Über Sinn und Unsinn des Adrenalinspiegels

Semesterstart Der Start ins neue Unisemester ist für unsere Autorin immer wieder ein Erlebnis. In guten wie in schlechten Tagen.
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Ich liebe den ersten Unitag im neuen Semester. Gute Vorsätze en masse liegen schlafend in der S-Bahn Richtung Potsdam und Uni. Ich mittendrin, es ist halbacht Uhr morgens.

Als ich im angegebenen Semminarraum ankomme, ist er leer. Haha, meine Vorsätze sind gerade den Fahrstuhlschacht gesprungen! Seminarplan lesen gehört laut CV eigentlich zu meinen Hard Skills, aber heute wohl eher doch nicht. Die Veranstaltung startet erst nächste Woche und mein nächstes Seminar beginnt um 14 Uhr, also in ziemlich genau sechs Stunden.

Jupp, ihr habt richtig geraten. Sofort umgedreht und wieder zurück in die S-Bahn. Mein innerer Motivationstrainer zieht seine aufgesetzte Redeshow ab, von wegen "mal rausgekommen am frühen Morgen und ein bisschen frische Luft schnappen". Ich lasse ihn labern.

Als ich merke, dass mir gerade die S-Bahn Richtung Berlin vor der Nase wegfahren will, fange ich an zu rennen. Der frischgekaufte Frustkaffee in meiner Hand schwappert über den Becherrand und läuft heiß über meine Faust. "Aufhören!", schreien die hitzeempfindlichen Nervenzellen in meiner Hand. "Weiterrennen!", schreien alle anderen Zellen meines Körpers, die schon beim Gedanken daran, zehn Minuten beim Warten auf dem kalten S-Bahnsteig ausharren zu müssen, anfangen zu bibbern.

Die Kälteempfindlichen gewinnen das Match und schnaufend erreiche ich in letzter Sekunde die Bahn. Nur um mit einem Blick aus dem Fenster festzustellen, dass auf dem Gleis, von dem ich gerade komme, justament eine Regionalbahn Richtung Berlin einfährt, die natürlich viel weniger Zeit als die S-Bahn benötigt.

Ängstlich verstummt der Motivationstrainer in meinem Gehirn für einen Augenblick und schielt Richtung Wutpegel. Schon fängt er in seinem Plastikanzug zu schwitzen an, aber ich...bleibe ganz gelassen. Ich staune über mich selbst, aber ich bin wohl noch zu müde zum Ausrasten.

Morgen früh hab ich nochmal um acht Uhr früh Uni, diesmal wirklich. Das Seminar findet definitiv statt - meine Google Skills haben mir beim Nachschauen geholfen!

P.S.: Zum Nachmittagsseminar kam ich zwanzig Minuten zu spät. Grund war ein Feuerwehreinsatz in der U-Bahn, der mich dazu zwang, den Bus zu nehmen. Der braucht für die zwei Stationen bis zum Zoologischen Garten zwanzig anstatt fünf Minuten. Und wieder fand ich keine Motivation, mich richtig aufzuregen; ich hatte die komplette Fahrt alle Hände voll damit zu tun, meinen inneren Motivationstrainer aus seinem Schreckkoma wiederzubeleben.

12:36 29.10.2015
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Geschrieben von

fräuleinpanzer

Jungjournalistin in Berlin/schreibt für den Tagesspiegel-Jugendblog/dreht Beiträge für Xen.On TV/Studentin Master Politikwissenschaft
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