Flegel

Manches, was vom Tisch gefegt wird, findet sich unter dem Teppich wieder.
Flegel
RE: Und sie lohnt sich doch | 18.08.2019 | 19:42

Der große Sachverständige meldet sich wieder und wieder einmal, indem er das Material klaut, statt eigene Gedanken darzulegen.

Ach übrigens: Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen einer psychoanalytischen therapie und einer klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie? Edith Seifert hat ihn erklärt und auf die „didaktische Übung“ das Schweigen des Analytikers und die ihm auferlegten Gefühlsabstinenz hingewiesen, die »das lange, langsame Erzählen, das sich über Stunden, Wochen und Jahre dehnt…« ermöglichen.

RE: Und sie lohnt sich doch | 18.08.2019 | 19:25

Ihren Hinweis auf Stanislas Dehaene werte ich als Ihren Versuch eines Freud-Bashing, und ich frage mich, was das soll. Das, was hier im Blog bei einigen abläuft, sieht schon sehr nach einer Abrechnung auf der Übertragungsebene aus und hat mit Sachlichkeit nichts mehr zu tun. Projektion: Freud statt Vater!?

Jeder, der es wissen möchte, kann resp. konnte wissen, dass wir es bei Freud, auch Adler, nicht mit „Forschung“ zu tun haben, sondern mit deren Studien über Neurosen und Psychosen an entsprechend kranker Klientel, wie sie Freud und Adler im bürgerlichen Milieu Wiens eben betrieben, und wie Sie wissen, hat uns Freud auch kein geschlossenes Werk hinterlassen.

Nehmen Sie es doch einfach praktisch und fragen sich, ob Ihnen Freuds Interpretationen für Ihr Leben und dessen Detung „was bringen“. Ansonsten kann man sie auch kommentarlos beiseitelegen.

Dass es so viel Nachfrage nach der psychoanalytischen Couch gibt und Krankenkassen das Verfahren auch bezahlen, belegt Notwendigkeit und Legitimität dieser analytischen Form der Psychotherapie.

RE: Und sie lohnt sich doch | 18.08.2019 | 18:13

Zunächst einmal: Ich gehe von Annahmen aus und nicht etwa von empirisch fundierte Theorien. Und ich darf Ihnen sagen, dass ich mich in meinem Leben von vier Erklärungsmodellen habe leiten lassen.

...

Das war zum einen das Libidomodell des Herrn Freud im Sinne meiner Überzeugung, dass Libido einen energetischen Antrieb darstellt, auch und in dem Sinne, dass er noch die Farbwahl für das Auto beeinflusst – zumindest, wenn man menschliches Verhalten als Balzverhalten versteht. Das Thema Sexualität ist in unserem Alltag so gegenwärtig wie nie zuvor, schreibt gar den Quelltext des Boulevards.

...

Dann war da der Herr Adler mit seiner Individual-Psychologie, der Freuds Primat der Sexualität durch zwei behauptete Prinzipien abgelöste und ein universales Gefühl der Inferiorität postulierte: Erstens, so seine Annahme, entstehen im Menschen unausweichlich Minderwertigkeitsgefühle (auch Organminderwertigkeit), zweitens versucht der Mensch diese Minderwertigkeitsgefühle mit Hilfe seines Strebens nach Macht zu kompensieren. Dieses Machtstreben hat demzufolge kompensatorische Funktionen und ist kein ursprüngliches Bedürfnis, und kann - das ist meine Überzeugung - über seine Neurotisierung im Sinne einer Überkompensation für das Individuum und seine Umgebung im Extremfall regelrecht gefährlich werden. Außerdem betonte Adler den Finalitätscharakter menschlichen Handelns. Das heißt, das Handeln auf ein Ziel hin, diese Finalität menschlichen Handelns eben, ist dem Menschsein immanent und anthropologisch eine Grundbedingung menschlichen Daseins.

...

Und dann gab es da noch mit Herrn Schultz-Hencke einen weiteren wichtigen Vertreter der von Freud abweichenden psychoanalytischen Richtungen. Seine Anschauungen hat er umfassend und systematisch dargestellt und die empirisch fundierteste Theorie der Neopsychanalyse entwickelt. Er bezeichnete seine Ideen als ein „Amalgam aus Freud, Adler und Jung“. 1940 erschien sein Hauptwerk „Der gehemmte Mensch“, vom Autor als „Entwurf eines Lehrbuches der Neo-Psychoanalyse“ bezeichnet.

...

– Das alles hat mir schlicht und einfach gut gefallen und es wäre sicher interessant, analytisch zu hinterfragen, welche Ereignisse meiner eigenen Vita mich ausgerechnet zu diesen drei Schulen (in einer Reihe von anderen) führten. Darüber habe ich die anderen psychologischen Schulen vernachlässigt.

Interessant wurde es für mich erst wieder mit der Entwicklung der systemischen Familientherapie, die den Fokus auf das System Familie legte. Und erfreulicherweise gibt es auch eine psychoanalytisch orientierte Familientherapie, die in Deutschland u.a. durch Helm Stierlin vertreten wurde/wird.

Wir unterhalten uns hinsichtlich Freud und Adler nicht über „Forschung“, sondern über deren Studien über Neurosen und Psychosen an entsprechend kranker Klientel, wie sie Freud und Adler betrieben, und wie Sie wissen, hat uns Freud auch kein geschlossenes Werk hinterlassen.

Ob Freud »das, was einmal Psychoanalyse hätte werden können, … trivialisiert« hat, hat mich nie interessiert. Auch nicht, was daran »philiströs« ist. – Ich habe Ihre heftige Reaktion in diesem Blog ohnehin nicht verstanden.

Für mich war wichtig, ob ich mit den vorgenannten Modellen „etwas anfangen konnte“ oder nicht. Alle von mir aufgeführten psychotherapeutischen Schulen waren während der unterschiedlichsten Erwachsenen-Lebensphasen von mir unterschiedlich stark relevant.

RE: Und sie lohnt sich doch | 18.08.2019 | 12:06

Schön, dass wir bezüglich des energetischen Antriebs Libido einer Meinung sind!

RE: Und sie lohnt sich doch | 18.08.2019 | 10:58

»…,dass sie alle von einem Grundmotor "Libido" ausgehen, dessen Primat oder gar Bedeutung aber nicht genuin die Sexualität ist, sondern es zeitgeistig bei Freud WAR.«

Geben Sie sich keine Mühe, mit nem Drei-Zeiler werden auch sie das Lebenswerk Sigmund Freuds nicht adäquat würdigen können: Betrachten Sie die Libido doch ganz einfach als energetischen Antrieb, die letztlich sogar noch die Farbe Ihres Autos mitbestimmt.

RE: Opfern die USA eine kurdische Autonomie? | 18.08.2019 | 10:45

Sie wissen aber, dass Deutschland seit 2014 die Zielkoordinaten für die völkerrechtswidrigen Bombardierungen durch die internationale Allianz gegen den Islamischen Staat liefert, deren Gründungsmitglied sie gleichermaßen mit ist? Die Schweinereien dauern also schon ziemlich lange an. Schlimm nur, dass auch jetzt wieder Deutschlands oberster Chefdiplomat sozusagen konfliktverstärkend mitwirkt, so wie sein Genosse der Bosse das 1999 bereits in Jugoslawien völkerrechtswidrig hingekriegt hat.

RE: Basis ist Boss? | 18.08.2019 | 10:12

Der (Teil)Rückzug Sahra Wagenknechts aus dem politischen Geschäft der Partei DIE LINKE manifestiert ihre ganze Erbärmlichkeit. Das daraus entstandene offensichtliche Vakuum wird – jedenfalls bisher – von niemandem aufgefüllt. Es hätte für viele eine Chance sein können. Die urbanen Linken sind nichts anderes als suizidante Sozialdemokraten. Sie arbeiten an ihrem Untergang – nur haben sie es noch nicht gemerkt. Daran ändern auch die prognostizierten Zuläufe für DIE LINKE in Thüringen und die tatsächlichen Wahlergebnisse in Bremen nichts.

Zu Kristina Vogt aus Bremen war im Weser Kurier erfreulicherweise übrigens folgendes zu lesen:

»Die Linkspartei steht vor allem für soziale Gerechtigkeit, hat aber auch bei der Wirtschaftskompetenz aufgeholt. Das zeigte sich auch im Wahlkampf, als Kristina Vogt kürzlich mit drei Wirtschaftsprofessoren der Universität Bremen diskutierte. Da konnte sie souverän mithalten – ausgesprochen lösungsorientiert und wenig ideologielastig, wie die Wissenschaftler erstaunt resümierten.«

»…ausgesprochen lösungsorientiert und wenig ideologielastig.« So wünsche ich mir politische Parteien!!! Und pazifistisch, wie Sahra Wagenknecht und deren Sympathisanten!!!

Eine Urwahl (Basis ist Boss?), die hier isoliert thematisiert wird, würde essentiell überhaupt nichts verändern, solange die innerparteilichen Kriege weiter gepflegt werden.

Aber ich möchte in diesem Zusammenhang auf etwas aufmerksam machen, das in der Medienlandschaft in der Zwischenzeit habituell geworden ist. Die Medien sprechen bereits seit langer Zeit tagein tagaus ganz penetrant von Chefs, wenn sie von Vorsitzenden politischer Grupperungen sprechen. Herr Riexinger ist demzufolge Parteichef der Partei DIE LINKE, Katja Kipping entsprechend Parteichefin, AKK ist Chefin der CDU usw. – Und viele dieser Vorsitzenden verhalten sich auch gerne wie Chefs resp. Chefin.

RE: Und sie lohnt sich doch | 17.08.2019 | 18:12

Ergänzung:

Sie fragen im Grunde nach einer signifikanten Formel – und die gibt es nicht, zumal oftmals parallel zur Psychotherapie auch Pharmakotherapie zur Anwendung kommt.

RE: Und sie lohnt sich doch | 17.08.2019 | 17:19

»Es ist auch möglich, dass der Patient zwar davon profitiert, mit einer anderen Person zu sprechen, dass der "wissenschaftliche" Ansatz dabei aber keine Rolle spielt, und die Wirkung nur auf dem angenehmen Gefühl menschlicher Zuwendung basiert.«

...

Sehr richtig, doch auch ich hatte das Phänomen bereits angesprochen, als ich von der „Liebe auf den ersten Blick“ sprach. Es geht immer um Person und psychotherapeutische Methode, nicht um einen wie auch immer gearteten „wissenschaftlichen Ansatz“, der wirkt.

Und letztlich ist es völlig egal, was oder wer wirkt. Psychotherapie erfolgt nie im „luftlehren Raum“, sondern z. B. immer auch vor dem Hintergrund eines krankmachenden Umfeldes und in jedem Fall geht es um die Wechselwirkung zwischen Patient und seinem krankmachenden Umfeld. – Es geht im Endeffekt darum, diese interpersonale Beziehung seines Bezugsfeldes so zu verändern, dass der Patient auf seine neurotischen Symptome verzichten kann. Und das ist eine Gemeinschaftsleistung von Patienten und Therapeutin/Therapeuten. Das zu erreichen, bedienen sie sich verschiedener Methoden. Die Psychoanalyse ist durch die Zweierkonstellation und durch »das lange, langsame Erzählen, das sich über Stunden, Wochen und Jahre dehnt (…)« gekennzeichnet, während z. B. bei der systemischen Familientherapie das ganze System Familie gleichzeitig im Fokus steht. Die Grundannahme ist, dass Systeme unter bestimmten Rahmenbedingungen aus sich heraus selbstorganisiert neue Strukturen entwickeln, verändern und stabilisieren, wodurch es der identifizierten Symptomträgerin, dem identifizierten Symptomträger besser geht.

Ihre Sichtweise ist mir da zu rigide. Sie fragen im Grunde nach einer signifikanten Formel – und die gibt es nicht.

(Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, die Neurose zum entscheiden Lebenselement zu machen, so wie der politisch-mediale Komplex uns dieser Tage das beibringt – doch das wäre ein neues Fass.)

RE: Und sie lohnt sich doch | 17.08.2019 | 15:58

»Daß „gesund ist, wer sich gesund fühlt“, ist Quatsch. Es gilt umgekehrt „wer sich nicht gesund fühlt, ist es auch nicht“. Natürlich ist richtig, daß Gesundheit nicht ausreichend an objektiven Kriterien festgemacht werden kann, es geht dabei um das Zusammenspiel von objektiven und subjektiven Komponenten, die naturwissenschaftlich-objektivistische Sicht wird dem nicht gerecht.«

...

Genau so ist es und dazu möchte ich gerne eine kleine Anekdote anfügen: Mein Freund Franz, ausgestattet mit multiplen Krankheiten, pflegte auf Nachfrage immer darauf hinzuweisen, dass er von A bis Z so ziemlich alle Erkrankungen habe, um dann fortzusetzen: „Aber weißt du – das ist immer auch eine Frage der Definition.“ Meine Antwort war dann immer: „Weißt du, lieber Franz, dein Diabetes interessiert überhaupt nicht dafür, wie du sie bezeichnest. Sie wird ich umbringen.“ Und genau so ist es auch gekommen.