Verändern – oder scheitern

#netzstreikfürsklima Mein Redebeitrag war eigentlich für die Fridays-For-Future-Demo in Eichstätt vor den #Klimawahlen in Bayern geplant. Corona verlagert ihn ins Netz
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Verändern – oder scheitern
Aufgrund von Corona geht es nicht mehr auf die Straße

Foto: John Macdougall/AFP/Getty Images

Hallo auch von meiner Seite,

ich denke ich muss nicht wiederholen, dass es wichtig ist, am Sonntag im Sinne des Klimas und der benötigten politischen Veränderungen wählen zu gehen. Sonntag ist – mal wieder muss man sagen – eine Klimawahl.

Aber machen wir uns nicht vor, dass wählen gehen für die notwendigen politischen Veränderungen ausreichen würde. Es ist wichtig, Verbündete an den richtigen Stellen in den Parlamenten sitzen zu haben, ja. Aber das alleine ist nicht die Lösung der Klimakrise. Niemand wird die Welt für uns verändern, wenn wir nur lieb oder auch laut genug darum bitten. Nicht in Parlamenten, noch sonst wo. Ja, die Parlamente können ein Teil der Lösung sein, aber sie sind nicht die Lösung.

Die letzten Monate haben eines überdeutlich gezeigt: Unabhängig in welchem Land und mit welcher Regierung: Es wird zu wenig getan um die Klimakatastrophe aufzuhalten. Und es zeigt sich immer deutlicher, dass sich daran nichts ändern wird, ganz egal wie viele Leute mit uns auf die Straße gehen. Wir sind Millionen, aber ganz offensichtlich reicht das nicht. Diese Klimawahlen sind denke ich also auch eine gute Gelegenheit, unsere eigene politische Strategie zu hinterfragen.

Wir müssen feststellen: Unsere bisherige Strategie stößt an ihre Grenzen. Massenhafter Protest im vergangenen Jahr hat dazu geführt, dass die Klimakrise präsent ist und sie öffentlich diskutiert wird. Demonstrationen haben uns in Talkshows gebracht, sie haben dazu beigetragen, dass wieder politisch diskutiert wird, wo sonst nur die Schuld bei Einzelnen abgeladen wurde. Von einigen Rechtsradikalen abgesehen bezweifelt in diesem Land jetzt niemand mehr, dass sich etwas ändern muss. Aber diese Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich so die Klimakrise nicht aufhalten lässt. Wir konnten die öffentliche Meinung auf das Klima lenken, aber bis jetzt nicht die notwendigen Veränderungen anstoßen.

Ich denke wir müssen feststellen: Die Strategie des Bittens und des Auf-Probleme-Hinweisens funktioniert nicht ausreichend. Das ist kein Grund zum verzweifeln, aber es ist ein Grund, kritische Fragen an uns selbst und vor allem an dieses politische System zu stellen.

Wie kann es denn sein, dass ein Thema, das im Interesse der übergroßen Mehrheit der Menschen ist, nicht einmal halbherzig bearbeitet wird? Wie kann es sein, dass die zutiefest menschliche Forderung nach einer intakten Umwelt für alle Menschen kaum zu politischen Konsequenzen führt? Und wie kann es sein, dass die Eigentümer und Manager dieser Welt darüber entscheiden, ob wir das Klima zerstören?

Die Fragen, die wir uns selbst stellen müssen, sind: Wie können wir ein System verändern, in dem Mensch und Natur ganz offensichtlich eine Nebenrolle spielen? Und wollen wir alle Regeln eines Systems, das diesen Planten zerstört, länger akzeptieren?

Ich glaube unsere Antwort darauf kann nur „Nein” heißen. Wir sollten dabei an unsere eigenen Anfänge denken: Der Grund warum man uns zugehört hat, über uns gestritten und uns wahrgenommen hat, war ein bewusster Regelbruch. Unzählige Schülerinnen und Schüler haben gesagt: Wenn ihr die Zerstörung unseres Planten nicht aufhaltet, dann akzeptieren wir eure Regeln nicht mehr, dann gehen wir nicht mehr in die Schule. Genau daran müssen wir anschließen. Wir sollten in aller Deutlichkeit sagen: Wenn ihr die Zerstörung unseres Planeten nicht aufhalten könnt oder wollt, dann werden wir es eben machen – und wenn wir dafür Regeln brechen müssen, dann ist das eben so.

Wir müssen unangenehmer werden. Das wird Diskussionen hervorrufen, das wird Streit hervorrufen und das wird nicht allen Menschen in dieser Gesellschaft gefallen. Das ist in Ordnung. Wir müssen nicht jedem gefallen. Alle, die ein Interesse an einer lebenswerten Welt für heutige und zukünftige Generationen haben, sind herzlich eingeladen mit uns an einer solchen zu arbeiten. Und allen anderen wünschen wir möglichst wenig Erfolg bei der Zerstörung dieses Planeten.

In diesem Sinne: Reden wir nicht nur davon, mehr Druck zu machen, sondern tun wir es. Das können wir nur mit entschlossenem Handeln, nicht mit Bitten und nicht mit mahnenden Worten allein.

Wir können auch mit einer solchen politischen Strategie scheitern. Niemand kann uns versprechen, dass sie funktioniert. Aber ich glaube: Wenn wir uns nicht ändern, dann werden wir sicher scheitern. Und in einem sind wir uns vermutlich alle einig: Scheitern ist keine Option.

Danke.

16:06 13.03.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Franz Hausmann

Student, Autor, Aktivist. Buch "Koks am Kiosk? Eine Kritik der deutschen Drogenpolitik" bei Schmetterling Verlag erhältlich.
Franz Hausmann

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