermordung steht, konnte man 1990 schon wissen.

Dieser schöne Satz zeigt eine weitere Konsequenz dieser Gesinnung: die Instrumentalisierung der Sprache. Die Sprache gehört zwar einerseits der Allgemeinheit; ihre letzte Bestimmung erfährt sie aber, wie Wilhelm von Humboldt schrieb, im Individuum. Jeder, der das Wolke ausspricht, stellt sich etwas anderes darunter vor.

Wer als im Supermarkt nach "Negerküssen" fragt, muss sich nicht zwangsläufig einen schwarzen Menschen in Ketten vorstellen, ja, er muss sich noch nicht mal einen Menschen gleicher Hautfarbe vorstellen, sondern lediglich die Schokokugeln mit dem weißen Schaum drinnen.

Umgekehrt kann jemand, der - gemäß des Tugenskatalogs - "richtig" nach "Schokoküssen" fragt, jemand sein, der seine eigene rassistischen Impulse nur rechtzeitig unterdrückt, und den die behauptete Gleichsetzung von "richtigen Worten" - und "richtiger Gesinnung" in die dankbare Lage versetzt, eine "richtige Gesinnung" an der Kasse nur vorheucheln zu können.

Es gibt eben keine üblen Worte, wie die Autoren meinen. Das ist der Grundirrtum der Politicall Correctness, soweit man von Irrtum reden will. Es gibt nur üble Absichten. Das Wort "Arschloch", eigentlich ein recht eindeutiges Schimpfwort, kann in bestimmten Regionen und Situationen ein Kompliment höchster Güte sein, und wer an der Supermarktkasse brav nach Schokoküsse fragt, kann an der nächsten Ecke den Türken einen Kanaken nennen (was noch fernliegender ist, als einen Schwarzen einen Neger).

Jede Art von Unterdrückung fördert Ressentiments und Heuchelei. Dass die Anhänger der Politicall Correchtness sich auf die Ressentiments ihrer Gegner berufen, um diese Verbote zu legitimieren, statt zu erkennen, dass sie diese durch ihr Wort-und Denk-Unterdrückung selbst befördert haben, stellt eine Art strukturelle Unvermögen zur Selbstaufklärung, vulgo: Dummheit, welche die eigenen intellektuellen Ansprüche doch ziemlich irreperabel beschädigt

P.S.. Hat sich eigentlich einer Anhänger der sprachlichen Abteilung dieses Vereins mal darüber Gedanken gemacht, was es ideologiekritisch eigentlich bedeutet, dass "Negerküsse" unter ihrer dünnen Schokoschale ausgerechnet "weißen" Schaum enthalten? Darüber würde ich doch gerne mal etwas lesen, möglichst unter Einbeziehung der negativen Dialektik Adornos.