Währungskrieg - Dänische Krone, EZB und QE

Währungskrieg Bereits seit mehreren Wochen prägen starke Käufe das Bild am Währungsmarkt rund um die Dänische Krone.
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Dänische Krone - Im Fokus der Spekulanten

Bereits seit mehreren Wochen prägen starke Käufe das Bild am Währungsmarkt rund um die Dänische Krone. Dabei ist die landeseigende Zentralbank bemüht die heimische Währung innerhalb der Bandbreite der Euro-Anbindung zu halten. Gegenwärtig sprechen die ökonomischen Rahmenbedingungen, wie jüngst von der OECD bestätigt, für eine gesunde dänische Volkswirtschaft, dennoch rechtfertigen diese den starken Aufwertungsdruck in keiner Weise.

Der Notenbankchef Rohde hat, neben der Ankündigung, das Wechselkursregime mit allen ihm zur Verfügung stehenden geldpolitischen Mitteln zu verteidigen, einiges aus seinem Arsenal bereits abgefeuert. Seit Wochen werden beispielsweise die Währungsreserven des Landes auf ein Rekordhoch hochgefahren.

Auch ist der Einlagensatz angepasst worden und liegt nun bei minus 0,75 Prozent. Ob die Maßnahmen ausreichend sind, um die in Kronen denominierten Aktiva der Hedgefonds noch ein wenig unattraktiver zu gestalten, dies dürften die kommenden Wochen sehr spannend demonstrieren. Laut einer Bloomberg-Quelle hat der Druck auf die dänische Währung an Impuls verloren, dennoch ruft die jüngste Vergangenheit das Bild der SNB und des Schweizer Franken in Erinnerung.

Staatsanleihen der Eurozone - Lehrreiche Übertreibungen

Einiges haben uns, neben der Entwicklung bei den Aktienmärkten, die niedrig rentierenden, vermeintlich sicheren Staatsanleihen aus der Eurozone bereits gelehrt: Übertreibungen an den globalen Finanzplätzen sind mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Die Flucht in den bis jetzt noch sicheren Hafen ist nicht zuletzt durch die Währungsturbulenzen der Emerging Markets ausgelöst worden.

Die darauf folgende schwächelnde globale Konjunkturentwicklung hat diese Flucht synergetisch mit der Ukraine-Krise weiter verschärft. Die extrem expansive EZB-Politik wird, zumindest statistisch kaschiert, den wirtschaftlichen Aufschwung im gemeinsamen europäischen Währungsraum weiter anschieben und die institutionellen Anleger auch weiterhin in die Euroanleihen hineinmanövrieren.

Zwar gibt es ab und zu kleine Dämpfer, wie bei der letzten Ausgabe von griechischen Geldmarktpapieren. Ein Volumen von rund 1,1375 Milliarden Euro, dazu eine Laufzeit von 26 Wochen, die erhoffte starke Überzeichnung blieb jedoch aus.

Die Rendite kletterte auf nun 2,97 Prozent, ohne die Beteiligung der griechischen Notenbank wäre es eine ziemlich traurige Angelegenheit geworden, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zahltags am kommenden Freitag, bei dem der griechische Staat 1,7 Milliarden Euro berappen muss, um die ausstehenden Schulden zu bedienen.

Zinssenkung der indischen Notenbank

Die indische Zentralbank war auch gestern eifrig bemüht ihrer Konjunktur den entscheidenden Impuls zu geben und lockerte, und dies bereits zum zweiten Mal dieses Jahr, ihre Geldpolitik. Immerhin sollte man fairerweise anmerken, dass man sich in Indien im Gegensatz zur Eurozone, zumindest den Anschein verleihen möchte, man strebe strukturelle Maßnahmen an.

Und was wäre da günstiger, als beispielsweise zusätzliche Infrastruktur-Investitionen anzukündigen? Worte kosten ja bekanntlich kein Geld oder: "Words are spoken to be broken." Die Richtung des Vermögenstransfers dürfte auch wenig überraschend ausfallen, der Leitindex Sensex begrüsste die Zinsentscheidung mit einem erstmaligen Sprung über die Schwelle von 30.000 Zählern. Die vearmte indische Landbevölkerung, die massenweise Sensex-Future-Kontrakte in Ihren Depots hortet, dürfte einen Freudensprung vollführt haben. Ironie Ende.

EZB und das QE-Programm - Hilfe für die europäische Schuldenproblematik?

Den Taktstock schwingende Europäische Zentralbank, welche sich laut einigen Ökonomen den "Moral Hazard"-Stempel mit der Akzeptanz von GIPS-Anleihen als Sicherheitshinterlegung bereits in der Vergangenheit aufgedrückt hat, hat mit der Ankündigung Ihres QE-Programms für eine zusätzliche globale Verstimmung unter den Zentralbanken gesorgt. Dabei dürfte die psychologische Wirkung des Programms schon längst verpufft sein, sprich die Effekte sind in dem schier endlosen europäischen Liquiditätsmeer bereits zum großen Teil eingepreist. Viele vergessen zudem, dass die EZB mit der Rücken zur Wand steht, sprich, die Handlungsoptionen sind im Rahmen des Pumpkapitalismus extrem eingeschränkt.

Die aktuelle Euroschwäche wird vermutlich noch ein wenig weiter andauern, bis vorübergehende Vernunft bei den Kapitalmarktteilnehmern einkehrt ist. Die QE-Lancierungen der Vergangenheit haben mehr oder weniger immer ein quantitativ typisches Muster ausgewiesen, was man kurz so zusammenfassen könnte:"Übertreibungen, im Gesamtrahmen betrachtet, bis zum Exzess, dann langandauernde Konsolidierung." Ohne ernst gemeinte strukturelle Maßnahmen werden jegliche geldpolitische Zielsetzungen zum Scheitern verurteilt sein und der Eurozone lediglich etwas Zeit verschaffen.

Bereits jetzt beläuft sich beispielsweise das Volumen der griechischen Kapitalflucht auf Unsummen, die denen von 2008 gleichen. Das wiederum verwirft die Meinung der Mainstream-Medien, wonach Griechenland langsam wieder gesundet. Dabei ist eines, nicht zuletzt durch die jüngsten Verwerfungen zwischen Tsipras und Merkel, so evident wie noch nie zuvor: Die europäische Schuldenproblematik wird noch die kommenden europäischen Generationen verfolgen.

Dieser Marktkommentar stellt ein Exzerpt dar. Der komplette Bericht sowie weitere Publikationen können im unabhängigen Wirtschaftsblog gesichtet werden.

17:09 09.03.2015
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Geschrieben von

smartest-finance

Studierter Volkswirt, gegen den Wahnsinn des Pumpkapitalismus. Mag Theater, Literatur, Kunst. Impressum: https://goo.gl/PZcBPX
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