Meister Yoda und die Flüchtlingskrise

Macht mit uns sein möge! Einmal ganz ehrlich: die Krisen der letzten Jahrzehnte haben doch vor allem genervt.Sie haben uns in einen Zustand der Ohnmacht versetzt.
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Nach Griechenland und Bankenkrise hatten wir im schlimmsten Fall eine Halswirbelabnutzung vom vielen Kopfschütteln, geändert hat das aber auch nichts. Dafür oder dagegen sein? Völlig egal, unsere Meinung war nie wirklich gefragt.
Doch seit der aktuellen Flüchtlingskrise ist alles anders! Plötzlich hat jeder, selbst in der popeligsten Kleinstadt die Gewissheit persönlich das Weltgeschehen beeinflussen zu können. Der eine postet nach jedem verteilten Schokoriegel ein Selfie mit Flüchtlingskind auf Facebook, der andere durchkämmt das Netz auf der Suche nach „Ehrenwort wirklich wahren“ Schauermärchen und hofft auf tausende „Likes“. „Die Macht wir haben entdeckt!“

Der letzte Aufmarsch gegen Hartz IV auf dem Marktplatz war irgendwo zwischen rührend und peinlich angesiedelt. Eine Doppeldemo pro+contra Flüchtlingsheim hat dagegen nicht nur einen deutlich höheren Unterhaltungswert, alle Teilnehmer fühlen, dass sie mit ihrer Teilnahme reale Entscheidungen beeinflussen. „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Wir glauben zu wissen auf welcher Seite Meister Yoda stehen würde.

Die Macht ist mit uns! Weil so etwas nur extrem selten passiert, hat es eine euphorisierende Wirkung. Sobald man über die Macht verfügt, fühlt man sich berufen sie anzuwenden. Meister Joda's weise Warnungen verhallen leider unbeachtet. Die Flüchtlinge, um die es angeblich geht, spielen oft nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Es ist befremdlich aber mittlerweile akzeptiert, dass die kämpferischen Flüchtlingshetzer, selbst noch kaum mit Flüchtlingen in Berührung gekommen sind. Noch kurioser ist aber, dass auch in den meisten Organisationen der Flüchtlingshelfer nie Flüchtlinge mit am Tisch sitzen.

Wird die dunkle Seite der Macht am Ende siegen? In Zeiten des Karnevals muss man eine betrübliche Feststellung machen. Es ist sehr leicht Darth Vader darzustellen, ein schwarzer Mülleimer auf dem Kopf ist fast schon genug. Wer dagegen als Luke Skywalker oder Prinzessin Leila erkannt werden möchte, hat es deutlich schwerer! Möge die Macht mit uns sein, damit wir es am Ende doch noch schaffen.

11:57 04.02.2016
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Geschrieben von

Fei LiPu

Philipp Tenta österreichischer Komponist und Autor, aktuelle Publikationen: "Haydn muss den Kopf verlieren!" "Aus der Klezdose"
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