Kapitalismus abschaffen – alte, bürgerliche Begriffe auf den Müll!

Kapitalismuskritik Linke, Liberale, Rechte – alle sind dafür. Doch das Ideal der Gerechtigkeit ist ein fauler Tauschhandel und nur der religiöse Geist des bürgerlichen Rechts. Weg damit, meint Franz Schandl, Historiker aus Wien
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 02/2023
Im permanenten Vermessen liegt die imaginäre Kraft der Gerechtigkeit
Im permanenten Vermessen liegt die imaginäre Kraft der Gerechtigkeit

Foto: Philotheus Nisch

§ 1 Gerechtigkeit ist die Anrufung der bürgerlichen Seligkeit durch das bürgerliche Subjekt gegen die bürgerliche Realität. Die Erzählung von der Gerechtigkeit gehört zu den „fairy tales of commerce“. Der Schrei nach Gerechtigkeit ist der bürgerliche Traum. Alle meinen, in seinem Namen auftreten zu müssen. Kaum wird dieser Evergreen gespielt, ist das Publikum erleichtert. Es lauscht einer bekannten Melodie und fühlt sich heimisch. Von einigen Herrschaftszynikern ausgenommen, singen alle die gleiche Hymne. Besonders inbrünstig erklingt sie in den Gesängen der Linken. Gerechtigkeit gehört zu den Grundtermini unserer bürgerlich-liberalen Gesellschaft. Jedes Denken, Fühlen, Handeln hat sich in diese Hül