Felix Werdermann
Ausgabe 5016 | 11.01.2017 | 06:00 3

Sicherheit vor Sparsamkeit

Atommüll Die Atomkonzerne wollen sich von sämtlichen Kosten der Zwischen- und Endlagerung freikaufen. Das Jubeln der Politiker über den Deal ist allerdings unangebracht

Sicherheit vor Sparsamkeit

Wer zahlt für die strahlende Fracht?

Foto: Zuma Press/Imago

Wenn Atomkraftgegner illustrieren, weshalb nie ein Reaktor hätte in Betrieb gehen dürfen, nutzen sie oft eine Metapher: Ein laufendes Atomkraftwerk ohne Endlager ist wie ein fliegendes Flugzeug ohne Landebahn. Obwohl unklar ist, ob jemals ein halbwegs geeigneter Ort für die Landebahn gefunden werden kann, heben weitere Flugzeuge ab. Der Berg aus Strahlenmüll wächst mit jeder Kilowattstunde Atomstrom. Die Metapher kann man nun ergänzen: Die Flieger wechseln in der Luft ihren Besitzer. Die deutschen Privatjets werden verstaatlicht – nachdem die Airlines ihren Profit gemacht haben. Und die Bürger müssen eine Landebahn bauen, wenn sie einen Absturz verhindern wollen.

Union, SPD und Grüne wollen in dieser Woche ein Gesetz beschließen, mit dem sich die Atomkonzerne für rund 24 Milliarden Euro von sämtlichen Kosten der Zwischen- und Endlagerung freikaufen können. Nach bisheriger Rechtslage müssen sie die Entsorgung ihrer strahlenden Hinterlassenschaften selbst zahlen – egal wie viel es am Ende kostet. Mit der neuen Regelung können am Ende die Steuerzahler mit Milliardenbeträgen zur Kasse gebeten werden. Angesichts der Erfahrungen mit explodierenden Kosten bei Atommüllprojekten ist das ein wahrscheinliches Szenario.

Da fällt kaum ins Gewicht, dass die Konzerne mehrere Klagen und Widersprüche gegen den Staat zurückgezogen haben, unter anderem wegen Zahlungen für die Atommülllager Gorleben und Schacht Konrad. Politiker von Union, SPD und Grünen bejubeln den Schritt, doch das ist unangebracht. Erstens wurden viele Klagen und Widersprüche fallen gelassen, weil das Teil eines Gesamtdeals ist, der zuvor in der Kommission für Atomfinanzen ausgehandelt wurde. Zweitens ist unklar, ob die Konzerne vor den Gerichten überhaupt durchgekommen wären. Und drittens laufen die großen Klagen weiter. Die Unternehmen halten die Brennelementesteuer für rechtswidrig und verlangen sechs Milliarden Euro zurück. Vattenfall verlangt vor einem internationalen Schiedsgericht fast fünf Milliarden Euro wegen des Atomausstiegs. Zum Vergleich: Bei den zurückgezogenen Klagen geht es wohl um weniger als eine Milliarde.

Doch so billig die Konzerne davonkommen: Die Verstaatlichung der atomaren Altlasten hat auch gute Seiten. Wenn die Unternehmen pleitegehen, ist zumindest noch Geld für das Endlager da. Und sobald die Industrie das finanzielle Interesse am Endlagerstandort Gorleben verliert, hört der millionenschwere Lobbyismus auf und der Weg ist frei für eine wirklich ergebnisoffene Suche.

In Gorleben wurde schon viel Geld investiert, Alternativen zu untersuchen kostet zusätzlich. Auch die Politik ist versucht, sich für die Billiglösung zu entscheiden. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs will, dass der Bund schnell ein Endlager baut und keinen „Bohrlochtourismus“ betreibt. „Wenn die Politik aber erst alles im Schwarzwald, in der Lüneburger Heide, im Bayerischen Wald oder sonst wo erkunden will, kann es teuer werden.“

Dabei gibt es nichts Wichtigeres. Sicherheit muss vor Sparsamkeit gehen. Im Gesetz sollte geregelt werden, dass in Gorleben erst weiter erkundet werden darf, wenn an mindestens zwei anderen potenziellen Standorten genauso viel untersucht wurde. Damit könnte man auch Kritiker einbinden, die Gorleben wegen des „Vorsprungs“ von der Suche ausschließen wollen. Die Flugzeuge sind in der Luft. Wenn die Landebahn holprig wird, führt das zur Katastrophe. Und die wird teurer als alles andere.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 50/16.

Kommentare (3)

ArBo 16.12.2016 | 16:08

Hallo Herr Werdermann, danke für den Artikel. Aber ich möchte Ihnen zu dem Thema noch etwas hinzufügen, was sie in der Form bzw. Inhalt einigermaßen umhauen wird.

Apropos - und was weiß schon der Herr Fuchs. Mit seiner Äüßerung outet er sich mal wieder als ahungslose Plinse und als völlig verantwortungsloser, am Thema vorbei schwafeldern Politiker.

Bitte folgen sie dem u.g. Lnk und Sie werden staunen!

In ca. 10.000 Jahren mit dem Ozeandampfer nach Berlin!

So ein mögliches und sehr wahrscheinliches Szenario von Geologen. Dann stehen auch die sich in diesem Flutungsgebiet befindlichen Salzstöcke unter Wasser!. Gorleben gehört dazu. Und Salz ist ja bekanntlich nun mal wasserlöslich!

Herr Fuchs schein wirlich keinen Schimmer davon zu haben, was es heißt über mehr als 100.000 Jahre Sicherheit zu garantieren.

Es steht natürlich die Frage im Raum, warum Geologen die Bundesregierung nicht richtig beraten!? Denn dann würde sich auch ein "Bohrlochtourismus" erübrigen. Weil man eben nicht überall bohren muss. Die Geologie Deutschlands ist ja zur Genüge bekannt!

Für ein Endlager kommen nun mal nur die mächtigen Granitplutone in Frage und davon wiederum ganze drei!

Aus geologischer Sicht ist zur Eigenschaft von Salzstöcken (neben der Tatsache, dass sich unter ihnen Erdöl- und Erdgaslagerstätten bilden) noch zu bemerken, dass sie sich in einer gewissen Weise wie Wasser verhalten (Glas verhält sich in einer Gewissenweise auch wie Wasser) und allmählich aufsteigen. Das führt in einigen Gebieten der Erde dann zu Versalzungen an der Oberfläche (Äcker, Weiden etc. ).

Wer ergo jemals empfohlen hat, einen Salzstock als "ewiges" Endlager für Atommüll zu empfehlen, hat entwder keine Ahnung, kein Verantwortungsgefühl oder nur Dollarzeichen in den Augen, die durch Habsucht und Gier hervortreten.

Mit anderen Worten: die Kommunen, in deren Gebiet sich die heute bekannten Endlager in den Salzstöcken befinden, haben einen coolen Schnitt gemacht (bzw. die Politiker die dahinter stehen!). Nicht mehr und nicht weniger.

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-8919-2008-10-07.html

na64 14.01.2017 | 11:22

Sonnenlicht aus und Spots an. Diese Art von wohl geformten Stand in der Gesellschaft macht glücklich.

Leben ist Energie und verbunden mit dem Energieerhaltungssatz – Wikipedia . Leben im Kapital gebundenen System bedeutet den höheren Genus von Status in dem immer mehr Energie verbraucht wird und am besten so viel Energien zu verbrauchen, dass andere keine Energie mehr für ein Leben in normalen Umständen vorfinden können. Ich bin ein guter und vorbildlicher Kapitalist, wenn ich Energie in Überfluss verbrauche und diese Energien auch bei mir anhorte, obwohl ich Sie nicht wirklich benötige, doch meine menschliche Größe wächst dadurch und man fühlt sich einfach überlegen in und durch dieses System einer Kapital-/Energiegebundenen Verschwendung an Ressourcen. Damit diese Verschwendung weiter läuft und sich zu einem Punkt hin bewegt, der dann Lebensumstände selbst für Vorzeigekapitalisten unerträglich werden lassen, machen wir zum Ausgleich ein wenig Krieg. Kleine Kriege hier und da und fördern so weiterhin Gewinne an Energieanhortung und man erhält so für die Vorzeigegesellschaften und den begünstigten Staaten so ihren Energiehunger und Verbrauch. Aber der Hunger nach immer mehr Energie, nach dem auffressen von Leben, von Entfaltungsmöglichkeiten und der darin steckenden Vielzahl an Inspirationen und Ideen, beengt unsere Entwicklung in menschlicher Größe und die Inspirationen sind dem Sucht verhalten geschuldet, die einer gleichwertigen orientierten Kulturauslegung aller Lebewesen im Wege zu stehen scheint. Auch über das verändern von Sprache verbannt man Ideen und Vorschläge für Alternativen in ein Loch der vorherrschenden inneren geistigen Haltung zur gewohnten beiläufigen Müllentsorgung, für das erstarken der Ignoranz und dem vergessen und verdrängen wollen von Istzuständen im wirklichen System Leben. Es stahlt so schön unsichtbar, auch im Meer und was ich nicht sehe, rieche und schmecken kann existiert einfach nicht. Und die Musik erklingt so schön aus der Elbphilharmonie und lässt in Ihrem Genus alles vergessen.