Ohne Rücksicht auf Verluste

Autofahren SPD-Chef Gabriel fordert ein Tempolimit und wird von seinen Genossen prompt zurück gepfiffen. Dabei geht der Vorschlag zur Begrenzung der Raserei nicht weit genug
Ohne Rücksicht auf Verluste
Nur in Ausnahmefällen ist es egal, ob es ein Templimit auf Autobahnen gibt: Stau auf der A2 bei Hameln
Foto: AFP/Getty Images

In ganz Europa gibt es Tempolimits, nur auf Deutschlands Autobahnen wird gerast, ohne Rücksicht auf Verluste. Nun hat SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Begrenzung auf 120 Stundenkilometer gefordert – und prompt von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und anderen Genossen eins auf die Mütze bekommen. Für Union und FDP ist der Vorschlag ohnehin ein gefundenes Fressen im Wahlkampf.

Dabei gibt es keinen einzigen vernünftigen Grund für die Raserei. Sie ist einfach nur umweltschädlich und gefährlich. Viele Streckenabschnitte haben bereits ein Tempolimit. Ja und? Spricht das gegen eine allgemeine Obergrenze? Autobahnen sind (pro Kilometer!) vergleichsweise sicher. Ja und? Spricht das gegen noch mehr Sicherheit?

Das Rasen bringt den Kick

Aber die Autofahrerlobby vom ADAC und die deutsche Automobilindustrie wollen davon nichts wissen. Stattdessen sehen sie im Autofahren kein Mittel zum Zweck, sondern Selbstverwirklichung und Abenteuer – so verklickert es die Werbung. Das Rasen bringt dann den ultimativen Kick.

In Wirklichkeit ist ein Tempolimit noch harmlos – gemessen an dem, was sinnvoll wäre. Die Autobauer müssten eigentlich verpflichtet werden, andere Motoren einzubauen. Das würde gefährliche Rasereien verhindern und gleichzeitig die Umwelt schonen. Denn die jetzigen Motoren pusten unnötig viel Schmutz in die Luft, nur damit Tempo 200 prinzipiell möglich ist. Besonders perfide: Auch die Langsamfahrer werden so zu Klimaschweinen!

Verbände wie der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) erhoffen sich, dass allein durch ein Tempolimit effizientere Motoren eingebaut werden, schließlich ist Deutschland weltweit eines der wenigen Länder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Trotzdem wäre eine Verpflichtung der Hersteller sicherer – wenn auch schwerer durchzusetzen.

Gabriel lässt sich ausbremsen

Apropos: Wäre es für Gabriel klüger gewesen, als Zugeständnis an die Raser erstmal Tempo 140 zu fordern? Nein, denn die „freie Fahrt für freie Bürger“ ist den Deutschen heilig, jedes Tempolimit Teufelszeug. Dann schon eher Tempo 130 – das hatte die SPD auf einem Parteitag im Jahr 2007 beschlossen, danach ist die Forderung wieder in der Versenkung verschwunden. Die Parteispitzen wollen sich nicht mit der Autolobby anlegen.

Auch Gabriel hat sich schnell ausbremsen lassen und damit letztlich der Tempolimit-Idee womöglich in der Summe mehr geschadet als genützt. Ein paar Tage nach seinem Vorstoß hat er in der Bild-Zeitung kleinlaut erklärt: „Bei der Bundestagswahl geht es um andere Fragen als das Tempolimit.“ Und: „Sicherheit braucht Vorfahrt, mehr wollte ich nicht sagen.“ Dann ist ja alles wieder in Ordnung im Autoland Deutschland.

12:02 14.05.2013

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