"Klimawandel?! Was interessiert mich der Klimawandel?!"

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Professor Doktor Gerhard Schulze verbreitete in der WELT seine bescheidene Meinung zum Klimawandel (>>). Er war Soziologe. Damit mochte er gut aufgestellt sein, um etwas über die Gesellschaft zu sagen. Der Klimawandel hingegen gehörte vermutlich nicht zu seinen Kernkompetenzen. Das war erstmal nicht schlimm. Ich war ja auch nur ein Psychologe und kein Klimaforscher. Ernst wurde es erst dann, wenn man mit seinem legitimen Nichtwissen nicht umzugehen wusste – und in dieser Kategorie war Herr Schulze ein Musterbeispiel, Doktor hin und Professor her. Tatsächlich war der Artikel in der WELT so schlecht, dass ich ihn hier mit Freude sezieren wollte als Beispiel für unlauteren Journalismus und, nein, nicht schlechte Wissenschaft, sondern absolute Unwissenschaftlichkeit per se. Schade drum. Von einem Professor für Empirische Sozialforschung sollte man Besseres erwarten können. Aber sei’s drum. Man sollte, bei Licht besehen, auch von Bundeskanzlern und gewählten Volksvertretern Besseres erwarten können. Man tat’s aber nicht mehr, und man hatte seine Gründe.

Herr Schulze begann mit einer großen Gesamtschau:

In den Gewässern Europas kann man unbesorgt baden, verspricht der Badegewässerbericht der Europäischen Kommission von 2007. In der ehemaligen Chemiekloake Bitterfeld trifft man auf Erholung suchende Touristen. Sogar im Ruhrgebiet hat die Luft beste Kurortqualität. Das Waldsterben ist ausgeblieben. Die Sahara dehnt sich nicht mehr aus, an ihren Rändern wachsen neue Bäume, die Wüste ergrünt. Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.

Leider hatte das erstere mit dem letzteren nichts zu tun. Garnichts. Die Gewässerqualität Europas hing nicht an einer Erwärmung, sondern an Kläranlagen, am Umweltschutz also. Gleiches galt für Bitterfelder und ruhrgebietliche Erholungsluft und das Ausbleiben des Waldsterbens. Hier waren es der Niedergang der Stahl- bzw. Chemieindustrie und die Einführung des Katalysators, aber nicht die globale Erwärmung. Die Sahara dehnte sich übrigens noch immer aus. Und die Bäume, die dort dennoch wuchsen, wuchsen nicht aus einer Laune der Natur und weil es dort so schön warm war, sondern weil die Menschen dort versuchten, der fortschreitenden Desertifikation Einhalt zu gebieten (>>). Sie waren von Menschen gepflanzt, diese Bäume, nicht vom guten Wetter.
Nach all d
iesen falschen Pseudobeispielen, die seine folgende Aussage stützen sollten, dies aber nicht taten, schloss Herr Schulze (für die bessere Wirkung hier wiederholt) mit den Worten:

Es ist etwas wärmer geworden auf der Welt, und das ist auch gut so! Warmzeiten waren erdgeschichtlich immer gute Zeiten: Reiche Ernten, Artenvielfalt, mehr Fortschritt und ein leichteres Leben für alle.

Genau, richtig doch! Einen Platz an der Sonne für jeden! Wen interessierten schon die klimatischen Folgen für Ernten in Indien und China oder irgendwo in Afrika! Please! Hier gab es ja genug zu essen und zu trinken. Sonnenschein und ein kühles Bier, so mochte auch der Herr Soziologe seinen Sommer am liebsten! Aber weiter im Text.

[Fortsetzung auf www.manwithahorn.de: (>>)]

23:50 08.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Frank Powers

Left-leaning, thinking himself, pointing out the obvious. Wish more people would do that.
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