Mensch und Technik - ein gutes Verhältnis?

Technologie Vom 02.-05.12.2015 fand die International Robot Exhibition 2015 in Tokio statt. Hier konnte ein Blick in die Zukunft der Technik geworfen werden. Ist diese zu begrüßen?
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Vom 02.-05.12.2015 fand die International Robot Exhibition 2015 in Tokio statt. Hier konnte ein Blick in die Zukunft der Technik geworfen werden, der die Gäste in Erstaunen zu versetzen vermochte. In dem Tocotronic-Song von 1995 hieß es auf der gleichnamigen Platte: "Digital ist besser", in dem Sepultura-Kracher "Biotech is Godzilla", erschienen auf "Chaos A.D." 1993, lässt der Text auch beim ersten Hören schon eine deutlich skeptischere sowie kritische Haltung gegenüber moderner Technik heraushören. Konkret ging es dabei allerdings um eine ganz bestimmte Technologie-Branche. In diesem Jahr ereignete sich jene Woche, in der im Film die Figur Marty Mc Fly in unser Jahr gereist ist. Es gab im Zuge dessen Vergleiche zwischen den technischen Errungenschaften im Film, also in diesem Jahr, wie man es sich in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgestellt hat und denjenigen, die es tatsächlich heutzutage gibt. In diesem Jahr ist ein weiterer Terminator-Teil herausgekommen, dessen erster Teil ebenfalls in den 80ern gedreht wurde und Byung-Chul Han hat im vergangenen Jahr in dem Band "Psychopolitik: Neoliberalismus und die neuen Machttechniken" seine gewohnt scharfsinnige Analyse des "digitalen Panoptikum[s]" geäußert, in "Errettung des Schönen" trägt er ebenfalls seine Kritik von Facebook und Co. vor.

Ist denn nun die Technik ein Fluch oder doch ein Segen? Täten wir, gerade angesichts des im Zuge der UN-Weltklima-Konferenz in Paris wieder verstärkt in den Fokus gerückten Klimawandels, nicht besser daran, auf weniger Technologie zu setzen, da jene ja immer kostbare Energie benötigt?

Doch ganz auf die neuen Technologien verzichten können wir vielleicht schon gar nicht mehr.Zudem liegen ebenso wie die hier lediglich angedeuteten Nachteile auch die Vorteile auf der Hand.

Die Smartphones, welche uns immer erreichbar sein lassen und zu transparenten, auswertbaren Objekten des Neoliberalismus machen, lassengleichzeitig, wie etwa in einer Dokumentation des Senders NHK World vom 14.04.2015 berichtet, Demenzkranke, die die Orientierung verloren haben, wieder finden und sind außerdem oftmals eine wichtige Verbindung von Menschen auf der Flucht zu Zurückgebliebenen und für jene eine wichtige Informationsquelle.

Facebook ist einerseits ein Medium, das, mit Han gesprochen, ganz auf Positivität setzt und zugleich ein Medium, welches überwacht und zudem in letzter Zeit auch zur rassistischen Hetze genutzt wird. Es ist aber ebenso das Medium, das während des Arabischen Frühlings schnell Demonstrationen zu organisieren half. Dass Facebook in politischer Hinsicht von seinem Ursprung her ein "westliches" Medium ist, zeigt sich hin und wieder, etwa bei der Reaktion seitens Facebook auf aktuelle Ereignisse oder eben der gleichzeitigen ausbleibenden Reaktion auf andere Ereignisse. Die neuen Medien bilden schließlich lediglich einen Komplex der zahlreichen neuen Technologien.

In dem oben genannten Sepultura-Song heißt es: "Bio-technology, Ain't what's so bad, Like all technology, It's in the wrong hands" . Aber was, wenn die Technologie in den richtigen Händen landet?

Die Open-Source-Bewegung ist eine technologieaffine Bewegung, die gerade dem Neoliberalismus widerspricht. Bei ihr geht es ja um Teilhabe und nicht um Profit.

In der Terminator-Reihe geht es, wie in vielen anderen Filmen oder auch Comics, um die Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine. Die Technik ist hier intelligent und ein ausgemachter Feind des Menschen. Anders ist es in der legendären "Ghost in the Shell"-Reihe. In jenem Manga und der Anime-Adaption geht es ebenfalls um künstliche Intelligenz. Doch die Freund-Feind-Linie verläuft hier anders. Das eigentliche Thema des ersten Ghost in the Shell-Animes von 1995, ist die Frage nach der Grenze zwischen Mensch und Maschine. Der Ghost, im Grunde ein technisches Produkt, ist in der Lage, selbst zu reflektieren und nach seinem Ich zu fragen. Unsere heutigen Rechner und Roboter können zwar sowohl hochkomplexe Rechenleistungen vollbringen als auch durch Adaption lernen und zuvor angeordnete Befehle ausführen, aber dies hat mit der menschlichen Intelligenz, welche eben zu jener Reflexion befähigt, eher wenig zu tun.

Unsere Technik mag in der Lage sein, ein Konvolut an Daten auszuwerten, Informationen zu verarbeiten und auf diesen basierend zu reagieren. Dies alles ist aber letztlich stupide und auf entsprechenden Input angewiesen.

Technologie mag insofern uns an Intelligenz keineswegs überlegen sein, kann aber schon mal , z.B. im Falle der Nutzung von Atomenergie, außer Kontrolle geraten - gerade hier mit verheerenden Folgen.

Sie macht im Falle von Robotern Arbeitsprozesse, die durch Menschen erledigt werden, überflüssig, im Falle von Drohnen übernimmt die Technik auch tödliche Aufträge, genau wie jener Terminator.

Roboter können genauso dort helfen, wo Menschen nicht in der Lage sind, Arbeitsprozesse alleine auszuführen.

Gerade hierzulande, in einem ausgesprochenen Technologie-Land, herrscht, abgesehen von einigen wenigen Branchen wie jener der Luft- und Raumfahrttechnik, ein eher konservatives Verständnis von Technik vor. "Hipster", die stets die neuesten Handy- und Computerprodukte nutzen, werden nicht unbedingt mit Wohlwollen beäugt, es gibt Zurückhaltung gegenüber grüner Technologie, die angeblich noch nicht rentabel sei oder sowieso ineffizient, dafür schwört man auf althergebrachte Errungenschaften wie benzin- und dieselbetriebene Autos. Der VW-Skandal ist auch Ausdruck für diese Haltung.

In der auf NHK World ausgestrahlten Sendung "Samurai Wheels", welche natürlich vor allem auf Werbung für japanische Autos sowie Japan als Reiseziel abzielt, werden hingegen nahezu regelmäßig innovative Autos vorgestellt, die etwa die Mobilität von älteren Menschen fördern helfen oder wie z.B. der Toyota Mirai vergleichsweise umweltfreundlich sind.

Selbst wenn wir also nicht gänzlich auf die Nutzung von motorbetriebenen Fahrzeugen verzichten und stattdessen zu Fuß gehen und Fahrrad fahren, geht es klimaneutraler, als dies im Moment zumeist praktiziert wird. Auch die Energieversorgung könnte durch Innovationen weitaus umweltfreundlicher gestaltet werden. Durch entsprechende Sanierung bei den Universitätsgebäuden in Deutschland allein wäre bereits ein beträchtlicher Anteil zur Klimaneutralität geleistet.

Es ist unrealistisch, dass wir zur agrarischen Gesellschaft oder zu einer Gesellschaft ohne Arbeitsteilung, bzw. Ausdifferenzierung der Arbeit zurückkehren. Wir müssen uns aber nicht von der Technologie beherrschen lassen. Wenn diese nach vernünftigen und ethischen Maßstäben eingesetzt wird, kann diese sogar unser Leben noch weiter erleichtern und gleichzeitig auf eine Verstärkung der Ausbeutung unserer Ressourcen verzichten.

Eine grundsätzlich pessimistische Haltung gegenüber moderner Technik erweist sich als konservativ und gestaltungsunwillig.

Smarte Geräte müssen nicht zwangsläufig Markenzeichen des Neoliberalismus sein, sie können auch jenseits der Interessen des Marktes ganz im Sinne des Menschen eingesetzt werden.

14:54 12.12.2015
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Geschrieben von

Ferdinand Liefert

Dipl.-Theologe (Studium in Greifswald / Marburg / Interreligiöses Studienprogramm in Kyoto ).
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