Felix Werdermann
12.06.2014 | 17:36 85

Warum die Fußball-WM nationalistisch ist

Schwarz-Rot-Gold Deutschland dreht durch: Zur Weltmeisterschaft sind wieder überall Nationalfahnen zu sehen. Dieser Party-Patriotismus fördert nachweislich die Ausländerfeindlichkeit

Warum die Fußball-WM nationalistisch ist

Gegen welches Land sind wir heute?

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Manchmal bin ich gerne der Spielverderber, eine richtige Spaßbremse. Wenn heute abend die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer beginnt und selbst ansonsten vernünftige Menschen auf einmal mit schwarz-rot-goldenen Fahnen wedeln. Alle fiebern dem Titel entgegen und hoffen, dass "wir" gewinnen. Als hätte ich so viele Gemeinsamkeiten mit den superreichen Fußball-Profis, die gerade in Brasilien unterwegs sind. Man kann den alle zwei Jahre wiederkehrenden Party-Patriotismus zu den Fußball-Großevents belächeln und ignorieren. Besser ist, man nimmt ihn ernst und erkennt: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist im Kern nationalistisch.

Natürlich macht der Deutschland-Trubel nicht plötzlich alle Fußballfans zu Nazis. Aber gerade das macht den Party-Patriotismus so gefährlich: Er kommt harmlos daher, in Wirklichkeit beeinflusst er Millionen von Menschen. Angeblich lässt sich der Patriotismus vom Nationalismus klar abgrenzen. Die Begeisterung für die eigene Nation gehe nicht unbedingt mit der Abwertung anderer Nationen einher. Aber das ist Quatsch. Wenn ein Land als besser empfunden wird, werden alle anderen Länder zwangsläufig im Verhältnis als schlechter empfunden.

Wir gewinnen, wenn ihr verliert

Eine Weltmeisterschaft wird gerne als großes Fest der Völkerverständigung gepriesen. International! Alle feiern gemeinsam! Das bringt die Kulturen zusammen! In Wirklichkeit ist es genau anders herum: In der Regel feiern alle gemeinsam – aber nicht weil, sondern obwohl es die Fußball-WM gibt.

Schon die Struktur der WM lässt erahnen, welche Auswirkungen der sportliche Wettkampf auf die "Völkerverständigung" hat. Nationen treten gegeneinander an. Sie können nur gewinnen, wenn die anderen verlieren. Die Mannschaften dürfen auch nicht beliebig zusammengestellt werden. Natürlich gibt es auch Spieler mit Migrationshintergrund, manche werden sogar extra für den Fußball eingebürgert. Aber am Prinzip wird nicht gerüttelt: Bei den Spielern zählt der Pass, sie werden in eine Zwangsgemeinschaft gesteckt, ihre Nationalmannschaft.

Dass die WM ausländerfeindliche Vorurteile in der Bevölkerung fördert, ist inzwischen sogar wissenschaftlich belegt. Vor vier Jahren haben Forscher um den Bielefelder Erziehungswissenschaftler Wilhelm Heitmeyer nachgewiesen, dass Personen, die nach der Fußball-WM befragt wurden, "nationalistischer eingestellt" waren als diejenigen, die vorher befragt wurden. Das Ergebnis ist nicht besonders überraschend. Es ist im Grunde ziemlich plausibel.

Es gibt zwar auch Fußballfan-Kampagnen gegen Ausländerfeindlichkeit. Aber was ist das für eine Logik? Ein Großevent veranstalten, das Nationalismus befördert – und gleichzeitig Gegeninitiativen starten. Das ist doch absurd.

Die Herkunft entscheidet

Aber ist die WM nicht immer noch besser als die Fußball-Bundesliga, in der Vereine wie Wirtschaftsunternehmen handeln, in der Spieler hin- und herverkauft werden? Man muss dieses System nicht gut finden, aber immerhin können hier die besten Spieler in einer Mannschaft zusammengefasst werden, während selbst das größte Fußball-Genie aus Luxemburg wohl nie in einer herausragenden Nationalmannschaft spielen wird. Wegen der Herkunft, qua Geburt.

Man kann es so zusammenfassen: Die Bundesliga entspricht dem Kapitalismus, die Weltmeisterschaft dem Feudalismus. Wer also unbedingt 90 Minuten lang 22 Spieler beobachten möchte, sucht sich am besten einen lokalen Verein – und nutzt die WM-Abende für sinnvolle Dinge.

Kommentare (85)

Kritiker 12.06.2014 | 21:22

Da muss ich widersprechen.

Zugegebenermaßen bin ich kein außerordentlich frenetischer Fan, aber zu Länderspielen und CL schau ich dann doch mal rein.

Ich fahre in zwei Wochen nach Italien und freue mich schon darauf, vor Ort in einer Kneipe mit völlig fremden Tifosi ihre Mannschaft anzufeuern.

Der letzte Absatz ist auch Unsinn. Mit einem lokalen Verein würden Sie den Nationalismus ja auch nur skalieren (Dorf A gegen den Rest der Welt).

Die Gruppenbildung findet sich in allen Schichten und Organisationen wo es Wettbewerb gibt ("wir" gegen den Chef, unsere Firma gegen den Marktbegleiter, etc.) und stärkt die Gruppe psychologisch. Die Skala ist halt eine andere.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 03:45

Dieser Party-Patriotismus fördert nachweislich die Ausländerfeindlichkeit

Ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht.

http://behind-media.de/Artikelbilder/em2008_2/bild1.jpg

Man kann es so zusammenfassen: Die Bundesliga entspricht dem Kapitalismus, die Weltmeisterschaft dem Feudalismus.

Nun kann man dem Feudalismus ja alles mögliche vorwerfen, daß er den Nationalismus gefördert hätte gehört nicht dazu. Als Napoleon weite Teile Europas erobert hatte, wollten die deutschen Fürsten ihre Ländereien wieder gewinnen. Sie schürten einen franzosenfeindlichen Nationalismus, um die Deutschen zu den "Befreiungskriegen" zu motivieren. Als sich das mit Napoleon innerhalb weniger Jahre erledigt hatte, war man fürstlicherseits nicht mehr an Nationalismus interessiert. Im Gegenteil, deutscher Patriotismus wurde nun verfolgt. Das Rezitieren des "Liedes der Deutschen" (Deutschland, Deutschland, über alles... eh schon wissen) war mit Gefängnis bedroht, der Verfasser des Gedichtes wurde in allen 36 deutschen Fürstentümern steckbrieflich gesucht und mußte auf das damals noch britische Helgoland flüchten.

Ciao

Wolfram

Hunter S.T. 13.06.2014 | 10:55

'Wenn ein Land als besser empfunden wird, werden alle anderen Länder zwangsläufig im Verhältnis als schlechter empfunden.' Das ist absolut falsch! Man kann doch sein Vaterland, als für sich persönlich am besten empfinden und gleichzeitig anerkennen, dass für andere Völker ihr Vaterland als das passendste empfunden wird -ganz subjektiv. Ich kann z.B. Jeden Schweizer gut verstehen, der patriotisch ist. Die direkte Demokratie dort ist einfach toll, die wollen jetzt sogar abstimmen, ob Fiat-Geld, das von Privatbanken aus dem Nichts erschaffen wird, verboten werden soll, Hammer! Ich wäre auch gern stolz auf mein Land, aber die BRD Staatssimulation macht es einem ja praktisch unmöglich, da vom US-Imperium gesteuert. Ich habe mich früher auch als Links gesehen und jede Fahne hat mich total getriggert, diese dogmatische Einstellung habe ich aber glücklicherweise überwunden...

Avatar
Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 11:12

"Manchmal bin ich gerne der Spielverderber, eine richtige Spaßbremse."

Das kann man nun wirklich sagen.

Jetzt ist selbst die Fußball WM nationalistisch und somit böse für den politisch korrekten Freitag-Leser.

Wie wäre es, wenn man sie gleich verbieten würde und stattdessen nur noch die Championsleague erlauben würde: Eine politisch korrekte Verantstaltung, wo es nicht um Pässe geht sondern um Städte (Stadtteile), die in fairem Wettbewerb das neue, offene Europa zelebrieren?

Manchmal denke ich wirklich, Deutschland sei eine Insel (der Seligen, Irrationalisten oder blasierten Spaßbremsen. ).

Um zu begreifen, was es bedeutet, ein Fußball-Fan zu sein und ein bisschen zu trauern, weil die eigene Mannschaft (mal wieder) nicht gewonnen hat (etwas, das für die meisten Mannschaften nun mal zutrifft) muss man vielleicht einmal außerhalb der Jogi-Löw-Welt gelebt haben.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 12:06

@Felix Werdermann

>>Nun kann man dem Feudalismus ja alles mögliche vorwerfen, daß er den Nationalismus gefördert hätte gehört nicht dazu.<<

Ich habe ja auch nicht geschrieben: Der Feudalismus hat den Nationalismus gefördert oder so. Mein Vergleich bezieht sich darauf, dass im Feudalismus die Herkunft/Geburt entscheidend war. Wie bei der Fußball-WM.

Dann war das aber eine sehr verrätselte, sehr unglückliche Formulierung. Nach den Regeln des Feudalismus, müßte der älteste Sohn eines Nationalspielers dessen Platz in der Nationalmannschaft übernehmen. Wir wissen alle, daß dem nicht so ist, Nationalspieler Thomas Müller ist nicht der Sohn von Nationalspieler Gerd Müller.

Der normale (also nicht dem Herrscherhaus entstammende) Mensch im Feudalismus mußte in Bezug auf seine Loyalität vielmehr sehr flexibel sein. Du lebst in Schlesien, bist also k. u. k. österreichisches Landeskind. Dabei ist es schnurzpiepvölligegal, ob deine Muttersprache Deutsch ist oder Polnisch oder Tschechisch. Dann überfällt das frankophile preußische Flötenmonster aus Sang Susi (1) dein Land und krallt sich die Hälfte davon. Einfach so, ein Philosoph hat nicht mehr Moral als ein Rattenfänger, der sich mit diesem ehrbaren Handwerk durch's Leben schlagen muß. Jetzt bist du, wenn du im nördlichen, östlichen Teil von Schlesien lebst, von gleich auf sofort preußisches Landeskind.

Hätte es damals schon Fußball gegeben und wärest du Nationalspieler im k. u. k. Team gewesen, dann wärest du plötzlich Nationalspieler im Preußenkader geworden.

Natürlich macht man darüber keine Scherze. Preuße zu sein ist ein gar zu schweres Schicksal, um darüber zu witzeln.

Ciao

Wolfram

(1) Bevor mich ein Korinthenkacker drüber aufklärt: Beim Überfall des Philosophenkönigs auf Schlesien gab es Sanssouci noch nicht.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 12:07

@Hunter S.T.

Ich wäre auch gern stolz auf mein Land...

Echt? Stolz kann ich doch nur auf das sein, was ich selber zustande gebracht habe. Für nahezu alles, was man der deutschen Nation gutschreiben kann, bin ich nicht verantwortlich. Leider. Für alles, was man an Schuld der deutschen Nation aufbürdet bin ich ebenfalls nicht verantwortlich. Gott sei Dank.

»Das deutsche Volk«, brummte der deutsche Patriot aus seiner Ecke, »hat auch das Pulver erfunden.«

Börne wandte sich rasch nach dem Patrioten, der ihn mit dieser Bemerkung unterbrochen hatte, und sprach sarkastisch lächelnd: Sie irren sich, mein Freund, man kann nicht so eigentlich behaupten, daß das deutsche Volk das Pulver erfunden habe. Das deutsche Volk besteht aus dreißig Millionen Menschen. Nur einer davon hat das Pulver erfunden ... die übrigen, 29.999.999 Deutsche, haben das Pulver nicht erfunden. – Übrigens ist das Pulver eine gute Erfindung, ebenso wie die Druckerei, wenn man nur den rechten Gebrauch davon macht. Wir Deutschen aber benutzen die Presse, um die Dummheit, und das Pulver, um die Sklaverei zu verbreiten –« (Heinrich Heine: Über Ludwig Börne - Kapitel 3)

Dafür, daß ich Deutscher bin, kann ich nicht, es ist ein biographischer Zufall. Meine gesamte Mischpoke stammt aus dem Sudetenland, war also österreichisch. Mein Vater hat als Bub noch Steine über den Grenzfluß Oppa, der das österreichische Sudetenland vom deutschen Schlesien getrennt hat, auf die verdammten Deutschen geworfen. Daß es meine Eltern durch die Vertreibung nach Deutschland verschlagen hat und nicht nach Österreich ist wiederum purer Zufall.

Nun bin ich (eigentlich Sudetendeutscher) also zufällig Bayer geworden, Niederbayer um genau zu sein. Ich fühle mich hier wohl, hier bin ich daheim, obwohl die andere Hälfte meines Herzens an Italien hängt, genauer an Kampanien, noch genauer am Cilento.

Das Leben ist ein Durcheinander, und das ist gut so.

Ciao

Wolfram

WJR69 13.06.2014 | 12:19

Wenn es nationalistisch ist, weil man sich als etwas besseres fühlt als andere, dann sind die nationalistischten Menschen auf der ganzen Welt auch und gerade Linke wie Sie, Herr Werdermann.

1. Wer hält sich dann als etwas besseres als den ganzen Fussball-Party-Nazi-Pöbel und macht dass auch durch Kommentar wie den obigen deutlich kund? Gerade Linke!

2. Wer mach generell geltend, dass er moralisch und intellektuell so wahnsinnig viel weiter ist wie der Durchschnittsmensch, weil er bspw. kein Fleisch ist, kein Auto fährt, die USA für das Erzübel der Menschheit hält und deswegen allen zweifelhaften Potentaten, die sich gegen die USA stellen, die Stange hält, auch wenn diese selbst nationalistisch sind?

3. Wer meint, aus seiner moralischen Überlegenheit heraus der ganzen Gesellschaft detaillierte Vorschriften machen zu können, wie man zu leben hat? Doch wohl gerade Linke.

4. Wer meint, nur durch die Tatsache, dass man einen gemeinsamen Pass hat, Leute, die etwas mehr verdienen als man selbst, mindestens 80 % von Einkommen und Vermögen dieser Leute abknöpfen zu dürfen, "wegen des Zusammenhalts der Gesellschaft", der beim Steuerzahlen auf einmal beschworen wird, aber beim Fussball als Faschismus gilt, redet m.E. heuchlerisch.

5. Der "Mir-die-Guten-ihr-die-Bösen"-Atagonismus wird doch gerade von Linken immer und überall propagiert! Das ist übrigens auch m.E. der Grund, warum Linke es schwer haben, eine Mehrheit in einer Gesellschaft zu kriegen. Selbst die Länder, die solche "fortschrittlichen" Regime haben wie Kuba oder Venezuela, sind tendenziell eher Auswanderungsländer, von der DDR gar nicht zu reden. Ein Sozialismus, dem niemand davon läuft, habt ihr jedenfalls nocht nirgends etabliert, auch wenn ihr meint, Wahrheit, Recht und Ethik gepachtet zu haben.

Lethe 13.06.2014 | 12:21

Darf ich darum bitten, mich davon auszunehmen? Ich schaue liebend gerne Fußball, wenn es denn guter Fußball ist. Mir ist es völlig gleichgültig, wer gewinnt, meine Lieblingsmannschaft - welche, nebenbei, nicht die deutsche ist - darf gerne verlieren, solange sie nur guten Fußball spielt. Und ein witzloses Spiel schalte ich gerne nach 10 Minuten aus.

Zur Ehrenrettung des Sinnes von Wettkampfsportarten möchte ich aber gerne das anthroposophische Mensch-Ärgere-dich-nicht anführen. Sie kennen anthroposophisches Mensch-Ärgere-dich-nicht? Wird auf sechs parallelen Bahnen gespielt, alle Beteiligten dürfen gleichzeitig würfeln, mit Würfeln, deren Seiten ausschließlich die "6" tragen.

Macht irrsinnig viel Spaß.

Hunter S.T. 13.06.2014 | 12:32

Ich wär gerne Stolz auf mein Land, was aktuelle und zukünftige Ereignisse anbelangt. Was die Vergangenheit angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung. Wenn sich ein Volk einen 'guten Status Quo' erarbeitet und beibehält, kann es doch ruhig stolz darauf sein. Das darf natürlich nicht in Überheblichkeit und die Abwertung anderer abdriften. Man muss meiner Ansicht nach einfach akzeptieren, dass es viele unterschiedliche Kulturen gibt, die teilweise nur wenig kompatibel sind, was aber auch kein Problem darstellt, solange ein ehrlicher, tiefgreifender Respekt voreinander besteht. 'Das Leben ist ein Durcheinander, und das ist gut so.' Hier bin ich ebenfalls ganz Ihrer Meinung. Ich fände es schrecklich, wenn sich letztendlich eine unipolare, vom Westen dominierte Weltordnung durchsetzen würde, in der alles gleichgeschaltet wird und kein einziger Nationalstaat der Erde mehr seine Ruhe hat -nichtmal die Schweiz...

Werber 13.06.2014 | 12:35

Oh mein Gott, Herr Werdermann, zu lange in der Sonne gewesen? Jeder, der mit einem Fähnchen, und dazu noch in den Farben schwarz-rot-gold, wedelt, ist der Gefahr ausgesetzt , rechtsradikal zu sein oder zu werden? Upps, warum denn nicht gleich ein potentieller NSU-Täter? Und bitte keine wissentschaftliche Studien anführen. Es gibt bestimmt genauso viele Studien, die das Gegenteil nachweisen. Warum meinen Journalisten immer, dem Leser etwas vorschreiben oder empfehlen zu müssen? Parteipolitisch gefärbte Journalisten gibt es in Deutschland genug. Und meine Meinung bilde ich mir selber, indem ich nicht die am Kiosk erhältlichen deutschen Dumpfbacken-Zeitungen kaufe, sondern mich über andere Quellen im Internet informiere - dort wird die Wahrheit verbreitet. Aber ok, Sie können bestimmt nicht anders. Augstein gehört ja auch zu den Meinungsdiktatoren, die von Geburt an immer RECHT hatten und haben. Übrigens, ich bin kein fähnchenschwingender Fußballfan und mir ist egal, wer gewinnt oder verliert.

Exilant 13.06.2014 | 13:13

Vielleicht hätte die Überschrift besser gelautet: "Die Entwicklung der Fußball-WM fördert den Nationalismus."

Da die jetzige, wenn ich richtig gezählt habe, meine 14. ist, die ich bewußt miterlebe, ist dies für mich seit 2006 so, also seit dem sog. Sommermärchen, daß nicht mehr nur die BILD vom "wir" schrieb und prominente Co.-Moderatoren wie Netzer auch die erste Person benutzten. Ein obiger Kommentator sprach davon, daß es wie bei einer Firma ist....... So sehe ich dies nicht. Bei einer Firma kennt man sich in der Regel und aufgrund des täglichen Zusammenarbeitens entsteht natürlich auch Nähe, sofern es kein großes Unternehmen ist.

Die Nationalhymne wurde immer gespielt, aber mitgesungen hatte nie jemand, weder Zuschauer noch Spieler (außer vielleicht Berti Vogts).

Und apropos Patriotismus: Gesichtsbemalung hat nichts mit Patriotismus zu tun, sondern eher mit Fasching.

Das Ganze ist doch für viele nur ein Event. Wirkliche Fußballfreunde schreckt dies eher ab.

Nicht vergessen sollte man aber auch den kommerziellen Zweck, der dahintersteckt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 13:27

Himmel, da heißt ja noch einer Hunter (allerdings Hunter S.T.), ich hoffe, man verwechselt mich nicht mit dem Mann.

Immerhin ist mir der ultimative Ausweis des Gutmenschenseins geglückt:

Wurde mir doch bei der letzten WM die (pardon) Fresse poliert, weil ich im Überschwang meines jugendlichen Leichtsinns Mitbürger (latent rechter Gesinnung) mit (eigentlich recht gelungenen) Witzchen über die deutsche Nationalmannchaft in ihren patriotischen Gefühlen verletzte. (Mein Namensvetter spricht derweil unbestimmt von "Stolz" - war der am Ende wohl auch dabei?)

Aber, ich bitte darum, nicht dass man mich jetzt falsch versteht.

Ich überlasse den Fußball doch nicht den rechten oder den sonstigen Spinnern!

Selbstverständlich sehe ich mir das Gekicke mit GRÖSSTER Freude an und lasse linke Moralapostel, Puritaner und Puristen, Nationalisten, Melancholiker, Choleriker, rechte Irrläufer und sonstige Tunnelblicker, die lieber kinderwagenschiebend durch unbevölkerte Straßen spazieren als sich dieses wundervoll anachronistische Fest anzutun, für die Dauer einiger Wochen einfach links (oder rechts) liegen.

So und jetzt fängt gleich Spanien gegen die Niederlande an.

Der Kommentar wurde versteckt
PaddePanda 13.06.2014 | 16:05

Alle Jahre wieder oder besser gesagt alle 2 Jahre treiben mir solche Artikel die Zornesröte ins Gesicht. Nicht falsch verstehen, Nationalismus- Diskurse sind wichtig und dass wir sie bei jeder sportlichen Großveranstaltungen führen, ist für mich mittlerweile eine Art Tradition geworden.

Richtig ist, dass während solchen Veranstaltungen nationale Ressentiments gestärkt werden und dies ist auf jeden Fall zu kritisieren. Jedoch verhindert eine kenntnisspezifische Distanz zum Fußball bzw. zum Sport im Allgemeinen eine richtige und umfassende Relativierung der Thematik. Natürlich gehört zum Sport Rivalität, aber warum dies hier als etwas Negatives interpretiert wird ist für mich schleierhaft. Trotz sportlicher Rivalität entstehen allgemein beim Sport vielerlei Freundschaften bei Sportlern unterschiedlicher Vereine und den Anhängern unterschiedlicher Vereine bzw. unterschiedlicher Nationalmannschaften. Auch wenn es sicherlich auch unschöne Aktionen gibt, wie bei jeder Veranstaltung wo hunderttausend Menschen aufeinander treffen, trennt Sport die Menschen nicht sondern bringt sie zusammen. Die Chancen, die sich daraus ergeben, dass viele Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinandertreffen, werden hier leider auch völlig ignoriert.

Die Frage ist wo die Grenze zwischen Patriotismus und dem bloßen Anfeuern einer bestimmten Mannschaft ist? Eine Frage, an der spätestens seit 2010 viele Soziologen und Sozialpsychologen arbeiteten und zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Mein Vorschlag für die Zukunft: Während wir den Sport und die internationalen Interaktionen genießen und diese Großevents als Chance begreifen, um in einem kulturell begriffenen internationalen Flair eine schöne Zeit zu verbringen, nutzt ihr die Freiräume, die euch durch die Fußball schauende Meute gegeben wird – in Schwimmbädern, an Seen, in Theatern etc. Glücklicherweise ist Toleranz immer ein zweischneidiges Schwert

PS: Fußballmannschaften als bloße Zweckgemeinschaften zu definieren lässt außerdem leider auf geringe Kenntnis über professionellen Mannschaftssport schließen

Knibbo 13.06.2014 | 22:27

Lieber H. Yuren,

das hat er nicht. M.E. ist der Beitrag geprägt von einem völlig naiven Verständnis der Begriffe "Nationalismus" und "Patriotismus". "Aber das ist Quatsch." Jeder Sportart, bei der "wir" gegen eine andere Nationen antreten, denke ich immer, dass natürlich das mein "Land" besser sein muss und nicht etwa wie man vermuten mag , nur die Mannschaft.... Wenn man dann allerdings auch noch anfängt die Begriffe "Nationalismus" und "Patriotismus" mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen, muss man kein Soziologe oder Politologe sein, um festzustellen, dass hier was nicht stimmen kann. Dazu sollten gesunder Menschenverstand und der zweite Absatz ausreichen.

Ich möchte hier kein "Spielverderber" sein, aber "Nationalismus" ist und darf man nicht mit "Fremdenfeindlichkeit" oder gar "Nationalsozialismus" gleichzusetzen. WArum das hier passiert ist, liegt wahrscheinlich an Recherchefaulheit oder Unreflektiertheit mit der sich der sich der Autor diesem Thema angenähert hat.

Eigentlich wird hier nur eindrucksvoll gezeigt, dass man nicht wissen muss um zu meinen....

Vlt hätte man eingangs ergründen sollen, was Gründe dafür sein könnten, warum Deutschland sich überhaupt an soetwas wie "Partypatriotismus" klammern muss bzw. es tut und andere Nationen weniger. Oder sich zumindest fragen sollen was eine Nation ausmacht....

tomhh 13.06.2014 | 22:56

Was für ein unsinniger Artikel. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus. Nur weil man Stolz auf das eigene Land ist, muss man ja nicht gleich alle anderen Länder als Untermenschen einstufen.

Die von vielen Linken dem Land lange Zeit verordnete Geisteshaltung, dass es keinen deutschen Patriotismus geben darf, hat auch ihren Teil zum Erhalt des rechten Rands in Deutschland beigetragen.

Komischer weise haben diese Leute dann wenig Probleme mit der Inbrunst, mit der beispielsweise die Engländer ihre eigene Nationalhymne singen.

Glücklicherweise sind solche Positionen aber seit 2006 nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. So bleibt für Herrn Werdermann nur der Status des ewig Gestrigen..

Maria Jacobi 14.06.2014 | 00:33

Lieber Herr Werdermann, wie recht Sie doch haben! Leider hat man diese nazistische, rassistische und friedensfeindliche Blase Fußball viel zu lange toleriert. Ich fordere: Fußball und jede andere Form sportlichen Wettstreits ist sofort zu verbieten. Die Gelder dieser Organisationen sind zu beschlagnahmen und politisch korrekten Zielen zuzuführen, bsp. arabischen Frühling in Syrien..Das bertifft auch und vor allem den Schulsport, weil man den Anfängen wehren muss. Ja, selbst über den Schachsport sollte man nachdenken, weil hier der Kampf Mann/Frau gegen Mann/Frau besonders perfide Formen annimmt. Solche persönlichkeitsherabsetzende Großveranstaltungen wie nationale und internationale Marathons sind mir ein besonderer Dorn im Auge - obwohl das gesunde (islamische) Volksempfinden beginnt sich durchzusetzen, wie die Bomber von Boston sehr schön zeigten. Wir sollten eine neue gesellschaftliche Organisation gründen unter den Motto des unvergessenen Winston Churchill:"No sports"!

Fro 14.06.2014 | 01:41

Ein guter Beitrag zur WM, Felix Werdermann. Eine Aufforderung an alle Deutschlandfähnchenschwenker und emotionalisierten Daumendrücker für die Spieler mit deutschem Personalausweis, sich zu überprüfen, wie nationalistisch bzw patriotisch sie eigentlich sind; und ob sie das ok, bzw für sich erklärbar finden.

Aber es gibt, insbesondere natürlich auch in der Leserschaft des FREITAG, Fußballfans, denen es allein um den Genuss des spielerischen Geschehens auf dem Feld geht, und Sympathie entscheidet, welcher Mannschaft man Erfolg wünscht. Unabhängig von der Nationalität. Und nach meinen Erfahrungen in Gesprächen wächst diese Gruppe von Fußballfans stetig. Das sollte man als kritischer Beobachter vielleicht auch mal würdigen...

Interessant, wie in der BILD und auch SpiegelOnline versucht wird das nationale Denken der Fußballfans zu puschen – das wäre doch sicher auch mal ein nettes Thema des aufklärerischen FREITAG... bzw eines Felix Werdermanns.;)

CS Spuhr 14.06.2014 | 05:01

Danke Herr Werdermann,

Sie schreiben uns hier aus dem Herzen. Das gleiche gilt übrigens auch für EMs.

Das Problem ist dann vor allem die Mischung aus Fußball-Nationalismus und Alkohol.

Es ist jetzt genau zwei Jahre her, daß mein Schwager )halb-Italiener) Krankenhausreif geprügelt wurde wegen eben dieser Scheiße. Er hatte ein Italien-Trikot an, und wurde nach der Niederlage Deutschlands (nach der auch der Rausschmiß Ingo Zamperonis gefordert wurde) aufgefordert das Italien Trikot auszuziehen (und von Einigen wurde gesagt: "verbrenn es, oder wir verbrennen während du es noch an hast."). Er trug zu dem Trikot noch einen Deutschland Schal, der wurde ihm von diesen Leuten weggenommen. Als er sich weigerte (diese Trikots sind schweine-teuer!) wurde er von ganz "normalen" Studenten verprügelt und als er am Boden lag noch zusammengetreten.

Das waren, wie gesagt "ganz normale" Studenten, keine Nazis, und das war in einer Stadt, die sicherlich nicht für ihre Nazis berühmt ist, sondern viel eher, für die Internationalität.

Also, ich kann Ihnen nur zustimmen. Lieber Champions-League, Bundesliga oder sonstwas (selbst bei Handball-WMs geht es nicht so zu!), aber keine Fußball-WM.

Und zu dem was oben öfter gesagt wurde: eben dieses "MItläufertum", das "nur zur WM Nationalistisch", weil es eben alle Anderen auch sind, ist ja eben das schlimme. Dann wird halt "weil alle Anderen es auch tun" mitgeprügelt etc.

sch123 14.06.2014 | 12:05

Erstmal Glückwunsch zur Wahnsinnserkenntnis: Die WM (bei der verschiedene Nationen gegeneinander antreten) ist im Kern nationalistisch.

Mal abgesehen davon, dass Nationalismus per se nicht so negativ besetzt ist, wie der Autor suggerieren möchte: (Sportliche) Rivalität und Wettkampf können zivilisierte Menschen durchaus aushalten und richtig einordnen. Sie werden dadurch weder zu Gewalttätern noch zu Nazimitläufern oder erbitterten Feinden.

Ich würde auch keine Deutschlandfahne schwenken oder mich entsprechend verkleiden, weil es mir zuwider ist, aber ich rümpfe auch nicht die Nase über Leute, die es tun oder stelle sie unter Generalverdacht.

rioges 14.06.2014 | 12:27

Was für ein Schwachsinn. Wenn man keinen Fußball und/oder Sport mag, dann kann man das ja sagen. Aber dieser Artikel ist für die Füße. Ich bin kein Freund von Pablikfjuing, aber es ist schon bemerkenswert mit welcher Gemeinsamkeit die Freude am Sport dort gefeiert wird. Und jede/r Zweite hat seine Fahne in der Hand und das ist schön, denn es ist bunt und nicht nur schwarzrotgold.

Es ist wirklich niemand gezwungen bei der WM wie auch immer mitzumachen. Es ist auch unbestritten, dass Sportgroßereignisse ökonomisiert sind bis zum geht nicht mehr. Und es stimmt auch, das Mensch auch viel Freude alleine im Wald haben kann.

Aber gleich mit der arroganten linken Nationalismuskeule zu kommen ist schwach.

Der Autor schildert sich schon richtig: Spaßbremse.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 14.06.2014 | 14:01

Fußball Wm - was für ein Vergleich

Da treten Nazionen gegeneinander an, Mäuse gegen Elefanten, Portugal hat etwa so viele Einwohner, wie Bayern, oder Belgien.

Was wird da eigentlich nazional miteinander verglichen, der Krieg einer gegen alle, oder catch as catch can?

Deutschland war nie eine Nazion, weil die kulturellen Unterschiede der deutschen Nazionen zwischen Franken, Oberlausitz und Ostfriesland beträchtlich waren und immer noch sind, trotz der normierten Europäischen Einheitsgurke.

Etliche Europapolitiker streben einen Einheitsstaat Europa an. Werden wir dann ein Nazionalstaat Europa mit nur noch einer Nazionalmannschaft für die WM? Sicher nicht, schon darum ist zu wünschen, daß die Vielfalt in Europa erhalten bleibt.

drave11 14.06.2014 | 14:16

Dazu eine kleine Beobachtung aus 2006. Am Campus in Göttingen wurde, wie an vielen Orten, public viewing-Arena aufgebaut. Auch hier, wie vieler Orts, feiernde, schreiende, freuende, sich in den Armen liegende Massen. Eine große Party. Einige schwenkten Fähnchen, anderen tanzen und hüften. Auch wir sind hingegangen, jedoch ohne sichtbare Fanausstattung. IM Getümmelten waren durch Zusammenstellungen vielen Gruppen von Menschen zu erkennen. Im Laufe des Spiel (wer gegen wen spielte, weiß ich nicht mehr) wurden aus dem "Deutschland, Deutschland" - "Sieg Heil"-Rufe. Und zwar so laut, dass man sie gar nicht überhören konnte. Ein paar drehten sich um, um zu schauen, wo die Rufe herkamen. Aber nicht um sich zu empören, sondern nur um zu lokalisieren. Es war eine Gruppe (ca. 20 Menschen) von normal gekleideten Studenten.

Doch: Niemand empörte sich, niemand ging auf sie zu, und bat sie das zu unterlassen. Sie konnten einfach weiter in dem Me(h)er der Fahnen und des "fröhlichen" Patriotismus ihre Gesinnung bis zur absoluten Freiheit ausleben.

Fazit der Geschichte: Im Rausch der Nation fallen überdeutsche Fans nicht auf. In diesen Massen und diesem Klima genießen sie den höchsten Schutz, an nationaler Freiheit.

Heinz Lambarth 14.06.2014 | 14:32

Interessante debatte - aber leider völlig fehlgeleitet, weil auf einen nebenschauplatz fixiert: auf den nationalpatriotismusunfug.

Das eigentliche problem liegt doch ganz woanders - nämlich darin, dass ein privater verein (FIFA) von durch und durch korrupten selbstherrlichkeiten weltspiele organisiert, die idiotische nationalpatriotische wallungen auslösen, wo es doch um nichts anderes als profit geht! Wie hat es doch oberabkassierer Jozef Platter so schön gesagt: 'Die Braslianer wollten die Weltfussballspiele haben und wir haben sie ihnen verkauft', ob sie sich diese spiel leisten können bzw. wie hoch das defizit wird, um die kaufpreis aufzubringen, interessiert J.P. einen dreck.

Eine ähnliche show findet übrigens bei der sog. "Formel 1" statt, auch hier verkauft ein privater club "events" an "nationen" - egal, ob diese sich das leisten können, oder nicht...

Avatar
Ehemaliger Nutzer 14.06.2014 | 16:49

Zu kurz gegriffen.

Zum einen gilt das für den ganzen Sport. Fußball ist also nur ein Mosaikstein im Notionenwettstreit.

Zum zweiten wird dieser Nationalismus über den Sport weltweit getragen. Der Autor hat offenbar noch nie Autokorso von Siegern in anderen Ländern gesehen. Und er müsste im Umkehrschluss auch mal erklären, was denn dann die türkischen Fahnenmeere in Deutschland sind? Da kommt er in schweres Fahrwasser.

Und zuletzt sei darauf verwiesen, dass das deutsche Fahnenmeer zum Sommermärchen 2006 in aller Welt nur positiv aufgenommen wurde. Es hat das Bild vom Deutschen gehörig korrigiert, weil Millionen, die singen feiern und fröhlich sind, so nicht erwartet wurden. Der Deutsche galt als bieder und geschichtsverklemmt.

Nationalismus ist normal, denn er ist Teil der sozialen Kommunikation.

Sein Missbrauch leider auch.

Nur den verhindert man nicht, indem man ächtet den verhindert man, indem man ihn positiv definiert und so handelt.

h.yuren 14.06.2014 | 20:23

Oh mein Gott, Herr Werdermann, zu lange in der Sonne gewesen? Jeder, der mit einem Fähnchen, und dazu noch in den Farben schwarz-rot-gold, wedelt, ist der Gefahr ausgesetzt , rechtsradikal zu sein oder zu werden?

hm, zu lange im schatten gezittert? könnte die replik sein. aber es geht hier doch um mehr als fähnchenwedelnde nitwits. stell dir mal vor, woher die millionen fähnchen im sommer 06 in die gegend kamen, wo fans der kickerei rumstanden und rumfuhren. merke: sowas will organisiert sein. und von wem, bitteschön? den rest überlass ich deiner nachdenklichkeit...

Avatar
Ehemaliger Nutzer 15.06.2014 | 02:14

@Heinz

allerdings ist in dem Lied der Deutschen seit 1849 nur noch der Fehmarnbelt real übrig geblieben, alle anderen "Aussagen oder Zuschreibungen" sind frei erfunden.

Mit dem Belt ist im "Lieder der Deutschen" schon der Große Belt gemeint, der die dänischen Inseln Fünen und Seeland voneinander trennt. Und wenn es im "Lied der Deutschen" heißt

Von der Maas bis an die Memel.

Von der Etsch bis an den Belt.

so umschreibt dies so lala und ungefähr jene Landstriche, in denen damals Deutsch gesprochen wurde. Nun wird so mancher zusammenzucken (ich schließe mich da gerne an), wenn hier so ganz nebenbei das Dänische und das Niederländische in die deutsche Sprache eingemeindet werden. Aber, Gottchen, immerhin sind alle drei Sprachen germanische Sprachen, die Verbindungen zwischen den Niederlanden, Dänemark und Deutschland sind relativ eng. Wenn die Niederländer den "Het Wilhelmus", ihre Nationalhymne; absingen, dann singen sie

Wilhelmus von Nassau

bin ich von deutschem Blut,

dem Vaterland getreue,

bleib ich bis in den Tod...

Wilhelm von Oranien, der Gründervater der heutigen Niederlande, war der Sohn des Grafen von Nassau-Dillenburg, ein gebürtiger Hesse also. (Alle Hesse sin Verbreschä / Denn sie klaue Aschebäschä) Und Altona, heute ein Stadtteil von Hamburg, war zu Hoffmanns Zeiten noch dänisch.

Die berüchtigten Zeilen "Deutschland, Deutschland über alles / über alles in der Welt" formulierten, als das Lied verfaßt wurde, noch keinen Anspruch auf Überlegenheit gegenüber allen anderen Völkern. Sie bedeuteten: Scheiß auf die 36 Fürstentümer, was wir wollen ist ein einiges republikanisches Deutschland.

Ciao

Wolfram

CS Spuhr 15.06.2014 | 04:59

Das schoene fuer die Deutschtuerken, und alle anderen Zwei-oder mehr-staatsbuerger ist aber: selbst wenn einer rausfliegt haben sie immer noch eine zweite oder dritte etc. Chance zu feiern.

Und: im Gegensatz zu "den Nazionaldeutschen" sind "die Deutschtuerken" die besseren Verlierer (vielleicht nicht alle, aber doch viele), denn sie haben nicht die grosse Hoffnung auf einen Titel fuer die Tuerkei.

Habe ich bei der EM 2012 erlebt, als die Tuerkei 1:3 gegen Deutschland verloren hat, und wir sassen gerade im Doenerladen, und der Ladenbesitzer, Deutschtuerke aus Bremen/Ankara, hat allen einen Doener spendiert. Wenn Deutschland verliert ist gleich Volkstrauertag.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 15.06.2014 | 10:24

Zufällig habe ich gerade einen Beitrag zu den Nazionalhymnen im Radio gehört, die haben wegen der Fußball WM in Brasilien mal wieder Konjunktur.

Kirchenlieder

Danach sind die Kirchenlieder über die Hymne an den König zur Nazionalhymne verkommen.

Das Deutschlandlied mit der österreichischen Kaisermelodie ist ja sowieso ein Humunkulus und mein bescheidener Hinweis auf den Fehmarnbelt war nur die Suche eines Verirrten nach dem, was heute noch als real im Deutschlandlied vorhanden sein könnte.

Daß dies ein Lied aus dem Vormärz war und die ehemalige nicht nazionale Einheit eines römischen Erbes meinte ist uns sicher klar, den Rechtsgläubigen eher nicht.

Dein Hinweis auf Holländer und Dänen trägt Eulen nach Athen; selbst die Franken sind niederländischen Ursprungs und hatten Ostelbien bis nach Pommern erobert.

Hunter S.T. 15.06.2014 | 11:38

Sollte der Kommentar in meiner Richtung gehen? Wenn ja kann ich dazu nur sagen, dass ich, wenn überhaupt, dem Patriotismus die 'Fahne halte' aber bestimmt nicht dem Nationalismus (insbesondere nicht, wenn man die Definition nimmt, die Knattertom weiter unten eingeworfen hat). Da ich, wie eben erwähnt, mit Fußball wirklich rein gar nichts zu tun habe, gehe ich einfach so zur Montagsdemo. Wer sich für die WM, aber nicht für das Weltgeschehen interessiert, dem kann ich nur 'Ich hab eine Fahne' von Deichkind empfehlen ^^

bravolima553 15.06.2014 | 23:37

Ach ja? Zurück zu den Zeiten als nur das braune Gesocks mit einer Schwarz-Rot-Gold Fahne rumlief? Seit 2006 haben die Deutschen ein etwas lockeres und im Vergleich zu den Nachbarn fast normales Verhältnis zu ihren Staatsinsignien entwickelt und es eben in der öffentlichen Bedeutung dem braunen Gesocks "entrissen". Dieser Artikel ist ncht nur Spassbremse, sondern einfach nur rabulistischer Schwachsinn. Wenn ich es drauf anlege, kann ich auch alles niedermachen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 16.06.2014 | 03:50

@Kritiker

Habe ich eigentlich irgendwas verpasst. Gab es eine weitere Reform der Rechtschreibung? Schreibt man neuerdings Nationalismus und national mit "z"?

Nein, nein, die Schreibung "Nazionalismus" ist nur eine persönliche Marotte von Helder Yurén, ähnlich wie seine Kleinschreibung. Inzwischen haben sich ein paar Leute an diese erstgenannte Marotte angehängt.

Ciao

Wolfram

Hanna 16.06.2014 | 11:52

So aus der Luft gegriffen er auch ist, ein Artikel wie dieser war zu erwarten. Spiegelt er doch die in der alternativen Szene, zu der auch ein Grossteil meines Freundeskreises zählt, herrschende dominierende Einstellung zu WM wieder - nur Faschos schauen WM. Teilen kann ich diese heutzutage nicht mehr. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass dieser Artikel eher klingt, als hätte DerFreitag kurz vor Redaktionsschluss dem Autoren eine Stunde Zeit gegeben, einen Anti-WM-Beitrag zu verfassen. Daher die willkürliche Aneinanderreihung zutiefst schwarz-weiss formulierter Argumente, die zum Grossteil nicht zu viel mehr taugen, alles auf einem SAV-Flyer abgedruckt zu werden. Wie dem auch sei. Das Argument “Fußball-Weltmeisterschaft ist […] nationalistisch” und der bei weitem schwachsinnigste Satz “Wenn ein Land als besser empfunden wird, werden alle anderen Länder zwangsläufig im Verhältnis als schlechter empfunden” machen schlichtweg keinen Sinn. Dann würde selbst die internationale Schach-Olympiade Nationalismus schüren. Leichtathletik-Weltmeisterschaft auch nicht mehr gucken? Und Miss World natürlich - na gut, das kann man sich wirklich sparen. Diese Welt ist nun einmal in Kontinente, Länder etc. eingeteilt. Das ist ein Prinzip der Organisation. Fussball macht Gebrauch von dieser Einteilung. Deswegen gibt es Kreis-, Bezirks-, Bundesligen usw. Von unten nach oben, bis man nun mal beim World Cup angelangt. Darin sehe ich absolut nichts nationalistisches. Der Einwand, dass ein herausragender Fussballer aus einem Land, das zu klein ist, um international jemals wirklich weit zu kommen, benachteiligt ist, weil er ja nichts dafür kann, in welchem Land er geboren wurde, ist auch nicht gerade bis zu Ende gedacht. Natürlich - und das ist ein weit verbreiteter Fakt - schlägt unser Leben bestimmte Bahnen ein, je nach dem in welchem Land wir geboren wurden. Natürlich ist es unfair, dass jeder Deutsche bis 25 Jahre Kindergeld erhält und manche Kinder in Indien schon mit 5 Jahren in die Ziegelfabrik zum Arbeiten gehen. Das ist ungeheuerlich. Und schlichtweg abhängig davon, in welchem Kontext und innerhalb welcher Ländergrenzen man geboren wurde. Doch diese Willkür, dieser Zufall besteht im Fussball nicht mehr als in allen anderen Bereichen des Lebens und ist als Argument deswegen nichtig. Doch anstatt den ganzen Artikel auseinanderzupflücken, möchte ich lieber ein Gegenbeispiel bringen. Ja, 2006 war auch ich eine derjenigen, die jeden ausgelacht hat, der eine Deutschlandfahne am Auto hatte. Und als Deutschland dann verloren hat, fand ich das auch verdammt gut und nur gerecht. 2009 bin ich dann nach Nepal gezogen und lebe immer noch in Kathmandu. Wenn ich mich genau in diesem Moment in der Bibliothek meiner Uni einmal umschaue, stelle ich fest, dass mehr als die Hälfte der StudentInnen Fussballtrikots tragen. Heute spielt Deutschland, deswegen haben die meisten das weisse DFB-Jersey an. Gestern hat Argentinien dominiert und morgen wird es wieder Brasilien sein. Leute hängen sich Flaggen an ihre Häuser und Motorräder und schauen (wegen der Zeitverschiebung) bis in die frühen Morgenstunden ein Spiel nach dem anderen. Die schauen nicht Fussball, weil sie es geil finden ihre eigene Flagge hochzuhalten und besser als andere Länder zu sein. Wie auch. Nepal hat noch nie an der WM teilgenommen. Aber das interessiert hier niemanden. Natürlich gibt es Wetten und Spanien-Fans wurden neulich laut ausgelacht und das eigene Facebook ist übersät von Slogans, die der Autor wohl als unglaublich nationalistisch empfinden würde. Aber im Prinzip ist das nicht mehr und weniger als Fan-sein. (Was man auch kritisch sehen kann. Keine Frage. Hat halt nur nichts mit Nationalismus zu tun.) Das ist genauso, als wenn der Metalhead dem Nicki-Minaj-Fan sagt, dass seine Musik scheisse ist. Der Mensch tendiert dazu, sich etwas auszuwählen, das er gut findet und unterstützen kann. Er fühlt sich wohl, von gleichgesinnten umgeben zu sein. Auf Rockkonzerten, Modeschauen, politischen Kundgebungen oder Buchmessen. Der Mensch applaudiert gern mit anderen für etwas. Ich sage nicht, dass als positiv zu bewerten ist. Auch sollte man das nicht unterschätzen. Zu viele negative Bewegungen, Aufruhen etc haben mit der Mobilisierung einer zusammen stehenden Masse, eines Mobs begonnen. Zum anderen hat der Mensch ein natürliches Interesse an Wettbewerben. Am sich aneinander Messen. Das war früher beim Schulsportfest nichts anderes. Oder Deutschland sucht den Superstar. Gewinnen macht halt Spass und wenn man es selber nicht kann, unterstützt man die, denen man am ehesten zutraut, dass sie es aufs Treppchen schaffen. Wäre die WM nach Farben eingeteilt, dann würden wir das Team unserer Lieblingsfarbe anfeuern. Nun ist sie nunmal nach Ländern organisiert und ich finde es nicht gerade überraschend und auch nicht allzu verwerflich, dass Leute sich bei der Wahl des Lieblingsteams ihrem eigenen Land am verbundensten fühlen. Anstatt an den Haaren herbeigezogenen Nationalismus heraufzubeschwören, hätte der Autor gut daran getan, sich wirklichen Fakten zuzuwenden. Der Tatsache, dass die FIFA eine zutiefst korrupte Organisation ist. Die Kirche des Fussball, die einer dringenden Reformierung bedarf. Oder der Tatsache, dass verursacht durch erbärmliche Arbeitsbedingungen bis zur WM 2022 in Qatar mehr als 4000 Gastarbeiter aus Indien, Nepal, Bangladesh und Pakistan umkommen werden. Oder dass für nicht mehr und weniger als vier WM-Spiele Millionen von Dollar in den Bau des Stadions im brasilianischen Manaus gesteckt wurden. Manaus befindet sich mitten im Regenwald und Materialien für den Stadionbau wurden wegen fehlender Infrastruktur per Schiff über den Amazonas transportiert. Von dem Geld hätte man schon einige Schulen bauen können. Fazit: Die WM ist viel mehr als ein bunter Fussballzirkus. Es gibt viele Missstände, die ist gilt der Reihe nach aufzudecken und zu verbessern. Aber dass die WM uns in fremdenfeindliche Hooligans verwandelt ist schlicht und einfach Blödsinn.

Daniel Uxa 16.06.2014 | 20:14

Herr Werdermann hat den aktuellen Kapitalismus nicht verstanden. Wir brauchen WM und EM, sonst stimmt der Umsatz nicht. Und das, wo in Deutschland Fußball als Grund angesehen wird, für Kampfeinsatz der Polizei, Umsatzsteigerung bei Bild und Missachtung von Grundrechten. Ich kenne (Bundesliga)Fußballfans, die sind von der Eventkultur "WM" regelrecht angewidert. Wäre ich auch, müsste ich mir bei dem Fan-Sein zwischen den Großereignissen öfter mal in den Arsch leuchten lassen.

Und wie bequem das immer ist, wenn die mediale Öffentlichkeit nicht hinschaut und man so ziemlich alles durch das Parlament bringen kann, so die Mehrheitsverhältnisse nur stimmen.

Daniel Uxa 16.06.2014 | 20:44

Ich will aber mal noch einen Vorschlag machen, was man, auch aus der politischen Linken heraus, mal an dem ganzen Spaß kritisieren sollte: nämlich die unübertroffene Kritiklosigkeit unserer Mitmenschen. Die Leute, die heute noch mitgerissen von der Masse sehr stolz auf ihr Land sind, wenn ein Tor fällt, sind morgen wieder arbeitslos, Abschaum, oder Minderleister, bestenfalls noch Wähler und Konsumenten. Man trennt unberechtigterweise Nationalität von Gesellschaft, und bemerkt gar nicht, dass man den Vertretern dieser unserer Gesellschaft am Ar*** vorbeigeht. Für die ist das Ganze natürlich unglaublich praktisch, man benötigt diese neue Identitätskultur sogar. Ohne WM würden die arbeitenden Massen bei der nächsten Lohnnullrunde womöglich nicht mehr so nationalstolzgebeutelt unkritisch sein.

doobieinyourface 16.06.2014 | 21:38

Durch das lesen dieses beitrags bin ich gerade echt verwirrt und schockiert, wie man so viel dummheit und an den Haaren herbei gezogene Argumente im so wenig Sätzen unterbringen kann. Laut dieser Aussage ist anscheinend jeglicher nationalstolz und Patriotismus etwas komplett verwerfliches und falsches. Sind jetzt auch alle anderen Internationalen sportveranstaltungen schlecht, weil such die besten Athleten eines Landes mit den besten der Welt messen wollen? Es bringt die Leute weltweit zusammen. Menschen die sonst nie was miteinander zu tun haben feiern ihre Länder gemeinsam. In den Straßen Brasiliens hat man Leute mit Deutschland trikots arm in arm mit Portugiesen gesehen. Man kann aber auch weiterhin versuchen mit seinem verdrehtem, linksextremen Gedankengut versuchen die Leute für dumm zu verkaufen. Für jeden Fußballer ist es eine ehre das land aus dem er kommt, bzw dessen Nationalität er hat bei einer weltmeisterschaft zu repräsentieren. Und felix stellt es so dar, als wäre es schrecklich für einen Fußballer zusammen mit den anderen besten spielern seines Landes sich mit den besten der jeweils anderen Länder zu messen.

Exilant 17.06.2014 | 10:51

DOOBIEINYOURFACE: "Nationalstolz und Patriotismus".. Beim Fußball? Und: "Für jeden Fußballer ist es eine Ehre, für sein Land zu spielen.."

Mann, es sind hochbezahlte Vollprofis, die ihren Marktwert steigern, wenn sie in der Nationalmannschaft spielen. Alles Andere ist Verkaufe. Dabei sind sie natürlich oppurtunistisch, ist doch klar.

Wieso gibt es eigentlich Nationalstolz? Dann könnte man ja auch gleich stolz auf das Sperma seines Vaters sein. Denn der Vater, den man hat, ist immer der Gleiche, Territorien jedoch verschoben sich immer im Laufe der Zeit.

Übrigens, stimmt es, daß die Deutschen gestern abend mit schwarz-rot-weißen Trikots spielten?

Charlie 19.06.2014 | 14:20

Also... ich finde es schade, dass mit diesen Nationalismus-Debatten jeder WM oder EM wieder ein bisschen Spaß an der Sache genommen wird. Nationalistisch veranlagte Leute sind es schon vorher und bleiben es auch nachher. Bei allen anderen geht es nur darum die Nationalmannschaft anzufeuern. Ich zum Beispiel habe zwei Heimatländer, deren Fahne ich auch mal schwenke, wenn sie gewinnen. Alle anderen Länder mit denen ich durchs Reisen verbunden bin, feuer ich auch an und freue mich, wenn sie gewinnen. Wo liegt da das Problem ?? ... In anderen Ländern werden ebenso Fahnen geschwenkt und bei denen wird nicht diskutiert, weil der Nährboden dort eben nicht gelegt wurde. Aber lassen sich da die Reporter und Professoren nicht selber durch die deutsche Geschichte zu stark beeinflussen? Wenn nun ganzjährig Fahnen in deutschen Vorgärten hängen, dann hat sich nicht die Einstellung der Menschen damit geändert / "verschlimmert". Sie trauen sich nur heutzutage, es zu zeigen. In den Köpfen war das bei denen vorher schon genauso. Solange sich also nichts gravierendes während den Fußball-Meisterschaften ändert, lasst die Fans doch einfach ihr Leben leben!!! Nationalismus hat ganz andere Beweggründe, als die eigene Mannschaft nicht verlieren sehen zu wollen. Schaut euch nur die Europawahl Frankreichs an... Ich für meinen Teil, wünsche Der "Mannschaft" und den "Bleus" weiterhin toitoitoi und feuer sie kräftig an... und wenn dann doch "die Anderen" gewinnen sollten, dann bin ich eine der ersten, die sich ihrer Feierlaune anschließt!

Ratatörskr 19.06.2014 | 17:47

"Regenbogenfahne – Wikipediade.wikipedia.org/wiki/RegenbogenfahneIm CacheDie Regenbogenfahne , eine Form des Regenbogens als Symbol , dient in vielen Kulturen weltweit als Zeichen der Toleranz, Vielfältigkeit, der Hoffnung und Sehnsucht."

Ich wünschte mir, dass bei jedem Fahnenauflauf die Regenbogenflagge für alle Beteiligten und die Zuschauer mitgeführt würde. Wenn Flaggen einen Sinn haben und nicht nur Show und Fanatismus symbolisieren, dann passt die Regenbogenflagge nirgendo besser als bei diesen großen mitreißenden Sportereignissen.

Was soll das nationale oder patriotische Hin- und Hergezerre unter den Begriffen rechts oder links? Das konserviert die Engstirnigkeit. Oder die Aufregung um 2 Regenbogenfahnen bei 2 Ministerien in Berlin?

Vielleicht leistet man sich wenigstens bei der Schlußveranstaltung diese Größe. Zum 16. Nov. sollte sie auf allen Dächern der deutschen Ministerien, noch schöner und der Konsulate flattern. (16. 11., Tag der Toleranz - UNESCO)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.06.2014 | 20:23

@Felix Werdermann

Der Unterschied ist der, dass ich in einem lokalen Verein problemlos mitspielen kann, indem ich in das Dorf ziehe

"Problemlos" mag innerhalb Deutschlands gelten. Als wir damals nach Italien zogen, wollte mein Sohn, damals 11 Jahre alt, beim Verein Polisportiva Santa Maria mitspielen. Ja, das ginge schon, wurde uns beschieden, das ginge schon, aber dazu müßten wir eine Bescheinigung des TB Regenstauf vorlegen, daß er dort ausgetreten sei. (Mein Sohn hatte den Fragebogen dummerweise wahrheitsgemäß ausgefüllt. Die Wahrheit macht das Leben oft unnötigerweise ärgerlich. Und vor der Übersiedlung nach Italien hatten wir, was man uns nachsehen möge, andere Sachen im Kopf als die Austrittsbescheinigung des TB Regenstauf.)

Irgendwann kam die Bestätigung, die nun natürlich ins Italienische übersetzt und beglaubigt werden mußte. Die Bestätigung ging zum regionalen Fußballverband in Neapel, wo sie erst mal liegenblieb, ci vuole pazienza (frei übersetzt: Nur net hudln) ist ein oft gehörter Satz in Kampanien. Irgendwann rief ich an und fragte nach, was denn los sei (damals war ich noch nicht so erfahren im Umgang mit den... äh, Eigentümlichkeiten des mezzogiorno). Oh, erhielt ich als Antwort, die in Neapel abgestempelte Bestätigung müßte nun noch nach Rom weitergeleitet werden, was offensichtlich bislang - unerachtet der vielen, seither verstrichenen Wochen - noch nicht passiert war. Irgendwann, wir hatten schon kaum mehr damit gerechnet, kam dann der Brief aus Rom, daß mein Sohn jetzt in der Kindermannschaft ganz offiziell mitspielen dürfe.

Cristiano Ronaldo, nur vier Jahre älter als mein Jüngster, wär das - damals - wahrscheinlich genau so passiert.

Ciao

Wolfram

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.06.2014 | 20:29

@angnaria

Wir teilen mit den Menschenaffen 95% unserer DNA, also ist da eine Menge "Tier im Manne", das sich auch abreagieren muss.

"Tier im Manne", eine ausgesprochen sexistische Bemerkung. Empörend so was. Haben die Menschenäffinnen nicht auch 95 % der DNA mit dem "Tier im Weibe" gemeinsam? Wieso beschwert sich so gut wie keine Feministin, wenn stets nur von "Mördern" oder "Verbrechern" die Rede ist, kaum einmal aber von "Mörder/-innen" oder "Verbrecher/-innen"?

Ciao

Wolfram

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.06.2014 | 20:30

@Exilant

Wieso gibt es eigentlich Nationalstolz? Dann könnte man ja auch gleich stolz auf das Sperma seines Vaters sein.

Was heißt "könnte man"? Der Adelsdünkel, der Stolz auf die eigene Herkunft ist nichts anderes als Stolz auf das Sperma des Vaters. Die Sache mit den Frauen, die bei der Erzeugung von Nachwuchs auch nicht ganz unbeteiligt sein sollen, ist eine andere Sache, die klammere ich mal aus, damit's nicht so kompliziert wird.

Ciao

Wolfram

alibaer 25.06.2014 | 02:17

6. Wer hat das Spiel, Gruppenzusammenhang durch Abgrenzung gegen aussen zu schaffen, am besten verstanden?

7. Wer kennt "die Linken" besser als alle anderen, so dass er_sie es nicht einmal mehr nötig hat zu differenzieren?

8. Wem geht es garnicht darum, den Artikel oder die Kommentare dazu zu kritisieren, sondern lediglich darum, seinen_ihren Hass auf "die Linken" kundzutun?

9. Wer ist im Großen&Ganzen einfach nur besser als "die Linken"?


Na, merkste was?!?

wwalkie 07.07.2016 | 10:51

Der ganze Irr-Sinn des Fussballchauvinismus sprang mir gestern mittels einer BILD-Schlagzeile in die Augen. Deren Macher ließen einen verletzten "Nationalspieler" (welch ein Wort übrigens) den so dummen wie genialen Satz verkünden:

"Wir gewinnen auch ohne mich!"

Das hat fast Rimbaudsche Qualität: "Je est un autre" oder "On me suis".