Felix Werdermann
Ausgabe 4116 | 17.10.2016 | 06:00 7

Eine große Luftnummer

Klimaschutz Der Flugverkehr soll seine CO2-Emissionen künftig deckeln. Doch das nun beschlossene Abkommen hat viele Lücken

Eine große Luftnummer

Blieb bisher komplett unerfasst: der Flugverkehr

Bild: imago/blickwinkel

Als der Klimavertrag in Paris endlich stand, haben Politiker und Diplomaten gejubelt. Das war Ende des vergangenen Jahres. Jetzt wäre die Zeit, zu weinen. Die UN-Organisation für zivile Luftfahrt ICAO hat ein nahezu ungebremstes Wachstum des Flugverkehrs erlaubt, dabei ist das Fliegen die klimaschädlichste Methode der Fortbewegung.

Wenn künftig immer mehr Menschen zu Billigpreisen um die Welt jetten, ist der globale Klimaschutz gestorben. Derzeit verursacht der Flugverkehr zwar erst zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes, doch weil auch andere Abgase entstehen und die Emissionen zudem in der Atmosphäre stärker wirken, trägt die Fliegerei schon heute mit rund fünf Prozent zur Erderwärmung bei. Und die Tendenz zeigt steil nach oben.

Es geht um's Weiter-so

Vom Pariser Klimavertrag ist der Flugverkehr jedoch überhaupt nicht erfasst. Die Europäische Union wollte schon 2012 internationale Flüge in ihren Emissionshandel einbeziehen, doch nach Protesten von China, Indien und den USA wurden die Pläne wieder begraben. Seitdem hofften viele auf die UN-Organisation ICAO. Jetzt haben Vertreter von 191 Staaten tagelang verhandelt – und am Ende ein Abkommen voller Lücken beschlossen.

Die CO2-Emissionen sollen auf dem Niveau von 2020 gedeckelt werden. Es geht also nicht um Reduktion, sondern um ein Weiter-so. Außerdem ist die Regelung in den ersten Jahren freiwillig, verbindlich gilt sie erst ab 2027. Etwas spät: Schon im Kyoto-Protokoll von 1997 (30 Jahre zuvor!) wurden die Industrieländer zu einer „Begrenzung oder Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen aus dem Flugverkehr“ aufgefordert.

Selbst die späte Deckelung der Emissionen entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als eine große Trickserei. Wer nämlich Klimaschutzprojekte – etwa Ökostromanlagen – finanziert, darf in der Luft doch mehr CO2 ausstoßen. Dabei ist nur sehr schwer überprüfbar, wie viel CO2 durch die Projekte tatsächlich gespart wird. Woher soll man denn sicher wissen, ob eine Biogasanlage ein Kohlekraftwerk verhindert hat oder ohnehin gebaut worden wäre?

Unterm Strich bleibt ein enttäuschendes Abkommen, wie die Umweltorganisation Germanwatch treffend feststellt: „Mit Abstand das Beste an dem neuen Instrument ist, dass es alle drei Jahre nachgebessert werden kann.“

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 41/16.

Kommentare (7)

h.yuren 17.10.2016 | 08:32

lieber felix,

mir ist die lage der staaten der erde insgesamt zu zweifelhaft. es geht immer munter weiter auf wachstumskurs. die fliegerei ist nicht die umweltschädlichste fortbewegungsvariante, sie ist auch immer schon die kriegerischste. wenn die jets dann auch noch ihre bomben werfen, entsteht eine noch dickere wolke schädlicher gase. rechnen die kriege bei den einschätzungen der ungremien überhaupt mit? und die großen manöver?

aber mal abgesehen vom wachstumsmarkt vielfliegerei, sehe ich ich den globalen kapitalismus nirgendwo auf einem kurs zum klimaschutz. straßen- und schiffsverkehr sind ja auch nicht zimperlich unterwegs. und der reiche norden geht voll geheizt in den winter.

ich weiß nicht, wie jemand überhaupt von den psychopathen der welt irgendwo einen funken einsicht erwarten kann.

h.yuren 17.10.2016 | 09:50

nur zivilluftfahrt. das ist doch schon bezeichnend. sind diese leute tatsächlich so blind für die realitäten oder was treibt sie?

der luftkrieg ist die kriegführung der reichen. aber das übrige militär geht ja schon lange nicht mehr zu fuß. flugzeugträger dürften sehr viel öl verfeuern. ihre anzahl ist überschaubar.

nur, die panzer und übrigen militärgerätschaften sind nicht gerade im leichtbau unterwegs. und was die abfeuern, ist meist ein anderes kaliber als silvester feuerwerk.

justme 21.10.2016 | 19:12

Es gibt doch kein schwarz und weiss in der "Klimarettung", sondern ein unguenstig bis katastrophal, und jedes Grad weniger verringert die Risiken und Kosten fuer zukuenftige Lebewesen (Menschen allen voran) und Gesellschaften auf der Erde. Die Rethorik "jetzt ist es eh zu spaet, dann ist auch egal" ist absolut kontraproduktiv. Und wenn Sie zugegebenemassen "keine Ahnung" haben, dann wuerde ich empfehlen, sich diese anzulesen.

na64 24.10.2016 | 16:38

Der Horror Clown greift um sich: Schwefeldioxid ( Startseite LUBW > Themen > Luft > Luftqualitaet ... Ich kaufe Ihnen einen VW Passat in dem die Abgase in den Innenraum geleitet werden und für eine gewisse Kostenbeteiligung, einer Umweltsteuer bei der KFZ Zulassungsstelle können Sie einen Antrag stellen, um die Abgase wieder wie gewohnt entsorgen zu dürfen. Ist alles ein wenig ungünstig, aber den noch keine Katastrophe.

SigismundRuestig 24.11.2016 | 16:38

Wir erinnern uns:Bei der letzten Klimakonferenz in Paris wurden die Ergebnisse als "historischer Fortschritt" verkauft. Schön wär's.Für mich klingt es wie Augenwischerei. Die Ziele hochsetzen (Erderwärmung auf 1,5 Grad anstelle 2 Grad begrenzen) und sich dafür feiern lassen, aber die Maßnahmen und deren Verbindlichkeit runtersetzen und möglichst nicht hinterfragen. Das kommt jetzt, wo alles konkretisiert werden soll, ans Licht. Die Union, insbesondere die CSU-Bundesminister, wollen mehr Wirtschaftswachstum, mehr ökologiefeindliche Landwirtschaft, mehr schmutzige Autoabgase und weniger Klimaschutz! Und Gabriel fürchtet die Kohlelobby. Doch Merkel schwadroniert von Dekarbonisierung, läßt sich als Klima-Kanzlerin feiern und bringt nur ein Umsetzungsplänchen auf die Beine!Im übrigen war schon in den Rechen-Modellen für das 2 Grad-Ziel z.B. das zwangsläufige Auftauen der Permafrostböden (enthalten fast doppelt soviel Kohlenstoff wie die gesamte Erdvegetation), das zu einer enormen Freisetzung von Kohlenstoff führt, nicht berücksichtigt.Was tun? Warten bis Öl- und Gas-Vorräte erschöpft sind? Auf die nächste Eiszeit warten? Sich anpassen?Diese Fragen hat sich auch Singer-Songwriter Sigismund Ruestig gestellt:http://youtu.be/s7Ivdm2-ZCQ
http://youtu.be/LpxSXYw9tC0
http://youtu.be/-q0gF597WEA
Viel Spaß beim Anhören.