Felix Werdermann
24.01.2014 | 16:53 75

Was in der Lanz-Petition fehlt

Medienkritik Zehntausende Bürger unterschreiben gegen den ZDF-Moderator Markus Lanz. Die Petition trifft aber nicht den Kern des Problems: die Linksparteiphobie deutscher Journalisten

Was in der Lanz-Petition fehlt

Sieht so das Ergebnis eines Shitstorms aus?

Foto: Luca Teuchmann / Getty Images

Eine Welle der Empörung schwappt durch Deutschland: Mehr als 170.000 Menschen haben mittlerweile gegen den ZDF-Fernsehmoderator Markus Lanz unterschrieben. Man muss sich die Dimension verdeutlichen: Als Susanne Wiest vor wenigen Jahren eine Bundestags-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen startete, unterschrieben 52.000 Menschen – damals war das ein Riesen-Erfolg und ging durch alle Medien.

Nun also ist Markus Lanz der Buhmann der Nation. Und warum? Weil er die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht unhöflich behandelt hat. Man könnte auch sagen: Er hat sich unglaublich daneben benommen.

Trotzdem trifft die Petition nicht den Kern des Problems: die Linksparteiphobie der meisten deutschen Journalisten. Was soll es bringen, wenn Lanz den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verlassen muss? Es gibt genügend andere Journalisten, die die Linkspartei ebenfalls für „populistisch“ halten – sie sagen es bloß nicht so offen wie Lanz. Und sie stellen sich nicht so dumm an. Lanz hat mit seiner Sendung nämlich der Linkspartei einige Sympathiepunkte gebracht – weil Wagenknecht im Vergleich zu ihm wunderbar souverän aussah.

Ein Blick auf die Zahlen

In diesem Extremfall konnte die Linkspartei profitieren, im politischen Alltag sieht es anders aus. Man muss weder Verschwörungstheoretiker noch Fan der Linkspartei sein, ein Blick auf die nackten Zahlen reicht völlig, um zu erkennen, dass im Fernsehen die Parteien ungleich behandelt werden.

Das Kölner Institut für empirische Medienforschung untersucht Monat für Monat, welche Parteien wie oft in den Nachrichtensendungen vorkommen. Und Monat für Monat liegt die Linkspartei ganz weit hinten – nicht nur hinter den Regierungsparteien, die mit ihren Ministern verständlicherweise öfter zu Wort kommen, sondern auch hinter den Grünen, die von den Journalisten offenbar für die bessere Opposition gehalten werden. Obwohl die Linkspartei, seit es sie gibt, bei den Bundestagswahlen besser abschneidet.

Wenn die Linken sich mit negativen Schlagzeilen herumschlagen müssen, vermuten sie dahinter häufig eine Medienkampagne. Das ist natürlich Quatsch. Niemand – außer vielleicht der Bild-Zeitung – macht gezielt Stimmung gegen die Linkspartei, und Absprachen zwischen verschiedenen Medienhäusern zum kollektiven Linkspartei-Bashing gibt es auch nicht. Die meisten Journalisten stehen einfach persönlich anderen Parteien näher. Und diejenigen, die mit der Linkspartei sympathisieren, trauen sich oft nicht, dagegen anzuschreiben – außer vielleicht beim neuen deutschland.

Medienkritik? Ja bitte!

Und jetzt? Äußern zwar einige Journalisten auch Kritik an Lanz – was angesichts seiner Entgleisungen auch nur schwer zu vermeiden ist. Zugleich gehört es aber offenbar zum guten Ton, die Lanz-Kritiker im Netz als durchgeknallte Spinner darzustellen. Bei Spiegel Online ist etwa zu lesen vom „fröhlichen Vernichtungswillen einer "Netzgemeinde", die sich allesamt an der virtuellen Macht ihrer zum Shitstorm gebündelten Ressentiments erfreuen“.

Überzogene und unpassende Kritik gibt es immer. Die Petition allerdings – und nur sie wurde zehntausendfach unterschrieben – ist in einem zwar meinungsstarken, aber akzeptablen Ton gehalten.

Ist es überhaupt legitim, per Petition die Absetzung eines Moderators zu fordern? Ob ein Ende der Sendung die passende Reaktion des ZDFs wäre, sollte man vielleicht nochmal diskutieren – aber die Petition ist ohnehin rechtlich unverbindlich. Grundsätzlich jedoch ist es richtig, dass sich die Bürger in die Programmgestaltung einmischen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird von den Bürgern finanziert, die Medien stellen die vierte Gewalt dar. Warum sollten die Medien ein demokratiefreier Ort sein?

Wenn Markus Lanz dazu beigetragen hat, dass sich einige Bürger nun mit solchen Fragen auseinandersetzen – dann hat er mit seiner Sendung schon viel erreicht.

Kommentare (75)

Mühlenkamper 24.01.2014 | 17:32

Der Befund einer publizistischen Diskriminierung der Linkspartei ist sicher zutreffend. Aber die getroffenen Hunde, die jetzt bellen, sind von der Fraktion der neoliberalen Wahrheitsverwalter. Es ist schön zu sehen, wie die jetzt angesichts schneller und kluger Leserreaktionen rudern: SZ und FAZ haben das Thema gleich ganz aus dem Netz genommen, SPON übt sich in Linken-Bashing und Herr Lanz verbindet eine Formulierung des persönlichen Bedauerns sogleich mit einer Inanspruchnahme der Pressefreiheit. Es sind eben einfach freche Lümmel, die da als hochbezahlte "Moderatoren" auftreten. Man kann auch ganz unpolitisch fordern, solche Leute weniger exponiert zu beschäftigen. Aber die eigentliche Forderung sollte lauten, da stimme ich zu, im TV bessere Journalisten zum Zuge kommen zu lassen.

Richard Zietz 24.01.2014 | 18:03

Lanzens dauerentgleiste Sendung mit Sarah Wagenknecht und dem demokratiebesorgten Ulrich Jörges vom stern (derzeitige CSU-Parolen = »Brandmauer« gegen rechts) ist nur ein besonders schrilles Highlight in der Geschichte dieser speziellen Talksendung. Boulevard as Boulevard Can? Vermutlich macht Lanz das, was sein Job ist: boulevardmässig zuspitzen, Information verflachen, Vorurteile bestätigen. Den Job, die Vorurteile der staatstragenden, sich selbst für »cool« und, in Maßen natürlich, »hip« haltenden 08-15-Spiesser zu mobilisieren, kriegt vermutlich keiner so hin wie er. Erfahrung macht den Meister; über diese Art penetrantvoll richtender Moderation können mittlerweile einige Mainstream-Ausgegrenzte ein Lied singen – beispielsweise auch die Rapper Sido & Bushido, die Lanz vor circa zwei Jahren in seiner Sendung vorführte.

Soll er via Unterschriftenliste weg? Wenn möglich – unbedingt! Selbst ein Boulevard-Talk im Öffentlich-Rechtlichen kann mit einem anderen (dann vielleicht vorsichtiger agierenden) Moderator nur besser werden. Wird es via Unterschriftenliste klappen? Vermutlich leider nicht. Der Solidarität der restlichen neoliberalen Leitmedien – siehe das aufgeführte Spiegel-Beispiel – kann sich Lanz sicher sein. Notfalls schliesst man halt die Wagenburg – gegen die Bedrohung von aussen, diese sogenannte Netzgemeide, diese Niemands. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Wagenknecht-Eklat bei Lanz war lehrreich. Lehrreich, wie öffentlich-rechtliches TV funktioniert, lehrreich, mit welchen Mitteln die einzige linke Oppositionspartei medial ausgegrenzt wird, lehrreich in Bezug auf staatstreues Missionsgehabe, gepaart mit Penetranz und maßloser Selbstüberschätzung, und lehrreich im Hinblick auf die formatübergreifende Solidarität des Leitmedien-Rackets.

Alles beim Alten also. Sarah Wagenknecht hat in der Tat souverän gekontert, und das jede Minute. Insofern wohnten wir, prima, einer weiteren Selbstdemontierung der öffentlich-rechtlichen Leitparteienhofberichterstattung bei. Vielleicht doch – mehr davon?

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Ehemaliger Nutzer 24.01.2014 | 18:39

Möglicherweise ist diese Petition gegen Markus Lanz einfach ein Signal gegen die RTLisierung des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks.

Ein Teil des Problems liegt nämlich darin, dass im Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk eben Leute wie Markus Lanz eingestellt werden, die bei den privaten Schmutz- und Schundkanälen und/oder ebensolchen Printmedien ausgebildet und sozialisiert wurden.

Zu den Journalisten schrieb der verstorbene FAZ-Mitherausgeber in einem Leserbrief an den Spiegel: "... Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten[nämlich den Zeitungsbesitzern], ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer. ..." Der Volksmund fasst das kürzer: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Zur sozialen Herkunft und der sich daraus häufig ergebenden politischen Einstellung von Journalisten schrieb Rolf Stumberger in Telepolis den aufschlussreichen Artikel: Plebejer müssen draußen bleiben.

Eine Untersuchung für die Friedrich-Ebert-Stiftung befasst sich mit eben dem gleichen Thema: Journalistenschüler - Rollenselbstverständnis, Arbeitsbedingungen und soziale Herkunft einer medialen Elite

Schließlich sei noch Noam Chomskys Kritik der Intellektuellen genannt: Wachhunde der Machtelite

Dass der Springer-Konzern mit seinen Produkten BILD und WELT seit seiner Gründung gegen den Kommunismus, den Sozialismus und auch gegen die wirkliche Sozialdemokratie kämpft ist ja nun nichts Neues, sondern sein ausgewiesenes und ausgesprochenes Selbstverständnis.

Dass der SPIEGEL seit gut 30 Jahren als Bildzeitung der Intellektuellen bezeichnet wird, ist auch kein Zufall.

Kurz, in der seit ihrer Gründung auf Antikommunismus/ Antisozialismus getrimmten Bundesrepublik braucht man keine konspirativen Absprachen gegen die Partei Die Linke: das politisch-gesellschaftliche System als Ganzes steht gegen jede Partei und Person, die sozialistische Postitionen vertritt.

Und natürlich gibt es konzertierte Kampagnen gegen die Partei die Linke, manmal liefert die Linke sogar selbst die Steilvorlagen dafür.

Meyko 24.01.2014 | 19:07

Ja. so isses wohl.

"Grundsätzlich jedoch ist es richtig, dass sich die Bürger in die Programmgestaltung einmischen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird von den Bürgern finanziert, die Medien stellen die vierte Gewalt dar. Warum sollten die Medien ein demokratiefreier Ort sein?"

Na, weil es um Macht geht. Und wieso sollten Medien da irgendwas/irgendwen unterstützen oder etwas davon abgeben...

"Wesentlich an einer Zeitung ist zunächst und vor allem, was sie bringt, und was sie nicht bringt. Niemand wird annehmen, dass täglich stets grade so viel geschieht, wie in sechzehn Seiten hineingeht – aber fast jeder wird annehmen, dass da das Wesentlichste, gewissermaßen der Extrakt aller täglichen Geschehnisse, zu lesen sei. Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch. Jede Zeitung hat eine Reihe Personen, Dinge, Interessensphären, die tabu sind – von ihnen wird niemals, weder im guten noch im bösen Sinne, gesprochen."(Kurt Tucholsky /Die Weltbühne, 13.10.1921)

Wer bisher keine Zeit für die gesamte Lanz-Sendung hatte, hier gibt es eine Zusammenfassung (15 Min.)

wwalkie 24.01.2014 | 19:56

Sehen wir die Anti-Lanz-Kampagne als große Unzufriedenheit der Menschen mit den Massenmedien. Mit dem Leben in unseren Verhältnissen überhaupt.

Wir bezahlen diese Medien schließlich. Wir bezahlen übrigens alles. Auch die Werbung für die Produkte, die wir nicht brauchen - die Rüstungsprodukte zum Beispiel. Die aber werden woanders beworben - exklusiver. Aber bezahlen tun wir. Wir bezahlen auch Jauch, Plasberg, die Intendanten, die vielen Programmdirektoren. Wenn die manchmal etwas spenden, sind wir dankbar. Wir bezahlen die Öffentlichen, die Privaten, die Banken, die Versicherungen, den ADAC, das Treffen in Davos, die Ollympischen Spiele, die Champions League (das aber gerne)... Wir bezahlen - wenn wir Pech haben - mit unserem Leben...

Und wir hoffen, endlich einmal nicht verlanzt, verjaucht, verplasbergt, verhelenfischert zu werden.

Manchmal erwischen wir sie auf dem falschen Fuß. Den Lanz zum Beispiel. Der Lanz ist das schwache Glied in der Kette. Zu ungeschickt. Zu plump. Zu flach. Der Lanz soll dann weg.

Und dann?

Mühlenkamper 24.01.2014 | 20:50

Nur der Vollständigkeit halber zum "Leitmedien-Racket": Die FAZ hat nun auch einen petitionskritischen Artikel gewagt und sich eine Leserreaktion dabei eingehandelt, die sich gewaschen hat. Ganz ähnlich übrigens - man glaubt es nicht - bei BILD-online. Nur der STERN läßt keine Kommentare zu. Die wissen warum. Ja, es ist ein tiefer Groll, es geht um mehr als nur Lanz, und es beunruhigt die richtigen Leute.

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Ehemaliger Nutzer 24.01.2014 | 21:11

"Lanz hat mit seiner Sendung nämlich der Linkspartei einige Sympathiepunkte gebracht – weil Wagenknecht im Vergleich zu ihm wunderbar souverän aussah."

Das ist wahr.

Man wünscht sich neben Sachkunde einfach nur Fairness und kritsche Fragen zur Sache - die Putznummer, die Gehaltsfrage und andere Pöbeleien: warum frägt Lanz nicht mal Merkel, ob sie gerne putzt oder putzen lässt und wie viel sie verdient - und was sie eigentlich MACHT, das wärs übrigens doch mal!

Aber der angestrengte Konsens in der Scheinwelt und die Überempfindlichkeit gegenüber Frau Wagenknecht, die sich ja gerade in solchem Verhalten zeigt, ist auch ein Indikator für die tiefe Verunsicherung und Provozierbarkeit, in der sich dieser nervöse Konsens anscheinend befindet. die Luft scheint dünn zu sein, sonst könnte man ja Wagenknechts Argumente cool parieren. So aber zeigt sich nur die tiefe Empörung über Aussagen, die man einfach nur fürchtet. Also insgesamt ein Hoffnungszeichen, wenn sie so nervös werden!

Meyko 24.01.2014 | 21:16

Tja, und dann?

Dann haben vielleicht einige hunderttausend Menschen erfahren, dass sie nicht allem völlig wehrlos ausgesetzt sind. Es gibt ja nicht wenige (Augstein gehört wohl auch dazu) die meinen, die Menschen müssten wieder auf die Straße. Demonstrieren und so.

Ich würde eine zusätzliche wachsende demokratische Entwicklung „vom Sofa“ aus auch begrüßen. Ich glaube man könnte dort schneller was „auf die Beine“ stellen, weil nicht jeder aufstehen müßte.

Siehe auch „Petitionsdemokratie“:

Die SPD wollte mit Willi Brandt „Mehr Demokratie wagen“, die Grünen wollten „mehr Bürgerbeteiligung“ und die Piraten stehen für „Transparenz und politische Teilhabe“... Unsere Verfassung hat uns noch weitere Möglichkeiten gelassen,[...]

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Ehemaliger Nutzer 24.01.2014 | 22:35

Da ist viel Wahrheit in dem, was Sie schreiben. Der in der aktuellen Diskussion auf Frau Wagenknecht fokussierte Blick verdeckt, dass noch mehr für viele Menschen relevante Themen und Gruppen der Gesellschaft von der Art, wie die öffentlich-rechtlichen Sender Inhalte konzipieren und gewichten, betroffen sind. Die RTLisierung, ja sogar die Banalisierung ist zum Teil erschreckend. Vermutlich ist es schlicht eine Frage der Qualität und der Mangel an Ernsthaftigkeit.

Falk 24.01.2014 | 23:10

"Das ist natürlich Quatsch. Niemand – außer vielleicht der Bild-Zeitung – macht gezielt Stimmung gegen die Linkspartei, und Absprachen zwischen verschiedenen Medienhäusern zum kollektiven Linkspartei-Bashing gibt es auch nicht"

... sehr naiv. Die Medien wissen genaus, was sie tun. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Medien systematisch Linkspartei-Bashing betreiben, auch die öffentlich-rechtlichen. Denn sie haben ein Motiv.

Die Linkspartei ist die einzige Partei, die die Interessen der Mehrheit vertritt und die das Geschäftsmodell EU offenlegen will und kann. Sie ist sie ein Gefahr für das neoliberale Lügengebäude (Exportüberschuss, Wettbewerbsfähigkeit, Generationsgerechtigkeit), welches durch die Wirtschaft und der alte/neue Bundesregierung aufrechterhalten werden soll. Die Medien sind die Handlanger.

mymind 24.01.2014 | 23:44

Was in der Lanz-Petition fehlt, ist von vielen Kommentatoren treffend beschrieben. Ich sehe bzw. wünsche dieses Ereignis als Anstoß für weitere Petitionen, die mehr Qualität & neutrale Berichterstattung einfordern, nicht nur in den ÖRF sondern auch in der meinungsbildenden Presse, die zu einem dumpfen Propagandasprachrohr einer immer undurchschaubareren Politik zu verkommen drohen!

Nicht mehr zählbare Beispiele _ alle miteinander unisono, nix mehr kontrovers _ vermitteln den Eindruck, dass genau dieses den Bildungsauftrag beinhaltet. Doch inwieweit sollen wir darüber ständig hinwegsehen, ggf. belächeln & doch im Endeffekt akzeptieren?

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pam 25.01.2014 | 00:31

Gut geurteilt, der Lanz würde die Merkel nie fragen ob sie gerne putzt oder putzen lässt und wie viel sie verdient und was sie eigentlich nützliches gemacht hat!

Das sind die Unterschiede bei diesem Herrn. Er traut sich nur, wenn er die Mehrheit der Zuschauer hinter sich glaubt. Und je mehr er von der Quote überzeugt ist, desto überlegener wird sein Schwachmatengrinsen. Und das ist es, was so unendlich nervt. Man stellt fest, er ist ohne eigene Meinung; es schaudert einem und man fragt sich, gibt es bei dem Kerl irgend etwas was er nicht für die Quote verkaufen würde und man bemerkt: Da gibt es echt gar nix!!

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 00:38

Meine Güte, der arme Lanz. Soll sich jetzt bitteschön wirklich der Bundestag damit auseinandersetzen, ob irgendein ZDF-Moderator abgesetzt wird? Da hat die große Koalition bestimmt noch ein paar andere Dinge zu tun. Und an Lanz den Verfall der Sitten in der Medienlandschaft festmachen? Na ja.

Außerdem, wenn es die alle nicht gäbe, hättet Ihr niemanden, über den Ihr schimpfen und schreiben könntet. Auch in diesem Falle wäre Nichtbeachtung wohl die stärkste Waffe.

Mach ich auch so, ich guck einfach kein TV.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 00:50

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) werden alle Meinungen gespiegelt, jedoch sind grüne Positionen eindeutig überrepräsentiert. Das liegt an den politischen Einstellungen der Journalisten, die nicht repräsentativ für die Ansichten der Bevölkerung sind.

Positionen der Partei "Die Linke" werden nicht verschwiegen, finden aber weniger Zustimmung. Allerdings hat die Linkspartei auch nur ein Zehntel der Bevölkerung hinter sich.

Die CDU kommt ausreichend zu Wort, die CSU in Bayern sowieso. Sympathie unter den Journalisten hat die Union eher weniger, weniger als in der Bevölkerung.

Anhänger der FDP gibt es bei den Journalisten kaum, in der Bevölkerung aber auch nicht mehr viel.

Rechtskonservative und Rechtspopulisten kommen selten zu Wort in ARD, ZDF und Deutschlandradio. Ausnahmen: Liminski im Deutschlandfunk (aber wie lange noch) und Sarrazin.

Linksradikale dürfen sich so gut wie nie frei äußern, Rechtsradikale absolut nicht.

So viel zur Meinungsfreiheit.

Im Internet und gedruckt herrscht praktisch Meinungsfreiheit.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 00:53

Eine Absprache zum Linken-Bashing sehe ich auch nicht, es gibt aber Hotspots. Letztendlich sind es alles Menschen und wer da wen nicht ausstehen kann, ist selten planbar. Bei Reizfiguren, und dazu zählt ja nicht nur Frau Wagenknecht, kann das schon entgleiten, wie ja sehr schön am Beispiel zu sehen ist. Professionell ist das nicht, und das ist das eigentliche Problem.

Beim "neoliberalen Lügengebäude" möchte ich leicht Einspruch einlegen, denn die Hardcore-Typen dieser Gattung heißen eigentlich Neocons, Neokonservative. Die sind es, die das Desaster angerichtet haben. Neoliberale sind Neokonservative mit nur einem halben Gebiss, Stubentiger sozusagen, aber eben doch Raubtiere, halt eine Nummer kleiner.

sch123 25.01.2014 | 01:26

Vielen Dank Herr Werdermann und Gratulation zu diesem Beitrag. Sehr treffend!

Insbesondere der Blick auf die Zahlen mit dem entsprechenden link hat mir gut gefallen, da der LINKEN ja gerne ungerechtfertigtes Genöle in dieser Hinsicht (Ignoranz und unfaire Behandlung durch die Medien) vorgeworfen wird. Hat mich schon länger interessiert, wie die Statistik da aussieht.

Herr Lanz und Herr Jörges, vor Allem Letzterer, (Lanz nehme ich sogar ab, dass er einfach ein bisschen übermotiviert war) dürften sich schwarz ärgern über die PR, die sie Frau Wagenknecht und der LINKEN kurz vor der Europawahl durch ihren Totalausfall verschafft haben. So eine gute PR hätte S.W. mit 1000 guten Interviews nicht hinbekommen.

Ich stelle auch mit zunehmendem Amüsement fest, wie ebendieser Jörges und bestimmte Journalisten und Publizisten verzweifelt versuchen, den shitstorm abzuwerten; mit mäßigem Erfolg.

Beliebteste Richtung: alle Unterzeichner nur gekränkte Linke oder die berühmte empörungsgeile Netzgemeinde.

Implizit wird den Unterzeichnern also wahlweise vermittelt:

A: Ihr seid verbohrte Fundamentalisten mit ideologischen Scheuklappen.

B: Ihr seid ein geistloser, leicht manipulierbarer Mob.

In jedem Fall aber: Ihr seid zu doof eine harte Diskussion von einer unfairen tendenziösen Diskussion bzw. unhöflichem Verhalten zu unterscheiden.

Da wird die ganze Anmaßung und Arroganz mancher Journalisten deutlich. Insofern stimme ich dem Verfasser zu, dass die ganze Debatte noch deutlich mehr positive Effekte für die Demokratie zeitigen mag, außer dass Herr Lanz in Zukunft vorsichtiger agieren wird. z.B. dass immer mehr Leute wütend werden, über die herablassende Behandlung durch bestimmte Eliten, auf der anderen Seite aber auch feststellen, dass sie eine Stimme haben, die etwas bewirken kann und z.B. Eliten nervös machen kann.

Ich glaube, die wenigsten Unterzeichner glauben ernsthaft, dass Lanz entlassen wird oder sehen das als ihr großes Ziel an, sondern sahen die Petition als gute Möglichkeit ihrem Frust Ausdruck zu verleihen. Und je mehr sich bestimmte Leute darüber aufregten, desto mehr Spaß machte das natürlich.

Natürlich passt das den entspr. Eliten inkl. ZDF nicht, denn: die Petition ist öffentlich und jeder kann mitzählen. 100.000 erzürnte Leserbriefe an die Redaktion oder facebook-Kommentare würden auch nerven, aber man könnte die Zahl verschweigen und herunterspielen. Die Petition gibt dem shitstorm einen Wert im naturwissenschaftlichen Sinne, eine Größe, aus der wiederum das zunehmende mediale Echo resultierte, was wiederum den shitstorm beflügelte. Ein voller Erfolg also...

karamasoff 25.01.2014 | 07:31

Nach meinem Wissen sind in der Wahrscheinlichkeitsmathematik betrachtet sind valide Aussagen schon ab ca. 2000 Personen möglich, sogenannte Tendenzen.Das Ganze als Shitstorm und Machwerk von geistig Verwirrten zu verunglimpfen ist ein weiterer Beweis für die Geisteshaltung derer, die die Meinung vertreten und veröffentlichen das "Scheissvolk" da draussen solle gefälligst die Schnauze halten zu Themen von denen sie keine Ahnung haben und haben sollten und maximal vor der Glotze hocken beim abreagieren.Die Verunglimpfung ist Teil der Strategie, wie man nun deutlich an den Reaktionen von ZDF, Lanz und Jörges sehen kann., sowie an den bisher dürftigen Rechtfertigungsversuchen in diversen Medien.Man müsste sich mal die Mühe machen und alle Artikel zur Petition zusammensammeln und die Kernargumente herausarbeiten.Was ich bisher so gelesen habe ist an journalistischer Dürftigkeit kaum noch zu unterbieten. Auch ein Beweis wie es hierzulande bestellt ist um öffentliche Wissens- und Meinungsbildung.

rundungsfehler 25.01.2014 | 07:57

Ich weiss es ist banal. Aber die herrschenden Medien sind die Medien der Herrschenden.

Ich habe die Sendung nicht gesehen, mir reichen schon Interviews in Heute und Der Tagesschau, den Rest kann man sich denken. Wer sich politisch informieren will, ist beim 1. und 2. Programm an der falschen Stelle.

Interessante Sendungen gibt es gelegentlich in Phoenix und Arte und 3Sat . Und natürlich der Deutschlandfunk, das ist eine ganz andere Liga.

karamasoff 25.01.2014 | 08:51

An dieser Stelle schonmal der erneute Erguss vom Stern

http://www.stern.de/politik/deutschland/lanz-debatte-die-methode-wagenknecht-und-ihre-folgen-2085453.html

Kernpunkte des "Artikels":

- Titel "Methode Wagenknecht": Suggestive Unterstellung Frau Wagenknecht hätte sich absichtlich als Opfer stiliseren wollen

- Ignorieren der aktuellen Zahl der Petition: stattdessen, um die Dürftigkeit der heftigen öffentlichen Reaktion zu untermauern, Nennung einer völlig irrelevanten Facebook-Likes zahl von 6000.

- Nennung von ca. 200 Zuschriften zum Teil drastischen Inhalts an die Sternredaktion: Kosntruktion einer irgendwie gearteten Verwandtschaft der Zuschriften zur Petition und Empörungswelle.

- "Dominanz" Wagenknechts in der/über die Sendung: Opferstilisierung sowohl Lanz und Jörges als auch der restlichen Gäste

- Medienwissenschaftliche Aussage zum Thema "Shitstorm": Bekräftigung der These es handle sich tatsächlich NUR um einen Shitstorm unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Attitüde bei gleichzeitiger Umdeutung der Inhalte und Absichten sowohl der Petition als auch der Empörungswelle im Allgemeinen.

- Form und Inhalt These: Unterstellung einer inhaltlichen Substanz der Sendung und Reduzierung der Empörung auf Formfehler.

Es endet das Machwerk an journalistischer Bemühung mit dem Vorwurf die ganze Empörungsaktion diene letztendlich nur der Sorte Politiker, die entemotionalisierte Debatten zu ihren Gunsten ausnutzen können. Es wird also unterstellt die Teilnehmer der Petition und des Shitstorms wären grundsätzlich nur an unemotionalen Debatten interessiert bzw. DIESE emotional ("Streit und Leidenschaft" als Ausdruck einer lebendigen Demoraktie) geführte Debatte im ZDF wären richtig und wichtig.

Seltsam nur, daß man das was man, für die Seite des ZDF/Stern als richtig und wichtig beansprucht, Emotionen, dem Gegner gleichzeitig als Kernthese eines falschen und fehlgeleiteten Handelns vorgeworfen wird.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 10:05
Mühlenkamper 25.01.2014 | 10:43

Zum Thema Stalinismus ist der konservative Karl Schlögel mit "Moskau 1937" eine empfehlenswerte Lektüre. Der provokanten These von Wagenknecht ist mit "Angst" jedenfalls schwer beizukommen. Wolf Biermann hat vor der Wende noch Stalins Besen besungen, der in (Ost)Deutschland gekehrt hat. Weiß man heute etwas besser, wird aber auch nicht mehr gesungen.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 11:42

Nun, auch wenn bedingt durch die Oberflächenspannung vermutlich mehr überläuft als der letzte Tropfen, gehört dazu - da haben Sie vollkommen recht - eine Schieflage oder ein Initialereignis.

Wenn man das Ganze "schmiert", und da wird es richtig interessant, läuft nichts über, sondern es wölbt und überdehnt sich, bevor etwas passiert.

Ach, Vergleiche können manchmal richtig Spaß machen.

Daniel Uxa 25.01.2014 | 12:13

Wer ihn noch nicht kennt, kann sich ja im Internetfernsehen den zu diesem Anlass höchst passenden Beitrag vom Schramm ansehen: "die emotionale Pissrinne"

http://www.youtube.com/watch?v=bEQfzTYd2Ps

Würde Schramm den Beitrag aktualisieren, zweifelsohne dürfte Lanz sich nun zu den Klofrauen zählen. Leider hat er das wohl falsch verstanden, mit dem kritischen Nachfragen.

Zum Meinungskorridor der Medien in Deutschland empfehle ich wärmstens folgende sehr gut gemachte Dokumentation über unsere mediale Landschaft:

http://www.youtube.com/watch?v=fbG-W4rH5J0

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 13:56

"170.000" ist keine "Welle der Empörung"! Das ist eine Mischung aus Wichtigtuern, Linksparteimitgliedern und Leuten, die Lanz nicht abkönnen. Wobei die letztere Gruppe wohl die zahlenmäßig stärkste sein wird.

Hey...es ist ne Fernsehsendung! Lanz ist kein Politiker und kann im Rahmen der Pressefreiheit interviewen wen und wie er will. Wem’s nicht passt, der kann ja umschalten.

Bin jetzt nicht der größte "Lanz-Freund", aber die Kritik geht hier entschieden zu weit.

Im Übrigen gibt es genügend linke Journalisten und Sendungen, die ihrerseits bürgerlichen Politikern ins Wort fallen.

denkzone8 25.01.2014 | 14:16

wer jetzt bauchnabelschau betreibt,sich nicht gesehen fühlt,opfer sein will(ich ziele auf die partei und sympathisanten der linken),oder an der petition herummäkelt,verpaßt,was viel wichtiger ist: wir sind zumindest zeugen der kopernikanischen wende im medienzeitalter. die bisher passiv gebliebenen medien-konsumenten aktivieren sich mithilfe des internets und bringen ihre ansprüche zur geltung. sie umgehen die selbsternannten vor-münder und master-interpretatoren der profi-journallie und medien-zampanos und organisieren ihren willen. shitstorm des pöbels sehen darin nur die bisher privilegierten profi-schreiber.zugegeben,populistische gefahren sind zu beachten,aber eine emazipatorische und demokratische bewegung darf diesen ansatz nicht links liegen lassen.

balsamico 25.01.2014 | 14:55

Wenn man das Ganze "schmiert", und da wird es richtig interessant, läuft nichts über, sondern es wölbt und überdehnt sich, bevor etwas passiert.

Dann aber schwallartig.

PS:

Ich frage mich, was aus Lanz geworden wäre, wenn sie ihn nicht wegen seiner telegenen Visage für das Fernsehen aktiviert hätten. Tippe auf Makler oder sowas. Was geht in so einem Typ vor, wenn er meint, z.B. Wagenknecht das Wasser abgraben zu können? Was für ein Realitätsverlust!

Bei Jörges war's wohl nur ein (weiterer) Ausraster. Der Mann verliert zunehmend die Contenance. Hat wohl mit dem Älterwerden zu tun. Geht mir zuweilen auch so.

namreH 25.01.2014 | 15:04

Der Artikel ist von Ihnen, Herr Werdemann. ist mit "Was...fehlt überschrieben. Mir fehlt nicht mehr viel, seit fast alle relevanten Medien - zumindest online - das Thema aufgefgriffen haben. Zuletzt nun auch unsere Zeitung mit dem klugen Kopf dahinter. Heute also der Entschluss, sie müsse jetzt doch ihr beretes Schweigen brechen. Und was tut sie: Si thematissiert die für sie wahrscheinliche Unredlichkeit der Petitionstruktur. Naja, vielleicht kann man damit auch den ADAC ein bisschen aus der Bredouille verhelfen. Nur das For in dem Artikel passt eher zur Petition.

Es gab mal einen "Kollegen" von Lanz - Harpe Kerkeling - der, allerdings aus eigener Einsicht das Gefühl hatte, mal eine Auszeit zu brauchen. Er machte sich auf den Weg nach Santiago de Compostela. Das hat ihm damals so gut bekommen, dass sein Buch ein Bestseller wurde. Das ist aber kein Ratschlag an Herrn Lanz. Da müßte er schon selber drauf kommen, was ihm als Auszeit vielleicht gut täte. Übrigens, die konkrete Petition würde sich damit erledigen. Das engere oder weitere Thema Medien natürlich nicht.

balsamico 25.01.2014 | 15:13

shitstorm des pöbels sehen darin nur die bisher privilegierten profi-schreiber

wie Arno Frank, z.B.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/markus-lanz-auf-online-petition-folgt-wetten-dass-a-945188.html

Zitat:

"der erregungslustige Pöbel im Internet"

Echt gut, der Mann. Frage mich, wie er's gerne hätte. Leute wie Lanz und seine ZDF-Bonzen machen lassen und brav das Maul dazu halten? Die Zeiten sind, glaub' ich, vorbei, Gottlob!

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 17:49

Was aus Lanz geworden wäre? Kommt auch auf sein Netzwerk an, nicht jeder, der den Charme des Eintänzers einer Fischbratküche hat, bekommt einen Job, der zum Aussehen passt.

Der Herr Jörges war früher leiser. Mit zunehmender Zahl der Geburtstagskerzen kam wohl der Wunsch dazu noch einen Kracher zu landen. Das ist ihm ja nun gelungen. Gut, mit einem Knall zu gehen und nicht mit einem leisen Rauschen, wünschen wir uns ja alle. Stil sollte es dann aber doch noch haben.

Ralf Wagner 26.01.2014 | 07:48

Ich glaube, es gibt genügend "bessere Journalisten" in den Medien, die Frage sei gestattet ob diese Journalisten tatsächlich in die Lage versetzt werden ihre freie Meinung auch äußern zu dürfen. Nüchtern betrachtet, lässt die Berichterstattung vieler Orts zu wünschen übrig, es wird leider vielfach nur noch Meinungsmache im Sinne einiger weniger Menschen betrieben. Der AfD erging es in der ARD auch nicht anders... Will man tatsächlich neutral berichten, so gehören in den Medien- oder Aufsichtsrat keine politisch "vorbelasteten" Mitglieder!

Anton Pree 26.01.2014 | 09:45

Werter Felix Werdermann,
die LINKE ist nicht der Nabel der Welt, wobei ich Verständnis habe, wenn das publizistische Stammhaus es gerne so hätte.

"Nun also ist Markus Lanz der Buhmann der Nation. Und warum? Weil er die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht unhöflich behandelt hat."

Ich würde noch das Wort unhöflich gegen unverschämt austauschen. Herr Lanz drängt den TV Zuschauern seine narzisstische Weltsicht auf und bedient sich dabei Menschen, die er, nachdem sie seinen Zweck erfüllt haben, ausspuckt und währenddessen suggeriert seine Gestik: der Nächste bitte.

Journalisten die sich durch Opfer bereichern, haben im öffentlich-rechtlichen TV nichts verloren. Es gibt jedoch ausreichend Alternativen. Deshalb habe auch ich die Petition unterschrieben. Die Linken-Politikerin war mir dabei KOMPLETT egal, der Mensch dahinter jedoch nicht!

anatom904 26.01.2014 | 10:14

Herr Lanz ist ein Medienvertreter mit ausgewiesenem Showmastertalent.
Politische Diskussionsfähigkeit schließt das nicht automatisch ein.
Mit dem „Besuch“ von Frau Wagenknecht war er schlicht überfordert.

Unterhaltung und politische Auseinandersetzung sind nicht unter einen Hut zu bringen, schon gar nicht in einer Fernsehsendung.
Wie man diese „Boulevard-Regel“ IMHO erfolgreich umsetzt, zeigen phoenix, 3sat und arte.

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karamasoff 26.01.2014 | 13:28

Um mal eine dem vom opportunen Spektrum als nicht "links" bezeichnete Postille hier zu verlinken:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/tv-kritik-wetten-dass-herz-an-herz-12769915.html

Dieser Artikel ist noch relativ moderat gehalten. Dennoch wird auch hier die alte Freislerschule rausgeholt, dem Gegner (von was eigentlich? von Inhalt UND Form des Diskurses? also quasi vom Diskurs selbst?) den Gürtel wegzunehmen und anklagend zu verhöhnen.

"ritualisierte Echauffieren" einer "selbstherrlichen Netzcommunity"

Kann man über ersteres noch einigermaßen diskutieren wird der zweite Teil der Aussage schon deutlicher:

Netzcommunity ist nicht das Volk und selbstherrlich, also weder politisch noch inhaltlich/formal ernst zu nehmen.

Ritualisiert auch die Stilisierung von Lanz als harmlosen Bruder und der Hinweise zuwenige Redaktionen seien "zu Felde gezogen". Immerhin wurde dann zwei Absätze weiter das Volk aufgerufen gegen die "geballte Macht" der "Prolls" (RTL etc) im Namen des ZDF und seiner rituellen Samstagabend-UNTER-Haltung zu Felde zu ziehen.

Es ist schön zu sehen, wie sich eine bestimmte Geistehaltung immer wieder die Bahn er-bricht. Zumindest soweit scheinen Geist und Psyche von MaierMüllerSchulz noch naturgegeben zu funktionieren. Der Rest indes bleibt aufgetypt, ihre Pleite glotzt uns weiterhin an.

rioges 26.01.2014 | 14:56

Die Absetzung eines Moderators zu fordern ist albern. Mensch könnte ständig solche Petitionen verfassen, bei diesem Zustand der ÖR.

Warum nun so ein Hype?

Mir fallen zwei Hauptgründe ein:

Da wurde eine linke Ikone beleidigt - die sich allerdings sehr gut dem erwehren kann.

Aber vor allem: Vielleicht sind viele dafür Dankbar, endlich mal halbwegs wirkungsvolle Kritik an den ÖR üben zu können. Denn da läuft so viel schief. Politische Information wird immer mehr zu Boulevard und Kampagne.

blog1 26.01.2014 | 15:33

Zunächst einmal sollten wir nicht den Fehler machen und Lanz bzw. seine Sendung in seiner Wirkung überbewerten. Insofern halte ich die Petition für wenig sinnvoll, weil Lanz letztendlich durch einer anderen in etwa gleich tickenden (Journalisten) ersetzt wird.

Frau Wagenknecht hat sich sicher genau überlegt, ob sie in Sendung von Lanz kommen will oder nicht. Sie hat sich dafür entschieden, wohlwissend, was da auf sie zukommt. Jetzt ist der Schuss von Lanz und Jörges nach hinten losgegangen. Umso besser für Frau Wagenknecht und die Linkspartei.

Frau Wagenknecht wie Herr Gysi gleichermaßen sind Medienprofis, die sich in jeder Talkshow hervorragend präsentieren. Dabei ist es nicht so sehr entscheidend, wie sie bei ihren Anhängern ankommen. Viel entscheidender ist, ob sie einen positiven Effekt bei dem Publikum erzielen, das zwar die Linkspartei nicht wählt, aber dennoch mit ihr sympathisiert. Die Linkspartei ist jetzt die führende Oppositionspartei im Bundestag und nachdem mit den Grünen wenig Schnittmangen bestehen, muss sie auf die eigene Profilierung achten.

Jede Partei ist darauf angewiesen, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Das Schlimmste, was der Linkspartei passieren könnte, ist ihr „Todschweigen“. Insofern sollten wir alle dankbar sein, dass es solche Sendungen wie „Markus Lanz“ gibt. Seit dem Auftritt von Frau Wagenknecht in seiner Sendung fällt jedoch auf, dass Lanz keine Politiker mehr einlädt. Hier hat er offensichtlich einen Maulkorb verpasst bekommen oder er fürchtet um seinen Job.

Manfred Fröhlich 26.01.2014 | 16:15

Phobie ist politisches Mittel der Demagogen

Die Linksparteiphobie ist nicht nur ein Problem vieler deutscher Journalisten. Sie ist in Deutschland ein gemeinsames Problem bei allen Regierungsparteien seit der Wende. Und die Phobie ist "Mainstream" in der Bevölkerung. Das spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen der letzten Bundestagswahlen wider.
Eigentlich ist die Petition gegen Lanz überzogen und lächherlich. - Lächerlich vor allen Dingen im Verhältnis zu der wirklich wichtigen Petition von Inge Hannemann (Petition 46483) gegen Hartz-Sanktionen.
Auch Inge Hannemann wird von der Presse totgeschwiegen und erlebte bei Beckmann (ARD) dieselbe Linksparteiphobie - aber zusätzlich gepaart mit einer Hartz4-Gegner-Phopie.

blog1 26.01.2014 | 18:46

Das ist absolut korrekt analysiert.

Ich habe mich auch der Hannemann-Petition angeschlossen, die es ja knapp über die Zielmarke geschafft hat.

Es gehört zum neoliberalen Repertoire, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander aufzuhetzen. Hier die hart arbeitende Bevölkerung und da die "Faulenzer", die sich auf Staatskosten durchfüttern lassen und das auch noch mit "meinen" Steuergeldern.

Die Linkspartei sollte aber dennoch eine andere Strategie als die kategorische Ablehnungshaltung fahren. Warum? Die Linkspartei hat ihre Stammwählerschaft weitestgehend ausgeschöpft. Sie muss also in Wählerschichten vordringen, die zwar mit der Linkspartei sympathisieren, sie jedoch nicht für wählbar halten, sei es nun, dass die Linkspartei mit ihrer DDR-Vergangenheit in Verbindung gebracht wird oder im Hinblick auf ihre harten Positionen in der Außenpolitik. Das heißt nicht, dass die Linke ihre Grundsatzpositionen aufgibt, aber es heißt, dass die Linke eine pragmatischere Sicht einnehmen sollte.

In der Bevölkerung kommt es ganz schlecht an, nur gegen etwas zu sein. So wird aber die Linkspartei oftmals wahrgenommen. In den Vordergrund müssen somit Aussagen treten, die klar machen, für was die Linke steht.

karamasoff 26.01.2014 | 19:41

Es besteht in diesem Land kaum Interesse an Aufklärung und Rationalität, in keinem politischen Lager. Selbst hier nicht. Das ist das Kernproblem derer, die von der selbsternannten Rechten noch als Links verunglimpft werden können.

Die Grünen haben dieses Dilemma, bzgl. ihres rein ökologischen Ansatzes irgendwann hinter sich lassen können, unter unabsichtlicher Mithilfe der ewiggestrigen und engstirnigen Ansichten der politischen Klanwirtschaftsnotoriker von "Rechts" natürlich.

Die Linke wird es nur schaffen, wenn sie sich den Stempel ""Links" nicht mehr aufoktroyieren lässt und endlich als realpolitisches Sammelbecken dient für alle die die Schnauze voll haben von

Dummheit, Borniertheit, Vetternwirtschaft, Korruption, Politikverdruß, Rassismus, Ausbeutung, Geldgier, Kontrollwahn, Militarismus, Stalinismus, Kapitalismus und vielem mehr.

Ein Namenswechsel wäre auch nicht schlecht um ehrlich zu sein.

Leider fehlt mir der Glaube daran, denn wie Schramm bin ich der Überzeugung, daß inzwischen der Prozeß politscher Willensbildung und damit Personalbildung in Parteien durch Werte zerstört werden, die es unmöglich machen, daß da mehr nach oben zu Entscheidungspoistionen kommt als aalglatte Phrasendrescher, die nichts anderes als ihre Eigeninteressen und die ihrer Lobbyisten verfolgen. Das Parteiensystem in seinem Ist-Zustand hat abgewirtschaftet und ist kein Modell mehr, um zukünftige Probleme auch nur relativ zeitnah zu lösen. Für mich eine erneut bestätigte Erkenntnis aus dieser Komödie.

txxx666 27.01.2014 | 14:48

Es wäre schon schön (im Sinne der "Beteiligungsdemokratie"), wenn die Vielen, die letzte Woche zum ersten Mal eine Petition unterschrieben haben, nicht einfach ignoriert würden.

Denn sollten die Leute erst einmal die schöne Erfahrung machen, dass ihre Einmischung etwas bringen kann (sprich: dass das ZDF irgendwann - und sei es auch erst bei etlichen Millionen Unterschriften - gezwungen ist zu reagieren), dann werden sie vielleicht demnächst noch viel bereitwilliger die Mitentscheidung über ihre eigenen Belange suchen und betreiben, und die Welt wird so am Ende (auch dank dem doofen Herrn Lanz) ein besserer und gerechterer Ort.
http://misanthrope.blogger.de/stories/2369507/

Sizwe 27.01.2014 | 15:22

Es bedarf keiner Verschwörungstheorie (Medienabsprachen). Mir scheint, seit Adenauer, vor 50 Jahren, hat sich die Staatsräson Antikommunismus/-sozialismus in der Bunderepublik nicht geändert. Alles, was links von der SPD ist, soll nicht dazugehören und ist deshalb zum Abschuss freigegeben.

Früher nannte man das "vogelfrei", da war das mit dem Abschuss wörtlich gemeint (siehe Luxemburg und Liebknecht). Heute gibt's eben verbale Maulstopfer, die linke und daher unerwünschte "Nestbeschmutzer" mundtot machen wollen. Das ist für mich nur ein gradueller Unterschied.

karamasoff 28.01.2014 | 08:52

Die Petition ist dadurch angreifbar geworden, daß sie eine Entlassung fordert.

Das eigentliche Thema ist aber nachwievor der Umgang weiter Teile der Medien mit der sachlichen Kritik, in Form schärfster Polemiken, zum Teil an Freislers Methoden erinnernd, im Fall von Lanz und Jörges eine offen zur Schau gestellte Demütigungsprozedur mit stilistischen und formalen Elementen von Polizeiverhörmethoden, von oberschichtsozialsierten Journalisten im Nachhinein für gesellschaftsfähig erklärt und schöngekritzelt. Mit kritischem Journalismus hat das nichts zu tun, eher mit Dünnpfiff.

Wo sind sie nur geblieben, die Alfred Kerrs, und Karl Kraus´, Carl Einsteins, Kurt Hillers, KurtTucholskys.

Stattdessen Lanz, Beckmann, Kerner, DiLorenzo, Jauch, Illner, Christiansen...muss wohl am Medium TV liegen der Niedergang.

Zeitungen müssen sich nicht über ihren Niedergang wundern, wenn sie nur noch Printausgaben der Glotze darstellen.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2014 | 12:42

"Wenn die Linken sich mit negativen Schlagzeilen herumschlagen müssen, vermuten sie dahinter häufig eine Medienkampagne."

Und Sie, Herr Werdermann, vermuten mit ihrer pauschalisierten Unterstellung, dass das Quatsch ist:

"Das ist natürlich Quatsch."

"Niemand – außer vielleicht der Bild-Zeitung – macht gezielt Stimmung gegen die Linkspartei, und Absprachen zwischen verschiedenen Medienhäusern zum kollektiven Linkspartei-Bashing gibt es auch nicht."

Und das wissen Sie woher?

Ich habe schön öfter von Ihnen ganz ernst formulierte, lustige - wie soll ich sagen - "Glaubenssätze" gelesen. Es war mir aber bisher nicht klar, dass es sich dabei um eine ganz spezielle Art von Satire handelt. Im Freitag. Und gegen Bezahlung. Vermute ich mal.

Das soll Journalismus sein? Ich frage mich immer öfter, nach welchen Kriterien Artikelschreiber (gegen Bezahlung des Einstellers, nicht des Artikelschreibers) eingestellt und aus welchen Gründen Journalisten, die ihr Handwerk verstehen, entlassen oder abgelehnt werden.

Es ist einfach unfassbar, welchen [Selbstzensur] man auch im Freitag (von den Blauen! Ich fasse es nicht.) zu lesen bekommt.

Trotzdem beste Grüße

(Fettformatierung von mir)

Angelo Nigro 28.01.2014 | 14:30

Was da geschehen ist mit der Sarah, erstreckt sich wie ein roter Faden quer durch die ganze Parteien-Landschaft, Wirtschaft und EU. Man versucht die Links Partei wie einem Krebs aus dem Weg zu gehen dabei ist die Linke die einzige Salbe die im Lande noch hilft . So auch mit den Deutschen Wirtschafts-Überschüsse die Europa strangulieren, da ist es mit einem Flächendeckenden Mindestlohn weit her. Oder mit einer Rente wo man zumindest überlebt anstatt in dem Alter und dazu schlecht oder ungepflegt noch stempeln zu müssen. Das ist eine Schande und Menschen unwürdig. Nicht zuletzt haben wir in der EU die sogenannten Schmarotzer Europas, die Griechen, denen man am liebsten wie den Linken nichts gönnt außer Häme, aber nicht die Spanier auf die Matte ruft, die ja genauso gewurschelt haben in den letzten Jahrzehnten. Die sollen zwar sparen aber die hängt man etwas tiefer, denn man möchte ihre Inseln und Strände noch ausgiebig geniessen, denn vieles hätte der Deutsche zu verlieren wenn die Immobilien noch billiger werden....

azit: Wir sind weit davon unparteisch die Lage zu beurteilen und somit entsteht schnell ein oder mehrere Fälle wie Lanz in Zukunft. Der Arme tut mir leid, denn er ist in die Falle des sich sicher fühlenden Jounalist getappt. Arroganz, Überheblichkeit Links von der Linkspartei im Bundestag ist nichts und Gysi ist kleiner als seine Partei "was ein Scheiß" und das soll Journalismus sein, ich glaube eher unverzeihlicher Populismus und damit hat er die Quittung bekommen. Wer hat noch nicht, wer will noch Fett ab wird jetzt die Devise sein und NUHR kann ja es vielleicht bald selber am eigenen Leib erfahren wenn er sich zuviel satirisches daneben benimmt. " Keine Petition gegen sich selber starten bitte schön.

knattertom 28.01.2014 | 15:30

Es wurde doch in den Kommentaren hier schon zu Genüge der offensichtliche und stillschweigende Konsens unter den meinungsbildenden Medien, der Linken möglichst keinerlei Platz einzuräumen, erwähnt und deren Totschweigen ungeliebter Meinungen als eindeutig stärkste Waffe beschrieben. Vor diesem Hintergrund muss man (eigentlich) davon ausgehen, dass M. Lanz total auf die LINKE und insbesondere auf Frau Wagenknecht abfährt, oder der Redakteur, der diese Fernsehsendung besetzt hat.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2014 | 19:20

Nur mal so als Beispiel und kleinen Denkanstoß, werter Herr Werdermann:

"Am 16. Mai 2006 gab die Gesellschafterversammlung des Druck- und Verlagshauses Frankfurt bekannt, dass sie sich mit sofortiger Wirkung von dem bisherigen Chefredakteur der Zeitung, Wolfgang Storz, trennen werde. Nach Angaben von Storz war die wesentliche Ursache ein vorheriger inhaltlicher Streit mit der SPD-Schatzmeisterin Wettig-Danielmeier, welche eine negativere Berichterstattung über die Partei Die Linke empfahl. Nach SPD-Angaben hingegen war der Kündigungsgrund die wirtschaftlich schlechte Lage der Zeitung.[12]

Die Redaktion der Frankfurter Rundschau protestierte auch auf der Titelseite gegen die Ablösung ihres Leiters. Am Mittwoch, dem 17. Mai 2006, stand dort: „Die Redaktion nimmt die Entscheidung des Mehrheitsgesellschafters zur Kenntnis, legt aber Wert auf die Feststellung, dass sie die Entlassung des Chefredakteurs nicht billigt.“[13]

Ich glaube Herrn Storz. Ich glaube aber nicht, dass Ihnen solche oder ähnliche Machenschaften nicht bekannt sind.

Grüße

blog1 28.01.2014 | 21:16

Es ja noch nie den Journalisten gegeben, der bei einem Verlag fest angestellt oder freiberuflich beschäftigt ist und frei sein Meinung äußern kann, so meine Grundthese. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“.

Was es jedoch gibt, sind Menschen, die die Zivilcourage besitzen und für ihre Überzeugung eintreten, auch wenn es wirtschaftlich zu ihrem Schaden ist. Das sind fast immer Überzeugungstäter und die es sich mitunter wirtschaftlich leisten können, die Wahrheit zu schreiben.

Ich ziehe von solchen Menschen den Hut, weil es nicht einfach ist, den Sprung über die Kante zu wagen, nicht genau wissend, was einen dahinter erwartet.

Ich richte aber auch über diejenigen Journalisten, die sich das nicht trauen, weil ich deren persönliche Situation nicht kenne und selbst dann, wenn ich sie kennen würde, maße ich mir nicht an, darüber zu urteilen.

Ich habe die Feststellung gemacht, dass es sehr nützlich sein kann, sich aus verschiedenen Quellen zu informieren und selbst dann, muss man dennoch seinen Denkapparat einschalten und sich dann eine Bildung bilden.

Wir leben nun mal in einer Postdemokratie und da gehört die Instrumentalsierung der veröffentlichten Meinung zur Basisausrüstung.

blog1 28.01.2014 | 21:38

Ein kurzes Statement zu der Heute-Show. Auch ich finde die Sendung ganz amüsant und schaue sie häufig an.

Nur machen wir uns nichts vor. Die Sendung ist nichts anderes als „Circus Maximus“.

Das zutiefst neoliberal ausgerichtete ZDF lässt seine Pausenclowns von der Leine, um uns das Gefühl zu geben, dass wir nicht so ganz falsch liegen. Das ist politisch betrachtet nichts anderes als eine „Ventillösung“, die idealtypisch durch die Figur „Gernot Hasskecht“ verkörpert wird. Wenn er so richtig Dampf ablässt, tun wir das natürlich auch.

Felix Werdermann 29.01.2014 | 00:15

Also das ist jetzt ja nur ein Verlag und das ist natürlich eine Sonderrolle, wenn eine Partei einen Verlag dominiert (wie damals). Außerdem weiß ich nicht, ob ich das als Kampagne bezeichnen würde. Eine Kampagne ist ja immer zeitlich begrenzt. Da geht es ja eher um die grundsätzliche Ausrichtung. Und natürlich gibt es linke und rechte Medien und natürlich ist die Linkspartei den rechten ein Dorn im Auge. Aber in der Regel wird dann gegen die linken Positionen gewettert und nicht speziell gegen die Linkspartei. In dem FR-Fall ist das natürlich eine andere Sache, bedingt durch das ungewöhnliche Konstrukt, das einer Partei die Kontrolle über eine überregionale (und von vielen als unabhängig gesehene) Zeitung ermöglicht hat.

karamasoff 29.01.2014 | 01:10

Man braucht nicht weit in der Geschichte zurückblicken, um Vergleiche zu finden.

Seinerzeit, als die Grünen zum ersten mal in den Landtagen und im Bundestag landeten bzw. überhaupt politisch inder Landschaft standen, wurden sie in meiner Erfahrungswelt (zur Abiturzeit) ganz gewaltig "gebashed" sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Publikationen. Von "Linksradikale" über "nicht Politikfähig" bis "Verfassungsfeinde" war alles dabei. MaierMüllerSchulz haben kräftig ins Horn der geblasen dabei und so auch mein damaliger Mitschüler (er wäre heute garantiert auf einer privaten ELitenschule und nicht auf einem Provinzgymnasium zusammenmit dem Pöbel. Sein Vater wurde später Vorstandsvorsitzender eines sehr grossen Konzerns).

Man braucht auch nicht gross zu sucuhen und findet Pubkikationen zum Thema Elitenbildung im Journalismus

http://netzwertig.com/2008/11/24/studie-ueber-journalistenschueler-woher-kommen-die-alpha-journalisten/

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38515/1.html

http://www.halem-verlag.de/2013/meinungsmacht-und-elite-journalismus/

http://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-02355-3_8

Bei letzterem Link weiss man auch sofort Bescheid. Bei mir Schrillen immer alle Alarmglocken, wenn nach Professionalisierung (waren Journalisten vorher nur Hobbyisten?)gebrüllt wird vor allem von gewisser Seite aus.

Es gibt eindeutig diese professionalisierte und elitengebundene "Realitätsbildung" im Journalismus von heute.

karamasoff 29.01.2014 | 01:27

Nachtrag:

auf die Gefahren deiser Art Proefessionalisierung hat schon 1980 Ivan Illich in "Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik" hingewiesen im Kapitel "Entmythologisierung der Wissenschaft" und "Die Wiederentdeckung der Sprache"

Illich verwendet dabei den Begriff Experte, der Schluss zum "Professionellen" dürfte logisch erscheinen.