Gesunde Schrumpfkur

Wahlergebnis Die Grünen können sich freuen, dass sie ihren Umfragen-Höhenflug jetzt beendet haben. Die Linke steht auch ganz passabel da, die Piraten sind an den Medien gescheitert
Gesunde Schrumpfkur
Unterstützer der Grünen reagieren auf die ersten Prognosen
Foto: Adam Berry/Getty Images

Dürfen sich die Grünen freuen? Sie haben die FDP deutlich überholt. Doch es bleibt ein fader Beigeschmack. Gab es da nicht mal Umfragewerte, die ungefähr doppelt so hoch waren? Gab es nicht mal die Spekulationen, ob die Grünen zur neuen Volkspartei werden?

Der Wahlkampf ist definitiv nicht so gelaufen, wie es sich die Grünen wohl gewünscht hätten. Umweltthemen haben keine Rolle gespielt, stattdessen gleich mehrere Frontal-Angriffe auf die Partei: Steuersystem, Veggie Day, Pädophilie-Debatte. Bei näherem Hinsehen erweisen sich die Anschuldigungen, die den Grünen gemacht wurden, zwar als haltlos. In den Köpfen vor allem der konservativen Grünen-Sympathisanten (und potentiellen Wählern) bleibt aber vor allem eines hängen: Die Grünen-Vorschläge sind sehr umstritten und irgendwie dubios.

Konzentration auf Stammwähler

Trotzdem ist der Rückgang in den Umfragen auch vorteilhaft für die Grünen: Das konservative Wählerklientel hat sich verabschiedet, nun könnten sich auch die Grünen von ihren neuen Zielgruppen verabschieden und sich wieder auf ihre linke Stammwählerschaft konzentrieren. Das verhindert nicht nur die innere Zerreißprobe, sondern ebnet auch den Weg für eine rot-rot-grüne Koalition in einigen Jahren. Und die Politik wird dadurch sowieso wieder besser.

Die Stammwählerschaft, auch das zeigt das Wahlergebnis, hat die Wahlkampf-Attacken auf die Grünen als solche erkannt und sich nicht abschrecken lassen. Höhere Steuern für die Reichen sind gerecht und die meisten profitieren davon. Der Veggie Day ist kein Zwang, sondern eine sinnvolle Idee, die vom Staat unterstützt werden sollte. Und bei der Aufarbeitung der Pädophilen-Vergangenheit sind die Grünen im Vergleich zu anderen Institutionen wie der Kirche äußerst vorbildlich.

Oppositionsführerin Linkspartei?

Die Linkspartei hat es geschafft, in letzter Minute an den Grünen vorbeizuziehen. Die Fraktion im Bundestag wird kleiner, aber das war seit Langem abzusehen. 

Immerhin hat die Linkspartei keine Negativ-Schlagzeilen produziert. Genauer: Immerhin hat sie keinen Anlass gegeben, dass die Medien Negativ-Schlagzeilen produzieren. Und der eloquente Gregor Gysi sieht in Talkshows so gut aus, dass selbst Bild-Redakteure begeistert sind.

Nun kann sich die Linkspartei zwar als Oppositionsführerin bezeichnen, von den übrigen Bundestagsparteien wird sie aber weiterhin mit Ignoranz gestraft. Das hat schließlich ideologische Gründe, die sich nicht durch ein Wahlergebnis wegdiskutieren lassen. Insofern kann es der Linken herzlich egal sein, ob sie im Parlament stärker als die Grünen vertreten ist oder nicht.

Piraten-Hoffnung Europawahl

Schlimmer hat es die Piraten erwischt. Sie sind spektakulär an der Ignoranz der Medien gescheitert. Als sie vor eineinhalb Jahren ihren Höhenflug bei den Umfragewerten hatten, waren sie die Lieblinge der Journalisten. Als es dann wieder bergab ging, wurden sie einfach fallen gelassen. Langweilig, uninteressant. Zumal sie keine Bundestagsabgeordneten haben.

Auch der NSA-Skandal konnte da nicht mehr helfen. Es ist nicht so, dass die Piraten ihn verschlafen hätten. Sie schrieben eine Pressemitteilung nach der anderen. Nur interessiert hat es irgendwie niemanden.

Immerhin gibt es für die Piraten ein Licht am Ende des Tunnels: Im Mai kommenden Jahres wird das Europaparlament neu gewählt und dort gilt keine Fünf-Prozent-Hürde, sondern bloß eine Drei-Prozent-Hürde. Die könnten die Piraten durchaus überspringen.

Dann wären sie in den Medien zwar immer noch kaum präsent, weil diese sich sowieso kaum für Europapolitik interessieren. Aber sie wären ganz nah dran am Zentrum der Macht, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Und ein paar bezahlte Abgeordnete können den Piraten auch nicht schaden.

19:00 22.09.2013

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