Welche Trends Zeitungen setzen

Netzgeschichten Der Pressespiegel auf trendsinsustainability.com wertet mediale Thementrends aus 41 Ländern aus. Wie steht es etwa um die Berichterstattung über die Erderwärmung und HIV?

Der Klimagipfel in Kopenhagen hat doch etwas gebracht. Die Diplomaten haben zwar nichts beschlossen, dafür haben aber die Journalisten umso mehr geschrieben: Nie wurde mehr über den Klimawandel berichtet als im Dezember 2009; es gab im Schnitt mehr als drei aufs Klima bezogene Artikel pro Zeitungsausgabe. Das zeigt die Webseite trendsinsustainability.com, für die internationale Wissenschaftler, unter anderem vom Berliner Institut für Zukunftsstudien, 115 Zeitungen aus 41 Ländern auswerten.

Ein weltweiter Pressespiegel: Was einst höchstens gegen viel Geld bei spezialisierten Agenturen zu haben war, kann nun jeder online nutzen. In diesem Fall liegt der Fokus auf sozialen und ökologischen Themen: Wie wird über Armut, sauren Regen, Korrup­tion berichtet? Wurden Menschenrechtsverletzungen zu wenig thematisiert? Hier kann man es nachprüfen.

Aufstieg der Erderwärmung

Die Entwicklung der Themenagenda lässt sich seit 1990 verfolgen. Leider eignet sich die Webseite aber nicht für eine aktuelle Presseschau. Zur Zeit reicht die Statistik nur bis zum Mai 2010. Trotzdem kann man mit den Daten einige Trends ausmachen: So wird in den Industrieländern immer weniger über Aids berichtet. Vor 20 Jahren stand in jeder Zeitungsausgabe durchschnittlich mehr als ein Artikel, heute liest man nicht mal in jeder zweiten Zeitung etwas zum Thema. In Südafrika dagegen ging es in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt in etwa zwei Artikeln pro Ausgabe um Aids. Erstaunlich ist der mediale Aufstieg der Erd­erwärmung. In den vergangenen sechs Jahren hat sie einen Höhenflug erlebt und stellt alle anderen Umweltprobleme in den Schatten. Am stärksten diskutiert wird der Klima­wandel übrigens im Winter, wohl wegen der dann stattfindenden Konferenzen.

Für Medienforscher ist die Datenbank eine Fundgrube, aber ausprobieren kann sie jeder. Die Bedienung ist einfach. Einziges Manko: Analysiert werden vor allem Zeitungen aus Industrieländern. In Russland, China oder Japan wurde nur die englischsprachige Presse ausgewertet, Staaten aus Afrika fehlen (mit Ausnahme von Südafrika) komplett. Doch das soll sich ändern: Mitte 2011 ist ein Update geplant, zusätzliche Zeitungen sollen einbezogen werden. Ob auch die Daten danach regelmäßig aktualisiert werden, ist bislang noch unklar – die Macher können sich das durchaus vorstellen. Bleibt zu hoffen, dass die Geldgeber ­– die Institute der beteiligten Wissenschaftler, das deutsche Forschungsministerium und eine schwedische Stiftung – das auch ­finanzieren wollen.

11:00 18.12.2010

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