Neue Medien und ihre Auswirkungen

Kindheit und Moderne Welt Wie sich die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrer und Kinder verändert.
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Wenn Zeit und Fiktion eine Melange mit der Kindheit eingehen

Der Einsatz ist denkbar einfach. Man nehme eine Portion Emotionen , würze diese mit sehr einfachen Aussagen die da lauten: So ist eben die Zeit und damit muss man sich abfinden.Besser noch : Nur dadurch, dass man diese Entwicklung so annimmt wie sie ist, lernt man mit ihr umzugehen. Man lernt dadurch, so ist die These, sie zu beherrschen wird somit ein Teil ihrer selbst ohne von ihr manipuliert zu werden und kann dann , quasi im Maschinenraum stehend, Einblick in deren Funktion bekommen. Dadurch ist man selbst in der Lage Einstellungen vornehmen zu können und dadurch Herr der weiteren Entwicklung.So in etwa verläuft die Argumentationskette vieler, wenn es darum geht eine Strategie für den Umgang mit den neuen Medien zu entwerfen.

Stimmt das Wirklich ? Einige Grundthesen:

Der alte Hut mit den neuen Medien.

Die neuen Medien sind nicht wirklich neu. Fernsehen gibt es seit etwa 1935. Perfekt von den Nazis für ihre menschenverachtenden Zwecke ausgenutzt. Bei genauem Hinsehen kann man einen Eindruck davon gewinnen , welches hohe manipulatives Potential vorhanden ist.Der Neustart nach der Schreckensherrschaft der Nazis war 1952. Videospiele gibt es seit 1972. Internet seit 1984. Spielkonsolen seit etwa 2006 und Wii seit 2008. Hinzu kommen Musically , Snapchat, Instagram, YuoTube. Noch nicht genug ? Na dann schauen sie mal ins Internet. Jeden Tag werden neue Produkte erfunden , die an den Mann oder die Frau und selbstverständlich an das Kind gebracht werden wollen.

Die neuen Medien beschleunigen sich selbst.

Die neuen Medien zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich selbst beschleunigen. Darunter ist zu verstehen, dass es zu ihrem Wesen gehört keinen Stillstand zu kennen. Stillstand ist ein Zustand den es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Dies deshalb, weil Beschleunigung und Optimierung das Grundprinzip der neuen Medien sind.

Optimierung um jeden Preis

Zweite wesentliche Funktionsgrundlage der neuen Medien: Alles muss ständig und zu jeder Zeit optimiert werden. Mittelmaß gilt es zu vermeiden.

Eltern, Schule und Gesellschaft haben den Anschluss verloren

Erst mit einer zeitlichen Verzögerung wurde die Gesellschaft darauf aufmerksam, dass mit dem Einzug der neuen Techniken in unsere Wohnzimmer und in unsere Arbeitswelten, Schulen und Universitäten gravierende Veränderungen im Bezug auf unser Familienleben, unser Lernen und unser Kommunikationsverhalten stattfanden. Während wir noch damit beschäftigt waren die Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen zu lesen und über die Einsatzmöglichkeiten nachzudenken, waren die Medien bereits dabei die Hoheit über unsere Alltagsgewohnheiten und unsere Köpfen zu erobern. Als wir uns endlich aktiv daran machten aus Konzepten Handlungsmöglichkeiten abzuleiten nahmen wir einen fast hoffnungslosen Wettlauf auf. Zwar gibt es einige Basic die wir als Grundlagen für einen gesunden Umgang mit den neuen Möglichkeiten und Erfordernissen erachten, allerdings müssen diese immer und immer wieder erneuert und angepasst werden. In gewisser Weise erinnert dies an das Märchen vom Hasen und Igel. Kaum glaubt man, auf einem Gebiet Erster zu sein, stellt man fest, die Technik war schon da und hat den Schauplatz bereits wieder verlassen.

Datenflut führt zur Lähmung

Gekennzeichnet ist diese Entwicklung durch eine Flut von Daten und Informationen , wie sie noch nie in dieser Vielfalt vorhanden war. Informationsgewinnung , Informationsvermittlung und Informationsverarbeitung haben sich dadurch grundlegend verändert. Informationen sind schneller und freier zugänglich geworden. Dies ist im Prinzip zu begrüßen. Der freie Zugang zu Informationen bedeutet die Chance sich zu jeder Zeit die gewollten Informationen holen zu können und diese in das eigene Gedanken und Handlungskonzept einbauen zu können. Gelebte Demokratie. Nicht zuletzt die freie und immer zugängliche Informationsgewinnung und die damit verbundene Schnelligkeit führten zum Siegeszug in den Klassenzimmern. Allerdings wurden damit neue Anforderungen an die Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen geschaffen, deren Preis Schnelligkeit und der nie endende Druck in Richtung fortlaufender Veränderung ist.

Gewohnte Denkmodelle und die daraus resultierenden Handlungsstrategien funktionieren nur noch in eingeschränkter Form.

Was früher auch nicht wirklich funktioniert hat, aber ein Gefühl des Handelns erzeugte und der eigenen gefühlten Hilflosigkeit damit entgegen wirkte, war den vermeintlich schlechten Umgang oder Einfluss einfach zu verbieten. Dies funktioniert heute auch in der Selbsttäuschung nicht mehr. Es gab aber einen entscheidenden Vorteil , die Handelnden waren optisch sichtbar. Zumindest diejenigen die man dafür hielt. Man wähnte sich in einem Dorf und in diesem waren die Handlungen der Protagonisten sichtbarer. In gewissem Maße konnte man sich auf Gefahren einstellen. Sie hatten ein Gesicht, man sah die Bedrohung auf sich zukommen.

Das Internet zeigt uns, dass die ganze Welt ein Dorf ist. Das alles mit allem zusammen hängt. Aber für viele ist es eben auch ein Dorf welches einem Ameisenhaufen gleicht mit tausenden von Gängen von denen man nicht weiß, was sich in ihrem Inneren verbirgt. Dies gilt für die Eltern,Lehrer und in noch höheren Umfang für unsere Kinder.

Realität und Fiktion

Untersuchungen legen den Schluss nahe , dass wir alle, aber in besonderem Maße Kinder und Jugendliche , immer mehr Probleme damit haben Nachrichten von Werbung zu unterscheiden. Den Unterschied zwischen einer Soap und einer Dokumentation zu erkennen. Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung besteht darin, wie Nachrichten aufbereitet werden. Sie müssen Unterhaltsam und Reißerisch sein.Schnell und emotional aufgeladen. Oft nah an der Grenze zur Show.

Verstümmelung der Sprache

"Er kann Bundeskanzler." Was soll dieser Satz aussagen? Wozu diese Verkürzung ? Gewinnt man dadurch schnellere oder genauere Informationen? Soll es einfach nur cool sein? Wie steht es mit der Begründung dieser Aussage?"Was ist der Sinn dieser Aussage"?

Sichtbar ist die Verstümmelung der Sprache auch beim Einsatz von Emojis , die nur viel zu oft den wohltuenden persönlichen Satz eines Lehrers unter einer guten , mittelmäßigen,oder schlechten Klassenarbeit ersetzen. Freunde schicken einander nichts sagende Symbole für alles Mögliche. So als ob der Mensch so einfach und verkürzt beschrieben und gedacht werden könnte. Kinder und Erwachsene werden mit einem stilisierten, infantilen Gesicht oder Symbol alleine gelassen.

Verrohung der Sprache

Zweifellos ist unsere Sprache aggressiver geworden. Bisher unsagbares kann gesagt werden. Dabei wäre es zu kurz gegriffen alleine die AFD dafür verantwortlich zu machen. Das sie im Bundestag ist und sich als Sprachrohr des einfachen Bürgers aufspielen kann und ihre Hetzparolen gegen Flüchtlinge und Minderheiten ausbreiten kann müsste eigentlich zu Massendemonstrationen führen. Sprache , Worte , schaffen Wirklichkeiten, auch wenn diese so nicht existieren. Doch es ist nur ein kümmerlicher kleiner Haufen der aktiv und laut etwas dagegen sagt. Bürgerliche Parteien suchen Wählerstimmen in dem sie rechte und menschenverachtende Sprachformeln und Handlungen in Wort und Tat unterstützen. Und ja, selbstverständlich hat diese Veränderung schon längst unsere Schulhöfe und Klassenzimmer erreicht.

Bewusste Falschinformation

Es gibt keine wirklich wirksame Kontrollinstitution die Beiträge im Netz auf deren Wahrheitsgehalt überprüft. Im Prinzip kann jede Person ins Netz stellen was sie möchte. Dies gilt für Text und Filmbeiträge. Man mag dies nun verurteilen oder gut finden. Fakt bleibt, dass Kinder an Informationen gelangen können, welche für ihre seelische Entwicklung enorm schädlich sein können. Der Hinweis darauf, dass dies ja auch früher schon möglich war, weist zwar auf einen wichtigen Aspekt hin, unterschlägt aber, dass es einen sehr gravierenden Unterschied macht, ob ich etwas lese, in Bildformat sehe,oder als Film bzw. Video sehe. Gesehenes und Gehörtes hinterlassen für gewöhnlich eine größere Wirkung. Als Hörer habe ich eine größere Möglichkeit mir mein eigenes Bild zu machen. Bei Filmaufnahmen und Videos entfällt diese schöpferische Eigenregulierung. Der Regisseur macht die Bilder. Ich kann ihnen nicht entgehen. Auch ist die Möglichkeit etwas zu glauben, ist beträchtlich höher, hat man doch alles mit seinen eigenen Augen gesehen. Die verschiedenen Bildbearbeitungsprogramme erlauben täuschend echte Bildmanipulationen die vom Laien nicht als Fälschungen zu erkennen sind. Der Beeinflussung von Kindern und Erwachsenen ist Tür und Tor geöffnet.

Andauernde Erreichbarkeit und ständig auf Empfang

Wenn sie sich heute einmal umsehen, werden sie erkennen, dass alle Menschen alt oder jung ein Handy besitzen. Dabei können sie beobachten,wie sehr dies das Kommunikationsverhalten der Menschen verändert hat. Autistisch, jeder auf sich konzentriert sitzen die einzelnen Familienmitglieder am Tisch und beschäftigen sich mit ihrem Handy. Vater,Mutter und Kinder sitzen jeder in ihrer eigenen Welt,zwar am gleichen Tisch,aber sie schauen sich nur an, wenn sie sich von einander gestört fühlen,oder sich kurze Worte zuwerfen.

Völlig verblüfft beobachtete ich während mein Zug einen zehn minütigen Aufenthalt auf einem Bahnhof hatte folgende Situation: Bei mir im Abteil saß ein Junge von etwa 16 Jahren . Er hatte sich locker in den Sessel gefletzt die Beine lässig auf der Ablage abgelegt . Immer wieder schaute er zum Fenster hinaus, dabei lachte er. Schaute aber immer auch mit einem Auge auf sein Handy. Neugierig schaute ich ebenfalls zum Fenster hinaus. Auf der Bank am Bahnsteig saß in junges Mädchen etwa im gleichen Alter. Immer wieder schaute auch sie zu dem Jungen und lachte ihn an,ohne ihr Handy aus den Augen zu verlieren. So ging es hin und her . Als sich der Zug nach etwa zehn Minuten in Bewegung setzte schaute der Junge zum Fenster hinaus winkte dem Mädchen und dieses sendete ihm einen Handkuss. Selbst im Zustand des Verliebtseins schafften es die jungen Menschen nicht auf das Handy zu verzichten. Offensichtlich hatten sie die Befürchtung etwas wesentliches zu verpassen sollten sie ihr Handy aus den Augen lassen.

Ausweg Depression

Unbestritten nehmen die psychischen Erkrankungen von Kinder und Jugendlichen zu. Vor allem Depressionen spielen in frühem Kindesalter eine immer größere Rolle. Ein Teil eines Erklärungsansatzes könnte sein, dass der kindliche Organismus schlicht auf Zeitlupe schält um sich dem immer höher werdenden Druck von Leistung, Perfektion und dauernder Erreichbarkeit zu entziehen.

Der Irrweg Multitasking

Wenn ich schlafe, schlafe ich. Wenn ich esse, esse ich, heißt es im Zen - Buddhismus. Heute heißt es wohl eher: Wenn ich schlafe und gleichzeitig wach bin, wenn ich mit jemandem Rede und gleichzeitig auf Empfang bin, wenn ich Vater und Mutter bin und gleichzeitig für die Wirtschaft flexible bin, dann - ja was bin ich dann? Wenn wir die Lebenswelt unserer Kinder anschauen,bemerken wir recht schnell, wie sehr auch sie in dieser Falle gefangen sind. Auch sie sind einer Flut von Reizen gleichzeitig und immer während ausgesetzt.

Was sollten wir tun?

Vertrauen wir auf unsere eigene Erziehungskompetenz

Wir alle wurden erzogen und werden fortlaufend weiter erzogen. Von Eltern,Großeltern, Gesellschaft, Umwelt, Kultur etc. . Dies ist ein Prozess der nie zu Ende ist. Auch wir selbst erziehen. Auch wenn unsere Eltern vielleicht nicht immer optimal reagiert haben, ist es den meisten gelungen uns einige wichtige Erziehungsmöglichkeiten mitzugeben. Dies sind wichtige Bausteine auf denen wir aufbauen können.

Beziehen wir unsere Kinder bei der Meinungsbildung ihren Fähigkeiten entsprechend ein

Wenn wir voraussetzen, dass es keinen Sinn ergibt sich den neuen Medien zu widersetzten, bleibt nur der Weg,mit unseren Kindern zusammen die Herausforderungen anzunehmen und konstruktiv damit umzugehen. Unsere Kinder frühzeitig in den Meinungsbildungsprozess ein zu beziehen. Die Gestaltung des Alltagsleben, wozu natürlich der Umgang mit den neuen Medien gehört, verantwortungsvoll und durchaus im Sinne einer positiven Autorität mit ihnen zusammen anzugehen. Haben wir den Mut zu bestimmen auf welche Medien und vor allem auf welche Inhalte unsere Kinder zugriff haben.Auch wenn wir uns dabei wie Don Quijote fühlen

Schaffen wir Entschleunigungsoasen

Hartmut Rosa ein Soziologe der sich auch mit der Frage beschäftigt wie wir ein gutes Leben führen könnten, bringt in seinem Buch Beschleunigung und Entfremdung Entschleunigungsoasen ins Gespräch. Er beschreibt sie als Nischen die dem Druck nach schneller und mehr in immer kürzeren Zeitabständen standhalten könnten.

Im Elternhaus würde dies bedeuten den Alltag bewusst langsamer zu gestalten. Nicht von einer Veranstaltung zur anderen zu rennen. Kein Fernseher im Kinderzimmer. Dem Kind Zeit lassen um seine Hausaufgaben in seinem Tempo machen zu können. Miteinander Reden ohne das die Handys auf Empfang sind und wie die leibhaftige Drohung : Du verpasst etwas, wenn du dich nicht mit mir beschäftigst , auf dem Tisch liegen. Sammeln wir die Handy ab einem bestimmten Zeitpunkt doch einfach ein.Natürlich auch die Elternhandys.

Nicht gegen die Schule , sondern mit der Schule

In der Schule könnte dies bedeuten ganz gezielt dafür zu sorgen, dass der Schulalltag deutlich Stress freier gestaltet werden kann. Es wäre zum Beispiel eine Überlegung wert,ob die Schule nicht um 9.00 Uhr beginnen sollte. Es könnte darüber nachgedacht werden den Unterrichtskanon zu erneuern. Nötige Reformen an zupacken und diese dazu nutzen den Lehrplan an den Bedürfnissen der Schüler auszurichten. Bedürfnisse der Wirtschaft so zu berücksichtigen, dass sie in einer Form und Ausgestaltung in die Schule einfließen, bei der eine möglichst große Anzahl von Schülern einen Anreiz findet , im Rahmen von verschiedenen Leistungsmöglichkeiten, mit Freude und Neugierde in die Schule zu gehen. Dazu gehört auch Reformen wirken zu lassen und nicht nach einer Reform, die Reform der Reform einzuleiten.

Eine gewichtige Rolle spielen dabei die Lehrer. Sie sind die Fachleute vor Ort. Sie sind diejenigen die tagtäglich mit den Kinder in engem Kontakt stehen und von enormer Bedeutung für unsere Kinder sind. Sie verbringen neben den Eltern die meiste Zeit mit unseren Kindern. In manchen Situationen sind sie die einzigen zuverlässigen Erwachsenen die für Zuwendung und Grenzen sorgen. Nicht die Wirtschaft sorgt für diese Kinder, sondern es sind neben den Eltern die Lehrer. Es ist beschämend wie oft sie in diesem Bemühen alleine gelassen werden.

Ausstieg aus dem Optimierungswahn

Leistung zu bringen ist eine gute Sache. Gerade Kinder möchten im Regelfall zeigen was sie können. Die mit der eigenen Leistung verbundene Anerkennung stärkt ihr Selbstwertgefühl, fördert ihre Lernbereitschaft, ihr Können und hilft ihnen dabei sich selbst einzuschätzen. Allerdings sind wir auf dem Besten Weg unsere Kinder schon vom Mutterbauch an zurecht zu kneten. Erst soll es ein Wunschkind sein. Dann nimmt die Mutter Folsäure. Ist das Kind auf der Welt kommt Pekip. Dann der Musikgarten. Gefolgt vom Ergotherapeuten , welcher die Konzentrationsstörungen behebt. Im Kindergarten wird es auf 1 Klasse Grundschulstandard gebracht. In der Grundschule steht Kognition und das erreichen der Gymnasiumsreife ganz weit oben. Jetzt kommt die Stunde des Kieferorthopäden und der Zahnspangen.Endlich hat es dann die Schule hinter sich. Freund oder Freundin sehen optimal aus. Der Job (auch so ein Wort) bringt Geld . Den Wirtschaftlich Anforderungen werden wir gerecht. Endlich können wir uns etwas leisten. Nun ist der optimale Zeitpunkt für das Wunschkind gekommen. Willkommen im Optimierungsgarten. Wir wissen ja nun wie es geht. Also können wir im Tempo anziehen.

Wollten wir als Kind so leben? Möchten wir als Vater und Mutter so wahrgenommen werden? Haben wir den Mut uns diesem vermeintlichen Ideal kritisch zu nähern und uns bewusst davon abzusetzen. Legen wir den zehnten Erziehungsratgeber auf die Seite und lesen wir lieber Huckleberry Finn.

Lernen und Lerntempo:

Glaubt man den Versprechungen der Befürworter einer immer höheren virtuellen Vernetzung von Gesellschaft , Schule und Umwelt, dann soll dieser Fortschritt neben einem vereinfachten Lernen dazu führen , dass wir schneller und effektiver Lernen. Im Bezug auf das Lernen , stimmt dies leider nicht. Zwar können wir Lehrinhalte eventuell graphisch besser darstellen dadurch vielleicht sogar mehr " Input" anbieten, aber damit nur beschränkt die Aufnahmefähigkeit erhöhen. Das Volumen der Wahrnehmungsfähigkeit steigt nicht zwangsläufig mit der Zubereitung des Angebotes. Ähnlich sieht es mit dem versprochenen Zeitgewinn aus. Gerade zu zwangsläufig erhöht sich das „Angebot". Das Kind muss nicht weniger machen, es bekommt diese Zeit nicht zurück, sondern muss einfach mehr in der gleichen Zeit machen. Von zeitlicher Entlastung kann überhaupt keine Rede sein.

Fake News

Es wird so getan, als wäre dies eine neue Entwicklung. Das stimmt aber nicht. Es war schon immer so, dass man den im Internet verbreiteten Filmen, Meldungen, und Nachrichten mit einer gewissen Skepsis begegnen musste. Vermutlich hat die Menge zugenommen. Dramatisch ist die politische Dimension. Ob ganz normale Alltagsmeldungen,Berichte über Unglücke, oder Kriegsereignissen, sie wurden vermutlich oft manipuliert und gezielt zu Propagandazwecken hergestellt und verbreitet. Dabei wurden und werden jegliche Grenzen überschritten. Mobbing auf dem Pausenhof wird per Handy gezeigt. Die Isis zeigt die Enthauptung von Christen. Sexuelle Gewalt wird als politisches Mittel in Wort und Bild dargestellt. Amerikanische Luftangriffe sind eher ein Videospiel. Tote sind nicht zu sehen.Krieg,Gewalt,Tod, Mord bekommt man in Zeitlupe steril und ohne Blut serviert. Besonders hier geht es darum unsere Kinder aktiv zu schützen. Gehörtes und Gesehenes mit ihnen zu besprechen. Sie dabei zu begleiten dieses zu verarbeiten und einzuordnen. Und, selbstverständlich dafür zu sorgen, dass sie bestimmte Inhalte möglichst nicht zu sehen und zu hören bekommen.

Fördern wir die Medienkompetenz unserer Kinder

Kinder unter drei Jahren haben vor dem Fernseher nichts zu suchen. Schon gleich gar nicht alleine. Kinder zwischen drei und sechs Jahren eigentlich auch nicht. Jedoch muss realistischer Weise davon ausgegangen werden,dass dieser Personenkreis schon zu den regelmäßigen Konsumenten gehört. Ab 6 -12 Jahren erfolgt der regelmäßige Einstieg in den Gebrauch der Internetangebote. Etwa ab 12 Jahre sind die Kinder in alle möglichen Internet Angebote eingebunden. Schauen wir genau, was unsere Kinder anschauen. Seien wir dabei, wenn unsere Kinder fernsehen. Zeigen wir echtes Interesse an ihnen und ihrer Welt. Sprechen wir mit unseren Kindern über das Gesehene.

Suchen wir zusammen aus, was unsere Kinder sehen können. Sorgen wir dafür das menschenverachtende , Gewalt und Kinderpornographische Videos möglichst nicht zugänglich sind.

Benutzen wir die neuen Medien nicht als Belohner. Sie taugen nicht dafür. Sie untergraben lediglich unsere Erziehungskompetenz und was noch schlimmer ist,sie machen unsere Kinder emotional von sich abhängig. Kontrollieren wir Facebook und andere Foren die unsere Kinder besuchen. Sammeln wir das Handy Abends bei unter 16 Jährigen ein. Führen wir eine Handy freie Zeit ein.

Denken wir daran, nichts aber auch gar nichts,ersetzt die Zeit die wir mit unseren Kindern verbringen. Wir und unsere Kinder in einem echten und authentischen gegenseitigen Dialog miteinander, sind der wichtigste Pfeiler dafür, den Kontakt zueinander zu erhalten um eine immer komplexere Welt, die sehr schön und bereichernd sein kann, so zu gestalten , dass wir sie in der Form nützen können, dass sie unseren Bedürfnissen dient.

Literaturangabe:

Hartmut Rosa: Beschleunigung und Entfremdung Suhrkamp 5. Auflage 2016 S.48 folgende

ISBN: 978-3-518-58596-2

00:46 07.08.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Fritz Grau

Fritz Grau , Heilpädagoge und Familientherapeut(DGSF) Familie, Kindheit, Politik
Fritz Grau

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