Die weiße Fahne

Die letzten Konservativen Die Konservativen kapitulieren. Die Ehe für alle kommt unerwartet, nach zähem Ringen. Drum prüfe, wer sich politisch bindet.
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Und sie kommt doch. Die Union sacrée erweitert den heiligen Bund. Nachdem sich die Union jahrelang gegen die Ehe für alle, die Homoehe, sperrte, wird auch die letzte Festung der Konservativen fallen. Was ist passiert? Wo ist die Garnison geblieben?

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Jahrelang übten Grüne, Linke und SPD Druck aus, man müsse mit dem Zeitgeist gehen hieß es, es sei diskriminierend und unzeitgemäß eine solche Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu dulden. Die Partnerschaften von Homosexuellen seien Realität in diesem Lande und dieser müsse sich der Gesetzgeber anpassen. Anfang des Jahrtausends arbeitete dieser folgerichtig das Lebenspartnerschaftsgesetz aus und mit weiteren Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und diverser gesetzlicher Nivellierungen erreichte man eine faktische Gleichstellung von Lebenspartnerschaft und Ehe. Bis auf das vollständige Adoptionsrecht und die Etikette "Ehe", unterschied sich faktisch die tradierte Ehe von dem, überraschenderweise nicht so häufig Gebrauch gemachten, Institut der eingetragenen Lebenspartnerschaft, nicht. Mit diesem Status quo schienen sich die Parteien abgefunden zu haben, die eine Seite sicherte sich die Wählerstimmen, indem sie versprach bis zur endgültigen Gleichstellung und Bezeichnung als Ehe zu kämpfen, während die anderen ihren konservativen Wählern versprachen, dass der Ehebegriff nicht weiter angetastet werde. Umstritten und heiß war das Thema, und geriet, aufgrund der stürmischen Weltpolitik, unversehens in den Hintergrund.

Dieses Jahr ist ein Wahlkampfjahr und so geraten die üblichen Gepflogenheiten in Vergessenheit. Gerne werden im Hauruckverfahren noch einige umstrittene Gesetze durchgebracht. Was tut man nicht alles für die Stimmen der Wähler? Da werden schnell jahrelange Mantras und Parteiprogramme zur Makulatur, mit Grundsätzen gebrochen und ideologische Positionen auf dem Altar der Wählerstimmen geopfert. Wie weit darf das Anpassen an den Zeitgeist und an die Wähler gehen, und wann werden die eigenen, eisern verteidigten Positionen bis zur Unkenntlichkeit entstellt?

Als klassischer Konservativer wurde man früher von der CDU repräsentiert, wer gegen Homoehe und größere Migration, wer für Atomkraft und Wehrpflicht, wer für das dreigliedrige Schulsystem und für die klassische Familie war, der wusste wen er zu wählen hatte. Das Christliche war Charakteristikum, und der klassische Ehebegriff wurde schon seit dem frühen Mittelalter von der christlichen Kirche geformt und gefestigt. Der große, tradierte konservative Verteidigungsring brach langsam, meist unvorhergesehen, zusammen, es kapitulierten nach und nach die Festungskommandaten und die ehrwürdigen Bollwerke fielen für immer. Sukzessive und geordnet zogen sich die Konservativen zurück, es blieb ihnen zuletzt nur noch ihr Bergfried, das letzte Stück der konservativen Burg, welches sie noch verteidigten. Unter dem Einfluss des Wahljahres, und doch ohne nennenswerten Druck, hissten die Konservativen die weiße Fahne und gaben auch das letzte Überbleibsel klassisch-konservativer Politik auf.

Zweifelsohne, es gibt viele gute Argumente aufseiten der Befürworter der Ehe. Auch mit Rücksicht auf die Nachbarstaaten und die Mehrheit in der Bevölkerung, war es nur eine Frage der Zeit bis die Verteidiger ausgehungert werden würden. Doch es stellt sich folgende Frage: Mit dem Ende der klassisch-konservativen Politik verändert sich zwar die Rhetorik und die Wählerschaft einiger Parteien. Die Wähler verschwinden aber nicht und es existieren immer noch nennenswerte Teile der Wählerschaft, die konservativen Grundsätzen anhängen. Was wird aus diesen demokratisch gesinnten, konservativen Wählern, die von dieser, ungeheuer rasanten und dramatischen, Aufgabe überrascht werden?

Die Repräsentationslücke, die entstehen wird, tut der demokratischen Kultur nicht gut, das ist sicher.

23:32 28.06.2017
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