Felix Werdermann
19.01.2016 | 10:47 19

Unappetitliche Trickserei

Verbraucherschutz Wie fördert man gesunde Ernährung? Das Landwirtschaftsministerium hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, doch bei Fragen und Antworten wurde manipuliert

Unappetitliche Trickserei

Will lieber kochen als Gesetze beschließen: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)

Foto: Imago / Mauersberger

Was denken die Deutschen über ihr Essen? Das Landwirtschaftsministerium hat die Bürger befragt, und die Ergebnisse im „Ernährungsreport 2016“ zusammengefasst. Unter anderem geht es um die Frage, wie man gesunde Ernährung am besten unterstützen kann. Und weil das Landwirtschaftsministerium unter Christian Schmidt (CSU) da seine ganz eigenen Vorstellungen hat (möglichst keine Gesetze für die Lebensmittelindustrie!), wurde an Fragen und Ergebnissen der Umfrage ein wenig gedreht.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch schlägt nun Alarm. Der Ernährungsreport sei ein „interessengeleitetes Zerrbild“. Die Liste der Vorwürfe ist lang: „Es wurden Ergebnisse unterschlagen, sachlich falsche Angaben in den Fragestellungen gemacht, die Befragten mit suggestiven Formulierungen oder durch die Vorgabe von Antwortmöglichkeiten geleitet, Zahlen falsch in den Ernährungsreport übertragen sowie für dien Grafik manipulativ-verzerrte Größenverhältnisse gewählt.“ Das Ministerium hingegen gibt sich wortkarg: „Zu Interpretationen von Einzelpersonen und Verbänden zum Ernährungsreport 2016 nehmen wir keine Stellung“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. Übersetzt heißt das: Die Zahlen und Fakten, auf die sich Foodwatch in der Kritik beruft, sie stimmen. Wer möchte, kann sie auch detailliert in dem fast 200-seitigen Tabellenband des Ministeriums überprüfen, den Foodwatch veröffentlicht hat.

"Deutlich teurer"?

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa wollte im Auftrag des Ministeriums wissen, welche Maßnahmen wie gut geeignet sind, um eine gesunde Ernährung zu fördern. Konkret genannt wurden drei Ansätze: Die Aufklärung in Kindergärten und Schulen, die Bereitstellung neutraler Informationen sowie die Besteuerung ungesunder Lebensmittel. Die Industrie ist gegen Steuern und in der Umfrage wird diese Option ebenfalls negativ dargestellt. Es wird extra darauf hingewiesen, dass dadurch ungesunde Lebensmittel „deutlich teurer“ würden (warum eigentlich „deutlich“?) – und zudem die Möglichkeit weggelassen, dass gesunde Lebensmittel im Gegenzug steuerlich begünstigt werden könnten.

So ist es kein Wunder, dass diese Option mit 43 Prozent weniger Akzeptanz findet als in einer Foodwatch-Umfrage, die mit einer anderen Formulierung auf 49 Prozent kommt. Gegen die Aufklärung in Kindergärten und Schulen – wer hätte etwas dagegen? – kommt der Vorschlag aber ohnehin nicht an: 92 Prozent der von Forsa Befragten halten diese Maßnahme für geeignet. Also: 43 zu 92. Die Differenz wird aber vom Ministerium noch größer dargestellt als sie ist. Die Optionen werden als verschieden große Kreise dargestellt. Jedoch entspricht die Prozentzahl nicht der Fläche, sondern dem Durchmesser. Konkret heißt das: Eine doppelt so große Zustimmung erzeugt einen viermal so großen Kreis. Die Besteuerung wirkt da als eine Idee einiger kleiner Randgruppen.

Wie halten es die Bürger mit dem Gesetz?

Das Ministerium zieht aus den Umfrageergebnissen erstaunliche Schlüsse: Auf der Website heißt es, „dass die Mehrheit der Deutschen zwar staatliche Maßnahmen für besonders geeignet hält, um einer gesunden Ernährung den Weg zu ebnen, aber nicht in Form von Verboten und Gesetzen“. Die Abneigung gegenüber Verboten und Gesetzen wurde aber gar nicht abgefragt. Und das, obwohl Verbraucherschutzorganisation wie Foodwatch seit Jahren eine Beschränkung von Werbe- und Marketingmaßnahmen für ungesunde Lebensmittel fordern. Diese Option wurde in den Fragekatalog des Ministeriums gar nicht erst aufgenommen.

Also hat Foodwatch selbst nachgeholfen: Die Organisation hat beim Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wurde am Sonntag präsentiert: Drei von vier Befragten wollen eine „Regelung, die an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung nur für gesunde Lebensmittel erlaubt“. So viel zum Thema Verbote und Gesetze.

Kommentare (19)

h.yuren 19.01.2016 | 11:35

tja, was soll bei einem so besetzten ministerium für "landwirtschaft" anderes herauskommen!

der name des regierungsamtes ist verlogen. damit fängt die chose schon an. wie das kriegsministerium verlogen ist, wenn es wie üblich verteidigungsministerium heißt, so ist es verlogen, wenn das agroindustrieministerium offiziell als landwirtschaftsministerium firmiert. denn dieses ministerium garantiert das gift in und auf den lebensmitteln. da nützt keine noch so gut gemeinte aufklärung nichts. typisch deutsche null-aufklärung!

das von mrs mörkel geleitete regierungsviertel hatte noch nie was für gesundheit und wohl der bevölkerung im sinn. siehe die autopolitik, siehe frackingpolitik, siehe vielfliegerpolitik usw.

auf der folie der notwendigen ökologisierung der wirtschaft insgesamt ist die nahrungsmittelproduktion an erster stelle zu verändern, d.h. zu verbessern. was da jetzt läuft, heißt zu deutsch bodenverschlechterung, gifteinsatz en gros, antibiotikaeinsatz ebenso, massentierquälerei ....

na64 19.01.2016 | 11:53

Träume und Fantasie und vereinzelt Menschen helfen. Neu Gewaltformen sind wie die Alten. Einzig die Situation der Anwendung ändert sich, wie die Auslegung von vollziehender Gewalt und oder Scherz. Ist das schon eine Straftat, oder wird dies in Zukunft als Straftat mit Gefängnis bestraft, falsche Meinungen in der Öffentlichkeit zu verbreiten? Ne, dies war nur ein Scherz.

Sub 19.01.2016 | 15:02

Die Erhebungsmethodik wie die Auswertung bei der Studie des Landwirtschaftsministeriums sind zweifelsfrei zu kritisieren, ABER, es wurden wenigstens Angaben gemacht, die eine solche Kritik ermöglichen. Foodwatch dagegen verzichtet selbst völlig auf die Veröffentlichung von Informationen, die es ermöglichten, ihre Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Ergo, man muss halt glauben, das Foodwatch die Guten sind und stets im Interesse der Verbraucher die Wahrheit sprechen. Sollte der Artikel dies nicht erwähnen und ebenso die Frage nach der Finanzierung von Foodwatch durch diverse interessierte Unternehmen aufwerfen? Dass die direkte Förderung durch Unternehmen bei Foddwatch in jüngerer Zeit vorgeblich durch Spenden von ihrerseits intransparenten Stiftungen ersetzt wurde, kann wohl kaum als Nachweis unbegrenzter Glaubwürdigkeit herhalten.

Fazit: Geht es nach Herr Werdermann sollen wir dem Ministerium - korrekterweise, da die statistischen Methoden fragwürdig sind- nicht alles glauben, Foodwatch aber, die sich in heiliger Empörung nicht einmal die Mühe machen, einen halben Satz zur Methodik zu verlieren (1), müssen wir jedes Wort ungeprüft abnehmen. Statt „der Staat hat immer recht“ also nun „die NGO hat immer recht“!

(1) Foodwatch beschränkt sich darauf, nebulös von einer „bevölkerungsrepräsentativen“ Umfrage zu sprechen. Auch die Leser, die keine Statistik-/Umfrageexperten sind, können mithilfe des Internets leicht nachvollziehen, dass dies auf gut deutsch sinnleeres Geschwätz ist.

Felix Werdermann 19.01.2016 | 15:14

Die Angaben, die diese Kritik ermöglichen, sind ja die Tabellen mit den genauen Ergebnissen. Diese wurden, soweit ich sehe, nicht auf der Website des Ministeriums veröffentlicht, sondern laut Pressestelle den Journalisten zur Verfügung gestellt. Inzwischen hat Foodwatch diese Tabellen veröffentlicht.

Bei der Foodwatch-Umfrage hingegen sind die Tabellen direkt auf der Foodwatch-Seite zu finden, sogar oben in meinem Text verlinkt.

Wir müssen also nicht jedes Wort unüberprüft übernehmen. Im Übrigen fand ich auch ganz interessant, dass bei der Foodwatch-Umfrage nur 49 Prozent Zustimmung zur Besteuerung herauskam. Ich hätte durch die andere Formulierung eine stärkere Steigerung gegenüber den 43 Prozent des Ministeriums erwartet.

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Sub 19.01.2016 | 15:30

Vielleicht habe ich mich nicht genau genug ausgedrückt. Man kann eine Umfrage nicht anhand der Ergebnisse - ob sie einem nun gefallen oder nicht - hinterfragen, sondern nur anhand der Erhebungs- und Auswertungsmethodik. Dazu sagt Foddwatch leider nichts Substantielles.

Telefoninterviews z.B. sind grundsätzlich extrem fehlerbehaftet, da wesentliche Teile der Bevölkerung systematisch nicht erreicht werden bzw. nicht teilnehmen. Wenn das Umfrageinstitut daher Korrekturen/Gewichtungen vornimmt, so muss es diese erläutern. Tut es dies nicht, so sind Zweifel an der Korrektheit/Wahrhaftigkeit der Ergebnisse mehr als angebracht.

Felix Werdermann 19.01.2016 | 17:40

Also die konkreten Fragestellungen, die ich z.B. kritisiere, sind doch Teil der Methodik. Und wenn die Fragen so formuliert sind, dass sie gewisse Ergebnisse sehr wahrscheinlich hervorbringen, kann man das doch kritisieren. Und wie die Umfrageergebnisse in dem Ernährungsreport dargestellt werden, kann man auch kritisieren.

Zu der Foodwatch-Umfrage: Die Tabellen mit den Daten wurden veröffentlicht. Ich habe da nichts von Korrekturen/Gewichtungen gelesen, also gehe ich davon aus, dass es das nicht gab. Das ist auch glaube ich eher ein Instrument, das bei Wahlprognosen eingesetzt wird. Und das gibt dann übrigens auch kein Umfrageinstitut bekannt, wie sie das genau "berichtigen", weil das ihr Unternehmensgeheimnis ist.

Sub 19.01.2016 | 18:04

„Ich habe da nichts von Korrekturen/Gewichtungen gelesen, also gehe ich davon aus, dass es das nicht gab.“

Das ist falsch, es sei denn Sie verfügen u.a. über ein Verfahren, eine absolut zufällige Stichprobe unter realem Zugriff auf die Grundgesamtheit zu ziehen, was per Telefon oder Internet in jedem Fall ausgeschlossen ist.

Einige leicht verständliche Argumente zum Thema finden sich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) z.B. hier:

Andreas Quatember, Statistischer Unsinn: Wenn Medien an der Prozenthürde scheitern

https://books.google.de/books?id=ye0xBwAAQBAJ&pg=PA164&lpg=PA164&dq=repr%C3%A4sentative+stichprobe+unsinn&source=bl&ots=oz5mgzkVp5&sig=rMKt7PJLAoazuWejwSdAr4A4z6Y&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjKxrmjqrbKAhUEpnIKHe9gDh4Q6AEIKTAB#v=onepage&q=repr%C3%A4sentative%20stichprobe%20unsinn&f=false

Das Argument, es handle sich um Unternehmensgeheimnisse ist vorgeschoben. Man kann die Methoden und die respektiven Fehlerwahrscheinlichkeiten präzise und nachvollziehbar angeben, ohne sich in die Karten schauen zu lassen. Wer dies nicht tut, der ist entweder zu bequem, macht sich keine Gedanken darüber oder will etwas verheimlichen. Fehlen diese Angaben, so muss man als Journalist wie bei jeder Quelle, zwei unabhängige Bestätigungen für die gemachten Aussagen finden, bevor man den Ergebnissen trauen kann

Felix Werdermann 19.01.2016 | 20:42

Natürlich gibt es eine Gewichtung. Nach vorher festgelegten Kriterien. Ich bin bei Ihrer Formulierung "Korrektur" davon ausgegangen, dass Sie eine nachträgliche Korrektur meinen. Das hat es soweit ich weiß nicht gegeben.

Und wenn Sie Hinweise darauf haben, dass die Stichprobe bzw. die Gewichtung von Emnid nicht so gut die Realität widerspiegelt, können Sie das ja äußern. Ansonsten gehe ich davon aus, dass Emnid ein Interesse hat, möglichst nah an die Realität zu kommen. Da kann es dann Fehler geben, aber das ist etwas anderes als die Manipulation der Fragen oder der Darstellung von Antworten.

Sub 19.01.2016 | 21:25

„Und wenn Sie Hinweise darauf haben, dass die Stichprobe bzw. die Gewichtung von Emnid nicht so gut die Realität widerspiegelt, können Sie das ja äußern.“

Genau da liegt ja das Problem, Foodwatch (nicht Emind) verschweigt diese Informationen und erwartet bedingungslosen Glauben – Ihren haben Sie offensichtlich aber unbegründeterweise.

„Ansonsten gehe ich davon aus, dass Emnid ein Interesse hat, möglichst nah an die Realität zu kommen.“

Falsch, Eminid und alle Umfrageinstitute versuchen mit den Ergebnissen (nicht den Methoden) möglichst nahe an die Wünsche des Auftraggebers zu kommen. Das normale Vorgehen ist, dass das Institut eine erste Auswertung dem Auftraggeber präsentiert, worauf dieser spricht: Wir hätten gerne, dass das Ergebnis so und so aussieht, lässt sich das nicht aus den Daten ablesen? ES LÄSST! Und das ist das Erste, was man in dem Job lernt.

„Natürlich gibt es eine Gewichtung. Nach vorher festgelegten Kriterien.“

Sorry, aber in der Praxis läuft das umgekehrt.

Apropos „Fehlerwahrscheinlichkeit“, das heißt nicht „jemand hat etwas falsch gemacht“ sondern das ist jedem statistischen Verfahren immanent und sagt etwas über die Verlässlichkeit der Ergebnisse aus. Macht das Institut dazu keine Angaben, begeht es einen sehr groben handwerklichen Fehler, unterschlägt der Auftraggeber diese Information, fehlt ihm jedes Verständnis für die Interpretation der Ergebnisse und/oder versucht er die Öffentlichkeit zu manipulieren.

Fazit:

1) Glauben Sie nicht unkritisch den Umfragedaten einer Institution (z.B. Foodwatch) bloß weil die Ihnen um den Bart gehen oder deren Behauptungen in ihr Weltbild passen.

2) Benutzen Sie keine Zahlen, deren Zustandekommen Sie nicht nachvollziehen können bzw. die Sie unabhängig verifizieren können

3) Studieren Sie ein wenig Statistik und Umfragemethodik (z.B. die Quelle oben als Einstieg), denn Ihre Leser werden es Ihnen danken.

4) Kein Lobbyist (auch nicht Foodwatch, Greenpeace, etc.) passt in ein Schwarz-Weiß-Schema. Alle sind interessen- und umsatzgeleitet.

Anelim Aksnesej 19.01.2016 | 22:04

Danke für den Artikel.Ich muß betonen,daß ich der Lebensmittellobby zutiefst mißtraue.Gesetzlich muß durchgedrückt werden, daß jedes Kind so und so viel Milch erhält-ortsnah produziert und geliefert(pasteurisiert,wenn möglich nicht homogenisiert) und das Mittag an allen Schulen nicht nur standardisiert(!x Woche Fisch etc.)kontrolliert wird (unangekündigt)und Lebensmittelkunde endlich unterrichtet wird,in prägenden Lebensabschnitten vorrangig(wegen Gruppenzwang)mit mehr Wochenstunden mit Filmvorführung(z.B.Super Size Me).Die Größten Lobbyisten gehören öffentlich bloßgestellt-jetzt.

Anelim Aksnesej 19.01.2016 | 23:04

Es gibt aber Lobbyisten ,da ist der Ernährungsansatz weniger indiskutabel - weniger ungesund. Lebensmittel sind so schwer zu unterscheiden in der Qualität,daß wenigstens eine kleine Wegweiserei in der Schule und dann im Gespräch in der Klasse,das Kaufverhalten der eltern beeinflussen kann.Außerdem werden mit der ortsnahen Belieferung endlich die sinnloseden Transporte verringert.Oder wie geht der Anfang zu gestalten?Wenn ich alles bedenke...,dann hätte ich übergewichtige,die Ernährung ignorierende Kinder -ohne Blick dafüe,daß Essen auch eine sinnliche lebensbeglückende Tatsache ist.

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Felix Werdermann 20.01.2016 | 09:45

Dass erste Ergebnisse dem Auftraggeber vorgelegt werden und anschließend noch geändert wird, war mir nicht bekannt. Ich werde mal bei einem Umfrageinstitut anfragen, ob das stimmt.

Unabhängig davon finde ich es eine andere Qualität, ob man wie Foodwatch die Tabellen gleich veröffentlicht, oder wie das Ministerium die nur an Journalisten rausgibt und auch noch Ergebnisse irreführend darstellt und Fragen wertend formuliert.

Felix Werdermann 21.01.2016 | 11:45

Also ich habe bei Emnid nachgefragt. Es ist falsch, dass die Ergebnisse dem Auftraggeber vorgelegt werden und dann nochmal geändert werden. Sondern Emnid hat eine Art der Gewichtung, die das Ergebnis möglichst repräsentativ machen soll und dieses Vorgehen wird bei jeder Umfrage angewandt, egal von welchem Auftraggeber. Die Ergebnisse werden dann dem Auftraggeber vorgelegt und dann ist Schluss. (Man kann natürlich kritisieren, dass der Auftraggeber die Ergebnisse in der Schublade verschwinden lassen kann.)

Sub 21.01.2016 | 16:51

Mal ehrlich, Sie treffen auf einen Fuchs in einem ansonsten leeren Hühnerstall. An seiner Schnauze kleben noch einige blutige Federn. „Hühner, was für Hühner?“, fragt der Fuchs. Glauben Sie ihm?

Aber ernsthaft, was Sie beschreiben, den Statistiker, der nach dem Grundsatz der Wahrhaftigkeit erhebt, verarbeitet, auswertet und die Ergebnisse publiziert, das war einmal - zuletzt bei der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Das unschuldige Umfrageinstitut, welches beklagt, wie Auftraggeber mit seinen Ergebnissen umgehen, gehört heute in den Bereich der Märchen und Legenden aus alter Zeit. Was ich Ihnen beschrieb, ist leider alltägliche Praxis und gerade auch bei dem von Ihnen „befragten“ Unternehmen.

Deshalb: alle Angaben doppelt anhand von unabhängigen Quellen prüfen und von den Instituten die Offenlegung Ihrer Methodik verlangen - das geht ohne Verrat von Betriebsgeheimnissen. Bei Zweifeln lieber auf die Veröffentlichung verzichten. Wenn mehr Journalisten nach diesen Prinzipien handelten, ließen sich die Institute durchaus noch rückerziehen.

Sub 21.01.2016 | 17:28

Richtig, Sie sehen nur ein paar Zahlen, die Ihnen in den Kram/Weltbild passen, einen Artikel der ohne große Mühe fertig wurde und ein bißchen Rechthaberei im Kommentarbereich.

"Und Sie können mir ja auch keine zeigen."

Wenn Sie nicht sehen wollen, natürlich nicht! Mehr als Ihnen Hilfe anzubieten geht nicht. Es sei denn, Sie möchten mich engagieren.

"Daher gilt bei mir auch für den Fuchs die Unschuldsvermutung."

Sorry, aber Sie werden als Jounalist bezahlt und nicht als Richter!