Packen wir’s an

Klimakonferenz Nach dem Schock der US-Wahl wurde in Marrakesch Zweckoptimismus verbreitet. Doch die bisherigen Zusagen reichen nicht aus
Packen wir’s an
Reinhauen! Klimaschutz ist kein Selbstläufer
Foto: Fadel Senna/AFP/Getty Images

Den Flug konnte er sich sparen und trotzdem war er auf der Klimakonferenz in Marrakesch präsent wie kein anderer: Donald Trump. Ist internationaler Klimaschutz mit dem neuen US-Präsidenten überhaupt möglich? Diese Frage trieb die Diplomaten um – und löste Reflexe aus: Es wird schon alles gut gehen. Doch so wird Klimaschutz nicht funktionieren.

Eigentlich sollte Marrakesch eine Arbeitskonferenz werden. Doch am dritten Tag kam der Schock: An der Spitze der USA steht bald ein Mann, der die Erderwärmung für eine Erfindung Chinas hält, um der US-Industrie zu schaden.

Was bedeutet der Regierungswechsel für die Weltpolitik? In Marrakesch wurde Zweckoptimismus verbreitet, von Staatsvertretern bis hin zu Umweltaktivisten: Wir schaffen es auch ohne Trump! Die Wirtschaft werde es schon richten. Sie setze inzwischen auf erneuerbare Energien, daran könne auch ein US-Präsident nichts ändern.

Doch dieses Argument greift zu kurz. Natürlich sind Wind- und Sonnenkraft deutlich billiger geworden. Aber der Boom der Erneuerbaren reicht nicht aus, sonst könnte man die Klimaverhandlungen ja gleich beenden. Dass der Ausstoß der Klimagase in den USA zurückgeht, liegt vor allem am günstigen Fracking-Gas, das die noch klimaschädlichere Kohle verdrängt. Allerdings werden mit Fracking zusätzliche Vorkommen erschlossen, irgendwann später wird die Kohle auch noch verbrannt.

Für globalen Klimaschutz müssen auch Fleischproduktion sowie Auto- und Flugverkehr deutlich zurückgehen. Doch davon ist bisher nichts zu sehen. Es mutet komisch an, wenn die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verkündet: „Die Transformation hin zu einer klimaverträglichen Welt ist in vollem Gange und nicht mehr zu stoppen.“ Natürlich sollte wegen Trump niemand aufgeben. Aber Klimaschutz ist kein Selbstläufer. Wenn die USA versagen, müssen die anderen Staaten umso mehr leisten.

Die Zusagen reichen jedoch nicht aus, um die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Und obwohl das Paris-Abkommen häufig als „verbindlich“ bezeichnet wird: In Wahrheit sieht es keine Sanktionen vor für den Fall, dass zu viel Kohlendioxid ausgestoßen wird. Der Weg zur CO2-neutralen Welt bleibt unklar.

06:00 24.11.2016

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