Felix Werdermann
14.05.2013 | 12:02 25

Ohne Rücksicht auf Verluste

Autofahren SPD-Chef Gabriel fordert ein Tempolimit und wird von seinen Genossen prompt zurück gepfiffen. Dabei geht der Vorschlag zur Begrenzung der Raserei nicht weit genug

Ohne Rücksicht auf Verluste

Nur in Ausnahmefällen ist es egal, ob es ein Templimit auf Autobahnen gibt: Stau auf der A2 bei Hameln

Foto: AFP/Getty Images

In ganz Europa gibt es Tempolimits, nur auf Deutschlands Autobahnen wird gerast, ohne Rücksicht auf Verluste. Nun hat SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Begrenzung auf 120 Stundenkilometer gefordert – und prompt von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und anderen Genossen eins auf die Mütze bekommen. Für Union und FDP ist der Vorschlag ohnehin ein gefundenes Fressen im Wahlkampf.

Dabei gibt es keinen einzigen vernünftigen Grund für die Raserei. Sie ist einfach nur umweltschädlich und gefährlich. Viele Streckenabschnitte haben bereits ein Tempolimit. Ja und? Spricht das gegen eine allgemeine Obergrenze? Autobahnen sind (pro Kilometer!) vergleichsweise sicher. Ja und? Spricht das gegen noch mehr Sicherheit?

Das Rasen bringt den Kick

Aber die Autofahrerlobby vom ADAC und die deutsche Automobilindustrie wollen davon nichts wissen. Stattdessen sehen sie im Autofahren kein Mittel zum Zweck, sondern Selbstverwirklichung und Abenteuer – so verklickert es die Werbung. Das Rasen bringt dann den ultimativen Kick.

In Wirklichkeit ist ein Tempolimit noch harmlos – gemessen an dem, was sinnvoll wäre. Die Autobauer müssten eigentlich verpflichtet werden, andere Motoren einzubauen. Das würde gefährliche Rasereien verhindern und gleichzeitig die Umwelt schonen. Denn die jetzigen Motoren pusten unnötig viel Schmutz in die Luft, nur damit Tempo 200 prinzipiell möglich ist. Besonders perfide: Auch die Langsamfahrer werden so zu Klimaschweinen!

Verbände wie der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) erhoffen sich, dass allein durch ein Tempolimit effizientere Motoren eingebaut werden, schließlich ist Deutschland weltweit eines der wenigen Länder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Trotzdem wäre eine Verpflichtung der Hersteller sicherer – wenn auch schwerer durchzusetzen.

Gabriel lässt sich ausbremsen

Apropos: Wäre es für Gabriel klüger gewesen, als Zugeständnis an die Raser erstmal Tempo 140 zu fordern? Nein, denn die „freie Fahrt für freie Bürger“ ist den Deutschen heilig, jedes Tempolimit Teufelszeug. Dann schon eher Tempo 130 – das hatte die SPD auf einem Parteitag im Jahr 2007 beschlossen, danach ist die Forderung wieder in der Versenkung verschwunden. Die Parteispitzen wollen sich nicht mit der Autolobby anlegen.

Auch Gabriel hat sich schnell ausbremsen lassen und damit letztlich der Tempolimit-Idee womöglich in der Summe mehr geschadet als genützt. Ein paar Tage nach seinem Vorstoß hat er in der Bild-Zeitung kleinlaut erklärt: „Bei der Bundestagswahl geht es um andere Fragen als das Tempolimit.“ Und: „Sicherheit braucht Vorfahrt, mehr wollte ich nicht sagen.“ Dann ist ja alles wieder in Ordnung im Autoland Deutschland.

Kommentare (25)

tlacuache 14.05.2013 | 12:14

Aus einem der 10 Nebenblogs_

..."Die ganze Diskussion ist Kindisch, es wird viel über "Verbote, Radarkontrollen, Strafen" etc. geblubbert.

Der Gesetzgeber braucht nur eine Geschwindigkeitskontrolle "in" den Fahrzeugen einbauen lassen. Bei 130 ist dann eben Schluss.

Und labert mir nix von "da sind wir keine Exportweltmeister mehr".

Für die Egos mit schleifenden Eiern da tiefergelegt bleibt immer noch Fahrspass ("Es kitzelt so angenehm"). Er braucht dann eben nur 6 Sekunden bis 130, die anderen 13 Sekunden.

Die Geschwindigkeitdrosselung kann man natuerlich von Profis im Ausland abklemmen, wer's in Deutschland macht und erwischt wird, bekommt seine 100 000 € Droschke eben beschlagnahmt.

Als Anekdote:

Ich habe mal einen Ferrari in einem sehr armen X - Land gesehen, im Garten des Besitzers, so ein Hektar, also 100 mal 100 Meter, der konnte ihn ausserhalb gar nicht Spazieren fahren, da die Schlaglöcher in den Strassen auf einen halben Meter zugingen. Hat er ihn trotzdem gekauft? Klar.

Fragen wir hier mal die Physiker:

Wie schnell war der Ferrari bei Vollbeschleunigung bis zum Stand vor seiner Mauer ohne einen Kratzer, was war die höchste Geschwindigkeit?

Es ist eben was es immer schon war:

Spielzeug für tiefergelegte Eier (Hoffentlich haben sie ihm eine Fussmatte in die Unterhose gelegt)"...

Gruss

Antalus 14.05.2013 | 12:40

Bevor wir in Deutschland eine Tempogrenze einführen, lassen sich die Amis alle entwaffnen.

Rasen tun mMn "nur" all die Prollos in ihren dicken Kisten, deren Sprit man nicht selbst bezahlen muss sondern es die Firma übernimmt. Man selbst kann sich ja so eine Kiste praktisch gar nicht leisten. Wer den dicken BMW mit 200 PS vor die Tür gestellt bekommt und nicht auf den Benzinpreis schielen muss, der will auch Freitags gerne 10 Minuten früher zuhause sein und bollert halt mit 250 km/h über die Abahn.

gweberbv 14.05.2013 | 12:50

Autobahnen sind (pro Kilometer!) vergleichsweise sicher. Ja und? Spricht das gegen noch mehr Sicherheit?

Na klar. Schließlich wird auch nicht alle 10 km ein Rettungswagen platziert. Oder deutschlandweit Tempo 30 eingeführt.

Stattdessen strebt man einen Kompromiss zwischen Sicherheit, Verkehrsfluss und Reisegeschwindigkeit an.

Wer ein Tempolimit gegen "die Raserei" fordert, der sollte sich meines Erachtens in Richtung 180 km/h orientieren.

gweberbv 14.05.2013 | 13:13

Das Rasen bringt dann den ultimativen Kick.

Wer häufiger Arbeitswege jenseits von 300 km Länge zurücklegen muss, für den bringen Reisegeschwidgkeiten jenseits 120 km/h vor allem eines: früher ankommen. Nun braucht niemand annehmen, dass es eine größere Zahl von Leuten gibt, die voll Freude mit 200 km/h oder mehr zum Geschäftstermin sausen. Aber 140 bis 170 km/h ist auf freier Strecke und mit einem modernen Fahrzeug eine sinnvolle Reisegeschwidkeit.

Mathias 14.05.2013 | 13:52

Alles schön und gut. Aber muss es noch ein Verbot sein? Muss es noch mehr Bürokratie und "Ordnung" geben?

Wir haben meiner Meinung nach genug Regelungen in Deutschland und was den Straßenverkehr betrifft, gibt es heute schon zu wenig Kapazitäten, diese zu kontrollieren und einzufordern.

Wenn es endlich mehr Präsenz von Polizei und Ordnungshütern auf den Autobahnen geben würde, würden viele Gefährdungen von Anfang an unterbunden.

Wer geht denn gegen Drängler, Unruhestifter, notorische Mittelspur- oder Linkespurfahrer, Nichtblinker, Lichthuper, Stauspurhüpfer vor? - NIEMAND!

Die Versuchung ist einfach für viele zu groß, die Gefahr erwischt zu werden sehr gering.

Mein Vorschlag:

- Verstärkung der Kontrollen durch Aufstockung von Personal und finanziellen Mitteln bei Polizei und Ordnunghütern. (amortisiert sich über Bußgeld von selbst)

- Ausbau von Leitsystemen, die in Abhänigkeit der Verkehrslage Geschwindigkeiten und Verbote regeln.

- Erhöhen der Bußgelder/ Anpassung auf Einkommensabhängigkeit.

Jonas 14.05.2013 | 14:14

Die Rechtfertigungsarien für die Raserei die anscheinend auch hier gerne angestimmt werden finde ich nicht nachvollziehbar. Nochmal: Es gibt keinen rationalen Grund warum Menschen (von Rettungskräften mal abgesehen) ohne Tempobegrenzung über öffentliche Straßen brettern müssen. Letztlich schnurren doch alle Pro-Argumente auf ein kindliches "Ich-will-aber" zusammen – nicht eben die beste Grundlage für vernunftgeleitete Entscheidungen.

Nur mal als Blick auf zukünftige Debatten: Unter anderem Google forscht gerade fleißig am computergesteuerten Auto. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass die Dinger in spätestens 10 Jahren alltagstauglich funktionieren. Spätestens dann kommt die Debatte einer Autopilotenpflicht auf Autobahnen uns zu – ich wäre dafür!

gweberbv 14.05.2013 | 14:26

Nochmal: Es gibt keinen rationalen Grund warum Menschen (von Rettungskräften mal abgesehen) ohne Tempobegrenzung über öffentliche Straßen brettern müssen.

Zweifellos richtig. Auch heute darf niemand so schnell fahren, dass er/sie das Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle hat. Das ist sozusagen das der jeweiligen Situation angepasste Limit, welches ohnehin jeder einhalten muss und das je nach Situation (z. B bei Nebel, Glatteis) sogar weit niedriger als die Zahl auf den Verkehrsschildern liegen kann.

Ich glaube auch, dass es kaum Widerstand gegen ein Limit bei beispielsweise 160 oder 180 km/h geben würde. Nur bei 120 km/h fühlen sich viele Autofahrer - insbesondere wohl die Vielfahrer - über das vernünftige Maß hinaus eingeschränkt.

Jonas 14.05.2013 | 15:01

Ob ein Kontrollverlust im nächsten Moment eintreten wird, kann niemand vorhersehen – genau das ist ja das Wesen eines Unfalls. Je höher die Geschwindigkeit um so geringer die Fehlertoleranz, die Reaktionszeit, umso schwerwiegender die Folgen.

Worüber reden wir hier eigentlich? Wozu braucht Deutschland einen Sonderweg, der in allen anderen Ländern offenbar unnötig ist?

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschwindigkeitsbegrenzung#Situation_in_den_einzelnen_L.C3.A4ndern

Peter A Bruns 14.05.2013 | 18:17

Ach Herr Werdermann - Felix - ich liebe diesen Namen . Ihr Artikel hat mir gefallen - ehrlich! Aber was soll den ein Tempolimit bewirken? Mit S-Klasse, einem BMW, Audi, oder Porsche mit äh, 130 über die Autobahn brettern? Oder hinten dran ein Schild 25kmh? Ja klar das wäre SPD gemäß. Immerhin bastelt diese Partei ja auch schon 150 Jahre an ihrer sozialen Bürgernähe - Agenda 2020 steht uns ja bevor! Ja klar, was meinen Sie wie ich mir ein bezahlbares Elektroauto wünsche? Wäre doch toll, wenn ich das aus "meiner Steckdose" heraus laden könnte. Ach ja, die Autolobby ist noch nicht so weit - komisch, ich kann mich erinnern schon als Kind (bin 71) gab es Eelektroautos bei der Post. Ja, ja die Lobbyisten! Mein Gott, laßt uns doch weiterrasen wo es geht. Was haben wir Alten denn noch? Daß Rauchen hat man ja auch verboten - na gut, noch nicht privatintim. Was ist eigentlich mit der Herstellung von Personenminen? Mit Minen überhaupt? Sollte man die nicht auch... Ja, der Geschwindigkeitsrausch im Auto, oder wie mir eine Bekannte, eine Psychologin beim Verkehrsamt (zuständig für den Idiotentest) sagte: Das Auto als Persönlichkeitsverlängerung! Schauen wir auf Schiene und Bahn - ist es vernüftig der DB das Wasser abzugraben mit Busverbindungen? Was ist mit "Güter gehören auf die Bahn"? Fragen über Fragen - ja, wir sind eine schnelle Gesellschaft geworden - in allem, auch im Domestizieren und Abzocken der Bürger. Freie Fahrt für freie Bürger - für die, die es sich leisten können, jedenfalls. Eine scheinheilige Gesellschaft.

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Ehemaliger Nutzer 15.05.2013 | 08:30

@gweberbv

Ich glaube auch, dass es kaum Widerstand gegen ein Limit bei beispielsweise 160 oder 180 km/h geben würde. Nur bei 120 km/h fühlen sich viele Autofahrer - insbesondere wohl die Vielfahrer - über das vernünftige Maß hinaus eingeschränkt.

Deutschland ist das einzige Land weltweit ohne Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen. In Europa liegen die Grenzen zwischen 110 und 130 km/h, und das schon seit vielen Jahren. Meines Wissens haben diese Einschränkungen bislang noch nicht zu psychischen Deformationen bei den dortigen, in ihrer Freiheit eingeschränkten Autofahrern geführt.

Ciao

Wolfram

P. S.: Zur Erinnerung - Die Begrenzung auf 100 km/h auf Landstraßen ist in Deutschland erst 1972 eingeführt worden. Davor war der Autofahrer noch wirklich frei.

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Ehemaliger Nutzer 15.05.2013 | 08:31

@Peter A Bruns

Aber was soll den ein Tempolimit bewirken? Mit S-Klasse, einem BMW, Audi, oder Porsche mit äh, 130 über die Autobahn brettern?

Das ist so grauenvoll, daß man es sich gar nicht vorstellen mag. Im Rest der Welt ist es Alltag.

Sakra, der nichtdeutsche Autofahrer muß psychische Belastungen aushalten, das glaubst du nicht.

Ja, der Geschwindigkeitsrausch im Auto, oder wie mir eine Bekannte, eine Psychologin beim Verkehrsamt (zuständig für den Idiotentest)...

Eine Neugierfrage: In welcher Gegend ist das Verkehrsamt zuständig für die MPU? Ich mein, in der Weise zuständig, daß die eine Psychologin dafür haben?

...ja, wir sind eine schnelle Gesellschaft geworden - in allem, auch im Domestizieren und Abzocken der Bürger.

Abzocken ist vielleicht nicht das richtige Wort. Die Geldbußen, Bußgelder und Geldstrafen für Verkehrsverstöße sind schließlich freiwillige Spenden.

Ciao

Wolfram

h.yuren 15.05.2013 | 10:59

lieber felix,

der titel "Ohne Rücksicht auf Verluste" trifft auf die verkehrspolitik hierzulande gleich in mehrfacher hinsicht ins schwarze.

besonders deutlich wird das mit blick auf die straßenverkehrsopfer in den boomjahren der wirtschaftswunderrepublik d. pro anno gabs damals nicht nur ein paar tausend tote auf dem asphalt, sondern zigtausende. insofern sind die handvoll tausende heute schon ein gewaltiger fortschritt in sachen sicherheit auf der straße...

die besonders wirkungsvollen frontalkollisionen sind auf der a-bahn stark eingeschränkt durch den mittelstreifen, z. t. verstärkt durch leitplanken. darum passieren die tödlichen frontalcrashes vor allem auf den übrigen straßen. meist unter sprit im blut, was man so und so verstehen muss: mit zuviel promille bzw. mit übermut/überfrust.

wenn du schreibst "pusten unnötig viel Schmutz in die Luft", ist das im sinne der brunnenvergifter und luftverpester en gros, denn diese sprachregelung von interessierter seite, dass stickoxide und russpartikel als 'umweltverschmutzung' zu verzeichnen sind, ist milde gesagt falsch. denn es handelt sich um tödliche beimischungen der atemluft. neulich hat die zuständige eu-behörde vorgerechnet, dass jährlich eine halbe million menschen durch den giftcocktail der autoabgase sterben. schmutz aber kann man einfach wegwischen.

in ballungsräumen wie nrw oder niederlande ist der autoverkehr gleich in mehrfacher hinsicht ein wahnsinn und - ein verbrechen. denn die schäden sind bekannt, aber trotzdem wird nichts dagegen getan. das tempolimit wäre eine milde besserung, ohne das übel in der tat beherzt anzugehen. lächerlich und typisch zugleich das verbreitete aufschreien und gemaule...

grüße, hy

namreH 15.05.2013 | 11:52

Ich fuhr nach der Wende mit einem Kollegen im Auto in Richtung Berlin. Irgendwann löste ich ihn ab, und nach einer Weile meinte er, Du fährst aber langsam. Ich: Du hast doch den Aufkleber -100- hinten dran. Er darauf: Hast Du aber ein senssibles Gewissen. Nun, das wohl auch, aber wenn ich in einem Auto mit dem Aufkleber fahre, dann halte ich mich auch daran. Vorschlag: Wer sein Limit aufklebt und sich dran hält ware sicher sogar eine Hilfe für die Verlehrsteilnehmer. Bei den "Supergeschossen" braucht es das nicht - da bin ich eh lieber vorsichtig, solang mir mein Leben lieb ist. Vielleicht klebe ich mir -120- an - auch wenn ich 140 könnte, aber dann halte ich mich auch dran!

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Ehemaliger Nutzer 15.05.2013 | 12:41

@Mathias

danke für den Link. Ich kenne diese Nachmittagsunterhaltungssendungen. Aber spiegeln sie ein Bild wider, was wir von der Autobahn kennen oder doch eher das Bild des Regisseurs, der Quote machen will?

Es sind ständig zivile Überwachungsfahrzeuge unterwegs, vor allem in den Ballungszentren. Als braver Autofahrer merkst du nichts davon, dich halten sie ja nicht an.

Es ging in der Aussage von oben lediglich darum, die fehlenden Kapazitäten bei unseren Ordnungshütern zu verdeutlichen.

Da wären mehr Streifen in der Tat sinnvoll. Es sind weniger drastische Strafen, die abschrecken, sondern vielmehr eine hohe Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

Ich darf mich selbst zitieren (es geht hier zwar um Trunkenheit im Verkehr, aber die Struktur ist die gleiche):

Eine makabre Geschichte, die den Vorzug hat, wahr zu sein.

Im Dezember des Jahres 1982 hatte der regionale Polizeipräsident in drei niederbayerischen Landkreisen verstärkte Alkoholkontrollen durchführen lassen. Die „Aktion Blasrohr“, so der offizielle Name, sollte bis in die Sommermonate 1983 hinein dauern und war eine Reaktion auf die in ganz Niederbayern auffallend hohe Unfallhäufigkeit unter Alkoholeinfluß. Da man die Kraftfahrer in erster Linie nicht erwischen, sondern sie vielmehr vom alkoholisierten Fahren abschrecken wollte, war der Plan einige Zeit vorher in den Medien bekanntgemacht worden.

In den Monaten Dezember ‘82 und Januar ‘83 ging die Zahl der Unfallverletzten um 50 Prozent zurück, die Zahl der Unfalltoten gar von 4 in den beiden Vergleichsmonaten des Vorjahres auf Null in diesem Jahr zurück. Zahlen für Februar etc. konnten nicht erhoben wurden, da die Aktion Ende Januar 1983 wieder gestoppt wurde.

Die „Aktion Blasrohr“ hatte nämlich den Nebeneffekt, daß nicht nur die Zahl der Fahrten unter Alkoholeinfluß zurückging, sondern auch der Alkoholkonsum an sich. Die darüber verärgerten Bierbrauer und Wirte klagten dem Passauer CSU-Bundestagsabgeordneten ihr Leid. Dieser schrieb einen Brief an das Bayerische Innenministerium, welches daraufhin die - zuvor gebilligte - Aktion wieder stoppte.

Was zum einen die ungemein sensible und rasch reagierende Rationalität der Trunkenheitsfahrer beweist, welche sofort auf die drastische Veränderung der Auffallenswahrscheinlichkeit reagiert haben. Ihre Kosten-/Nutzenrechnung war durcheinanderwirbelt worden, der Schadens-Erwartungswert für „Alkoholisiert Fahren“ deutlich erhöht. Zwei Monate lang hat sich das Fahren unter Alkoholeinfluß in dieser Region nicht mehr ausgezahlt und sofort sind die Alkoholfahrten dramatisch zurückgegangen.

Zum anderen macht dieses Beispiel natürlich mit aller nur wünschenswerten Brutalität deutlich, daß jegliches Bemühen um eine Verbesserung pathologischen Alkoholkonsumverhaltens dort ihre Grenzen findet, wo eine tatsächliche Veränderung zu befürchten wäre.

Prost!

Ciao

Wolfram

MotzKnochen 16.05.2013 | 10:47

Die Diskussion geht vollkommen in die falsche Richtung :)

Ich fordere eine Mindestgeschwindigkeit von 160 kmh auf der Autobahn! Jawohl!

Nur Autos, deren Bauart für Geschwindigkeiten jenseits von 160 kmh gebaut sind, dürfen noch auf die Autobahn! Getrau dem olympischen Motto "Schneller etc". kann sich nur so der Mensch entfalten und zu voller Freiheit und Größe wachsen. Gefahren gibt es dann auch keine mehr, weil endlich alle gleich schnell fahren und alle Audi-BMW-etc endlich unter sich sind. Bravo! Dann fahren auch alle schön auf der linken Spur und können bequem rechts überholen, wenn etwa einer nur 230 kmh fährt. Teure Radarkontrollen entfallen, da es keine Temposünder mehr gibt.

Und andersrum: Menschen mit langsameren Autos können schön auf der Landstrasse unter sich bleiben. Alles sauber getrennt!

Schönes Leben in Sicht!

> ich hoffe der geneigte Leser erkennt die Ironie :)

Peter A Bruns 17.05.2013 | 14:46

"Eine Neugierfrage: In welcher Gegend ist das Verkehrsamt zuständig für die MPU? Ich mein, in der Weise zuständig, daß die eine Psychologin dafür haben?"

Moin Wolfram, das weiß ich auch gerade nicht. Nur diese Bekannte von mir, eine Professorin, hat seinerzeit in Hamburg diesen "Idiotentest" mitbegründet. Von ihr habe ich den Begriff der "Persönlichkeitsverlängerung" des Menschen, meistens Männer, durch entsprechende teure, schnelle Autos. Klar, daß ich den Namen nicht sagen kann: Die Bedrohungen die sie erhielt füllen Bände.

Nebenbei: Warum braucht die Auroindustrie so lange um Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn ich die Dinger schon als sechs Jähriger in Hamburg fahren sah?

Warum wird nicht an einem attraktiven, öffentlichen Nahverkehr ernsthaft gearbeitet, wie z.B. an Kabinencars? Viele Projekte verschimmeln etwa in den Schubladen von Messerschmidt-Bölko-Blohm. Das hat doch Methode - ich will das individuelle Autofahren nicht abschaffen, fahre selbst gern und bin auf dem Lande drauf angewiesen, aber könnte man es nicht ergänzen mit solchen Kabinencars und ähnlichem?

Mancher mann hat doch auch eine attraktive Geliebte - deshalb verläßt er doch nicht gleich seine Ehefrau (Auto.matisch)

Es würde doch auch neue Arbeitsplätze schaffen, in der "Realwirtschaft" statt daß unsere Mutterkuh wieder und wieder unser Volksvermögen den Banken in den dicken Allerwertesten schiebt. Wahnsinn mit Methode. Mit wieviel Dummheit werden wir regiert? Ach ja, die Götter... sie kämpften schon immer... der Mai ist gekommen... da bleibe wer Lust hat mit... Sorry - etwas langatmig...