Felix Werdermann
Ausgabe 1014 | 19.03.2014 | 06:00 21

Die gekaperte Energiewende

Ökostrom Der Umbau der Stromversorgung, eines der großen Vorhaben von Schwarz-Rot, steht auf der Kippe. Die Konzerne kapern das Projekt und die Bürger haben das Nachsehen

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es eine „Herkulesaufgabe“, für Energieminister Sigmar Gabriel „die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung“. Die Energiewende ist angeblich das Megaprojekt der schwarz-roten Bundesregierung. Klimaschutz! Bezahlbarer Strom! Versorgungssicherheit! Es sind diese großen Versprechen, mit denen sich Union und SPD die Zustimmung der Bürger sichern wollen. In Wirklichkeit laufen die Regierungspläne den Interessen der Bürger diametral entgegen. Stattdessen dürfen nun die großen Konzerne abkassieren.

Bisher war die Energiewende ein Projekt von unten: Jeder Bürger konnte sich eine Solaranlage aufs Dach schrauben oder sich ein Windrad in den Garten stellen. In der gesamten Republik gründeten sich in den vergangenen Jahren hunderte Energiegenossenschaften. Inzwischen haben sich mehrere Vereine, Genossenschaften und kleine Unternehmen in dem „Bündnis Bürgerenergie“ zusammengeschlossen. Das Bündnis schätzt, dass rund die Hälfte der in Deutschland gebauten Ökostromanlagen einzelnen Privatpersonen gehören und nicht den Konzernen. Die Bürger sind eindeutig Marktführer.

Kein Interesse an der Energiewende

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden. Die Bundesregierung hat sich schon auf Eckpunkte zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. Sie lassen nichts Gutes erahnen. Anfang April will das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, zum August sollen die Änderungen dann in Kraft treten.

Umweltschützer sind schon alarmiert, am 22. März wollen sie in sechs Landeshauptstädten gegen die Pläne auf die Straße gehen. Ihr Motto: „Energiewende retten!“ Auch die Ökostrom-anbieter EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy warnen vor den Reformvorschlägen der Bundesregierung: „Die Bürger-Energiewende wird abgewürgt und der Markt den großen Konzernen überlassen.“

Der deutsche Strommarkt wird dominiert von einem Quasi-Oligopol aus vier Unternehmen: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Kohle- und Atomkraftwerken scheffeln sie Milliardengewinne. Deswegen haben sie auch kein Interesse an einer schnellen Energiewende. Sie wollen an den bisherigen Strukturen festhalten, fürchten neue Konkurrenten. Ökonomisch betrachtet ist es überhaupt kein Wunder, dass die Energiewende zunächst von den Bürgern angeschoben wurde.

Ist Kohlekraft unverzichtbar?

Die Konzernlobbyisten haben aber gute Kontakte in die Politik und können die Energiewende in ihre Richtung lenken. Die Abgeordneten der Großen Koalition lassen sich ohnehin gerne beeinflussen. Was für die Union der Wirtschaftsstandort ist, sind bei der SPD die Arbeitsplätze. Auch die Gewerkschaften nutzen ihre engen Beziehungen zu den Sozialdemokraten, manchmal auch in Personalunion.

So sitzt Ulrich Freese als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Vattenfall, wurde als SPD-Kandidat in den Bundestag gewählt und hat gleich ein Bekenntnis zur fossilen Energie in den Koalitionsvertrag geboxt: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“ Auf diesen Satz ist er stolz.

Schwache Ziele

Erstmals soll im Gesetz ein „Ausbaukorridor“ für die erneuerbaren Energien festgelegt werden. Das hört sich gut an, lässt aber Umweltschützer aufschreien: Warum muss es eine Obergrenze geben? Bislang gab es nur Mindestziele. In Wirklichkeit ist ein Ausbaupfad durchaus sinnvoll: Es gibt eine verlässliche Planung, alle können sich darauf einstellen.

Das Problem sind jedoch die konkreten Zahlen, die von Schwarz-Rot vorgeschrieben werden. Wenn man von einem linearen Wachstum ausgeht, lässt sich eine jährliche Mindestwachstumsrate errechnen. Mit dieser werden jedoch in Zukunft nicht nur die bisherigen Ziele verfehlt – sie liegt auch rund 40 Prozent unter dem tatsächlichen Ausbau in der schwarz-gelben Regierungszeit.

Die selbst gesteckten Klimaziele werden sich wohl ebenfalls nicht mehr erreichen lassen. Es sei denn, in anderen Bereichen würde plötzlich deutlich mehr getan, etwa bei der Reduzierung des Autoverkehrs oder bei der Wärmedämmung von Häusern. Danach sieht es derzeit aber auch nicht aus.

Bei der Bürgerenergie wird gekürzt

Die Strompläne der Regierung sind also eine Bestandsgarantie für Kohle- und Atomkraftwerke. Es kommt aber noch besser für die Energiekonzerne: Bei dem bisschen Ökostromförderung werden riesige Windparks auf See extrem bevorzugt – und davon profitieren eigentlich nur die großen Unternehmen. Genossenschaften und einzelne Bürger können die hohen Investitionskosten nicht stemmen.

Der Offshore-Wind kommt den Stromkunden teuer zu stehen: Es werden nicht nur zusätzliche Stromtrassen vom Norden in den Süden gebraucht. Die Kilowattstunde soll im Jahr 2015 auch mit doppelt so viel Geld vergütet werden wie die Kilowattstunde von einem Windrad an Land. Die Regierung erklärt den Unterschied damit, dass die Windkraft auf See „noch am Anfang ihrer Entwicklung“ stehe.

Zwar ist es sinnvoll, die unterschiedlichen Technologien auch unterschiedlich zu vergüten, um sich als Industrienation nicht einseitig auf eine Energiequelle festzulegen. Trotzdem mutet es komisch an, wenn gleichzeitig bei den typischen Bürgerenergieformen – der Solarkraft und der Windkraft an Land – so radikal gekürzt wird.

Der Fotovoltaik-Ausbau soll auf 2.500 Megawatt pro Jahr begrenzt werden, das ist gerade mal ein Drittel der jährlich installierten Leistung zwischen 2010 und 2012. Bei der Windkraft an Land wird nun eine Deckelung eingeführt, die es bei der Solarenergie schon gibt: Wird eine Obergrenze überschritten, so sinkt die Vergütung automatisch.

Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, doch bei einer jährlichen Anpassung wird der Bau von Windparks zu einem schwer kalkulierbaren Risiko. Die Planung dauert mehrere Jahre; wie der Strom am Ende vergütet wird, ist zu Beginn unklar.

Schwierige Direktvermarktung

Ein ähnliches Problem gibt es bei der sogenannten Direktvermarktung. In Zukunft sollen alle Ökostromerzeuger gezwungen werden, ihren Strom an der Börse zu verkaufen. Gerade kleine Genossenschaften oder Unternehmen tragen dabei vergleichsweise hohe Kosten und Risiken, weil sie sich dort nicht auskennen.

Bislang konnten sie sich alternativ für eine feste Einspeisevergütung entscheiden: Wer ein Windrad aufstellt, bekommt 20 Jahre lang einen fixen Betrag für jede Kilowattstunde. Die Einnahmequelle ist sicher, das Risiko gering. Diese Möglichkeit entfällt künftig.

Stattdessen gibt es nur noch die Direktvermarktung mit der sogenannten Marktprämie, die den Unterschied zwischen Börsenpreis und Erzeugungskosten ausgleichen soll. Ab dem Jahr 2017 soll es nur noch für Betreiber ganz kleiner Anlagen mit einer Leistung von maximal 100 Kilowatt Ausnahmen geben.

Das Ganze dient angeblich der „Marktintegration“ der erneuerbaren Energien. Der Ökostrom soll dann erzeugt werden, wenn er benötigt wird. Lohnen könnten sich dann zum Beispiel Schwachwindanlagen, die zwar insgesamt weniger Strom erzeugen, jedoch schon dann anspringen, wenn nur ein laues Lüftchen weht. In dieser Zeit ist der Börsenstrompreis tendenziell höher, weil sich die normalen Windräder nicht drehen. Ähnlich verhält es sich bei Solaranlagen, die künftig vielleicht nicht wie derzeit üblich gen Süden, sondern nach Osten und Westen ausgerichtet werden.

Unklar ist jedoch, ob diese Rechnung aufgeht. Greenpeace hat das Institut für ZukunftsEnergieSysteme beauftragt, diese Frage zu untersuchen. Ergebnis: Die Anlagenbauer wissen nicht, wie sich die Börsenstrompreise in den kommenden 20 Jahren entwickeln; also werden sie versuchen, „ganz wie bisher, die Zahl der erzeugten Kilowattstunden zu maximieren“. Anders gesagt: Die erhofften Vorteile bleiben aus.

Die Möglichkeit der Direktvermarktung gibt es schon heute – alternativ zur festen Vergütung. Niemand wird gehindert, eine Schwachwindanlage zu bauen. Warum aber sollen alle dazu gezwungen werden?

Streit mit der EU-Kommission

Die Bundesregierung schiebt die Verantwortung gerne auf die EU-Kommission und behauptet, diese zwinge sie zu der Reform. Die Kommission will zwar tatsächlich vom System der festen Einspeisetarife wegkommen. Sie lässt jedoch viel mehr Ausnahmen für kleine Anlagen zu. Außerdem könnte die Bundesregierung auch auf die Pläne der EU-Kommission Einfluss nehmen – etwa über den Energiekommissar und CDU-Politiker Günther Oettinger.

Streit zwischen Bundesregierung und EU-Kommission gibt es bereits in einem anderen Bereich: über die ausufernden Industrie-Privilegien bei der Ökostromumlage, die die EU-Kommission begrenzen will. Konzerne mit besonders hohem Energieverbrauch zahlen derzeit statt 6,24 Cent nur rund 0,05 Cent pro Kilowattstunde – also fast nichts. Privathaushalte und kleinere Unternehmen blechen entsprechend mehr.

Offiziell sollen die Industrie-Rabatte dafür sorgen, dass die Konzerne im internationalen Wettbewerb bestehen können. Bei der Vergabe der Privilegien wird jedoch nicht systematisch geprüft, ob die Unternehmen möglicherweise auch ohne die Rabatte profitabel arbeiten können.

Zudem wurden die Bedingungen für die Privilegien in den vergangenen Jahren so weit heruntergeschraubt, dass die Zahl der bevorzugten Firmen explodiert ist. Vor zwei Jahren waren es 734 Unternehmen, jetzt sind es fast dreimal so viele. Warum sollten die neu hinzugekommenen Betriebe vorher im internationalen Wettbewerb bestanden haben und nun sollen sie angeblich pleitegehen, wenn die Privilegien wieder verschwinden?

Die SPD hat im Wahlkampf noch großmündig eine Begrenzung der Privilegien gefordert. Nun sollen diese jedoch weitestgehend erhalten bleiben. Energieminister Gabriel will das Gesamtvolumen der Rabatte um eine Milliarde Euro reduzieren, „dann wären wir schon außerordentlich gut“. Das hört sich nach viel an, ist aber ein Witz: In diesem Jahr summieren sich die Ausnahmen auf 5,1 Milliarden Euro. Faktisch geht es um die Rückkehr zum Stand des vergangenen Jahres, damals beliefen sich die Rabatte auf 4,0 Milliarden Euro.

Bahnfahren wird teurer

Wo die Privilegien gekürzt werden, soll jetzt zwischen Bundesregierung und EU-Kommission ausgehandelt werden. Eins ist aber schon klar: Die Deutsche Bahn und die Straßenbahnen müssen künftig mehr zahlen. Sie profitieren auch von den Rabatten – nicht, weil sie im internationalen Wettbewerb stünden, sondern weil sie mit Auto und Flugzeug konkurrieren.

Nun werden wohl die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr steigen. Das schadet der Umwelt und den einfachen Bürgern. Aber was kümmert das die Bundesregierung, wenn es vor allem um die Interessen der großen Konzerne geht?

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 10/14.

Kommentare (21)

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Ehemaliger Nutzer 19.03.2014 | 07:02

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden.

Diese Erfolgsgeschicht hat es nie gegeben. Die deutsche Solarindustrie ist am Boden, da sie sich über Subventionen nicht aber Innovationen behauptet hat. Das ganze Model Öko lebte und lebt von einer gigantischen Umverteilung des Vermögens von unten nach oben. Im vergangenen Jahr wurden wohl ca. 14 Milliarden Euro über den Strompreis von allen eingesammelt um sie dann an Solar/Windbetreiber auszuschütten.

Das geht im Zweifel zwanzig Jahre so. Je billiger der Strom wird um so mehr muss eingesammelt werden.

Die Energiewende ist mangels tatsächlicher marktreifer Alternativen ein ganz übler Deal.

h.yuren 19.03.2014 | 14:32

Die Konzernlobbyisten haben aber gute Kontakte in die Politik und können die Energiewende in ihre Richtung lenken.

lieber felix, nach allem, was du schreibst, ist ein wörtchen zuviel in dem satz. das wörtchen "können". so lautet die korrigierte version: die konzernlobbyisten haber aber gute kontakte in die politik und lenken die energiewende in ihre richtung.

für diesen satz sprechen alle fakten.

grüße, hy

Robinsohn 19.03.2014 | 18:05

Herr Werdermann könnte auch "Feuer" rufen. Vielen Dank für die Arbeit!

Wo bleiben die Architekten der Energiewende, die Grünen mit ihrem Grundanliegen? Für welche kleinen Leute setzt sich die SPD ein? Gabriel scheinen die Kohle- und Atom-Arbeitsplätze wichtiger ,als die der Solarbranche und die Verfügbarkeit von Strom für die kleinen Verbraucher.

Merkel (mit Rösler) ist für den Niedergang der Solarindustrie besonders in Ostdeutschland verantwortlich. Sie hat das EEG, das zunächst goldrichtig war für den Anschub, nicht rechtzeitig modifiziert. Merkel/Rösler haben die Planung vernachlässigt und gezielt Kosten auf die Stromverbraucher abgewälzt. ZUm Beispiel die Risiken der Offshore-Technik ( Kosten wegen Verzögerung beim Bau).

Da die GroKo die Politik der Oligarchen betreibt, müssen die Verbraucher sich selber helfen.

Wer kann - Solarzellen (Warmwasser) und Fotovoltaik aufs Dach! Blockheizkraftwerk in den Keller des Mietshauses! LED-Birnen einschrauben, die längst in Warmtönen zu haben sind, sofort aufleuchten und nochmal 1/3 weniger verbrauchen als Sparbirnen! Mit dem Dampfdruck-Topf kochen. Strom- und Zeitersparnis. Kartoffeln in 10 min.! Alu-Töpfe ausmustern! Alu-Folie vermeiden! Es gibt umweltfreundlichere Verpackungen für Hähnchen, Tabletten, Schokolade.. Alu ist ein extremer Stromfresser in der Produktion, der nun auch noch dem kleinen Stromverbraucher auf der Tasche liegt. Zum Eingriff von Al-Ionen in das Nervensystem (Demenz) muß ich noch mal nachlesen. Al-Ionen im Boden behindern die Wurzelbildung von Pflanzen, Bäumen.

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silent_marc21st 22.03.2014 | 17:41

Besonders Ihr Hinweis auf die Verzweigung zwischen der Wirtschaft und der Politik und deren Ausnahmesystem fand ich wichtig. Es macht doch immer wieder Sinn darauf hinzuweisen, wie korrupt dieses Land mittlerweile geworden ist. Vermutlich ein Normalzustand, an den man sich als Bürger gewöhnen soll durch die Weichspülrhetorik Mancher oder deren gezielte Desinformation der Öffentlichkeit. Es gibt so viele Beispiele in der aktuellen Republik. Umso wichtiger ist ihr Artikel. Danke.

Radagast 22.03.2014 | 22:58

Herr Werdermann, ich erkenne keine Energiewende, sondern nur Aktionismus und einen überzogenen Klimawahn.

Solange der Individualverkehr weiter hemmungslos gefördert wird, die Mutti ihre Kinder mit 2 t von einer Veranstaltung zur nächsten fährt, es als normal gilt, durch Deutschland, Europa und die Welt zu fliegen, der Fleischkonsum weiter boomt, Rohstoffe als Verpackungsplumquatsch verkommen, Elektroprodukte heute gekauft und morgen auf den Müll landen, brauchen wir keine Energiewende!

Die "Bio"energie hat die Energiewende konterkariert. Bauernhöfe wurden zu Agrarindustriebetriebe, mit vielen negativen Folgen:

Futtermittel für das Vieh kam früher aus eigenem Anbau, nun vermehrt aus den Regenwaldgebieten. Maismonokulturen füttern die Anlagen zur Bereitung des Biogas. Der Mais wird bisweilen über 200 km weit transportiert. Unterm Strich ist das eine negative Energiebilanz, wohl aber eine positive ökonomische Bilanz. Öko kommt von ökonomisch, nicht von ökologisch. Es geht nur ums Geldverdienen und damit wären wir beim Kern dieser verlogenen Energiewende!

Die Windenergiebranche veranstaltet Akzeptanzseminare, um sogar in Landschaftsschutzgebieten, Wäldern etc. ihre Rotoren von bis zu 200 m Höhe gegen den Willen der Anwohner aufzustellen. Das Geschäft brummt, die Rotoren auch.

Windenergieanlagen liefern dann Energie, wenn Wind weht, Photovoltaikanlagen liefern Energie, wenn die Sonne scheint. Die meiste Energie benötigen wir aber in der dunklen Jahreshälfte, und auch in dieser weht nicht immer Wind.

Die Ganglinien zeigen die Unstetigkeit. Sie zeigen aber auch, dass Gaskraftwerke und Kohlekraftwerke im Hintergrund laufen müssen. Ansonsten ist ein Industriestandort wie Deutschland nicht konstant mit Strom zu versorgen.

Die installierte Windenergieleistung in Deutschland beträgt ca. 35 GW, was ca. 35 Großkraftwerken entspricht. Die jährliche Auslastung der Anlagen liegt aber deutlich unter 20%, womit nur noch 6-7 Kraftwerke substituiert werden können. Diese Leistung muss aber noch grundlaststabilisiert werden, wodurch Gaskraftwerke für die eingesparten Kohle-oder Atomkraftwerke eingeschaltet werden.

Schauen wir uns besonders im Norden mal um und rechnen uns die Anzahl noch zu installierender Windenergieanlagen mal dazu, so erhalten wir ein Bild von der Energiewende:

Früher war es die Verspargelung der Landschaft mit kleinen 40 bis 60m hohen Anlagen, heute ist es die Verspargelung mit ganzen Windparks mit 150-200 m hohen Anlagen und morgen ist es ein einziger Windpark, der die gesamte norddeutsche Tiefebene von Emden bis Usedom überzieht.

Ist das gewollt? Wer hat hieran ein Interesse? Natürlich, den Großkonzernen der Energiebranche geht das Geschäft flöten, dafür positionieren sich aber andere Gewinninteressenten, es herrscht Goldgräberstimmung!

Aber, was hat das mit einer Energiewende zu tun? Was ist hieran ökologisch?

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Ehemaliger Nutzer 22.03.2014 | 23:37

Die Energiewende kam nie von unten. Sie wurde von rot-grün mit dem (inzwischen zig-fach international kopierten) EEG in Gang gesetzt. Einer der wenigen Erfolge dieser ansonsten ziemlich rücksichtslosen Regierung.

Mittlerweile erstickt es am eigenen Erfolg und müsste dringend angepasst werden und um neue Konzepte erweitert (Speicherprogramm etc.)

Ausgerechnet der Atomkanzlerin Merkel und der Kohle-SPD einen ernsthaften Willen dazu zu unterstellen, wo doch kein grünes Koalitionspapier sie zwingt, ist vollkommen unrealistisch. Den verlogenen offiziellen Verlautbarungen darf man NIE auch nur ein Wort glauben. Politker lügen, wenn sie den Mund aufmachen, man kann sie NUR an ihren Handlungen messen.

Und letztere fallen genauso aus, wie man es erwartet. Man kann das EEG nicht einfach so einstampfen, dafür hängen zuviele Jobs dran und die Bürger mögen es zu sehr. Also übt man Salamitaktik: verunsichern, verteuern, Rendite senken, bürokratische Hürden aufbauen, sinnvolle Konzepte ins Leere laufen lassen, jede Menge Propaganda.

Wir könne von Glück reden, dass Fukushima passiert ist, sonst hätten wir nichtmal den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg...

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2014 | 00:00

"Diese Erfolgsgeschicht hat es nie gegeben."

Doch hat sie, mittlerweile wird ein ganz wesentlicher Teil des Stroms über erneuerbare Quellen gewonnen. Was im Ggs. zur offiziellen Propaganda der Konzerne aus den 80igern, gar nicht möglich sein dürfte. Das Lügenpack!

Niemand hat behauptet, dass es die Wende für lau geben würde. Sie zu spät anzugehen, wird aber mit Sicherheit um ein Vielfaches teurer.

"Die deutsche Solarindustrie ist am Boden, da sie sich über Subventionen nicht aber Innovationen behauptet hat."

Gegen China nicht ankämpfen zu können ist ebensowenig eine Fehlleistung, wie in einem heftig bremsenden Boom-Markt unter die Räder zu kommen. Patente gibt es in der Solarindustrie massenweise und die Ausbeute ist enorm gestiegen, im Ggs. zum Preis, der enorm gefallen ist.

Und die Atomindustrie ist ohne massive staatliche Bevorzugung ebensowenig denkbar, wie die Kohlesauerei. Alles mit Mrd. und Abermrd. gefördert und sämtliche Altlasten sozialisiert.

"Das ganze Model Öko lebte und lebt von einer gigantischen Umverteilung des Vermögens von unten nach oben."

Nach oben? Indem Häuslebesitzer für einige Hunderter ihre Dachfläche zur Verfügung stellen? Oder was meinst du? Von unten nach oben verteilen die Konzerne, wenn sie Mrd-Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten. Gewinne aus überteuertem Strom.

Das EEG mag sozial nicht gerecht sein, aber dagegen kann man auch was tun, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten...

"den Strompreis von allen eingesammelt um sie dann an Solar/Windbetreiber auszuschütten."

Nun, mach mal einen Gegenvorschlag. Eine Ernergiewende die nix kostet und die niemand unangenehm merkt. Oder gehörst du zur Atomfraktion? Oder geht dir die Zukunft eh am *rsch vorbei?

"Das geht im Zweifel zwanzig Jahre so. Je billiger der Strom wird um so mehr muss eingesammelt werden."

Gott sie Dank sind 20 Jahre eine überschaubare Zeit und mit etwas Glück wirds danach umso günstiger.

"Die Energiewende ist mangels tatsächlicher marktreifer Alternativen ein ganz übler Deal."

Du strengst dich echt an, die Konzerpropaganda zu pushen. Was verdient man mit sowas?

Oder wir zur Hölle kommst du darauf, es gäbe keine marktreifen Alternativen? Im Zeitalter der x-Megawatt Windkraftanlagen? Und Solaranlagen, mit denen ein Haushalt einen Großteil seines Eigenbedarfes produzieren kann?

Es ist bedauerlicherweise nicht kostenlos und die großen Konzerne können nicht gut mitverdienen, müssen aber einen Teil der Kosten einer Netzumrüstung mittragen. Dazu haben die natürlich keinen Bock. Hoffentlich gehn sie alle pleite!

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2014 | 00:08

Nichts ist ökologisch. Das EEG ist ein kapitalistisches Konzept in einer kapitalistischen Gesellschaft gewesen. Und hatte damit einen großen Erfolg, der weder einseitig positiv, noch einseitig negativ zu sehen ist.

Das allein wird die Welt nicht retten, uns nicht unabhängig von fossilen Rohstoffen machen und all die anderen Auswüchse des Kapitalismus auch nicht dämpfen. Vollkommen richtig, dazu bräuchte es mehr.

Ganz ehrlich, wenn das mit dem menschengemachten Klimawandel stimmt (was ich persönlich immer noch für wahrscheinlich halte), dann Gnade uns Gott. Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass sämtliche Kohle und sämtliches Öl verheizt werden wird.

gweberbv 23.03.2014 | 01:11

Niemand wird gehindert, eine Schwachwindanlage zu bauen. Warum aber sollen alle dazu gezwungen werden?

Weil man sich auf folgende Dinge eben zunehmend nicht verlassen kann:

- Irgendwo steht schon noch ein konventionelles Kraftwerk rum, das bei Bedarf einspringt.

- Irgendwo weht immer Wind, scheint immer Sonne in ausreichendem Maße.

- Das Netz kann Erzeugungsspitzen in beliebigen Umfang verkraften.

Folglich wird man auch die EEG-Anlagen immer stärker an die Kandarre nehmen müssen, um die Stromproduktion einigermaßen an den Bedarf anzupassen. Die ohnehin sehr beschränkten Möglichkeiten, die Windkraft und PV dafür haben, sollten dann wenigstens auch genutzt werden.

mife 23.03.2014 | 11:46

Auch in der Energiepolitik lässt sich der rote Faden deutscher Politik verfolgen: Den Konzerne wird das Geld der Bevölkerung gegeben. Zum Beispiel in Form direkter Subventionen oder durch Übernahme der Risiken wie beim Atommüll oder dem Anschluss der Offshore Windparks. Sehr schön passt auch das Konzept der Bankenunion, bei denen jetzt die soliden Sparkassen zur Kasse gebeten werden, um die Spekulationen der Großbanken abzusichern. Leider werden die meisten Volksvertreter ihrem Namen nicht gerecht. Sie lenken die Erträge unserer Arbeit nach oben.

Johannes Renault 25.03.2014 | 22:47

Das Kriegs-Wende, Der Geistig-Moralische-Wende, Unser Wende (Wiedervereinigung Kleinmittel und Westdeutschland), und:

Das Energiewende!

Ich bin von soviel Wende beeindruckt. Am meisten - natürlich - von der mit den vielen Propellern in der Luft.

Ehrlich, alles was recht ist, das ist schon wieder so eine deutsche ingenieurs Meistertat. Das soll uns mal einer nachmachen: Viele, grosse Propeller - richtig grosse! - die sich drehen. Sagenhaft.

Und der Strompreis wird laut Führerweisung von "tatsächlichen" 0,o8€ auf 0,28€ hoch gesetzt, für den Sieg natürlich.

Das hochkonforme Volk sagt "oh, na das ist doch richtig. Sonst hätte man das doch auch nicht getan. Es muss wehtun, 's heilt ja".

Da heute Bundeshitlervergleichstag ist und nicht Elvis Presley-Ähnlichkeitswettbewerb, 'darf das doch mal gesagt weden'.

Eins hab ich noch: Ist Energie eigentlich schlecht, ist Energie zu verbrauchen nachteilig für irgend etwas? So dass unbegrenzte Energie also unbergenzt dumm wäre? Warum dann nur Windräder? Windräder..? Ja, Windräder. Was ist mit zB Kernfusion? Wenn also das ganze Reichsgrüne Volk in einer IG-Kernfusion sich fände, in 10 Jahren und ohne Propeller soviel es wöllte den Strom fliessen liess. Ohne Schuld. Ohne Propeller am Hut. Warum ist das nicht im Gespräch? Wenn man zweistellige Kilometer Kreise unter der Schweiz für 8000stellige € Beträge graben darf, um ein imaginäres Teilchen-Welle-Teilchen nachweisen zu können, genehmigt von zweistelligen IQs, dann kann doch auch das Energieparadoxum gelöst werden. Und nicht diese 2000er Propeller-Endlösungsverarsche aufzubauen.

Das ist ja wie die sich drehende CD od. Festplatte neu zu erfinden. Oder Farbfernsehen in HahaD mit Brille (3D, ist klar..).