Franz87

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RE: Flossen weg von meinem Bargeld! | 23.05.2015 | 21:51

Mit einer Vollgeldreform würde das aktuelle Problem, nämlich das trotz Nullzinsen kaum investiert wird, kein bisschen gelöst werden.

Der Zins sollte der Preis des Geldes sein und wenn mehr Angebot an Ersparnissen als Kreditnachfrage auf dem Markt ist, müssen auch negative Nominalzinsen möglich sein. Die Existenz von Bargeld verhindert dies und nötigt Zentralbanken zu zweifelhaften Maßnahmen wie QE-Programmen. Von daher wäre die Abschaffung des Bargelds natürlich ein Schritt nach vorne.

Natürlich kann man auch datenschutzrechtliche Bedenken haben, wichtige Transaktionen werden doch bereits heute praktisch von jedem elektronisch getätigt.

Die Bundesbank ist für mich schon lange keine neutrale, staatliche Instanz, sondern ist die wohl mächtigste Lobby der deutschen Sparer. Das mag auch das Motiv für die meisten anderer Kritiker einer Abschaffung des Bargelds sein.

Die Nullzinsen sind Ausdruck der immer weiter wachsenden Einkommens- und Vermögensungleichheit. Die Unter- und weite Teile der Mittelschicht müssen seit Jahren mit Reallohnverlusten oder bestenfalls Stagnation zurechtkommen, konsumieren dementsprechend weniger und sind aufgrund ihrer Einkommens und/der Verschuldungssituation nicht mehr kreditwürdig. Die Unternehmen investieren auch nicht mehr, da aufgrund stagnierender Nachfrage meist die jetzigen Kapazitäten schon nicht ausgelastet sind.

Auf der anderen Seite wirft die Oberschicht immer mehr Geld auf die Finanzmärkte, da sie überhaupt nicht in der Lage sind ihre immens gestiegenen Einkommen und Gewinne zu verkonsumieren. Verstärkt wurde diese von der Globalisierung begünstigte Entwicklung auch noch von der Poltik (und der neoklassischen Mainstreamökonomie), indem der Spitzensteuersatz, Unternehmenssteuern abgesenkt wurden und selbst millionen- und vereinzelt milliardenschwere Kapitaleinkünfte pauschal mit lächerlichen 25% besteuert werden.

RE: Mit Vielfalt aus der Krise | 01.04.2015 | 07:11

Ich bin selber kein VWLer, aber jeder der sich ein bisschen mit Ökonomie beschäftigt merkt, dass die Mainstreamökonomie gescheitert ist. Man muss wohl erst fünf Jahre diese Disziplin "studieren" um daran noch glauben zu können.

Ob Postwachstumstheorien jedoch die Alternative sind wage ich mehr als zu bezweifeln. Wachstum muss eben nicht zwangsläufig mit steigendem Ressourcenverbrauch einhergehen, das ist nur eine Frage wie der staatlichen Rahmenbedingungen.

RE: In der Merkelfalle | 30.03.2015 | 07:58

Ein meines Erachtens wichtiger Punkt auf dem im Artikel nicht eingegangen wird.

Es entsteht in der öffentlichen Diskussion und Wahrnehmung immer der Eindruck, das gute Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik gegeneinanderlaufen, das muss jedoch keineswegs so sein. Das Problem ist, dass auch in der SPD kaum jemand in der Lage ist zwischen einzelwirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen zu unterscheiden. Was für ein Einzelunternehmen von Nachteil sein mag (z.B. Mindestlohn, Anstieg der Löhne, Lohnnebenkosten), ist es eben nicht zwangsläufig für die gesamte Wirtschaft.

Anstatt aggressiv gegen diese Sichtweise zu argumentieren, befeuert die SPD sogar selber die Debatte, ein Herr Weil, Steinbrück zum Beispiel.

Solange die SPD sich nicht klar gegen angebotsorientierte, neuliberale Politik stellt, wird sie immer im Zwiespalt stecken, Wähler links entweder an die Linke (oder sie bleiben bei der Wahl zuhause) oder rechts an die Union zu verlieren.

Im angelsächsischen Raum gibt es diesen Diskurs wenigstens zwischen nachfrageorientierter Politik auf der einen Seite, die von Obama und den Demokraten nach der Finanzkrise betrieben wurde und mit dem die USA deutlich besser gefahren sind, als es gegenwärtig die Europäer tun und den Republikaner andererseits als Verfechter der Austerität.

Leider ist das Meinungsbild in Deutschland diesbezüglich sehr einseitig. Man erkannt das bereits am Sachverständigenrat. Von fünf Mitgliedern vertreten vier klar neoliberale Positionen und führen die SPD jedes Jahr aufs Neue vor. Unverständlich das Herr Gabriel den Herr Schmidt für weitere fünf Jahre berief.

Die SPD hat mit einem Recht. Wer vom Wähler als nicht Wirtschaftskompetent wahrgenommen wird, wird auch keine Wahl gewinnen können. Mit neoliberaler Politik der Union und FDP hinterherzulaufen wird sie das mit Sicherheit jedoch auch nicht. Das Versagen dieser Poltik ist doch überall sichtbar und offensichtlich, die SPD muss es nur zum Thema machen!