Mario, oh Mario

Videospiele Das Jahr 2021 ist ein wichtiges Jahr für Nintendo
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Mario, oh Mario
In diesem Jahr feierte das mittlerweile legändere Spiel „Super Mario Brothers“ 35-jähriges Jubiläum

Foto: Behrouz Mehri/AFP/Getty Images

Wir schreiben das Jahr 2021. Das zweite Jahr einer Pandemie, die soziale Verwerfungen sichtbar macht und in einem gewissen Sinne noch verschärft, spezifische Formen von Rassismus verstärkt, eine Pandemie, die in vielen Teilen der Erde nach wie vor eine Einschränkung des Alltagslebens mit sich bringt. In diesem Jahr gibt es sie aber, diejenigen, die gut durch die Krise kommen, diejenigen die sogar von dieser profitieren. Das muss nicht immer auf einer zynischen Ausnutzung der momentanen Gegebenheiten beruhen.

Neben den großen Onlinehändlern ist es nicht ganz überraschend die Spiele-Branche, die aktuell Gewinne verzeichnen kann. Verschiedene Medien berichteten kürzlich, dass etwa die Firma Nintendo für den Moment im Aufwind sei. So titelte NIKKEI ASIA am 2. Mai 2021 „Nintendo raises Switch output to record 30m on stay-at-home demand”, also ein Anstieg der Nintendo Switch-Verkäufe auf 30 Millionen im Zuge der Aufforderung bzw. der Notwendigkeit zuhause zu bleiben.

Nicht nur diese Gewinne machen das Jahr 2021 zu einem besonderen Jahr für Nintendo. Bis einschließlich März diesen Jahres feierte man das 35-jährige Jubiläum des mittlerweile legänderen Spiels Super Mario Brothers. Dieses Ereignis feierte nicht nur Nintendo. Es gibt Lego-Sets, eine Kollektion von Uniqlo. Indes wurde in den Universal Studios die Super Nintendo World eröffnet. Bei letzterem zeigen sich auch für Nintendo die Nachteile, die sich durch die pandemische Lage ergeben.

Bereits im letzten Jahr gab es einen Boom solcher Spiele wie etwa Animal Crossing und man konnte sogar von K-Pop-Stars lesen, dass man sich über dieses Spiel wenigstens virtuell zu bestimmten Anlässen traf. Zudem wurde dieses auf den ersten Blick recht harmlos anmutende Spiel sogar Schauplatz politischer Auseinandersetzungen. Das Potential solch interaktiver Spiele ist groß. In einer Folge des Podcasts Deep Dive der Japan Times (Episode 86 vom 17. März, 2021) ging es um das Jubiläum eines anderen Spiels, das zunächst auf einem Nintendo-System startete. Es handelte sich um Pokemon, das 25-jähriges Jubiläum feiert. Die ersten Pokemon-Spiele wurden – davon berichtete jene Podcast Folge – für den Gameboy hergestellt, als der Gameboy eigentlich schon so gut wie abgeschrieben war. Doch eine bestimmte Funktion des Gameboys die sich die ersten Pokemon-Spiele zu Nutze machten, nämlich die Möglichkeit, sich mit einem Kabel zu verbinden, machten die Spiele atrraktiv und verhalfen dem Spielsystem zu neuem Auftrieb.

Heutzutage hat sich die Technik weiterentwickelt, die Onlinefunktionen ermöglichen eine Vernetzung auch ohne sich physisch in der Nähe zu befinden. Der Umstand, dass die Handlungsoptionen in der Freizeit im eigenen Haus unter den aktuellen Gegebenheiten relativ begrenzt sind und Videospiele das Abtauchen in imaginäre Welten erlaubt und die Möglichkeit so in Interaktion zu treten, mögen den aktuellen Erfolg Nintendos begünstigen. Die Eröffnung eines Teils eines Vergnügungsparks geschieht hingegen angesichts der pandemischen Entwicklungen in Japan eher zur Unzeit.

Ein weiterer Schlüssel des Erfolgs dürfte an der Konsistenz und der Wiedererkennbarkeit der Spiele liegen. Sie werden einerseits technisch auf einen jeweils neueren Stand gebracht aber das hier schon erwähnte Mario-Franchise oder die Pokemon-Serie, Zelda und andere beliebte Nintendo-Spiele folgen über Jahrzehnte hinweg doch einem sehr ähnlichen Prinzip, wie die Erstlinge jener Spielreihen. Damit wird es auch zu einem intergenerationalen Phänomen. Wieviele Runden bin ich doch selbst Mario Kart auf dem Supernintendo gefahren und nun spielen Kinder in dem gleichen Alter wie unsereins damals, die neueste Version.

Die Zahlen sahen für die Traditionsfirma indes nicht immer so rosig aus. Das Unternehmen startete übrigens damals als Spielkartenfirma. Das erfuhr ich, als ich vor etlichen Jahren in Kyoto mit einem Videospiel-Journalisten ins Gespräch kam. Ich erfuhr auch, dass das Unternehmen in Kyoto gegründet wurde. Damals in meinem Halbwissen vermutete ich die Gründung der Firma noch in Tokio oder Osaka. Doch hielt ich bei so mancher Zugfahrt Ausschau und tatsächlich fuhr auch ich so einige Male an einer Kiotoer Zweigstelle vorbei. Die Firma selbst gibt als Gründungsdatum das Jahr 1889 an.

Die Spielkartenproduktion sollte lange Zeit das Hauptgeschäft der Firma bleiben, schließlich beginnt die Firma in den 1970er Jahren damit, Videospielsysteme herzustellen.

Eine Krise verzeichnete Nintendo mit dem launch des Spielsystems Nintendo Wii U. Damals konnte sich die Konsole nicht recht gegen die Konkurrenz durchsetzen. Die Zeiten ändern sich, seitdem sind wieder einige Jahre vergangen und wie eingangs erwähnt, ist es Nintendo schließlich doch gelungen, diesen Trend umzukehren. Wie nachhaltig dies gelungen ist, wird sich erst nach Ende der Pandemie zeigen. Ein Problem deutet sich bereits an, die Knappheit der Chips, die dringend für den Bau der Konsolen gebraucht werden.

19:51 09.05.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ferdinand Liefert

Dipl.-Theologe (Studium in Greifswald / Marburg / Interreligiöses Studienprogramm in Kyoto ).
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