Flegel

Manches, was vom Tisch gefegt wird, findet sich unter dem Teppich wieder.
Flegel
RE: Neonationalismus: Schön, dass es ihn gibt | 14.11.2018 | 22:48

Guten Abend Brendan. Danke für Ihre sehr berechtigte Erwiderung. Natürlich konnte ich nicht alle Aspekte behandeln. Der Text ist schon lang genug.

Die Klientel, die Sie unter 1) beschreiben, macht es jenem Elite-Establishment, über das ich hier geschrieben habe, in der Tat leicht, ihre vordergründige Neonationalismus-Jagd zu betreiben. Das geht allerdings u. a. so weit, dass sie selbst Sahra Wagenknecht, die sicher nicht zu Ihrer Klientel, die Sie unter 1) benennen, gehört, bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit einer „rechten Gesinnung“ bezichtigen.

Aber diese Diskussion kommt besagtem Elite-Establishment bestens gelegen. – Parallel dazu schlagen die entsprechenden Damen und Herren aus Politik und Medien weiter ihre Pflöcke ein und verbreiten z. B. Macrons »Vision von der wahren europäischen Armee«.

Es gibt übrigens eine Entsprechung. Das ist die Diskussion über Migranten seit 2015. Das Elite-Establishment mit seinen entsprechenden Damen und Herren aus Politik und Medien drückten sie dem naiven Michel just in dem Moment aufs Auge, als Millionen Syrien-Flüchtlinge in Europa und Deutschland Aufnahme begehrten. Opfer also, die eben dieses Elite-Establishment zu Flüchtlingen gebombt hatten. Das Elite-Establishment aber tat so, als ginge es bevorzugt um, in Teilen auch kriminelle, Migranten aus Afrika. Es wurde nur noch über Abschiebung gesprochen. Europa machte derweil die Grenzen dicht.

Heute wird uns bei jeder Gelegenheit verharmlosend erklärt, die Anzahl an Migranten sei längst rückläufig: Natürlich – schließlich sind die Syrienflüchtlinge alle irgendwo untergekommen und der nächste (Iran?)Krieg wird gerade erst von ihnen angezettelt.

Diese Elite-Establishment-Clique manipuliert uns immer wieder mit Pseudodiskussionen, um ihre Interessen um jeden Preis durchzusetzen.

2) Zum Thema »„islamistische“ und andere Terroristen«, wie Sie es ausdrücken, habe ich meinen Zorn Bundespräsident Joachim Gauck gegenüber am 15. Juli 2016 in einer Email bereits Luft gemacht. Hier ein Auszug:

|| Als Bürger der Bundesrepublik Deutschland möchte ich Sie fragen, worin sich eigentlich die Gewalt- und Tötungshandlungen des IS von denen der „westlichen Wertegemeinschaft“, wie Sie gemeinhin zu sagen pflegen, unterscheiden? Doch allenfalls in ihren Dimensionen – jedenfalls nicht in ihrer Brutalität. Menschen verbrannten und verbrennen auch nach Bombenattacken des Westens bei lebendigem Leibe.

"Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der IS aus seinem Kerngebiet in Nahost heraus Aktivitäten in weiteren auswärtigen Gebieten plant oder versucht, sich in die Arbeit von dschihadistischen Gruppen vor Ort einzubringen", erklärte uns BND-Präsident Schindler im Interview mit SPIEGEL TV.

Und der Westen reibt sich die Augen, wundert und empört sich über Terroranschläge auf eigenem Territorium. Seine einzige und immerwährende Strategie heißt Eskalation der Gewaltspirale. Er verfügt ja über die gute verbrecherische Gewalt.

Was die Politiker in ihrer blinden Arroganz nicht wahrhaben wollen: Die Eigendynamik der Gewaltspirale hat ihnen längst alle Gestaltungsspielräume geraubt. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Politik, in der sie Krieg zur legitimen Ultima Ratio von Staaten hochstilisiert haben.

Wer den Terrorismus dieser Tage verjagen will, muss die Politiker dieser Tage verjagen, denn die sind die Hauptverursacher. Sie haben den Terror in Europa möglich gemacht. ||

»Kurz zu Putin:«

»Der seit 2011 tobende Krieg in Syrien hat hunderttausenden Menschen das Leben gekostet und einen wahren Exodus von Flüchtlingen verursacht. Aus geopolitischer Rivalität haben zuerst Katar und später auch Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate im Verbund mit Großbritannien, Frankreich und den USA einen der brutalsten Kriege der Neuzeit entfacht, der unter anderem zur Entstehung des sogenannten Islamischen Staates geführt hatte und zu einem Magneten für Dschihadisten jeglicher Couleur wurde. Auch Deutschland und die Türkei hatten einen nicht zu verleugnenden Anteil an der versuchten Zerstörung der arabischen Republik Syrien, bis der Iran und vor drei Jahren auch Russland der syrischen Regierung von Baschar al-Assad zu Hilfe eilten.« Das wissen wir von Zlatko Percinic.

Baschar al-Assad ist der legitime Präsident der rechtmäßigen Regierung der arabischen Republik Syrien. Über sein Schicksal darf daher nach allgemeinem westlichem Rechts-Verständnis lediglich das syrische Volk entscheiden.

Russland ist die einzige Nation, die für ihre Syrien-Intervention nach internationalem Recht über einen legalen Status verfügt, da es Schutzmacht dieser legalen Regierung Syriens ist.

Die Arabische Republik Syrien und Russland (auch Iran) führen dementsprechend einen Verteidigungskrieg auf syrischem Territorium.

Russland hat erst im September 2015 eingegriffen. Da hatte die Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat, bestehend aus nahezu 70 Nationen, bereits ein Jahr lang, nämlich seit September 2014, völkerrechtswidrig den souveränen Staat Syrien unter Bombenbeschuss genommen.

Die USA, die ursprünglich ausgezogen waren, um al-Qaida zu vernichteten, kollaborieren entgegen aller Ankündigungen jedoch in Wahrheit während der ganzen Zeit mit der Organisation, die sie des 9/11-Attentats bezichtigten. Erst Donald Trump hat die entsprechende CIA-Unterstützung beendet.

Die Elite-Establishment-Clique betreibt auch hier wieder Täuschung und Camouflage. Sie behauptet weiterhin, im Syrien habe ein Bürgerkrieg stattgefunden.

RE: Neonationalismus: Schön, dass es ihn gibt | 14.11.2018 | 13:19

Leo Ensel schreibt weiter:

»Nehmen wir den vorgestrigen Gedenktag zum Ende des I. Weltkriegs in Paris. Wer war da nicht alles unter den mehr als 70 anwesenden Staats- und Regierungschefs: Trump, Putin, Merkel, Macron, Erdogan, Netanjahu, Poroschenko ... Man stelle sich für einen Moment vor, die Anwesenden hätten spontan beschlossen, die Gedenkveranstaltung zu einer internationalen Sicherheitskonferenz umzufunktionieren. Sie hätte nicht mehr andachtsvoll über den vor hundert Jahren zu Ende gegangenen Krieg sinniert, sondern über die Lösung der gegenwärtigen und die Verhinderung künftiger Kriege gesprochen! Die Themen wären ihnen sicher so schnell nicht ausgegangen.

Unrealistisch? Weiß ich selber! Aber man wird ja noch träumen dürfen ...

Leider lief es etwas anders. Wenn es stimmen sollte, dass auf Wunsch von Macron ein intensiveres Gespräch zwischen Trump und Putin über die Zukunft des INF-Vertrags unterblieb, dann hat der französische Präsident die Chance auf eine etwas weniger unsichere Zukunft einer beeindruckenden Gedenkfeier, inklusive seiner Selbstinszenierung, geopfert. Daran ändert auch die Meldung von Trumps Pressesprecherin nichts, der amerikanische Präsident habe während des zweistündigen Mittagessens mit Putin, Merkel und Macron eine produktive Diskussion über, man höre und staune, den INF-Vertrag, das Atomabkommen mit dem Iran, den Handel und die Sanktionen geführt. „Zudem sei die Lage unter anderem in Syrien, Saudi-Arabien, Afghanistan, China und Nordkorea beredet worden.“«

RE: Neonationalismus: Schön, dass es ihn gibt | 14.11.2018 | 12:13

Im Kontext meines Blogs freut es mich, heute Morgen folgende Einschätzung zu lesen, eine Bewertung gesunden Menschenverstandes:

»Gedenkfeiern sind en vogue. Niemals gab es so viele, meist unter Anwesenheit höchster internationaler Politprominenz zelebrierte Gedenktage wie in den letzten vier Jahren. 6. Juni 2014: 70. Jahrestag des D-Day (Landung der alliierten Truppen in der Normandie); 1. September 2014: 65. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und Beginn des II. Weltkriegs; 28. Januar 2015: 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz; 8./9. Mai 2015: 70. Jahrestag des Endes des II. Weltkriegs in Europa und 11. November 2018: 100. Jahrestag des Endes des I. Weltkriegs.«

»Die Gedenktage beendeten weder den Krieg in der Ostukraine noch den in Syrien, in denen direkt oder indirekt sowohl der Westen als auch Russland kräftig mitmischen. In die Hochzeit der Gedenktage fielen die Aufrüstungen Polens und des Baltikums, die umfangreichsten Militärmanöver Russlands und der NATO seit Ende des Kalten Krieges, zahlreiche Critical Incidents zwischen NATO und Russland über der Baltischen See und anderswo sowie der Aufschwung ultrarechter Parteien in der Europäischen Union. Genau drei Wochen vor den Feierlichkeiten zum Ende des I. Weltkriegs verkündete Trump schließlich den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag.«

RE: Neonationalismus: Schön, dass es ihn gibt | 14.11.2018 | 10:12

Sowohl an Ihrem, wie auch an meinem Textbeitrag in diesem Blog wird die (ewige) Rollenverteilung deutlich.

Was der einen Angela Merkel und Jacob Augstein sind, ist dem anderen sein „w.putin“.

Ihr Reflex ist da eindeutig. Meiner in Übrigen auch, wenn das Thema Krieg einseitig präsentiert wird.

RE: Berlin ist nicht Weimar | 10.11.2018 | 18:04

Die Bundesrepublik braucht keine neuen Schlagwörter. Sie braucht auch keine demokratische "Gruppenpsychotherapie" Sie braucht eine bürgerinnen- und bürgerzentrierte Politik, eine Politik, die ein Gemeinwesen organisiert, das den Namen verdient.

Und in der Tat vermag ich hierfür keine politischen Kandidaten zu entdecken.

RE: Berlin ist nicht Weimar | 09.11.2018 | 19:45

Ergänzung:

Der vollmundige Weltkrieg 1 & 2-Laudator Frank-Walter Steinmeier ist immerhin Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, die aktuell in 14 Staaten in bewaffnete Konflikte eingebunden ist. Hier finden wir eine beschönigende Beschreibung dafür, wo wir überall Krieg führen (Auflistung hier).

RE: Berlin ist nicht Weimar | 09.11.2018 | 19:23

»Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem.« (Joachim Gauck)

Die Bundespräsidenten Deutschlands werden zumeist bemüht, dem Michel, der dem gepredigten „Zeitgeist“ im Wege steht, zu zeigen, wo es lang geht. Da wird ein Ruck gefordert, der durch Deutschland gehen muss, und die AGENDA 2010 wird gleich nachgeschoben.

Kriegerische Außenpolitik wird dann zu »unserer Beteiligung an der Konfliktbewältigung oder -eindämmung im ehemaligen Jugoslawien und in Afghanistan, der letztlich Teil einer transatlantischen Außenpolitik war« (Sigmar Gabriel), uminterpretiert.

Für die Legitimierung von Krieg muss der Michel gerüffelt werden: »Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.« (Joachim Gauck)

Bundespräsidenten als moralische Instanz – selbstverständlich nicht für die sogenannten Eliten.

Der Autor schreibt brav: Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier am heutigen Tage könnte ein ähnliches Schlüsseldokument zum deutschen Selbstverständnis werden.

»Wir beobachten ein wachsendes Unbehagen an der Parteiendemokratie, bis hinein in die Mitte unserer Gesellschaft. Wir erleben, wie manche die Parlamente gar nicht mehr als Orte für politische Lösungen ansehen wollen. Nicht alle diese Menschen sind Gegner der Demokratie – aber sie alle fehlen der Demokratie.«

Der »Schröder-Zögling und Agenda-Architekt« (SPIEGEL ONLINE) beklagt sich über ein „wachsendes Unbehagen an der Parteiendemokratie“. Hört, Hört.

Diese „Parteiendemokratie“ der letzten 20 Jahre in Deutschland gekennzeichnet durch die gleichgerichtete Politik des „Parteienkartells aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“, das in seiner Bilanz massiv Politik gegen den Michel betrieben hat – und zwar bis zum Erbrechen, selbst noch um den Preis des eigenen politischen Untergangs. Die Steinmeier-Partei SPD ist an diesbezüglicher Ignoranz kaum zu überbieten. Sie ist Liebesdiener vom Big Money, hat die Bevölkerung ganz gezielt bestohlen, hat ihre Arbeitseinkommen systematisch geschmälert, hat das Rentensystem bewusst zugunsten von BlackRock & Co. zerschlagen, hat der Gesamtbevölkerung die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent angehoben, die größte Steuererhöhung seit 1949.

Und sie haben das Geld den monetären Machthabern in den Hintern geschoben und sich an deren zerstörerischen Angriffskriegen beteiligt.

Von dieser „Parteiendemokratie“ haben die meisten Menschen die Schnauze voll – und hierzu kein Wort in Steinmeiers „Schlüsseldokument zum deutschen Selbstverständnis“. Kein bisschen systemische Situationsanalyse, was das alles mit der Spezies Politiker seines eigenen Schlages zu tun hat.

Er macht lieber „große Fliehkräfte, die an unserer Gesellschaft zerren“ dafür verantwortlich, „dass die Gräben tiefer werden“ – nicht die handfeste Politikergesinnung, die ganz überwiegend aus Geringschätzung des Staatsvolkes besteht.

Einen Bundespräsidenten alimentiert die Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig bis ans Lebensende mit ca. einer halben Million EURO pro Jahr. Das Geld kann man einsparen, indem man den Job ganz streicht und die repräsentativen Aufgaben dem Bundestagspräsidenten überträgt.