Ich. Liebe. Dich.

Männersache Romantische Liebeserklärung, reine Selbstvergewisserung oder langweiliges Ritual? Warum manche Akademiker die drei Worte "Ich liebe dich" nur selten aussprechen
Felix Werdermann | Ausgabe 38/2014 13
Ich. Liebe. Dich.

Illustration: der Freitag

In Filmen werden diese Worte oft als kitschig abgetan. Trotzdem spielen sie in der Realität offenbar immer noch eine große Rolle: „Ich liebe dich!“ Nun wurde diese Bekenntnisformel sogar mehr oder weniger wissenschaftlich untersucht, von der Online-Singlebörse ElitePartner. Die Befragung von mehr als 8.000 liierten Internetnutzern liefert die bahnbrechende Erkenntnis: Akademiker bringen die drei Worte seltener über die Lippen als Menschen ohne Hochschulabschluss.

Was sagt das über ihr Gefühlsleben? Sind sie zu rational für Emotionen? Solche Erklärungsversuche sind Quatsch. Schon allein, weil analytisches Denken keinesfalls tiefen Empfindungen widerspricht, auch wenn dieser Gegensatz immer wieder gern bemüht wird. Plausibler ist dagegen, dass Akademiker einen anderen Umgang mit der Liebe pflegen. Sie wird manchmal eben nicht direkt angesprochen, sondern anderweitig gezeigt – sei es durch Komplimente, Blumen oder Geschenke. Auch durch diese kleinen Unterschiede grenzt sich das Bildungsbürgertum von anderen Schichten ab.

Handlungen als Liebesbeweis

Vielleicht hat die Verweigerung des „Ich liebe dich“ aber einen rationalen Kern. Es gibt nämlich noch andere unglaubliche Zahlen, die die Umfrage ermittelte: 38 Prozent der Akademiker und 45 der Nicht-Akademiker erklären sich täglich ihre Liebe. Das muss man sich vorstellen: täglich! So etwas lässt sich doch nicht vernünftig begründen. Kann eine Beziehung stabil sein, wenn man sich jeden Tag vergewissern muss, dass noch alles in Ordnung ist? Eigentlich sollten doch die Handlungen Liebesbeweis genug sein: Wer viel gemeinsame Zeit verbringt, miteinander redet, sich gegenseitig hilft, braucht kein „Ich liebe dich“. Zumindest nicht täglich.

Zumal die Liebeserklärung dann schnell zum Ritual verkommt. Noch kurz gemurmelt, bevor man das Haus in Richtung Arbeit verlässt – aber auch so gemeint? Vielleicht ist die Liebe längst abgeklungen und es ist nur das starre Gehäuse der Gewohnheit? Oder es ist die Angst, mit einem Schweigen eine Beziehungskrise auszulösen, obwohl das Feuer der Liebe nur vorübergehend auf Sparflamme brennt. Wie auch immer: Der täglichen Liebeserklärung kann man nicht trauen. Man muss ihr aber auch nicht zwingend misstrauen. Kurz: Sie sagt wenig aus.

Offenbar ist sie aber zumindest ein guter Indikator für das Alter: Von den unter 30-Jährigen sagen doppelt so viele täglich „Ich liebe dich“ wie von den über 60-Jährigen. Vielleicht dienen die drei Worte nur der Vergewisserung, noch jung zu sein?

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