RE: Niemand hilft Herrn D. | 01.10.2019 | 20:50

Ein schöner Nachruf. Herden erinnert an ein vergessenes DEFA-Kleinod und schafft es damit, Kunert als Autor der frühen DDR wieder nahe zu bringen.

RE: Meet my bear | 30.09.2019 | 11:41

Warum ist "Midsommar" ein "ziemlich eigenartiger" Film, wenn er doch angeblich nur in erwartbarer Weise Genrekonventionen ausbuchstabiert? Eine nachvollziehbare Erkärung bleibt uns der Kritiker schuldig.

Wer sich darauf freuen möchte, einen klug konstruierten Horrorfilm anzuschauen, der in atmosphärisch dichten Bildern erzählt ist, dem sei die lesenswerte Kritik von Jan Künemund auf SPON ans Herz gelegt.

RE: „Nicht über jedes Stöckchen springen“ | 13.08.2019 | 15:48

Frau Schutzbach möchte eine offene gesellschaftliche Debatte führen. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen. Etwas stutzig wird der bereitwillige Leser freilich, wenn festgelegt werden soll, welche Begriffe in einer solchen Debatte Verwendung finden und welche nicht. "Pluralismus" und "demographischer Wandel", so Schutzbach und Angele, sind okay. Super. Ein positiv konnotierter und ein neutraler Begriff für ein Phänomen, dass man in einer offenen Debatte auch kritisieren können dürfte. Und wer oder was wandelt sich denn hier? Um Gottes Willen, keine ethnischen oder kulturellen Kategorien wie "biodeutsch"! Das Substrat des "demographischen Wandels" - anscheinend soll darüber in unserer "offenen, vernünftigen" Debatte nicht geredet werden bzw. - in Ermangelung einer Begrifflichkeit - nicht geredet werden können.

Der Leser kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frau Schutzbach in Herrn Angele einen bereitwilligen Partner gefunden hat, um dasselbe Spiel zu spielen wie der NZZ-Redakteur. Das Spiel der vorgeblichen "Äquidistanz". Mit dem Unterschied, dass hier das "Framing" nicht dazu dient, Begriffe hoffähig zu machen, sondern aus der Debatte herauszuhalten.

Als Paradebeispiel dafür, dass Medien wie die NZZ unter dem Deckmantel einer "offenen, vernünftigen Debatte" rechtes Denken in die öffentliche Diskussion einbringen, nennt Schutzbach den Begriff "biodeutsch". Dabei offenbart die Soziologin eine bemerkenswerte Wissenslücke. Oder verschweigt sie wohlweislich, was jeder aufmerksame Zeitgenosse wissen könnte? Ein paar Minuten Internet-Recherche hätten zur Nachhilfe genügt. Der Begriff wurde in Zuwanderer-Communities geprägt, in abwertender Rede über Deutsche ohne Migrationshintergrund. Quasi als Synonym für "Kartoffel". Letzlich zeugt der Begriff von einer inländerfeindlichen Haltung unter Zuwanderern. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde "biodeutsch" bekannt, als der Grünen-Politiker Cem Özdemir den Ausdruck halb scherzhaft in einem Fernseh-Interview verwendete. Erst in der Folge wurde der Begriff auch von "rechten" Publizisten wie dem o. g. NZZ-Redakteur aufgegriffen, offenbar wie bei Frau Schutzbach in Unkenntnis der Begriffsgeschichte.

Eine offene Debatte? Herzlich gerne. Aber wer eine solche fordert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen: Er sollte in "Framing"-Diskussionen redlicherweise ALLE Fakten auf den Tisch legen und nicht versuchen, anderen die eigenen Begriffe zu diktieren.