Aktueller Bericht aus dem Paradies

Flüchtlinge Untragbare Zustände im Steuerflüchtlingslager
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Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht an den Gestaden der traditionell ungenannt sein wollenden Karibikinsel eine deutlich überbelegte Luxusyacht einläuft. Die Steuerflüchtlingsströme reißen nicht ab, seit in vielen Ländern Pläne einer Reichensteuer Panik verbreiten.

„Wir haben eine Woche gedurstet, keinen Champagner, nix!“, klagt eine angeschlagen wirkende Millionärsgattin. Wie viele andere Flüchtlinge kam sie auf einem ausgebuchten Kreuzfahrtschiff an, auf der so genannten Ball-Kahn-Route.

Im Hafen von *** erhält der Begriff “Anleger” eine ganz neue Bedeutung.

Der karibische Inselstaat weiß kaum noch, wie er die vielen Steuerflüchtlinge unterbringen soll. Partyzelte schaffen nur kurzzeitige Entspannung. „Was wir brauchen,“ sagt ein Sprecher der Hilfsorganisation „Steuerberater ohne Grenzen“, „sind Strandvillen und Lofts. Viele der einfachen Notunterkünfte haben nicht einmal einen Safe. Das ist keine Willkommenskultur!“

Der kleine Inselstaat ist dem Ansturm von Steuerflüchtlingen kaum gewachsen. „Wir schaffen das!“, hatte zwar volltönend der Präsident verkündet, aber mittlerweile kippt die Stimmung in der Bevölkerung. Viele halten Steuerflüchtlinge für nicht integrierbar oder integrationswillig. Mit Sorge betrachtet man den Zulauf zu radikalen Anlageberatern, die unverblümt zum „Eiligen Kriegen“ aufrufen.

Hat man anfangs die großzügigen Schmier- und Trinkgelder genossen, hört man nun Klagen wie „Die nehmen uns das ganze WLAN weg!“ oder sogar „Die sind doch alle kriminell!“ Geschürt werden Ängste, dass Steuerflüchtlinge Krankheiten einschleppen wie das Burnoutsyndrom oder die Fettleber. Auch befürchten die wenigen pünktlichen Steuerzahler auf der Insel den Untergang ihrer Ehrlichkeitskultur.

Bis jetzt sind es nur wenige, die sich jeden Montag zur Kundgebung der Pigüda (Patriotische Insulaner gegen die Überschwemmung des Abendstrandes) versammeln. Dort skandieren sie Sprechchöre wie „Wir sind nicht das Sozialamt der Millionäre!“ oder auch mal: „Lügenbanken! Lügenbanken!“

Die Regierung antwortete bislang mit einer Aktualisierung der Liste sicherer Herkunftsländer. Neben Liechtenstein und der Schweiz wird dort neuerdings auch Deutschland aufgeführt. Der Einwand, dass die Höhe der deutschen Einkommenssteuer ein akzeptabler Fluchtgrund sei, weist besonders vehement der kleine Koalitionspartner auf der Insel, die Voodoo-Soziale Union, zurück. Man könne in der Karibik nicht die Krisen der Welt lösen. Steuerflüchtlinge müssten auf der Insel bleiben, auf der sie zuerst ankommen, und sei sie einpalmig. Ein Erbennachzug sei abzulehnen. Unter den Steuerflüchtlingen würden sich außerdem Armutsflüchtlinge verbergen, die in einem Steuerparadies nichts zu suchen haben.

Im letzten Punkt zumindest soll breite Einigkeit herrschen.

10:38 27.11.2015
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Geschrieben von

Frank R

Frank Rawel, * 1957 Asyl dem flüchtigen Wort
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