Besser kein Sex mit der FDP

Partnerschaft FDP-Wähler gehen laut einer Umfrage am häufigsten fremd, Piraten am seltesten. Was lernen wir daraus? Wir brauchen mehr Politik in der Partnerwahl!
Felix Werdermann | Ausgabe 31/2013 30

FDP-Wähler heiratet man wohl besser nicht. Hätte es dafür noch eines Beweises bedurft, er wurde nun endlich geliefert. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl meldet sich nämlich die Online-Singlebörse ElitePartner zu Wort, mit einer für deutsche Internetnutzer repräsentativen Umfrage zum Thema Sex, Liebe und – politische Parteien.

Ein paar Ergebnisse: Jeder vierte FDP-Wähler ist schon mal fremdgegangen, das ist mehr als bei den Anhängern aller anderen untersuchten Parteien. Grüne und Linke mögen auch etwas Abwechslung, SPD- und Unions-Wähler sind zurückhaltender. Am treuesten (zumindest in sexueller Hinsicht) sind aber die Piratenwähler – oder sie sind weniger ehrlich.

Wo ist die Spaßpartei FDP?

In den Parteizentralen gibt man sich unwissend. Die CDU möchte sich zu der Umfrage nicht äußern, wahrscheinlich sind die Konservativen bei dem Thema immer noch etwas verkrampft. Ist halt so. Enttäuschender ist da schon die Statement-Verweigerung der FDP, die doch gemeinhin als Spaßpartei gilt – was sich in der ElitePartner-Statistik ja auch ganz gut wiederfindet.

Die Piraten hingegen entdecken nun das Sexualverhalten als ihr neues Wahlkampf-Thema. Sind sie stolz auf ihre treuen Wählerinnen und Wähler? „Aber ja“, sagt Parteisprecherin Anita Möllering. „Zeigt es doch, dass unser Bekenntnis auch zu offeneren Beziehungsmodellen kein Freifahrtschein ist, den Partner alle naselang zu betrügen. Und ich muss schon sagen: Ich bin hier ein wenig enttäuscht von der FDP.“

Warum sind die Piraten so treu?

Was sagt die Sex-Studie zu Schwarz-Gelb? Passt irgendwie nicht so gut zusammen. Das Treuebedürfnis der Konservativen (94 Prozent halten Treue für „das Wichtigste in einer Partnerschaft“) widerspricht zwar schon ihrem eigenen Fremdgeh-Verhalten (17 Prozent), aber noch stärker dem der Liberalen (25 Prozent).

Eigentlich würden also Union und Piraten gut zusammenpassen, wobei es für die Treue der Piratenwähler eigentlich nur drei halbwegs plausible Erklärungen gibt: Entweder sie sind schlicht zu jung, um schon öfter fremdgegangen zu sein. Oder sie haben alle offene Beziehungen, in denen Sex mit anderen moralisch erlaubt ist und Fremdgehen damit unmöglich. Oder sie sitzen bis tief in die Nacht hinter ihrem Computer. Wohingegen sich bei den karrieregeilen Liberalen ein Seitensprung durchaus anbietet, wenn sie auf ihren Business-Reisen sonst niemanden haben.

Partnerbörsen für Linke und Rechte

Leider ist die Umfrage offenbar nicht mehr als ein kleiner Werbegag für ElitePartner, denn die nötigen Konsequenzen werden nicht gezogen. Obwohl es laut Studie erkennbare Differenzen zwischen den politischen Lagern gibt, fehlt bei den großen Singlebörsen eine Filterfunktion für die Suche nach Gleichgesinnten. Dabei spiegeln sich in den politischen Überzeugungen auch die Werte, die für eine Beziehung relevant sind.

In Frankreich gibt es Partnerbörsen speziell für Linke und für Rechte (vom selben kommerziellen Anbieter und die Seiten sehen auch noch fast gleich aus). Der Zulauf ist zwar nicht so groß wie erhofft, aber das mag auch an den falschen romantischen Vorstellungen vieler Singles liegen: Überwindet die Liebe nicht alle politischen Grenzen? Fragt man etwa vor dem ersten Kuss nach dem Parteibuch?

Richtig ist: Wer politisch ähnlich tickt, ist beim Flirten gleich auf einer Wellenlänge, und für eine längere Beziehung ohne Dauerstreit sind gemeinsame Überzeugungen sowieso unerlässlich. Wie wichtig sind die Schulnoten der Kinder? Sollen Jungs anders erzogen werden als Mädchen?

Suche politische Seelenverwandte

Nicht umsonst fragen die Online-Vermittlungsportale in ihren Psychotests bei der Anmeldung grundlegende Werte ab und empfehlen anschließend diejenigen Singles mit vielen Übereinstimmungen. Es gibt nämlich genügend Studien, die belegen: Mit gemeinsamen Werten klappt es besser.

Und man möchte hinzufügen: Bei politisch engagierten Menschen gilt das gleich doppelt.

Wer in der Liebe nach einem politischen Seelenverwandten sucht, sollte sich im Portal gleichklang.de umschauen. Die Auswahl ist zwar deutlich kleiner, dafür findet man dort Linke, Ökos, Tierfreunde und (leider auch) Esoteriker.

Wer sich dort anmeldet, braucht zumindest nicht zu befürchten, dass er oder sie ständig fremdgehende FDP-Fans trifft oder am Ende traurig das Lied von Rocko Schamoni singen muss: „Du wählst CDU, darum mach’ ich Schluss / lass’ mich bitte bloß in Ruh’, denn du redest Stuss / du willst mich benutzen für deine Partei / und du wählst CDU, darum ist es jetzt vorbei.“

06:00 05.08.2013
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