RE: „Es war die beste Zeit“ | 17.10.2020 | 14:03

Wieder ein Beitrag über die Achtzigerjahre.

Ich mache mir langsam Sorgen, dass der freitag zum Nostalgie-Blättchen für linke Alt-68er, -78er, -83er etc. wird. Die Redaktion sollte ein Auge auf die Häufigkeit solcher Beiträge haben.

Für jüngere freitag-Leser wie mich, die diese Zeiten nicht bewusst miterlebt haben, könnten historische Hintergrundberichte über Friedensbewegung, Umweltbewegung etc. lesenswert sein. Uninteressant finde ich dagegen nostalgische Lebensrückblicke von Mitgliedern der damaligen linken Szene ("Weisst du noch, wie wir damals...").

Umso mehr gilt das für eine Rückschau auf die "Lebensleistungen" westberliner Bohemiens der 80er - Leute, die von Stütze lebten, die es nicht fertig brachten, Verantwortung für eigene Kinder zu übernehmen und lieber "ganze Kindergärten abtrieben", und die in der Öffnung der Mauer mit Schrecken das Ende ihres Kreuzberger Miefs erblickten. Über derartige spätbundesrepublikanische Dekadenz sollte man den Mantel des Vergessens legen.

RE: Unten ohne | 21.08.2020 | 18:31

Corona macht's möglich! Bundesregierung fördert Risikogruppen mit Tiny Houses!

RE: Unten ohne | 21.08.2020 | 17:55

Schluss mit der Blutsaugermentalität!

Bundesverband der Vampire akzeptiert tarifvertragliche Regelung der Kaffeepause.

RE: Reite den Tiger | 08.08.2020 | 13:11

Was sie schreiben, stimmt sorgenvoll. Vielen Dank für Ihren persönlichen Einblick in die Denkweise der chinesischen Eliten.

RE: Unten ohne | 07.08.2020 | 19:12

Alternativer Vorschlag:

"Was wäre der Sommer ohne Eis am Stiel?"

RE: Unten ohne | 07.08.2020 | 19:06

Mein Vorschlag:

"Eis am Stiel"

RE: Rechte Hetze – nur für Klicks? | 06.08.2020 | 15:03

Man kann in den sozialen Medien linksextreme Gruppen "liken" und auf ihren Veranstaltungen Vorträge halten. Aber dann muss man damit rechnen, in der Öffentlichkeit nicht mehr als Wissenschaftler, sondern als Aktivist wahrgenommen zu werden. (Peinlich, wie Natascha Strobl sich auf Twitter ausheulte, weil das ORF sie eine "Aktivistin" nannte.)

Auch kann sich die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, wenn sie das Urteil eines unabhängigen Sachverständigen einholen will, an besagte Aktivistin wenden und sie in einem Fernsehbeitrag als Sachverständige vorstellen. Aber dann muss diese Redaktion sich öffentliche Kritik an ihrer Berichterstattung gefallen lassen. Und sie muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie noch die journalistische Sorgfaltspflicht und den Informationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erfüllt.

So einfach ist das.

Ich persönlich lese Don Alphonso nicht. Die Polemik und Selbstverliebtheit früherer Texte in seinem Blog missfiel mir. Aber nach der Lektüre des Beitrags von Frau Berendsen im "freitag" habe ich mir dann doch den inkriminierten Beitrag Don Alphonsos über Natascha Strobl vorgenommen. Und ich muss feststellen: Der Text ist ein Muster exzellenter journalistischer Medienkritik und durchweg sachlich gehalten. Der Autor, der hier in erster Linie nicht Natascha Strobl, sondern die "Panorama"-Berichterstattung über den Fall Marcel Bohnert kritisiert, belegt seine Kritik mit zahlreichen Quellen, die er allesamt verlinkt bzw. in den Text einbindet.

Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Frau Strobl erscheint auf diversen Veranstaltungsankündigungen der linksextremen Szene als Vortragende. In den Szene-Mitteilungen, die Don Alphonso gehoben hat, ist es schwarz auf weiß nachzulesen.

Gleichwohl wirft Frau Berendsen Don Alphonso vor, journalistische "Recherchestandards" verletzt zu haben. Inwiefern? Für diese Anschuldigung bleibt Frau Berendsen ihrerseits eine Begründung schuldig. Genauso wie für ihre Behauptung, dass Frau Strobl bei Veranstaltungen der linksextremen Szene nicht aufgetreten ist. Die von Don Alphonso ans Licht gebrachten Dokumente sagen etwas anderes.

Die Drohungen, denen Frau Strobl sich ausgesetzt sieht, müssen verurteilt werden. Hätte Frau Berendsen sich darauf konzentriert, die Mechanismen rechtsextremer Hetze im Netz zu analysieren, hätte sie möglicherweise einen lesenswerten, informativen Beitrag geschrieben. Stattdessen nimmt sie diese Hetze zum Anlass, berechtigte Kritik an der "Panorama"-Berichterstattung zu diskreditieren. Frau Berendsen, der die Problematik, auf die Don Alphonso hinweist, eingestandenermaßen "fast egal" ist, wählt mit einem untadeligen Stück journalistischer Medienkritik den falschen Anlass, um ihrer Wut auf den konservativen Blogger Luft zu machen.

RE: Der Schuss, der Moussa trifft | 03.08.2020 | 13:19

Camus' "Der Fremde", 1942 erschienen, war seinerzeit eine literarische Provokation sondergleichen. Und ist es noch.

Dem Autor wurden literarische Ehren zuteil, und sein Werk ist heute Schullektüre. (Deutsche Schüler haben den passé composé sicherlich nicht an "L'étranger" gelernt. Die Lektüre eignet sich frühestens für die gymnasiale Oberstufe, nicht für dreizehn-, vierzehnjährige Französischlerner.)

Aber der literarische Ruhm und die Kanonisierung als Schullektüre sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Der Fremde" noch heute ein verstörendes Buch ist. Von der unverminderten Sprengkraft des Texts zeugt auch Daouds "Gegendarstellung". Der Algerier knüpft damit an eine lange Reihe von Roman-Adaptionen an, zu denen der "Der Fremde" Schriftsteller der arabischen Welt herausgefordert hat.

Daouds "Gegendarstellung" muss vor dem Hintergrund aktueller Diskurse gelesen werden und nicht als Kritik an Camus. (Daoud selbst hat dies in Interviews hervorgehoben.) Camus ging es im "Fremden" ja nicht um eine realistische Beschreibung des Verhältnisses von Franzosen und Arabern in Algerien. Seine gleichnishafte Erzählung ist die Darstellung eines Menschen, der der Gesellschaft fremd ist, weil er "sich weigert zu lügen" (Camus). Ein Skandalon wie dieses geniale Werk philosophischer Dichtung ist Daouds Text nicht. Seine "Gegendarstellung" ist sicherlich ein lesenswerter literarischer Beitrag zu aktuellen postkolonialen und identitätspolitischen Debatten, der in Europa auf eine dafür sehr empfängliche Leserschaft trifft.

RE: Wir sind zu viele | 01.08.2020 | 00:43

Das Thema Schwangerschaftsabbruch ist ein weites Feld...

Was meine kleine Erzählung betrifft - nehmen Sie es locker. Ich habe mich da nur lustig gemacht über Antinatalisten, die glauben, ihrer gewollten Kinderlosigkeit mit scientistischen Argumenten die Gloriole moralischer Vorbildlichkeit anzuheften.

RE: Wir sind zu viele | 31.07.2020 | 23:10

Folgende Szene könnte sich dieser Tage an der Himmelspforte abspielen:

Ein Antinatalist und ein Physiker, gerade verstorben, klopfen an die Himmelspforte. Diese öffnet sich, und Petrus steht vor den beiden.

"Ihr begehrt Einlass ins Paradies?"

"Ja", antworten der Antinatalist und der Physiker.

"Weshalb sollte ich Euch hereinlassen?"

"Ich", antwortet der Physiker, "habe mein Leben gegeben, um ein Mädchen vor dem Tod zu bewahren. Ich sah sie auf dem Bahndamm stehen, sah den heranfahrenden Zug. Ich dachte noch "Newton! Ein ruhender Körper bewegt sich, wenn eine Kraft auf ihn wirkt!" und habe sie in letzter Sekunde von den Schienen gestoßen."

"Du hast großen Mut, große Opferbereitschaft bewiesen. Ich lasse Dich hin..."

"Das kann ich toppen!" mischt sich da der Antinatalist ein. "Ich habe das Leben meiner ungeborenen Kinder gegeben, um Afrika zu retten! Mit höherer Physik!"

"Wie das?"

"Nun, ich habe ausgerechnet, dass mein Verzicht auf Kinder den Anstieg der Ozeane, die Ausbreitung der Sahara und die weltweiten Müllberge um 0,00000000001 Zentimeter vermindern wird. Damit rette ich in fünfzig Jahren zwei Säugetier-, drei Vogel- und vier Insektenarten, zehn Hirtenstämme und vierzig Fischerdörfer. Ich sage nur: Butterfly-Effekt!"

"Du hast das Leben Deiner Kinder für 0,00000000001 Zentimeter gegeben? Bist Du dämlich?"

"Aber ich komme doch hinein, Petrus?"

"Nein. Verpiss Dich. Und nimm Deinen Aluhut mit."