With us or against us!

Antiamerikanismus Pubertärer Komplex? Todschlagargumente bringen niemanden weiter! www.spiegel.de/politik/deutschland/ukraine-und-russland-anti-amerikanismus-in-deutschland-a-965217.html
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George Bush wurde nicht müde dies immer und immer wieder zu betonen.

Schwarz oder weiß? Wie einfach man doch die Welt machen kann, wenn man sie grundsätzlich in ein solches Schema spaltet. Raum für Zwischentöne ist verboten, Selbstkritik wäre ja auch eine Form der Schwäche. Auch mit pubertierenden Jugendlichen, die kritische Gedanken entwickeln, sich selbst finden müssen, und somit zwangsläufig Ihre Eltern und deren bis dahin für sie geltenden unerschütterlichen Wahrheiten und Vorgaben hinterfragen, wird so der Einfachheit halber umgegangen. Richtig.

Aber ist das auch richtig? Ist denn nicht vielleicht doch der vorbehaltlose Blick auch einer, der neues, anderes, besseres erst ermöglicht? Niemand sieht sein Weltbild gerne in Frage gestellt, aber die Welt dreht sich und Veränderung ist unvermeidlich. Wer nicht auch sich selbst hinterfragt und weiterentwickelt ist eigentlich schon tot. Ich kenne Eltern, die sehr viel von Ihren Kindern gelernt haben, als diese Gedanken mit nach hause gebracht haben, über die dann eben auch diskutiert werden konnte, weil diese Alten sich eben eine gewisse Offenheit erhalten haben und Ihre Kinder ernst nehmen. Umgekehrt können dann dabei auch die Kinder wieder profitieren von der Weisheit und Erfahrung Ihrer Eltern, denen man eben auch sehr viel lieber wieder zuhören kann, wenn die eigenen Argumente auch angehört werden.

Aber nein, wir haben zur Zeit kein Interesse an Dialog oder Kooperation. Wir teilen lieber in Blöcke und einfache Denkmuster. Wer die Rolle der USA oder meinetwegen des Westens in der Weltpolitik kritisiert, also beispielsweise die Ausdehnung der Nato nach Osten und da werden ja auch bereits weitere Schritte nach Armenien, Moldawien und Aserbaidschan, nach dem gleich Muster ganz offen angegangen, der ist ein Antiamerikaner oder wohl möglich ein Putinist. Wer es dann sogar noch wagt, über die militärische Präsenz der USA auf weltweit mehr als 700 Stützpunkten zu reden oder die Frage nach dem Sinn dahinter stellt, kann nur ein Terrorist sein. Wenn man sich dann wundert, warum das ZDF diese Produktion aus Ihrer eigenen Mediathek verbannt, ist man ein Verschwörungstheoretiker. Aber es gibt ja auch noch Youtube oder Vimeo

Es ist aber so oder so egal, man steht eben auf der falschen Seite, wenn man nicht bedingslos und uneingeschränkt "with us" ist. Da spielt es auch keine Rolle, wenn man gleichzeitig Putins homophobe und intolerante Innenpolitik oder den Umgang mit der russischen Opposition anspricht oder Nationalismus egal wo auf der Welt verteufelt, aber eben ganz bestimmt auch in Russland. Es spielt auch keine Rolle, wenn man Kritik an der Türkei, an China, Russland, Frankreich,... oder dem BND äussert, wenn die Macht des Internets missbraucht wird oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden, erst wenn man Kritik an den Machenschaften des NSA äußert wird man zum Antiamerikaner. Ob man leidenschaftlich für Demokratie und gegen Oligarchien oder die Herrschaft der Finanz- und Kapitalmärkte, gegen Korruption und für Menschenrechte und Gleichberechtigung auf die Straße gehen würde, Inhalte spielen keine Rolle.

Leider nur sind alle Probleme auf diesem unseren Planeten nur eben sehr viel vielschichtiger und wir werden keines lösen, wenn wir nicht anfangen miteinander differenzierter zu denken. Weder sind alle Maidan - Aktivisten Faschisten, noch sind alle ostukrainischen Aktivisten russische Separatisten. Sie sind Spielbälle der verschiedenen Interessengruppen aus Amerika, Europa, Russlands und der bisherigen Oligarchen - Cliquen. Die Gemengelage ist hoch explosiv, die Opfer sind die einfachen Ukrainer, egal wie es ausgeht, selbst wenn nur der wirtschaftliche Ruin kommt, mit allem was dieser dann wieder ermöglicht. Traurig.

Wir stehen vor nie dagewesenen weltweiten Herausforderungen, die nur global zu lösen sind. Obamas Change - Wahlkampf hat gezeigt, wie die Menschen sich weltweit nach einer besseren Welt sehnen, passiert ist danach fast nichts und in 2016 steht erst mal der nächste Bush (Jep) vor der Tür. Dabei bräuchten wir grundsätzlich ein Innehalten und gemeinsames Überlegen, wie es denn überhaupt mit unseren Ressourcen, unserem Planeten und der Menschheit weitergehen soll, wie wir miteinander wirtschaften, kommunizieren und leben wollen. Wir müssen uns Gedanken machen auf welche gemeinsamen und unveräußerlichen Werte wir uns verbindlich verständigen können.

Ach, ich vergaß, wer so etwas schreibt, ist ja ein naiver Gutmensch.
Nein, lasst uns also weiter diffamieren und aufteilen in gut und böse, und in stark und schwach, dann wird sich schon nach Darwin der Stärkere durchsetzen.
Schade nur, dass es sich noch nicht rumgesprochen hat, dass Darwin in den Naturwissenschaften längst als überholt angesehen wird, und der Kooperative der Erfolgreichste in der Evolution gewesen ist. :-(

10:43 20.04.2014
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