Felix Werdermann
19.07.2013 | 11:37 26

Eine Bananen-Truppe

Realsatire Ein Werbespot der Bundeswehr zeigt unverhohlen, dass Soldaten für nationale Wirtschaftsinteressen und Bananen-Import kämpfen. Friedensaktivisten kündigen ein "Blutbad" an

Eine Bananen-Truppe

Foto: Bay Ismoyo/ AFP/ Getty Images

Das kommt auch nicht alle Tage vor: Kriegsgegner haben für den Samstag „bei der Berliner Polizei ein Blutbad angekündigt“. Grund ist das Bundeswehr-Gelöbnis, bei dem neue Rekruten feierlich ihren Diensteid ablegen. Das Blutbad sei „die passendste Form, den jungen Rekruten ihre künftigen Aufgaben vor Augen zu halten“, heißt es in einer Mitteilung der Friedensorganisation DFG-VK Berlin/Brandenburg. Es wird aber noch ein weiterer Grund für die Protestaktion genannt: Ein neues Werbevideo der Bundeswehr.

Der knapp zweiminütige Spot könnte fast Satire sein, ist aber offenbar ernst gemeint. Die Bundeswehr schützt unsere Bananen. Zu sehen sind eine Frau und ein Kind im deutschen Supermarkt (der Mann ist schließlich am Horn von Afrika unterwegs), vor ihnen ein leeres Regal und – damit es auch der letzte Trottel versteht – ein Schild mit der nicht gerade supermarkt-typischen Aufschrift: „Heute keine Bananen!“

Danach beginnt das, was Spiegel Online als „Waffenporno“ bezeichnet: Kriegsschiffe und Action-Musik, lachende Männer und Explosionen. Dazu, gut dosiert, die wichtige Botschaft: Bananen kommen über's Meer. Unser Wohlstand hängt wesentlich vom Handel über die Weltmeere ab. Der Handel über die Weltmeere erfordert sichere Seewege. Eine starke Marine schützt diese Seewege.

Der Soldat, dein Freund und Helfer

Was will uns die Bundeswehr mit ihrem Bananen-Video zeigen? Dass ohne sie die Bundesrepublik zur DDR wird? Dass es jetzt offiziell okay ist, wenn das Militär zum Handlanger deutscher Unternehmen wird?

Schon seit Jahren ist in Strategiepapieren der Bundeswehr nachzulesen, dass es nicht nur um vermeintliche Friedenssicherung geht, sondern um knallharte deutsche Wirtschaftsinteressen. Das in der Öffentlichkeit auszusprechen, war jedoch lange Zeit verpönt. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler hatte das nicht auf dem Schirm, als er im Jahr 2010 ein entsprechendes Interview gab. Die Öffentlichkeit war empört, Köhler hielt das nicht aus und trat zurück.

Das Marine-Video ist aber weniger ein bewusstes öffentliches Bekenntnis zum neuen Verständnis der Bundeswehr als Wirtschafts-Armee. Das ist bloß ein ungewollter Nebeneffekt, eigentlich soll mit dem Spot die Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Gesellschaft gezeigt werden. Der Soldat, dein Freund und Helfer. Wenn das der Rekrutierung nützt, wird auch schonmal das Tabu gebrochen, über das Horst Köhler einst gestolpert ist.

Kommentare (26)

M.B. 19.07.2013 | 12:36

Ich finde, die Kritik am "Werbefilm" ist größtenteils unbegründet, es wird versucht, die Bundeswehr mit bewehrter Penetranz ins Lächerliche zu rücken. Natürlich mag das Video etwas merkwürdig anmuten, sicherlich auch weil es sich von der Machart eher auf Amateurniveau bewegt, aber grundsätzlich ist inhaltlich nichts einzuwenden.

Im Video wird beispielsweise gesagt, dass unser Wohlstand wesentlich vom Handel über die Weltmeere abhängt. Diese Aussage ist vollkommen korrekt, jeder, der anderer Meinung ist, sollte mal im Supermarkt darauf achten, was er denn immer alles einkauft.

"Dass es jetzt offiziell okay ist, wenn das Militär zum Handlanger deutscher Unternehmen wird?" -Nein, sondern dass es okay ist, wenn die Bundeswehr die Interessen Deutschlands schützt. Unabhängig vom Wirtschaftszweig oder gar Unternehmen.

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2013 | 12:56

Die Bundeswehr benötigt für einen Lacher kein Video, die bloße Existenz reicht dazu aus.

Nach dem Bild zu urteilen sind Sie zu jung, um zu wissen, dass die Bundeswehr allein zur Bespaßung der Truppen des Warschauer Paktes gegründet wurde, damit in der Zeit, in der die sich vor Lachen winden, richtige Soldaten herantransportiert werden konnten.

Zu erwarten, dass da etwas anderes herauskommt als eine Realsatire ist wirklich lustig.

Rufus T. Firefly 19.07.2013 | 13:56

Im Video wird beispielsweise gesagt, dass unser Wohlstand wesentlich vom Handel über die Weltmeere abhängt. Diese Aussage ist vollkommen korrekt, jeder, der anderer Meinung ist, sollte mal im Supermarkt darauf achten, was er denn immer alles einkauft.

Darum geht es hier meiner Ansicht nach nicht. Vielmehr geht es darum, dass genau diese Verteidigung des Wohlstandes und der wirtschaftlichen Interessen der BRD bisher stets von unserer Regierung negiert wurde. Zumal es offiziell und nach Gesetz auch nicht zum Aufgabengebiet der Bundeswehr gehört (siehe Verteidigungpolitische Richtlinien von 2011 und GG). Köhler sprach die Verteidigung der wirt. Interessen offen aus und wurde dafür zurückgetreten.

Nein, sondern dass es okay ist, wenn die Bundeswehr die Interessen Deutschlands schützt. Unabhängig vom Wirtschaftszweig oder gar Unternehmen.

Darüber kann man geteilter Meinung sein. Bin ich auch. Fakt ist, dass die Einsatzmöglichkeiten der BW gesetzlich strikt geregelt sind. Containerschiffen die Handelswege freihalten und -schiessen gehört (noch) nicht dazu.

wwalkie 19.07.2013 | 15:52

Das "Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser!" Wilhelms II. ist immer noch zeitgemäß. So wie der Imperialismus. 1897 verabschiedete der tragikkomische Kaiser seinen Bruder Heinrich, der von Kiel nach Ostasien fahren wollte , auf der "Deutschland", versteht sich, folgendermaßen:

... der deutsche Handel blüht und entwickelt sich, und er kann sich nur gedeihlich und sicher entwickeln, wenn er unter Reichsgewalt sich sicher fühlt. Reichsgewalt bedeutet Seegewalt... Als ein Zeichen der Reichs- und Seegewalt wird nun das durch deine Division verstärkte Geschwader aufzutreten haben, mit allen Kameraden der fremden Flotten draußen im innigen Verkehr und guter Freundschaft, zu festem Schutz der heimischen Interessen gegen jeden, der den Deutschen zu nahe treten will... Seine Königliche Hoheit, der Prinz Heinrich lebe! Hurra! - Hurra! - Hurra!

Man möchte darüber lachen, genauso wie über die dilettantische Bundeswehragitation, aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Noch immer halten die Herrschenden und ihre Militärs die Menschen für dümmer, als sie selber sind.

Flori 19.07.2013 | 17:10

Ich finde die Ästhetik des Spots auch ekliger als seine Aussage. Es wird benannt, was die Bundeswehr (gesetzwidrig, aber streng im Interesse des Kapitals) tut. Dass die Jungs und ihre Waffen dabei eine glückliche Rama-Familie sind, das ist das Verlogene. - Wobei, wenn man genau hinguckt: an einer Stelle zeigt ein Taucher dem andern: Du Arschloch! Und der zeigt zurück: selber!

h.yuren 19.07.2013 | 19:34

lieber felix,

dass die bundeswehr wie alles militär nur als bittere satire zu verstehen ist, war mir auch ohne we(h)rbespots der truppe klar. dass aber auch die nachrichtenredaktionen oft, zu oft lachnummern sind, zeigt der selbstverständliche gebrauch des wortes "Schutztruppe". den redaktionären und wahrscheinlich auch den sprechern ist nicht klar, auf was für ein altes möbelstück aus der kaiserzeit die sprachregler zurückgriffen. dabei denunzieren alle beteiligten die soldaten am hindukusch als kolonialtruppe. ironie der geschichte oder realsatire.

grüße, hy

Karl K 20.07.2013 | 11:27

Schlümmer geht immer!

Eine Bananentruppe war die WehrmachtB von Anfang an. Auch und gerade zunächst noch nach dem Willen aller! Allierten! (HS 30, Runter-kommen-sie-immer-Starfighter, FJS " buch eins, nimm 2)! Das " Y " auf dem Nummernschild der Mordfahrzeuge stand bekanntlich. für " das Ende von Germany!"

Daß jetzt aber eine klandestine-Schröder/Miseré-offen zum Söldnerhaufen verkommen-mutierte Ansammlung von Schlagetots Werbung mit Staatsknete machen dürfen; es auszeichnungswürdig ist, wenn Schulen NEIN DANKE sagen;

Ja Herrgottschaftsgezeiten - da können wir ja glatt mit den Vereinigten Ring-Vereinen ( um in 'schland zu bleiben) - WEITERMACHEN!

weinsztein 21.07.2013 | 04:49

"Noch immer halten die Herrschenden und ihre Militärs die Menschen für dümmer, als sie selber sind."

Ich fürchte, das stimmt nicht.

Dieser Werbespot der Bundeswehr dürfte seine Zielgruppe erreichen: sehr viele junge Frauen und Männer, die sich nach einer persönlichen wie beruflichen Perspektive (gern mit ein wenig Abenteuer und Rumballerei) sehnen und dabei Gutes tun wollen, etwa, die Versorgung ihrer Mitmenschen zu sichern.

Sie werden erfolgreich belogen. Das halte ich für das eigentliche Dilemma. Linke und linke Medien haben noch viel zu tun.

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Ehemaliger Nutzer 22.07.2013 | 07:24

und die polizei ...

Nie hatte sich Josef Eder etwas zuschulden kommen lassen, doch am 15. November 2010 prügelte ihn ein zehnköpfiges Einsatzteam der Polizei krankenhausreif – zusammen mit seiner Frau, der Tochter und dem Schwiegersohn Anton Brandmaier. Polizisten waren im bayerischen Pfaffenhofen auf der Suche nach einem früheren Mieter der Familie Eder. Als Eders Tochter an ihrer Wohnungstür die Beamten in Zivil um die Dienstausweise bat, wurden diese grob. Sie zerrten die Frau in den Flur und schlugen auf sie ein. Genauso erging es Josef Eder, selbst ein ehemaliger Polizeibeamter, und anderen hinzugeeilten Familienmitgliedern. Erst als Eders Frau einen Nervenzusammenbruch erlitt, riefen die Beamten einen Rettungswagen. Bei Eder wurden ein Bauchtrauma und Prellungen diagnostiziert, der Körper seines Schwiegersohnes war mit Blutergüssen übersät. Die Familie erstattete Anzeige, stimmte am Ende aber dem Vorschlag des Richters zu, das Verfahren einzustellen. Josef Eder, 68, und Anton Brandmaier, 38, diskutieren mit Rainer Wendt, 56, dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft.

http://www.zeit.de/2013/30/polizei-gewalt-streitgespraech

Maria Jacobi 22.07.2013 | 18:55

@ Andreas Kuntz

"Es spricht unter dem Strich tatsächlich mehr dafür, mit Äpfeln und Birnen vorlieb zu nehmen. Downshifting und so."

Da muss ich Sie enttäuschen. Als ehemaliger DDR-ler weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das mit dem Downshifting zu Äpfeln und Birnen in einer Gesellschaft, die Ihnen so vorschwebt, wohl nichts werden wird. Es sei denn, Sie werden Kleingärtner.

Chaospraktiker 27.07.2013 | 23:25

1. Wohlbefinden <> Wohlstand. 2. Wenn Wohlstand z.B. am Volkseinkommen "gemessen" wird: Selbst in bürgerlicher VWL ist Export EINE Möglichkeit der Wohlstandsmehrung, Import sogar wohlstands-senkend --> Es geht also nicht um "Wohlstand für alle" (L. Erhard), sondern Profitmaximierung durch ökologisch oft unsinnige Transporte/Lohndumping usw. und Machtausübung eines imperialistischen Staats aus der "2. Reihe". Mit D verteidigen (gegen wen denn, wenn nicht gegen USA und NSA?) hat das gar nix zu tun. Da müßte die Bundeswehr erst mal asymmetrische Kriegsführung aus der schwächeren Position lernen. Aber abschaffen kommt billiger und menschlicher. Kreuzfahrten statt Panzerkreuzer!

M.B. 28.07.2013 | 18:46

Zu 1.: Ja und? Ich verstehe nicht ganz was das konkret mit dem Thema zutun hat. Wenn ein Land in Wohlstand lebt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass das Wohlbefinden der Allgemeinwelt auch groß ist. Das muss nicht so sein, ist aber naheliegend.

Zu 2.: Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass ein übermäßiger Import wohlstandssenkend (aus finanzieller Sicht) ist. Deshalb kann man doch aber nicht auf sämtliche Importe verzichten. Wohlstand ist nämlich im erweiterten Sinne auch, wenn man einen Fernseher, ein Smartphone und eine Mikrowelle besitzt, nicht für Bananen anstehen muss und im Supermarkt das Privileg hat, zu entscheiden, ob man einen australischen oder einen südafrikanischen Wein kauft.

Wenn sie sich über die ökologisch oft unsinnige Transporte beschweren, dann gebe ich Ihnen insoweit recht, dass diese Transporte unserem Planeten nicht positiv beeinflussen werden. Da es ohne Importe aber nunmal nicht geht, frage ich Sie, wie Sie denn da importieren/transportieren wollen- mit dem Flugzeug?

Über die Sinnhaftigkeit der Bundeswehr lässt sich lang und breit diskutieren, für mich steht sie außer Frage, auch wenn ich Einsätze aus Bündnisverpflichtungen genau wie bspw. den Afghanistan-Einsatz ablehne.

Chaospraktiker 02.08.2013 | 22:50

Zu 1: Eine der Voraussetzungen für Wohlstand als zumindest das Wohlbefinden befördernder Faktor ist Verteilungsgerechtigkeit. Bei den Unterschieden in der BRD?

Zu 2: Die ganzen genannten Beispiele vom Fernseher (der vielleicht noch am ehesten über die Informationsfunktion zu rechtfertigen ist) bis zur Weinauswahl sind nicht existenzwichtig, z.T. sogar (etwa Smartphone und Mikrowelle) gesundheitsbedrohend bis -schädlich. Wenn die Fischereirechte der Somalis geachtet würden, gäbe es zumindest viel weniger Piraten. Wenn die unnötigen Warenströme vermieden würde, weniger Transporte. Und darunter wären wieder nur wenige ZUR ZEIT vielleicht existenznotwendige. Z.B. Öl, weil die Umstellung auf Energiesparen UND regenerative Energien noch nicht vollendet ist. Aber braucht es eine Bundeswehr, um z.B. Pipelines zu sichern, an deren Funktionierenn ja auch die Exporteure und die Transitländer Interesse haben? Wann war jemals die Gasversorgung aus der Sowjetunion bzw. deren Nachfolgstaaten gefährdet?

Chaospraktiker 02.08.2013 | 22:54

Als die "Grünen" noch nicht Kriegs-, sondern Friedenspartei waren, war der Ärger der Etablierten groß, als ein grüner Abgeordneter einen amerikanischen General mit echten (ich glaube, Schweine-)Blut begoß. Ich gestehe zu, daß für solche Warlords wie Barracks Obama und deren Kollaborateure wie Merkel, de Maiziere usw. auch Schweineblut und erst recht die selbst gehegten Tomaten zu schade sind. Aber die Macht der Bilder erfordert halt manchmal Kompromisse ...