Frank Fehlberg

Historiker und Sozialwissenschaftler
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Frank Fehlberg
RE: Von wegen Alternative | 21.05.2019 | 22:36

Guter analytischer Beitrag! Letztlich ist die AfD einer der reaktionären Flügel der "Alternativlosigkeit", die sie vorgibt zu bekämpfen.

Mehr zur Ideen- und Politikgeschichte des ganz sicher nicht neuen "ökonomistischen" Gesellschaftsbildes:

Die Geschichte der 'Alternativlosigkeit'

"Im Jahrhundert der Aufklärung begann die Professionalisierung der Volkswirtschaftslehre. Ihre Vertreter in England verfolgten um das Jahr 1800 das Ziel, die Armenfürsorge durch eine Sozialmoral der Naturgesetze abzulösen. Eine Betrachtung ihrer Argumente und deren historisch durchschlagenden Erfolgs."

Teil 1

Teil 2

RE: Demokratie ist nicht genug | 06.01.2018 | 18:22

Danke für die Kommentare ^^.

Ein gesellschaftliches und chancenreiches SD-Projekt kann eben z.B. nicht (mehr!) „SPDerneuern“ heißen. Auch wenn nun mit dieser offiziellen SPD-Formel gekennzeichnete Kampagnenartikel beim freitag erscheinen.

Wozu „liberale“ und „demokratische“ Einstellungen ohne soziales Selbstverständnis führen, hat die Demokratisch-Liberale Partei in Rumänien eindrücklich gezeigt. Der bis 2012 verantwortliche Premier und heutige erneute Bürgermeister von Klausenburg (Cluj-Napoca/Kolozsvár), Emil Boc, war dort für eine radikale Arbeitsmarktpolitik ähnlich der Agenda2010 verantwortlich. Die rumänischen Entwicklungen scheinen bisher nur theoretische Befürchtungen zu bestätigen: Wie der Mindestlohn durch „Arbeitsmarktflexibilisierung“ und Demontage der Tarifvertragsordnung nicht mehr nur das Existenzminimum darstellt, sondern – über einen betroffenen Lohnabhängigenanteil von mehr als 30 % – zunehmend die Richtung in der allgemeinen Lohnentwicklung vorgibt.

Sozial ist da nur noch der Darwinismus...

RE: Die Metaphysik der ökonomischen Taliban | 20.07.2015 | 18:50

Verblüffend ;)

http://iley.de/?pageID=20000000&article=00001708

RE: Wem gehört die Fabrik? Uns! | 01.12.2014 | 19:48

Ein „na endlich“ entfährt mir nicht. Es war eine Frage der Zeit, bis sich die Marx’sche Grundsatzkritik der Lohnarbeit wieder Bahn bricht. Verständlich ist das, verwunderlich ist es angesichts der weltweit zunehmenden Krisenerscheinungen nicht. Ob das von Marx geprägte revolutionäre Bild von der „kapitalistischen Produktionsweise“ allerdings bekömmlichere Früchte hervorbringt als „das letzte Mal“, ist unwahrscheinlich.

Patrick Späts Artikel wirkt wie ein marxistisch-syndikalistisches „Empört euch!“. Eingängige Forderungen werden mit beinharter Rhetorik gekreuzt, allein es fehlt der Plan. „Dabei muss es heute darum gehen, Utopien wieder Wirklichkeit werden zu lassen. […] Man muss es nur wollen.“ Eine Utopie kann per definitionem niemals Wirklichkeit werden. Das von Spät hier und da benutzte „wieder“ fällt auch hier ins Auge. An welche Versuche, Utopien Wirklichkeit werden zu lassen, will er anknüpfen? Egal an welche, er wird Keller voller Leichen finden. Nicht eine Utopie kann unmittelbar praktisches Handeln vorgeben, sondern die Weiterentwicklung des Gegebenen.

Spät übernimmt die Forderung „Nieder mit dem Lohnsystem!“ und hofft sie auf dem Weg der gewerkschaftlichen Aneignung der Produktionsmittel zu erreichen. Wenn aber der Geschäftsführer der Genossenschaftsfabrik keinen Gewinn, sondern nur seinen gerechten Anteil bekommt, so bleibt er doch wie alle seine Genossen ein Mitarbeiter, der nach Fertigstellung des genossenschaftlichen Produkts entlohnt wird. Nicht nur, dass das Lohnsystem als durch Mitarbeit gekennzeichnetes Produktanteilsystem so schnell nicht abzuschaffen ist. Ohne eine zentrale gesellschaftsorganisatorische Instanz besteht die Gefahr, dass letztlich gegnerische Produktionsgemeinschaften – dem nun genossenschaftlich gewandelten „Profitstreben“ verhaftet – aufeinandertreffen. Solange ein hoher Grad an Arbeitsteilung zur Herstellung des Sozialprodukts (!) vorhanden ist, solange wird es ein Anteilsystem zur Vergeltung der Beteiligten und einen Staat geben müssen, der ein Auge auf die Verteilung hat.

RE: Beamte in Uniform | 07.10.2014 | 18:00

Der Artikel ist ein glänzender Ausdruck völliger Ahnungslosigkeit, herzlichen Glückwunsch!

Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Diese Ignoranz ist mit der erschütternden Ahnungslosigkeit zu vergleichen, mit der sogenannte „white-collar workers“ in grenzenloser Verkennung ihres von aller Welt hergestellten materiellen Wohlstandes meinen, sämtliche Arbeiten werden heute vom Schreibtisch aus erledigt.

Ich denke, mit dem Begriff der Arbeitnehmerarmee ist die Problemlage der Bundeswehr besser umschrieben. Sie wird „gemanagt“ wie ein „Riesenkonzern“ (Zitat Ursula von der Leyen). Teilbereiche außerhalb der „Kernkompetenz“ werden fortgesetzt ausgelagert, ihre Freiwilligen – wohl eher Angestellten – werden für die Politik wie für die öffentliche Meinung zu Arbeitnehmern wie andere auch. Das Problem ist also nicht zu viel Beamtentum, sondern zu wenig staatsbürgerliches Bewusstsein.

Der kapitalistisch logische nächste Schritt ist die Auslagerung auch der „Kernkompetenzen“. Mitten in der sogenannten „Ukraine-Krise“ fliegt die Volga-Dnepr Airlines aus Russland für die deutsche Armee Kriegs- und sonstiges Material in die ganze Welt. Ein in Leipzig agierendes Tochterunternehmen stellt seit 2006 die Strategic Airlift Interim Solution (SALIS), die von der NATO aufgrund mangelnder Transportkapazitäten (u.a. Airbus A400M-Problem) einiger Mitgliederländer eingerichtet wurde. Die gute Nachricht: So schlecht können die Beziehungen zu „Putins Russland“ doch gar nicht sein. Die schlechte: Ein privates Unternehmen ist der Flaschenhals, durch den die Bundeswehr einen Gutteil ihrer „internationalen Verantwortung“ abwickelt.

Mit der Bundeswehr lässt sich eben gutes Geld verdienen. Je unfähiger ihr „Management“, je dramatischer ihre Ausrüstungslage wird, desto mehr wird sie in die Hände derjenigen fallen, die mit Konflikten und Kriegen ihre Profite maximieren wollen. Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein wichtiger Meilenstein dieser Privatisierungs- und Verselbstständigungstendenz. Wir haben keine Staatsbürger in Uniform mehr, sondern Manager und weisungsgebundene Angestellte. Nicht die Friedenserhaltung, sondern der "Einsatz" und damit oft genug der bewaffnete Konflikt als solcher wird zu ihrem natürlichen Interesse, da sie nur noch aus ihm ihre Daseinsberechtigung ziehen.

RE: Der Zweite Weltkrieg | 22.09.2014 | 19:05

Danke für Ihre gute Rezension.

Wie Sie richtig bemerken, hat Beevor keine neuen Fakten auf den Tisch gelegt, sondern diese lediglich aus einer globalen Perspektive heraus betrachtet. Diese mag relativierend sein, relativistisch ist sie nicht. Dennoch wird er dafür in Deutschland Kritik einstecken müssen. Doch muss er wohl lange nicht mit dem Widerstand rechnen, auf den Ernst Nolte 1986 noch mit seinem "kausalen Nexus" und dem "Europäischen Bürgerkrieg 1917-1945" stieß.

Es kommt eben auch darauf an, wer etwas sagt und wann und wie etwas gesagt wird. Die Geschichtsbilder des Ersten und Zweiten Weltkrieges werden sich ohne Frage in Zukunft ändern. Die Globalisierung der Perspektiven macht vor nationalen Befindlichkeiten nicht halt. Selbst bei so eindeutig scheinenden Ereignissen wie dem deutschen Überfall auf Polen wird man schließlich an den größeren Zusammenhängen nicht vorbeikommen. Polens Teilung hatte "Tradition" und war beschlossene Sache zweier zunächst übereingekommener Großmächte auf Expansionskurs.

Karl Valentin prägte das Bonmot "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen". Für die Geschichtsforschung muss man dieses Wort allerdings ernstnehmen. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Geschichtsbilder aus ihrer statischen Einengung herausgeholt und weiterentwickelt werden können.

RE: Vom Wettbewerb zum Weltbürgerkrieg | 11.09.2014 | 19:02

Ich habe versucht, auch die ökologische Frage einfließen zu lassen. Das ist mir nicht sehr gut gelungen, wie Sie richtig bemerken. Natürlich kann die Welt schon deshalb nicht auf die gute Wirkung der „unsichtbaren Hand“ warten, weil ihre Ressourcen in der derzeitigen Verwendungsweise endlich sind.

Mein Beitrag ist nicht sehr visionär, auch das haben Sie zu Recht bemerkt. Er ist aber der Versuch einer Bestandsaufnahme und Analyse aus historischer und sozialökonomischer Sicht. Ausgangspunkt war die nicht enden wollende Rede des „uns geht’s gut“. Mir geht es nicht gut und ich dachte, ich fange mal mit der Diagnose an.

RE: Vom Wettbewerb zum Weltbürgerkrieg | 11.09.2014 | 19:01

Sie haben recht, die Monopolbildung ist im Artikel nicht ausreichend erläutert. Natürlich wünscht sich der einzelne Kapitalist (s. Artikel) oder auch der einzelne Betrieb so wenig wie möglich Wettbewerb. Aber um diese vorteilhafte Situation herzustellen, muss er vorerst eine herausragende Wettbewerbsfähigkeit beweisen. Sei es durch Alleinstellungs-Innovationen oder durch Verdrängung und Einverleibung der Gegner.

Dann gilt immerhin noch auf den Ebenen Wettbewerb, über die der Monopolist gebietet (z.B. Zulieferer), aber nicht verfügt. Auch das ist wieder nur ein temporärer Zustand. Die Tendenz ist letztlich – aber unterbrochen von vielen Ereignissen (Erfindungen, Katastrophen, Kriege, Wirtschaftskrisen, Umsturze etc.) – diejenige zum einen Weltkonzern, der Produktion und Verteilung faktisch steuert. Dann wäre es aber kein Kapitalismus mehr, denn es gebe keine freien Arbeiter zur Ausbeutung, sondern wieder Sklaven als Besitz des einen Grund- und Kapitalherrn. Über kurz oder lang würde diese zentralisierte Sklavenhalterstruktur an ihren inneren Widersprüchen zerbrechen und der Wettbewerb der „Befreiten“ ginge von vorn los.

Soweit ich Sie verstehe, würden Sie eine „radikal freie Marktwirtschaft“ bevorzugen, in der Monopolbildung und kapitalistische Auswüchse nicht zustande kämen. Ich denke, für eine solche Vision als Praxis ist die Gegenwart noch nicht reif. Die Voraussetzung hierfür ist, dass das Individuum Produktion und Verbrauch wieder vollständig in die eigene Hand nehmen kann (etwa Ansätze 3D-Drucker?). Solange aber Arbeitsteilung die Grundlage von Erzeugung und Verteilung ist, dürfen Sie die gesellschaftlichen Machtstrukturen und die notwendigen Regelungsmechanismen von oben nicht unterschätzen. Eine historisch verfrühte „Wirtschaftsanarchie“ wird dann wie der kapitalistische Wohlstandsgedanke an den Realitäten der Wettbewerbsgesellschaft gemessen werden. Ich fürchte, mit einem ebenso schlechten Ergebnis.

Der Wachstumsbegriff sollte nicht Gegenstand des Artikels werden, da diese Diskussion sehr viel mehr Platz einnehmen würde. Nur so viel: Ich unterscheide zwei Wachstumsformen. Das vorherrschende Bild der Wachstumskritiker ist ein vertikales Wachstum, etwa wie bei einer Topfpflanze, die stetig wächst, aber die Nährstoffe des Topfes langsam aufbraucht. Das ist notwendigerweise nicht nur ein ver-, sondern auch ein aufbrauchendes Wachstum, das seine Grenze hat.

Dann gibt es da noch die horizontale Wachstumsform. Eine Pflanze, das beste Beispiel ist das Rhizom (Ingwer, Grasarten), hat vertikale Pflanzenteile, die sich jedoch mit einer unterirdischen horizontalen Wachstumsstruktur fortbewegen können. Abgestorbene oder abgetrennte Pflanzenteile dieser Struktur gehen in den Nährstoffkreislauf zurück, die Pflanze kann weiter „wachsen“. Dieses Modell als ökonomische Vorstellung erlaubt es, dass demjenigen Erdbewohner materielles Wachstum zugutekommen kann, der bis heute gar nichts vom vertikalen Wachstum hatte.

Verzeihen Sie den Extra-Artikel, er wuchs einfach…

RE: Linke Träume von Gewalt und Losigkeit | 30.08.2014 | 16:10

Meine Äußerungen und Vergleiche sind sehr abstrakt, zugegeben. Was ich zeigen will, ist, dass (auch emanzipatorische) Revolutionsanfänge – durchaus ungewollt aus der Sicht einzelner Revolutionäre – in (Bürger-)Kriege übergehen können und umgekehrt. Es gibt nicht die eine revolutionäre Kraft, die sich in einem Reinraum der Geschichte unbefleckt entfalten kann. Es mischen immer noch andere interessierte Kräfte, und seien es schnöde Räuber, mit und wirken auf das Wollen und Handeln der Revolutionäre zurück. Dafür wollte ich ein Beispiel anführen – und begab mich auf das verminte Gelände der Zurechtmachung historischer Einzigartigkeiten.

Abstrakte Vergleiche von geschichtlichen Ereignissen und Strukturen kommen nicht ihrer In-Eins-Setzung gleich – zumindest, wenn man es nicht intendiert darauf ankommen lassen will. Aber diese Absicht hat wohl jeder von uns schon mal an sich selbst festgestellt, sie entstammt dem Drang, die Welt für sich zu ordnen. Vergleiche letzterer Art sind ein notwendiger Vorgang für solche, die aus der Geschichte „lernen“ wollen, denn sie müssen als „ähnlich“ und „falsch“ herausgearbeitete historische Erscheinungen gegen die „wahren“ und „richtigen“ abgrenzen. Wie ich zur Möglichkeit eines Lernens aus der Geschichte stehe, können Sie hier lesen. Meine Position ist Ihren Äußerungen über die verkürzende oder – wie sie es nennen – „manipulative“ Erzählung von Geschichte gar nicht so fremd, ich lege jedoch andere Schlüsse bezüglich der Möglichkeit des historischen Lernens nahe.

RE: Linke Träume von Gewalt und Losigkeit | 29.08.2014 | 16:21

@JANTO BAN

Danke für das überschwängliche Lob :).

@PLEIFEL

Und Kuba?“ … hat den „Reformweg“ eingeschlagen. Wir alle wissen aus europäischer „Reform“-Erfahrung, was das bedeuten kann. Aber der Prozess läuft noch – wie auch in China und Nordkorea –, insofern ein Pluspunkt für Sie.

Ja, die derzeitige Rechtsetzung richtet sich in entscheidenden Teilen nach den ökonomischen Interessen Weniger. Aber anders, als diese behaupten, ist etwa das Privateigentum an Grund und Kapital kein Naturgesetz. Es handelt sich um positives Recht, es ist menschengemacht und kann geändert werden. Freilich nicht von heute auf morgen – es sei denn, mit Gewalt. Gewalt stand aber auch am Anfang des rechtlich bestehenden Privateigentums an Produktionsmitteln. Grundlagen für qualitativ signifikante und evolutive Änderungen in ökonomischen Einzelfragen sind in Deutschland etwa Artikel 1, 2, 14 und 15 (Grundrechte) sowie 20 (Sozialstaatsprinzip) GG.

Sie verweisen selbst auf das deutsche Widerstandsrecht bei zu großer Diskrepanz zwischen Recht und Rechtswirklichkeit. Da haben Sie einen wunden Punkt getroffen: Es mag einen Punkt geben, an dem die Revolution als solche ins Recht gesetzt wird. Diese Revolution muss aber auf der bestehenden Rechtsgrundlage verbleiben, insofern ist sie also nicht ein Systemumsturz, sondern tatsächlich eine konservative Revolution zum Schutz des bestehenden Rechts. Nur wann ist der Punkt für gewaltsamen Widerstand erreicht? Ich habe keine Antwort darauf.

@IDOG

Indem ich mich für Beteiligung und Organisation und die Unterlassung revolutionärer Gewalt, zuweilen auch aktiven „kapitalistischen“ Mittuns (etwa mit Streik), ausspreche, bin ich Pazifist. Indem ich das staatliche Gewaltmonopol und militärische Streitkräfte für die Sicherung des Gemeinwesens befürworte, bin ich für bedingten Gewalteinsatz. Zum Widerstandsrecht s. @PLEIFEL. Ein kategorisches „Entweder oder“ zwischen Pazifismus und Gewaltanwendung ist es, was ich in dem Artikel versuche zu kritisieren.

@SASCHA

Ich denke eine stabile Anarchie gibt es nicht. Es gibt eben keine Revolution, die niemandem und damit allen gehört. Es wird organisierte Kräfte geben und brauchen, um Ziele gesamtgesellschaftlich umzusetzen. Über das Wie der Organisation kann man diskutieren, da haben Sie Recht.

@MCMAC

Russland 1917 und Irak 2003 haben durchaus Gemeinsamkeiten. Die russische Revolution begann im Februar 1917 und wurde ab Oktober von den Bolschewiki dominiert. Dass diese die Revolution für ihre Zwecke nutzen konnten ging auch auf einen maßgeblichen Eingriff von außen zurück: Die Deutschen setzten nicht nur Lenin in den Zug, sie statteten die Revolutionäre ihrer Wahl zunächst auch mit erheblichen finanziellen Mitteln aus, um ihre Kriegsziele und Interessen in Osteuropa umzusetzen. Man könnte in gewisser Weise sagen, die Oktoberrevolution war von außen ermöglicht bzw. die Februarrevolution war gekapert worden. Die Folge war ein verlustreicher Bürgerkrieg, verlängert noch durch das Eingreifen weiterer ausländischer Mächte.

In unmittelbarer Folge des Zweiten Golfkrieges 1990/91 – nach einer Aufforderung von George Bush senior – kam es zu Revolten schiitischer Milizen im Süden und kurdischer Rebellen im Norden des Irak. Schließlich wurden UN-legitimierte Flugverbotszonen im Irak eingerichtet, um diese Gruppen zu schützen. Diese von außen ermöglichte, aber nicht weiter unterstützte Revolution scheiterte dennoch. Revolutionäre Kurden und Schiiten fühlten sich im Kampf gegen Hussein verraten. Dann setzte die USA 2003 seine Umsturz-Interessen mit einer „Koalition der Willigen“ von außen durch. Seither hat sie den Irak einem Bürgerkrieg überlassen, der bis heute andauert.

@GEBE

Pazifismus ist kühnes Handeln!“ Natürlich. Etwa rechtstheoretisch sind sowohl die aktive Tat als auch die aktive Unterlassung Handeln. Es besteht kein Dissens. Ich empfinde meine Zuordnungen nicht als impertinent.

@DER SOUVERÄN

Auch mit einem pazifistischen Generalstreik sägt man letztlich an dem Ast, auf dem wir alle sitzen (dito JANTO BAN) – auch aus ökonomischer Sicht. Abgesehen von der entstehenden Instabilität, die wieder andere Kräfte auf den Plan rufen kann. Ob man eine möglichst geschlossene Streikfront organisiert bekommt? Sicherlich nicht nur eine Frage des „Reifegrades“ der Krisenwirtschaft Kapitalismus.

@MEINEMEINUNG

Es mangelt daran das viele Menschen durch Selbstentfremdung die Fähigkeit zur Empathie verloren haben und im jeweils anderen den Konkurrenten sehen, oder schlimmer noch den Feind den sie bekämpfen müssen.

Ich stimme Ihnen zu. Aber um das mitmenschliche Bewusstsein gesellschaftlich wiederzubeleben darf man nicht bei dem Versuch stehenbleiben, allein das Bild vom Anderen geradezurücken. Solange die Bedingungen unseres Wirtschaftens als Grundlage der Gesellschaftsexistenz unverändert bleiben, bleibt es bei gelebtem Sozialdarwinismus.