Felix Werdermann
Ausgabe 1614 | 17.04.2014 | 06:00 21

Falsche Freunde des Klimas

IPCC-Bericht Im neuen Report des Weltklimarats präsentieren die Wissenschaftler auch zwei umstrittene Maßnahmen: Atomkraft und CCS-Technik. Können wir nur so die Erderwärmung stoppen?

Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf. Um die Erderwärmung zu stoppen, reicht es nicht mehr, weniger Abgase in die Welt zu pusten. Nein, der Atmosphäre muss das Kohlendioxid sogar wieder entzogen werden, wenn das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden soll. Der neueste Bericht des Weltklimarats IPCC ist ein Warnruf. Die Experten schlagen zur Weltrettung die weitere Nutzung der Atomkraft vor und die Verpressung von Klimagasen in tiefe Gesteinsschichten – die sogenannte CCS-Technik. Dürfen die das?

Einige Umweltschützer relativieren: Atomkraft werde doch gar nicht „empfohlen“, sondern nur als CO2-arme Technologie genannt. Im Abschnitt über CCS werde auch auf die Sicherheitsrisiken hingewiesen und darauf, dass derzeit noch völlig offen ist, ob es jemals technisch und wirtschaftlich in großem Maße funktionieren wird, das Kohlendioxid sicher unterirdisch zu lagern. In Kombination mit der Verfeuerung von Biomasse ließe sich so das schädliche Klimagas aus der Atmosphäre holen.

Über die Formulierungen im IPCC-Bericht haben die Politiker bereits tagelang gestritten. Egal, ob man das als Empfehlung wertet oder nicht: Jetzt wird über Atomkraft und CCS diskutiert. Da ist es eigentlich egal, was ursprünglich im Text stand.

Nicht blind befolgen

Wer den wissenschaftlichen Anspruch des Weltklimarats ernst nimmt, muss im Bericht alle Optionen nennen. Manche Möglichkeiten zu verschweigen, wäre inakzeptabel. Aber die Politik darf auch nicht alle Ratschläge blind befolgen.

Ein nuklearer GAU würde manch negative Folgen der Erderwärmung durchaus in den Schatten stellen. Zudem kann die Atomkraft ohnehin nur einen winzigen Beitrag zur CO2-Minderung leisten, weil sie nur Strom produziert, aber weder Wärme noch Treibstoff. Und die CCS-Technik mag notwendig sein für Industrieprozesse, bei denen sich die CO2-Produktion nicht vermeiden lässt. CCS darf jedoch nicht als Feigenblatt dienen für den Weiterbetrieb oder Neubau von Kohlekraftwerken.

Das ist die wichtigere Botschaft des Berichts: Die Menschheit muss sich von der Nutzung der Kohle verabschieden. Darüber sollte diskutiert werden, nicht über die falschen Freunde des Klimas.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 16/14.

Kommentare (21)

h.yuren 17.04.2014 | 19:39

die angenehmere Alternative als einfach nichts zu tun.

nichts zu tun, ist schlechterdings nicht möglich. wahrscheinlich sollte damit gemeint sein, alles so weiterlaufen lassen wie bisher. und das ist der weg in die katastrophe. dasa sagt der bericht recht deutlich.

den unsinn über den nutzen der atomkraft und des ccs haben nicht die klimatologen erfunden, sondern die zuflüsterer aus der politik. die maßgabe lautet, weniger treibhausgas in die atmosphäre zu pusten. der beste weg dahin wäre eine globale energiewende. aber die gibt es nicht.

iDog 18.04.2014 | 17:05

"Zudem kann die Atomkraft ohnehin nur einen winzigen Beitrag zur CO2-Minderung leisten, weil sie nur Strom produziert, aber weder Wärme noch Treibstoff. "

Der geneigte leser sollte sich diese Studie zur Atomkraft anschauen. Sie deckt nicht nur den Irrtum auf Atomkraft haben eine positive CO2 Bilanz - es werden meistens nicht alle beteiligten Prozesse in die Bilanz mit einbezogen von der Uranbeschaffung bis zur Endlagerungsproblematik und Rückbau, sondern es wird auch dargelegt , warum Atomkraft wegen einer absehbar negativen Energiebilanz wenig Argumente auf ihrer Seite hat. Um aus dem unendlich vorkommenden Urangestein der Erde eine positive Energiebelanz zu halten muss das Gestein mehr als 0,15% Uran enthalten . Die bekannten Lagerstätten weisen einen Vorrat dieser Qualität von für etwa 15-20 Jahre auf ( wenn keine Reaktoren dazu kommen) . Daher die Bestrebung der Atomindustrie radikal auf die noch umweltschädlicheren Mox Brennstäbe umzustellen, die aus der Wiederaufbereitung stammen.

Atomkraft ist eine extrem umweltgefährdendes Geldmelksystem und keine Lösung. Fukoshima lässt grüßen ...

Atomkraft ist die letzte Wahrheit : die Macht der Bombe.

Der IPPC ist schlecht beraten.

Angebliche Sachzwänge sind kein Argument für Dummheiten.

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Ehemaliger Nutzer 19.04.2014 | 08:00

Den Klimawandel gabe es schon immer und den wird es auch immer geben. Neu ist nur, dass wir damit verarscht werden. Ziel ist dabei neue Quellen für Abgaben zu erschließen, Regulierungsinstrumente zu kreieren, die gegen andere eingesetzt werden können und natürlich die Ablenkung vom eigentlichen Umweltfrevel, nämlich der industriellen Zerstörung selbiger.

Wer es einfach haben will, fürs Klima ist Wasserdampf hauptverantwortlich und nicht CO2 und der Anteil des Menschen an der CO2 Produktion beträgt schlappe fünf Prozent. Wir haben dabei also gar keine Bedeutung.

Hartmut Lau 20.04.2014 | 20:28

Der IPCC bericht ist ein Interessenbericht, mit dem Ziel, Luft zu besteuern. In diesem Fall CO2.

Es wird nicht moeglich sein, die tatsaechlichen Wechselwirkungen in einem offenen System, wie es die Erde nun mal ist, zu erfassen.

CO2 ist ein essentieller Rohstoff, welcher fuer das Leben unabdingbar ist.

Der "Ofen" fuer das Klima und dem Wetter ist nun mal die Sonne.

Die Sonne hat Ihre Energie min/max Zyklen, ein Teil strahlt davon auf die Erde und beeinflusst somit die Temperaturen.

Wie viel davon von der Erde reflektiert wird,darueber gibt es keine Kenntnisse.

Weiter sind 2/3 der Erde mit Wasser bedeckt. Auch diese Wechselwirkungen mit der Atmosphaere sind nicht erfassbar.

In der Erdgeschichte gab es Zeiten, da war der CO2 Gehalt um das Mehrfache vorhanden als heute. Also was soll der Quatsch der "Global Warming", wem nutzt es?

Aus den paar vorgenannten Gruenden ist die CO2 Hysterie , sachlich fundamentaler Bloedsinn. Es dient ausschliesslich der Abzocke.

mercator 22.04.2014 | 22:11

Lieber Herr Lau,

wenn Sie sich nur ein bisschen mit dem IPCC Bericht beschäftigt hätten, dann würden Sie merken, dass alles was Sie schreiben weit weg von jedem wissenschaftlichen Konsens liegt.

CO2 ist ein essentieller Bestandteil der Atmosphäre, aber die ansteigenden Konzentrationen sind Menschen gemacht und das hat enorme Einflüsse auf das globale Klima. Selbstverständlich sind nicht alle Zusammenhänge und Prozesse verstanden und werden es wohl auch nie sein.

Ich denke nur, dass nach derzeitigen Kenntnisstand die Ignoranz der Klimaerwärmung nicht nur fahrlässig, sondern sogar unmenschlich für viele Teile der Welt und nachfolgende Generationen sind.

Hartmut Lau 24.04.2014 | 23:54

@Merkador

Den Unsinn des Menschen gemachten CO2 ist dahingehend richtig, dass in etwa 2 - 5 % von den im Durchschnittt 350 ppm anfallen. Das sind 7 - 17,5 ppm.

Zum Verstaendnis: 350 ppm = cm3 / m3

von Menschen gemacht: 7 - 17,5 cm3

CO2 ist ein essentieller Rohstoff fuer alles Leben auf der Erde. In den Gewaechshaeusern fuer Gemueseanbau wird der CO2 Gehalt mehr als verdoppelt, damit der Ertrag verbessert wird.

CO2 ist schwerer als Luft, und aus diesem Grunde am Boden und nicht in den Hoehen der Athmosphaere . Weiter ist der Wasserdampf der Hauptverursacher in der Atmosphaere, und der "Ofen" zu 95% - 98% unsere Waermequelle, die Sonne.

Die IPPC ist kein wissenschaftliches Institut, ist wegen Betrug auch in der Vergangenheit auch schon sehr bekannt geworden. Und ganz nebenbei, es ist nicht zu fassen, dass nicht reproduzierbare Daten in Computer zu Klima Modelle mutieren, ohne Erfassung der Meeresoberflaeche, und die Atmosphaere darueber,ohne Kenntnis der Wechselwirkungen im solarem System, uns als Realitaet verkauft wird.

Fragt sich nur, wie lange dieser Schwachsinn Bestand hat?

Unsere kommenden Generationen werden nicht verstehen koennen, warum der CO2 Gehalt weiter reduziert werden soll, da diese Massnahmen die Lebensmittelproduktion negativ beeinflussen. Eine Erhoehung der ppm auf ueber 1000 wird keinem Lebewesen Schaden zufuegen. im Gegenteil....

Daniel Uxa 07.08.2014 | 14:52

Auf den ganzen Blödsinn einzugehen, dauert viel zu lange, aber mit einer Sache wird bei solchen Lamenti immer der Vogel abgeschossen:

"CO2 ist schwerer als Luft"

Und nachts ist es kälter als draußen, oder was? Seit wann hat Luft eine chemische Summenformel, anhand derer man die molare Masse der Verbindung berechnen könnte und mit CO2 vergleichen? Könnte es vielleicht sein, dass die gasförmige Verbindung CO2 ein Bestandteil des Gasgemisches ist, dass Sie als Luft bezeichnen?

Jetzt habe ich gegen den "Do not feed the Troll"-Grundsatz für Internetforen verstoßen, sorry. Aber immer dieses dumme Geschwätz irgendwelcher "Skeptiker" tut allmählich weh.

Daniel Uxa 07.08.2014 | 14:55

Nun, dann würde man dem links-progressiven Atomkraftbefürworter mal die Lektüre von "Friedlich in die Katastrophe" von Holger Strohm empfehlen, anschließend den Film "Die vierte Revolution" von Hermann Scheer. Wenn das alles nicht wissenschaftlich überzeugend genug sein sollte, dann wäre ein Studium der Physik oder physikalischer Technologien oder der Energietechnik empfehlenswert, um Grundlagen für die sachliche Beureilung der Sackgassen der Alternativen zu schaffen.

Daniel Uxa 07.08.2014 | 22:32

Nun, bleibt die Frage, wer die allermeisten Atomkraftfachleute bezahlt. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing? Ich habe zumindest an der Uni keine Fachleute für Atome getroffen, die Kernenergie wirklich befürworten. Zumindest nicht mit der Technik, die uns heute zur Verfügung steht. Und die Probleme müssen jetzt, und nicht in ferner Zukunft gelöst werden. Und nein, da ist auch keiner dabei, der was auf Kernfusion gibt.

Lethe 08.08.2014 | 00:50

Fachleute für Atome, ja, klingt sehr kundig

Verraten Sie mir, wer die beiden von Ihnen genannten Filme finanziert hat? Dann erzähle ich Ihnen, welches Lied darin gesungen wurde.

Wenn die beiden Communities, der Gegner und Befürworter von Kernenergie, einander nicht so furchtbar lieb hätten und im Umgang miteinander wenigstens noch rudimentäre Höflichkeiten wie gegenseitiges Zuhören und Ernstnehmen pflegen würden, könnten immer noch und sogar mit heutiger Technik Lösungen geschaffen werden, die den Problemen deutlich angemessener wären als die Energiewende. Aber das ist ein Kampf, der in Deutschland mehr oder weniger entschieden ist, von daher, Glückwunsch.

Daniel Uxa 08.08.2014 | 16:23

Fachleute für Atome, ja, klingt sehr kundig

Na mindestens so kundig wie Atomkraftfachleute ? Welche meinten Sie da eigentlich ? Ackermann, Schily und Bierhoff in „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“ ? Oder die Experten der Kommunikationsagentur Deekeling Arndt Advisors (DDA) mit ihrer Kampagne "Energieverantwortung für Deutschland" :

http://www.taz.de/fileadmin/static/pdf/atomlobby1.pdf

http://www.taz.de/fileadmin/static/pdf/atomlobby2.pdf

Verraten Sie mir, wer die beiden von Ihnen genannten Filme finanziert hat? Dann erzähle ich Ihnen, welches Lied darin gesungen wurde.

"Die vierte Revolution" wurde von Carl-A. Fechner produziert via fechnerMEDIA, Protagonsiten sind Hermann Scheer, Bianca Jagger, Muhammad Yunus, Maximilian Gege, Matthias Willenbacher, Zhengrong Shi, Elon Musk, Maria Skyllas-Kazacos, Preben Maegaard, Ibrahim Togola.

"Friedlich in die Katastrophe" ist ein Buch, von Holger Strohm, erschienen in der Erstausgabe schon 1973. 2012 ist es als Dokumentarfilm erschienen, finanziert von Strohm selbst.

Wenn die beiden Communities, der Gegner und Befürworter von Kernenergie, einander nicht so furchtbar lieb hätten und im Umgang miteinander wenigstens noch rudimentäre Höflichkeiten wie gegenseitiges Zuhören und Ernstnehmen pflegen würden, könnten immer noch und sogar mit heutiger Technik Lösungen geschaffen werden, die den Problemen deutlich angemessener wären als die Energiewende.

Sie meinen so rudimentäre Höflichkeiten wie die Kriminalisierung der Friedens - und Anti-Atom-Bewegung?

Also da kann ich nur Lektüre emfehlen:

- Butterwegge, Docke, Hachmeister, Kriminalisierung der Friedensbewegung. Abschreckung nach innen?

- Kapitel 5 in Grass, Dahm, Strasser, In einem reichen Land. Zeugnisse alltäglichen Leidens an der Gesellschaft.

Oder eben das Buch von Strohm.

Ich formuliere den Satz mal um: Wenn die Befürworter von Kernenergie in Hinblick auf technische und ökonomische Aspekte mal ehrlich wären, hätte sich das Thema längst erledigt.

Aber das ist ein Kampf, der in Deutschland mehr oder weniger entschieden ist, von daher, Glückwunsch.

Glückwunsch wofür? Das nach den Toten und der Zerstörung von Tschernobyl und Fukushima vielleicht doch mal ein Umdenken einsetzt? Das ist zynisch. Und ich glaube auch nicht, das der "Kampf" in Deutschland schon entschieden ist. Nicht, solange genug Geld im Spiel ist.

Lethe 12.08.2014 | 12:30

Na mindestens so kundig wie Atomkraftfachleute ? Welche meinten Sie da eigentlich ?

Leute, die in Atomkraftwerken arbeiten und somit von der Sache auf Grundlage eigener Praxis Ahnung haben?

Sie meinen so rudimentäre Höflichkeiten wie die Kriminalisierung der Friedens - und Anti-Atom-Bewegung?

ja, solche Höflichkeiten, oder auch, von der anderen Seite aus, wie die pauschale Umdeutung beherrschter Störfälle zu Beinahe-GAUs.

Wenn die Befürworter von Kernenergie in Hinblick auf technische und ökonomische Aspekte mal ehrlich wären, hätte sich das Thema längst erledigt

Wenn die Verfechter alternativer Energieversorung nicht sich selbst und die Öffentlichkeit systematisch über das Ausmaß des zukünftigen Bedarfs an Energie hinwegtäuschen würden, wäre alternative Energieversorgung längst als das hübsche Märchen entlarvt, das es in Wirklichkeit ist.

Das nach den Toten und der Zerstörung von Tschernobyl und Fukushima vielleicht doch mal ein Umdenken einsetzt?

Eher dafür, dass seit gut 30 Jahren in Deutschland noch nicht mal mehr darüber nachgedacht werden darf, Kernenergietechnik auf ein neues technisches Level zu heben. Aber natürlich ist der deutsche Kernkraftgegner auch befugt, für die ganze Welt zu sprechen. Echt blöd, dass die Welt darüber mehrheitlich nur den Kopf schüttelt.

Daniel Uxa 12.08.2014 | 22:10

Leute, die in Atomkraftwerken arbeiten und somit von der Sache auf Grundlage eigener Praxis Ahnung haben?

Leute, die in Atomkraftwerken arbeiten, sind sicher sehr objektiv in der Diskussion. Ernsthaft?

Sie meinen so rudimentäre Höflichkeiten wie die Kriminalisierung der Friedens - und Anti-Atom-Bewegung?

ja, solche Höflichkeiten, oder auch, von der anderen Seite aus, wie die pauschale Umdeutung beherrschter Störfälle zu Beinahe-GAUs.

Da fehlt mir glatt die Sprache. Rechtsbrechung, Untergrabung von Grundrechten und Nichtachtung demokratischer Prinzipien sind sicher vergleichbar mit pauschaler Umdeutung beherrschter Störfälle zu Beinahe-GAUs. Also die Störfälle, von denen die Öffentlichkeit überhaupt bzw. zeitnah erfährt oder die gemeldet wurden. Um die Restlichen muss sich die Industrie ja keine Sorgen machen. Und wenn halt so ein Störfall alle paar Jahrzehnte halt nicht beherrschbar ist, ist auch egal? Sind Sie sich eigentlich mit dem "links-progressiv" sicher? Nicht dass da am Ende noch eine größere Selbsttäuschung vorliegt.

Wenn die Verfechter alternativer Energieversorung nicht sich selbst und die Öffentlichkeit systematisch über das Ausmaß des zukünftigen Bedarfs an Energie hinwegtäuschen würden, wäre alternative Energieversorgung längst als das hübsche Märchen entlarvt, das es in Wirklichkeit ist.

Also eigentlich ist es ja so, dass die Atomindustrie die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten über den zukünftigen Energiebedarf belügt. Was da nicht alles an Prognosen schon vor 40 Jahren angestellt wurde, die sich nie realisiert haben. Werfen Sie doch mal einen Blick in alte US - und BRD-Studien zum Energiebedarf. Lesen Sie zB Kapitel 1 des Strohm-Buches - allein diesem liegen 138 Quellen zugrunde, die Zahlen hat er sich nicht aus der Nase gezogen. Ansonsten hätte ich da auch noch etwas Material. Falls das nicht sowieso "Propaganda" für Sie ist.

Ich hatte Sie bisher für jemanden mit naturwissenschaftlichem Hintergrund gehalten. Daher jetzt mal zwischen 2 Naturwissenschaftlern: darüber, dass der Energie - und Rohstoffbedarf der G8 Staaten, übertragen auf die restliche Welt, nicht von unserem Planeten gedeckt werden kann, wenn man nur fossile Energieträger und Rohstoffe zugrunde legt, müssen wir nicht streiten? Das Uran, Erdöl und Erdgas endlich sind und wir Erdöl dringend für Kunststoffe brauchen, da ein Ersatz nicht mal ansatzweise vorhanden ist, auch nicht?

Sie behaupten, nicht-fossile und nicht endliche Ressourcen (oder was war mit alternativ gemeint?) könnten den zukünftigen, enormen Energiebedarf nicht decken, endliche Ressourcen aber schon? Glauben Sie das wirklich?

Eher dafür, dass seit gut 30 Jahren in Deutschland noch nicht mal mehr darüber nachgedacht werden darf, Kernenergietechnik auf ein neues technisches Level zu heben. Aber natürlich ist der deutsche Kernkraftgegner auch befugt, für die ganze Welt zu sprechen. Echt blöd, dass die Welt darüber mehrheitlich nur den Kopf schüttelt.

Wer schüttelt denn den Kopf? Die Franzosen, die einen Atomstromanteil von 78% haben, weltweit ein Rekord, und gleichzeitig Strom aus Deutschland importieren? Oder die Chinesen, die eine GW-PV-Fabrik neben die andere stellen, und sich dort sowie im Windkraftbereich nach und nach die technologische Vorreiterrolle sichern?

Und jetzt bin ich gespannt: auf welches neue technische Level wollen Sie die Kernkraft denn heben? Vielleicht sollten wir mal anfangen, über Kosten zu diskutieren. Denn bis heute weist die Kernenergie keine Lernkurve auf - eine betriebswirtschafltich miese Grundlage. Und die tatsächlichen Kosten, von der Uranförderung über die Versicherung bis zur Entsorgung und Rückbau ... naja, wahrscheinlich auch alles Propaganda.

Daniel Uxa 12.08.2014 | 23:14

Jetzt noch mal etwas zu dem Thema Kernkraft und Klimafreundlichkeit. Sie ist schlichtweg nicht CO2-frei und dient nicht dem Klimaschutz.

In verschiedenen Studien wurden 28 bis 159 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Atomstrom ermittelt (GEMIS in Bezug auf Deutschland , 1995; Mortimer, 1989; Okken, 1989; de Vries, 1989; IEA in Bezug auf die EU, 1994; CREPIE, 1995; GEMIS in Bezug auf Kanada, 1995; IEA in Bezug auf die USA, 1994; GEMIS in Bezug auf die GUS, 1995). Hier sind die verschiedensten Stufen der Kernenergie, vom Uranbergwerk, der Uranerzaufbereitung, der Anreicherung, Transportwege bis hin zum Bau und Betrieb der Kraftwerke und der Atommülllagerstätten. Nur der Arbeitskreis Kernenergie der Vereinigung deutscher Elektrizitätswerke hat hierfür weniger als 5 Gramm CO2 pro Kilowattstunde errechnet.

Und ein weiterer Aspekt ist die Emission von Krypton-85 durch alle Aspekte der Kernenergie. Die Konzentration in der Erdatmosphäre hat in den letzten Jahren stark zugenommen und ihm wird ein eigener Treibhauseffekt zugeordnet, von der erhöhten Radioaktivität mal abgesehen.

Fast schon zynisch mutet es an, wie sich der Wind in der Vergangenheit gedreht hat. Haben Burson-Marsteller um das Jahr 1990 herum noch eine massive und erfolgreiche Anti – Klimaschutzkampagne im Auftrag von verschiedenen US-Ölfirmen und US-Autoherstellern gefahren und die Klimaveränderung heruntergespielt, so verbreiten sie nun für das Nuklearforum Schweiz die frohe Botschaft, dass wegen der Klimaveränderung dringend klimafreundliche Atomkraftwerke benötigt werden.

Lethe 13.08.2014 | 12:29

Leute, die in Atomkraftwerken arbeiten, sind sicher sehr objektiv in der Diskussion. Ernsthaft?

Zumindest haben sie Ahnung von der Sache, über die sie reden. Das würde ich von Personen, deren Angst ihnen selbst als Weisheit letzter Schluss gilt, nicht behaupten können.

Rechtsbrechung, Untergrabung von Grundrechten und Nichtachtung demokratischer Prinzipien

Es hatte sich offenbar lange Zeit keine Mehrheit gefunden, die bereit war, jene Parteien abzuwählen, die sich dem Anliegen der Atomkraftgegner verschlossen haben, und wenn ich die vereinigten Wahlergebnisse der Grünen und der Linken betrachte, glaube ich, dass das im Wesentlichen bis heute so geblieben ist. Nur dass die Grünen klug genug waren, sich als Mehrheitsbeschaffer zu prostituieren.

Oder könnte in Ihren Augen einzig dann die Rede von der Einhaltung demokratischer Prinzipien sein, wenn nach einer Großdemo der Staat sofort auf die Forderungen der lautesten Schreier eingeht und seine energiepolitischen Ruder herum wirft?

Rechtsbrechung und Untergrabung von Grundrechten sind Gegenstand von Rechtssprechung. Derartige Schlachten wurden geschlagen und mal von der einen, mal von der anderen Seite verloren.

Und wenn halt so ein Störfall alle paar Jahrzehnte halt nicht beherrschbar ist, ist auch egal?

Zeigen Sie mir in Deutschland irgendeinen nichtbeherrschten Störfall. Aber halt, ich vergaß, Sie sprechen ja für die ganze Welt.

Nur dass die sie gar nicht beauftragt hat, für sie zu sprechen.

Was den Rest Ihrer Darlegungen betrifft: Wenn Sie wenigstens zugeben würden, dass fast alle diese Zahlen heftig umstritten sind, dann könnte man noch über die Grundlagen der diversen Zahlenspiele sprechen. So kann ich nur sagen, alle diese Argumente und Scheinargumente wurden schon so viele Male getauscht, dass es überflüssig ist, sie sich noch mal um die Ohren zu hauen. Wir (Sie/ich, die beiden Communities) erreichen einander offenbar nicht mehr. Den daher notwendig gewordenen Machtabgleich hat Ihre Seite in Deutschland gewonnen; ich gebe Ihnen recht, es ist ein noch nicht gänzlich stabiler Sieg, aber für die Seite der Kernkraftbefürworter sieht es deutlich düsterer aus.

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Ehemaliger Nutzer 13.08.2014 | 13:11

Wenn es bei dieser launigen Diskussion um die erstmalige Entscheidung ginge, ob Kernkraft weltweit zur Energieerzeugung genutzt werden soll, wenn es um die Vor- und Nachteile der Einführung gehen würde .. .

Das aber ist nicht der Fall. Kernenenergie wird weltweit eingesetzt. Und damit, was "uns" schon vor der Einführung bekannt sein musste, existiert radioaktives Material auf dieser Welt, verschwindet nicht einfach, weil "wir" es jetzt nicht mehr mögen.

Die Gefährlichkeit dieses Materials ist lange bekannt, und bei der umfassenden Nutzung wie Nichtnutzungdes bereits Vorhandenen ist es potenziell gefährlich.

Mit meiner laienhaften Alltagslogik schließe ich daraus, dass eine - zumindest für mich - überstürzt und rational nicht nachvollziehbare Umentscheidung auf sog. Erneuerbare ungefähr genauso rational ist wie seinerzeit die Entscheidung, mit Kernkraft das Machbare zu tun.

Ich schraube also umweltfreundliche Quecksilberleuchten in die Fassungen, tanke E10 (bei dem die Folgen auch "absolut nicht vorhersehbar waren"), klebe mir Styropor an die Hauswand (ach ja, die Herstellung soll ja energieintensiv sein - konnte ja keiner ahnen) und freue mich auf das Ausbleiben russischen Gases und die damit verbundene gesteigerte Hektik bei der wahllosen Anwendung irgendwelcher neuer Methoden, die angeblich völlig nachhaltig sein werden - oder doch eher oops - wie bei allem anderen auch.

Wovon ich als naturwissenschaftlicher Laie langsam die Nase gestrichen voll habe, ist diese spontane und nur auf irgendeine Eigenschaft neuer Verfahren konzentrierte Meinerei, die meist bei Gegnern oder Befürwortern von was auch immer durch triviale Fragen sprachlos kapituliert.

Daniel Uxa 13.08.2014 | 16:54

Zumindest haben sie Ahnung von der Sache, über die sie reden. Das würde ich von Personen, deren Angst ihnen selbst als Weisheit letzter Schluss gilt, nicht behaupten können.

Und, haben Sie sich mal gefragt, woher die Angst kommt? Ich mache Ihnen einen Vorschlag: stellen Sie sich in Japan auf die Straße einer Großstadt, bspw. Tokyo, und sagen Sie den Menschen ins Gesicht, dass die von der Sache, vor der sie Angst haben, keine Ahnung haben, und ihnen ihre Angst als Weisheit letzter Schluss gilt.

Es hatte sich offenbar lange Zeit keine Mehrheit gefunden, die bereit war, jene Parteien abzuwählen, die sich dem Anliegen der Atomkraftgegner verschlossen haben, und wenn ich die vereinigten Wahlergebnisse der Grünen und der Linken betrachte, glaube ich, dass das im Wesentlichen bis heute so geblieben ist. Nur dass die Grünen klug genug waren, sich als Mehrheitsbeschaffer zu prostituieren.

Oder könnte in Ihren Augen einzig dann die Rede von der Einhaltung demokratischer Prinzipien sein, wenn nach einer Großdemo der Staat sofort auf die Forderungen der lautesten Schreier eingeht und seine energiepolitischen Ruder herum wirft?

Lethe, mit Rechtsbeugung und Untergrabung von Grundrechten hatte ich eher die Einschränkung von Versammlungsfreiheit, Demonstrationsfreiheit, Meinungsfreiheit usw. gemeint. Ebenso die bis heute zunehmende Polizeigewalt; rechtswidrige Gewaltanwendung einer Exekutive, die immer noch nicht demokratisiert ist und keiner internen Kontrolle unterliegt. Mit demopkratischen Grundprinzipien hatte ich gemeint, dass die gewählten Volksvertreter mal den Souverän bei solch grundlegenden Entscheidungen um Meinung fragt. Denn der Staat, das ist nicht das Parlament oder die Parteien, das sind 82 Millionen Bundesbürger. Ich weiß ja nicht, ob Demokratie für Sie mit dem Wahlzettel abgehakt ist.

Zeigen Sie mir in Deutschland irgendeinen nichtbeherrschten Störfall.

Kommt drauf an, was Sie als "nicht-beherrschbar" ansehen. Folgen hatten Störfälle mehr als genug. Lesen Sie sich doch einfach mal die Liste der Störfälle nach INES 3 in deutschen Kernkraftwerken durch. Einige Kraftwerke sind nie wieder ans Netz gegangen. Für mich klingt das nicht nach etwas, dass man beherrscht hat - aber Sie können die Risiken sicher viel besser einschätzen.

Aber halt, ich vergaß, Sie sprechen ja für die ganze Welt.

Nur dass die sie gar nicht beauftragt hat, für sie zu sprechen.

Nun ja, vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber wir leben alle auf demselben Planeten, der dank Globalisierung immer besser vernetzt ist. Vielleicht wäre es ja mal angebracht, auch global zu denken, als Gemeinschaft. Sonst müssen wir doch noch eine zweite und dritte Erde finden. Ein anderer Punkt: gerade Tschernobyl sollte doch gezeigt haben, dass es auch die Deutschen durchaus interessieren sollte, was der Rest in Europa und Eurasien so macht. Geht das nächste Kraftwerk in Frankreich hops, sehen wir hier genauso alt aus. Nehmen Sie dann ruhig meinen Vorschlag von oben für Japan wieder auf und stellen sich dann in den von der Armee geräumten Gebieten auf die Straßen, sagen Sie den Leuten, wie irrational ihre Ängste sind.

Was den Rest Ihrer Darlegungen betrifft: Wenn Sie wenigstens zugeben würden, dass fast alle diese Zahlen heftig umstritten sind, dann könnte man noch über die Grundlagen der diversen Zahlenspiele sprechen.

Warum sollte ich? Jetzt liefern Sie doch mal, und zeigen mir mal anhand von Fachmeinungen außerhalb der Atomindustrie, wie umstritten "diese Zahlen" sind. Ich werde ganz sicher nicht den Hampelmann geben und Ihnen sämtliches Material besorgen und vorkauen, dass Sie mit etwas Motivation auch locker alleine finden können. Fangen Sie beim Bulletin of the Atomic Scientists an.

Wir (Sie/ich, die beiden Communities) erreichen einander offenbar nicht mehr. Den daher notwendig gewordenen Machtabgleich hat Ihre Seite in Deutschland gewonnen; ich gebe Ihnen recht, es ist ein noch nicht gänzlich stabiler Sieg, aber für die Seite der Kernkraftbefürworter sieht es deutlich düsterer aus.

Nun, vielleicht sind wir aus unterschiedlichen Generationen, aber stellen Sie sich mal nur für einen kurzen Moment vor, dass Ihr Klassendenken völlig irrelevant ist und die Folgen unseres Handelns tatsächlich alle betreffen. Wer dann "Recht" hatte, spielt keine Rolle mehr. Ebenso wie es dann irrelevant ist, wer als erster den roten Knopf gedrückt hatte. Oder seine Technik nicht beherrscht hat. Verantwortungsvoller wäre ein fakten - und sachorientiertes Handeln, statt Ideologien. Aber da sind Ihnen ja die Zahlen zu umstritten, von daher geht es wohl nur mit Glauben.