RE: Bizarre Blüten | 01.05.2020 | 07:17

Ich finde an Ihrem Kommentar vieles richtig - aber ich denke, erst am Ende des Jahres werden wir ansatzweise wissen können, welche Einschätzung von Covid-19 wirklich richtig war (wenn überhaupt). Ich bin kein Naturwissenschaftler oder Statistiker und halte mich also da heraus. Aber vorab möchte ich Ihnen in einem vollkommen zustimmen: Es nervt, wie, vielleicht noch nicht einmal von Herrn Drosten, aber von denen, die ihn zu ihrem massgeblichen Berater gemacht haben (oder sich nach ihm richten, wie Herr Lauterbach z.B.) vertreten wird, dass alles was wir tun in der Coronakrise alternativlos sei. Und nur zu offensichtlich ist auch, wie im Kielwasser der Krise, bestimmte Gruppen und Kreise spezielle Interessen durchzusetzen versuchen. Als Beispiel genannt sei Jens Spahn, der mit aller Macht die Krise zur Digitalisierung der Medizin nutzen will. Wenn wir aus der Krise aufwachen, dann haben wir vielleicht nicht mehr nur Doc Morris oder sondern auch MacPhysio, MacPsycho usw. usf.

Nehmen wir an Herr Augstein, Sie haben recht: Dann bleibt doch noch, die Frage aller Fragen zu beantworten, nämlich die von Daniela Dahn in der letzten Ausgabe des "Freitag" ("Verrückte Massstäbe"). Warum gilt im Fall von Corona auf einmal der Schutz des Lebens mehr als die Kapitalinteressen? Wenn es um Rüstung und Krieg, Umwelt und Gesundheit oder soziale und medizinische Vorsorge und Sparzwang geht, muss sich auch noch die kleinste Massnahme (Bsp. Fahrverbot für Diesel oder Tempolimit) gegen die Profitinteressen ankämpfen (und unterliegt zumeist).

Die Gentrifizierung und Homogenisierung vor allem der kleinräumigen sozialen Strukturen, die absehbar die Folge des Corona-Lockdowns sein wird, die macht in der Tat Angst. Wollen wir wirklich, dass in unseren Städten nur noch grosse Restaurantketten oder Lokale, die eigentlich Tarnkappen der Geldwäsche sind, existieren? Dass die kleinen Geschäfte verschwinden, dass man, um einen Nagel oder eine Schraube zu kaufen, sich entweder des Internets bedienen muss oder in ein Einkaufszentrum am Stadtrand fahren muss? Wie sowas funktoniert kann man sehr gut an der Nachwende"umgestaltung" der DDR sehen, besonders verdichtet in den "In"vierteln im ehemaligen Ostberlin.

Mit freundlichen Grüssen und machen Sie weiter so - in diesen Zeiten ist der "Freitag" ein erfreulicher Beitrag zur Aufklärung.

RE: Autoritär und ohne dialektischen Anspruch | 12.08.2018 | 13:23

Also ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Grundsätzlich bleibt doch richtig, dass ein - einflussreicher - linker Pol in der politischen Landschaft der Bunderepublik nicht existiert. Die Grünen haben sich in ihrer Mehrheit längst verabschiedet in Richtung grüne FDP, über die SPD (nicht jedes Mitglied aber als Partei) braucht man nicht zu reden und die Linke wird ihr DDR-Päckchen nicht los (werden).

Über das was es braucht, um die gesellschaftliche Entwicklung grundlegend umzusteuern, kann man wahrlich streiten (vielleicht wäre heute, wie H. Flassbeck sagt, sogar schon ein konsequenter Keyenesianismus revolutionär, ich bin mir da ganz unsicher: Auf jeden Fall: "Kein Kommunismus ist auch keine Lösung! ;) ). Also denke ich, dass die Kernintention von #Aufstehen richtig ist. Und nur weil von Sahra Wagenknecht (u. Lafontaine) (mit?)initiert, ist sie deswegen doch nicht falsch.

En detail zu Ihrem Text: Fehlende "Dialektik" kann nur aus der Sicht eines hegelianischen Idealisten ein Fehler (an sich) sein. Ansonsten können Mängel sich nur aus der Sache selbst erweisen. Und da kann ich nicht viel erkennen in ihrem Text ausser m.E. wenig zutreffenden Parallelismen aus der Geschichte der Arbeiterwegung. Der (G)Eifer, mit dem sich manche auf diese linke Sammlungsbewegung stürzen, ist mir vollkommen schleierhaft (man könnte auf die Idee kommen, es handle sich um ein Spiel über Bande). Warten wir doch einfach ab, ob und was daraus wird - und helfen, vielleicht, dass es etwas Gutes wird, oder?

RE: Die große Wut der kleinen Leute | 16.07.2016 | 13:57

Eine Frage: Im Artikel wird gesagt "Das hieße, Rekapitalisieren der Wackelbanken, Beseitigen der Altlasten von 2008/2009, die man dank der deutschen Dogmen immer noch vor sich herschiebt." Wieso verhindern die deutschen Dogmen die Beseitigung der Altlasten von 2008/2009? Was ist der finanztechnische Mechanismus? Oder ist einfach nur die Austeritätspolitik gemeint? Eine kleine Fussnote zum Thema Verschuldung: Ja, es ist richtig, der italienische Staat hat eine sehr hohe Verschuldung (gemessen am PIL). Aber: Die Schulden werden zum überwiegenden Teil gehalten von den Italienern selbst. Neben dem klassischen "mattone" (Baustein) ist der Bond *DIE* Form des Sparens der Italiener. Und, wenn man die Gesamtverschuldung nimmt, also die öffentlichen + die privaten Schulden, dann ist der defizitärste Laden in Europa GB gefolgt von Holland (wg Immobilien). Eine Blase ist auch das, nur reden wenige darüber, bis jetzt ...

RE: Der eigentliche Fehler | 09.07.2015 | 13:29

So wie der Konflikt zwischen Instutionen (Troika plus unterstützende Staaten) und griechischer Regierung seit der Regierungsübernahme im Januar läuft, ist doch glasklar, dass es seitens der Troika nicht um eine Lösung geht. Vielmehr muss man den Eindruck haben, dass am Falle Griechenland das erste Mal bei einem Staat der sogenannten "1. Welt" die "Schockstrategie" (Naomi Klein) zum Abräumen jeglichen Sozialstaates durchexerziert werden soll. Insofern macht nicht in erster Linie Tsipras Anleihen bei südamerikanischen Politikstrategien, sondern die Troika. Wenn dann vielleicht noch eine Neuauflage des Obristenregimes kommt, wäre die Symmetrie komplett. Und Europa kaputt, was man einem solchen Europa denn aus demokratsicher Sicht nur noch wünschen kann.

RE: Da hilft kein Beten | 03.09.2014 | 08:29

Im Grunde teile ich die Einschätzung, dass Blocher die Sache jetzt überrissen hat. Aber zwei kleine Anmerkungen:

1. Die Zustimmung zur SVP-Initiative vom Februar hatte - auch - den Grund in einer diffusen Ablehnung gegen die Globalisierung (der Armut), die auch in der Schweiz zu einer immer grösseren Scheere zwischen Arm und Reich führt. Die Konzerne leben prima mit billigeren Arbeitskräften aus dem Ausland. Die Schweizer zahlen dafür den Preis in explodierenden Mieten in den Ballungszentren.

2. Die Schweiz hat viele gute Freunde in der EU. Siehe Schäubles verzweifeltes Bemühen für das zum Glück gescheiterte Doppelbesteuerungsabkommen. Ein Schelm, wer angesichts "jüdischer Legate" für die CDU da nur naiven Pragmatismus am Werke sieht.

Am Ende, denke ich, es wird nächstes Jahr ein neues Referendum geben,mit dem das von 2014 aufgehoben werden wird.

RE: Adblock Minus | 05.08.2013 | 10:48

Jedes Linux ist natürlich besser als MacOS oder Windows - auch angesichts der Tatsache, dass diese beiden Firmen offensichtlich Sicherheitslücken nur mit Verzögerung schliessen, um den Schlapphüten die Möglichkeit zu geben, sie auszunutzen. Aber davon einmal abgesehen: Auch Linux ist natürlich knackbar, aber die Platzierung von Trojanern wäre vielleicht schwieriger (da müsste man die von CCC HH fragen). Aber hier geht es ja, um das Tracken von Internetspuren - und da sind im Grossen und Ganzen ab Router/Modem alle gleich (aber natürlich nicht gleich - einfach - konfigurierbar). (Kleine Anmerkung: Ich halte im Augenblick lubuntu für die userfreundlichste Linuxdistribution, leichtgewichtig, schnell und ultrakompatibel. Persönlich benutze ich crunchbang) Aber im Konkreten: Mit NoScript serven ist anstrengend, auch wenn man ein wenig Ahnung hat. Persönlich habe ich privoxy lokal auf allen Rechnern (der Familie) und vor dem (DSL)Modem einen transparenten Tor Proxy laufen (wer den nicht selber einrichten kann, könnte sich so ein Teil vorkonfiguriert kaufen - selber suchen, ich mach' keine Reklame). Andernfalls könnte man Tor auch lokal einrichten; ich denke auf MacOS ginge das unschwer, Windows weiss ich nicht, Linux auf jeden Fall). Und vielleicht sollte man auch bedenken, dass Missbrauch immer geschehen wird, aber dass man wenigstens eine kleine Chance hat, sein RECHT zu bekommen hat, wenn die Dienstleister, auf die man sich stützt, ihren Firmensitz in Deutschland - oder wenigstens der EU - haben und mithin auch für Individuen belangbar sind. VW kann, vielleicht, sich auch in den USA durchsitzen. Aber Eduard Schnittke????? Grundsätzlich aber ist es traurig, dass man inzwischen so denken muss, wie Gene Hackman in "Staatsfeind Nr. 1" :-(

RE: Berlin nur für die Besten | 09.10.2009 | 21:33

In den meisten Punkten hat Sarrazin Recht. Speziell was die Subventionsmentalität in Berlin angeht. Durch die Wiedervereinigung ist das eher noch schlimmer geworden: Schaufenster des Westens zusammengeklatscht mit Hauptstadt der DDR. Und das ganze ohne jede Idee oder Strategie - bis heute! Oder glaubt jemand sinnleere Sprüche wie die der famosen Werbekampagne "Be Berlin" seien eine Strategie.

Berlin als Ost-West-Drehscheibe hat nicht nur gegen Wien, sondern inzwischen auch gegen München verloren. Berlin als Wissens- und Wissenschaftsstadt, das wäre vielleicht was, vielleicht . . . aber das will niemand angehen. Lieber neben München/Garmisch und Heidelberg Tourismusmetropole sein.

Was das Immigrantenproblem angeht, so sind einige Formulierungen ("Kopftuchmädchen produzieren" o. ä.) schlicht rassistischer Jargon. Aber das Problem existiert, und wie. Nur, welche Lösungsperspektive hat Herr Sarrazin? Keine! (Ausser, zynisch, Zwangssterilisierung?).

Den richtigen Weg zeigt dagegen ein Kollege, Politiker der CDU und NRW-Integrationsminister (Armin Laschet):
www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1044652/

RE: Unbe(f)leckte Empörung | 31.07.2009 | 12:22

Vielleicht hätte man es noch etwas schärfer sagen können:

Wenn man Prostitution zulässt (und das tut unsere Gesellschaft), dann kann man sich nicht moralisch empören über Zahlungsweisen (wie der württembergische Innenminister). Es ist schlicht ein Geschäft.

Die Damen des Escortservices derer sich die "Bessergestellten" (Stichwort: Berlusconi) bedienen, rechnen gewiss auch nicht per Handreichung, sondern per Pauschale ab. Proteste gegen dieser Art Service sind mir nicht bekannt (ausgenommen solche die sich gegen die Prostitution generell richten).

RE: Einige sind guter als andere | 18.07.2009 | 00:58

Sekte ja, stalinistisch nein. Aber praktisch gesehen scheinen mir die sogenannten "Gutächsler" vor allem ein Netzwerk zu gegenseitigen "Beförderung".

Das rituelle Getrommel Antizionismus=Antisemitismus ist doch völlig sinnleer - und dient nur dazu, reale Entwicklungen nicht zu erkennen oder ihnen ahnungslos hinterherzulaufen (siehe Iran).

RE: Basta mit Basta | 18.07.2009 | 00:46

Ehrlich, braucht noch irgendjemand diese SPD (ausser jenen natürlich, die auf eine Karriere als Apparatschik hoffen)? Ein Karrierebeamter als Spitzenkandidat, Breitschaft Verantwortung zu übernehmen gleich Null und als einzige Wahlaussage "Mit uns wird's nicht ganz so schlimm". Boh . . . .