Was koste ich im Internet?...8000 Mark!

Was kosten deine Daten? Wer immer noch glaubt, im Internet sei alles kostenlos, wo nicht explizit ein Preisschild draufklebt, ist naiv. Gedanken zu unserem neuen Zahlungsmittel: Daten.
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Es schwirren ja immer mal wieder "Experten"-meinungen durch den Kosmos, dass man nur das Bargeld abschaffen müsste und sich damit das gesamte Problem des Schwarzgeldes in all seinen Facetten auf einen Schlag lösen würde. Haha, rein theoretisch ist das bestimmt eine prima Idee - wie eben viele Ideen rein theoretisch super funktionieren.

Vielleicht hat Edward Snowden ja meinem paranoiden Ich mit seinen Enthüllungen zum Durchbruch geholfen, aber ich finde die Vorstellung, dass Bargeld anonym ist und auch bleibt, sehr wichtig. Auch wenn diesen Fakt natürlich die gesamte kriminelle Unterwelt genauso interessant findet, glaube ich vor allem nicht daran, dass man dieses Problem einfach so mit der Abschaffung von Bargeld lösen könnte.

Was ich allerdings glaube, ist, dass uns Menschen unsere Bequemlichkeit hinsichtich des eigenen Datenschutzes schon längst furchtbar auf die Füße fällt. Die Erkenntnis ist vielleicht auch schon ein alter Hut - aber: All diese tollen Vergünstigungen, Vereinfachungen beim Bezahlen, Versand, und wo auch immer und all die "kostenlosen" Anwendungen im Internet bezahlen wir mit einer globalen Währung: Unseren Daten. Theoretisch weiß das auch jeder halbwegs vernünftige Internetuser, aber trotzdem glauben wir immer noch daran, dass Rabattkarten und personalisierte Werbung irgendwie geil, weil praktisch und schön "kostenlos" sind.

Vor zwei Tagen habe ich das Gespräch zweier Kollegen mitangehört und dabei vertrat die Eine tatsächlich die Meinung, dass doch noch irgendwann die Zeit käme, in der Facebook kostenpflichtig werden würde. Sie argumentierte damit, dass es uns jetzt erst mit all seinen Features locken will und später dann die Paywall käme. Und diese Angst scheint verbreitet zu sein: Facebook wirbt seit Ewigkeiten auf seiner Startseite damit, dass es "kostenlos sei und kostenlos bleibe". Wie können Menschen denn ernsthaft glauben, dass Facebook diese wunderbare, weltweite Werbeplattform und Personenstatistik über persönliche Vorlieben und Nutzerverhalten preisgibt zum Preis einer offen kommunizierten Paywall?

Verschiedene Plattformen versuchen ja mittlerweile, die verzogene Onlinecommunity dazu zu bewegen, auch für Onlinejournalismus Geld auszugeben. Eine Möglichkeit ist das Modell, dass der Leser den Artikel erst kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommt und danach entscheiden kann, ob er dafür etwas bezahlen möchte (Ich habe davon bisher nur gelesen, aber bestimmt gibt es Schranken, die permanente Zahlungsverweigerer auf Dauer einschränken).

Das Prinzip bei Facebook und allen Anderen ist ähnlich, nur dass es subtiler und bereits viel besser funktioniert: Zuerst bekommst du suggeriert, das sei ein kostenloses Angebot. Du nutzt es und findest es toll und empfiehlst es deinen Freunden weiter. Bezahlen musst du langsam, aber stetig: Mit deinen persönlichen Daten, mit deinem Nutzerverhalten, und so weiter. Hinzukommend wirst du höchstwahrscheinlich Seiten liken von Dingen, die du interessant findest und du dort erwerben kannst. Oder du klickst Werbung an. Oder du lieferst mit deinem Nutzerverhalten das perfekte Personenprofil für eine Firma, die dieses von Facebook abkauft und dir damit Werbung genau "nach deinen Bedürfnissen" anzeigt, damit sich die Chance nochmal erhöht, dass du etwas kaufst. Und natürlich schlussendlich bezahlst. Denn auch wenn deine Oma vielleicht noch keine von der facebookaffinen Sorte ist (es gibt ja schon Einige), dann hat ihr alter Spruch auch heute noch genauso viel Aktualität: "Nichts ist umsonst im Leben. Außer der Tod, und der kostet's Leben."

Versteht mich nicht falsch, ich stehe Social Media nicht ablehnend, sondern bestenfalls "kritisch" gegenüber. Ich nutze es selbst ausgiebig privat und lasse mir nach bestem Gutdünken von A bis Z maßgeschneiderte Werbung und Krimskrams andrehen.

Aber es ist vielleicht nicht ganz schlecht, folgendes dabei immer im Hinterkopf zu bewahren: Der Grund dafür, dass mittlerweile jedes Autohaus aus Hinterpforzingen eine Facebookseite oder andere Social-Media-Kanäle betreibt, ist keineswegs ein sozialer. Denn: Social Media ist nicht und war nie etwas anderes als ein Marketinginstrument mit dem einen Ziel: Geld zu verdienen.

12:36 29.10.2015
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Geschrieben von

fräuleinpanzer

Jungjournalistin in Berlin/schreibt für den Tagesspiegel-Jugendblog/dreht Beiträge für Xen.On TV/Studentin Master Politikwissenschaft
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