W.Herzberg

Bin Autor von biografischen Interviewbüchern,Publizist und schreibe Lieder, Gedichte und Rocktexte
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Wilhelm II. und Wladimir Putin | 04.05.2014 | 13:41

Wolfgang Herzberg

Schluss mit der Kriegstreiberei um die Ukraine

In der griechischen Mythologie verführte bekanntlich der als weißer, sanfter Stier getarnte Zeus, die aus dem Osten kommende naive Europa, um sie für seine lüsternen Zwecken zu missbrauchen. Die verführte Europa soll schließlich vom Stier gefallen und sich zu Tode gestürzt haben...

Die NATO-Verbündeten, mit den Herrschenden der U.S.A., als selbsternannte Weltordnungsmacht an der Spitze, eskalieren seit Anfgang der 90 ziger Jahre die internationale Kriegsspirale, um ihre expansive Globalpolitik nach dem Zusammenburch des sozialistischen Lagers weiterzuführen. Eine Politik, die sie bereits zu Zeiten des "Kalten Krieges" verfolgten und, die auch - von Außen-, zum Untergang des Sozialismus, sowjetischer Prägung, beitrug. Es geht ihnen darum, ihre auf Gewinnmaximierung begründete Gesellschaftsordnung, die sie verherrlichend "freiheitlich" und "demokratisch" nennen, insbesondere zugunsten ihrer reichen Minderheiten, auf Kosten einer dramatisch zunehmenden sozialen Spaltung der Weltbevölkerung und ökologischen Verwüstung radikal fortzusetzen. Der verharmlosende Begriff dafür lautet: neoliberale Globaliserung. Eine solche "Reformpolitik" zeichnet sich bereits auch in den Milliardenkrediten des IWF für die Ukriane ab, die mit Massenentlassungen und Sozialabbau einherzugehen hat. Diese, auch von ideologischen Lügen und illusionären Selbsttäuschungen geprägte Politik, könnte schließlich zum dritten Mal in einem Jahrhundert zu einem neuen Weltkrieg, diesmal von apokalyptischer Zerstörungskraft zwischen den Atommächten führen. Gewalt und Gegengewalt sind dabei außer Kontrolle zu geraten. Ein Stellvertreterkrieg von internationalem Ausmaß ist bereits im Gange. Die vom Westen angestrebten "demokratischen" Wahlen in der Ukraine sind eine illusionäre Farce, angesichts der Bürgerkriegszustände.

Die blutige, desaströse Expansionspolitik des Westens nach 89 ist der entscheindende Nährboden für den Terrorismus, sie zerstörte, vökerrechtswidrig, den jugoslawischen Vielvölkerstaat, den Irak, trug zum anhaltenden Afghanistan-Krieg bei, hält den Syrienkrieg und das Flüchtlingselend am Leben und macht den Palästinenser-Israel-Konflikt unlösbar. Anstatt sozialen und ökologsichen Wandel durch universelle Entwicklungspolitik zu finanzieren, werden unvorstellbare Steuermilliarden in Rüstung und sinnlosen Kriegen verpulvert. Sollte so am westlichen Wesen, die Welt genesen?

Nachdem die inzwischen übermächtige NATO sich von allen Seiten an die Grenzen Russlands, d.h. den Rest der ehemaligen Sowjetunion herangeschoben hat, obwohl die eklatant gegen den Geist der KSZE-Verträge und der Nachfolgevereinbarungen verstieß, die auch zur Wiederverinigung Deutschlands führte, schickt sich der Westen nunmehr an, ihr Gesellschaftssystem auch gänzlich auf die Ukraine zu übertragen. Die separierende Westpolitik gegenüber den berechtigten Sicherheitsbefürchtungen der Russen und dem Selbstbestimmungsrechten auch der russsischen Minderheit in der Ost- Ukraine, unterstützt zugleich ein Regime in Kiew, das bekanntlich nicht durch freie Wahlen, sondern durch Waffengewalt und mit Hilfe des Westens an die Macht kam und im Nachinein "demokratisch" legitimiert werden soll!

Der einseitige Bruch der mühsamen Vereinbarungen von Kiew und Genf durch die neuen ukrainischen Machthaber, wird geflissentlich vom Westen übergangen und nur die russsiche Seite dafür verantwortlich gemacht. Wer aber schickt jetzt die ukrainische Armee in die Ostukraine? Und war die Entsendung der angeblichen OSZE-Militärbeobachter durch die Vereinbarung in Genf gedeckt? Warum stopt nicht auch hier der Westen seine Vasallen bei dieser Eskalationsstategie?

Schluss mit der Konfronationsspirale auf beiden Seiten! Für eine wirkliche Deeskationspolitik, die auf einen fairen Interessenausgleich für alle Teile Europas sucht, zu der ja auch seit Jahrunderten Russland gehört, das bereits dreimal aus Westeuropa, davon zweimal aus Deutschland kriegerisch angegriffen wurde. Für eine Entwicklungspolitik gegenüber Osteuropa, die besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten und nicht die Oligarchen und rechtsradikalen Nationalisten fördert. Hier ist der Westen in der Hauptverantwortung!

Auch Russland muss unmissverständlich dem Primat der Friedenspolitik und - Diplomatie folgen. Denn keine Seite kann durch Eskalation und Krieg der eigenen Bevölkerung bessere Lebensbedingungen verschaffen, sondern nur durch gleichberechtigte Zusammenarbeit. Das Gegenteil aber gefährdet den Weltfrieden. Noch nie war eine Konfrontation von NATO - Russland und möglicherweise auch China in so greifbare Nähe gerückt.

Über diese Zusammenhänge sollten die politisch Verantwortlichen aller Seiten und die öffentlichen Meinungsmacher endlich wirklichkeitsnah Klarheit verschaffen. Friedenswillige aller Länder wehrt Euch, bevor es erneut zu spät ist! Es könnte eine Minute vor zwölf sein...

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 23.05.2013 | 13:24

Guten Tag Elisrea, entschuldigen Sie bitte, ich habe Ihre Fragen an mich im Eifer des Gefechts leider übersehen und jetzt erst entdeckt. Ja, ich bin der Wolfgang Herzberg, den Sie bei Wikipedia gefunden haben.

Folgende Veränderung am Artikel wurden u.a. vorgenommen, ohne Rücksprache mit mir zu nehmen, obwohl ich darum per mail ausdrücklich gebeten hatte und auch ein Tag zuvor die Versicherung bekam, dass Änderungen nicht nötig seien. Ich zitiere jetzt nur Änderungen, die mich besonders ärgerten:

1. Die unter meinem Namen einleitende Fragesatz stammt nicht von mir: " Irsrael Vor 65 Jahren wurde der Staat Israel gegründet und lebt seither in Unfrieden mit den Palästinensern. Könnte eine konföderale Zweistaatenlösung diesen Zustand beenden?"

Mein Artikel begann hingegen begann mit folgenden zwei Sätzen:"Am 14. Mai wird der Staat Israel 65 Jahre alt. Es ist gut, dass es nach der lnagen leidvollen Geschichte der Juden, nicht zuletzt nach dem, von deutschem Boden ausgehenden sigulärem Völkermord, 1948 endlich zur Wiederbegründung und beachtlichen inneeren Entwicklung der erneuerten israelischen Nation kam"

2. Ich hätte das darunter befindliche Bild nicht befürwortet, weil es für mich unterschwellig parteiisch wirkt: die Schatten der beiden orthodoxen Juden stehen vor der Moschee...

3. Aus meinem ursprünglichen Satz: " Auch der internationale Terrorismus rekrutiert ja gerade aus diesem ungelösten Konfliktherd seine selbstmörderischen Gefolgsleute" wurde ...

" rekrutiert ja gerade in Palästina seine teils selbstmörderischen Gefolgsleute"

4. Der eingeschobene Satz" ...und nicht zuletzt, dass bereits jetzt Araber und Israelis auf den Territorien der jeweils andern Seite leben" wurde gestrichen und der Text geht so weiter wie, wie ich ihn aufschriebe ... " könnte da nicht auf Dauer [nur W.H.] eine konföderale Zweistaatenlösung ... auf Dauer beiden Seiten gerecht werden?

5. Gestrichen wurde der Satz: " Die friedliche Reglung ihrer internen Beziehung ist die Schlüsselfrage, um die Lebenschancen beider Völker ud aller angrenzenden Völker entscheidend zu verbessern, die in diesen Konflikt verwickelt sind."

6. Entwicklungsprogramm der UNO ... " für diese Archillesverse der Weltpolitik" wurde gestrichen.

7. Schlußsatz lautete bei mir ... die Sprengkraft des israelisch-palästinsichen Konflikts auf Dauer zu entschärfen ud den Nahen Osten zu befrieden." Daraus wurde: ... " auf Dauer einzudämmen."

Diese Veränderungen mögen alle auf den ersten Blick nicht sehr wesentlich sein, aber ich finde eine solche Vorgehensweise urheberrechtlich nicht in Ordnung, zumal durch das Internet sich vorgeschlagene Korrekturen schnell diskutieren lassen. Ich habe natürlich auch nichts gegen grammatikalische und sachlich begründete Verbesserungen, die es bei meinem Artikel auch gab. Das optimiert ja nur seine Qualität. Über diese kritisierten Veränderung jedoch, sollten sich alle noch einmal ein eigenes Urteil bilden. Für diese Anregung danke ich nochmals dem oder der Blogerin, falls Er oder Sie das noch lesen sollten. W.H.

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 23.05.2013 | 02:40

Lieber JR , Sie haben wieder recht, bloggen kann süchtig machen. Ich bin das erste Mal dabei und merke es schon. Die Mailerei beschäftigt mich auch schon zuviel. Danke für die Links. Ja Medienkritik interessiert mich auch sehr, wie meine Kolleginnen Daniela Dahn( ehem. Mitherausgeberin vom Freitag und Sabine Kebir (PEN)z.B. Wir diskutieren oft darüber. Der Rauswurf der chinesischen Kollegen aus der DW war mir auch unbekannt, obwohl das m.W. auch ein Auslandspropaganda- Sender ist, der wahrscheinlich regierungsnah sein wird, jedefalls sich von Stuergeldern finanziert. In der DDR hieß der Sender RBI, Radio Berlin International. Da waren Differenzierungen der DDR-Bilder und der Auslandsbilder auch kaum möglich.Wer solches wagte, flog ebenfalls.

Die Lenkung der Medienlandschaft hierzulande ist schwerer durchschaubar. M.E. n. vermischen sich hier der politisch-kulturelle Privatgeschmack der Medienbesitzer,- Leiter und - Macher, mit dem politischen Mainstream, sprich dem vorherrschenden politischen Zeitgeist und den gängigen Themen, sowie kommerziellen Interessen. Ein Status-Quo-Gebräu, das zumeist zur Beliebigkeit führt. Deshalb habe ich z.B. keine Zeitung aboniert. Mir reichen schon in der Regel das Radio und TV-Nachrichten und - Dokumentationen, um mir einen gewissen Überblick zu verschaffen. Systemfragen werden so gut wie nicht gestellt und ernsthaft diskutiert. Die kann ich nur informell mit Freunden diskutieren, wie in der DDR. Aber das ging auch Jahrzehnte so, bis die offizielle und offiziöse Ideologie immer mehr erodierte und das System mehr und mehr seine Legetimität verlor, weil es die großen Herausforderungen nicht zu lösen in der Lage war.... ein weites Feld. Ich höre jetzt auf und beherzige Ihre Warnung und nochmals Dank für Ihre letzten Leseempfehlung und Tips. Alles Gute - W.H.

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 23.05.2013 | 00:12

Hallo, JR`S China Blog, danke für den Zuspruch und besonders Ihre diskutablen Beiträge. Ich befürchte, dass ich beim Freitag verkackt habe, obwohl bei allen ihrer letzten 10-15 Beiträge kein Artikel bisher über 180 Blogeinträge aufzuweisen hat. Die meisten blieben unter 10. (s. die kleinen Zahlen)

Wordpress kann m.W. die ungekürzte Fassung haben, denn ich habe nirgends unterschrieben, dass der Freitag Exklusivrechte beanspruchen kann. Wie kann ich die Leute erreichen?

Ja, Sie haben Recht: hier spiegelt sich in unserer Debatte in Deutschland auch nur der Status Quo, allerdings eher mit einer unterschwelligen Abneigung gegen Israel und einer oft unreflektierten Parteiname für die Palästinenser. Merkwürdig, wo doch schon der gesamte Warschauer Pakt, auch die DDR einseitig Partei ergriff, einschließlich Waffen- und Geheimdiensthilfe für die arabische Seite, wo anderseits doch der Osten heute im mainstraem so verpönt ist. Na ja, wie mans gerade braucht. Frieden kann wohl nur gelingen, wenn man nach Kompromisslinien sucht, nach objektiv für beide Seiten nützlich "Schnittstellen". Abgesehen davon, dass dieser Konflikt hochgradig tragische Züge hat: beide Seiten sind relativ junge Nationen in diesem Gebiet und haben zurecht tiefe Ängste ihre jeweilige, fragile Identität, nicht behaupten und weiter entwickeln zu können.Diese Ängste sind ja auch berechtigt, nach all dem Töten und Zerstören, dass weit in die Geschichte zurück reicht. Aber die Gewaltspirale und die mangelnde Anerkennung der Sicherheitsbedürfnisse und Rechte der jeweils anderen Seite, macht diese Unsicherheiten noch viel stärker. Das ist die Tragik. Hoffen wir, dass unser Nachdenken auch andere anregt, die Perspektive etwas zu verändern. Wandel durch Annäherung hat ja auch schließlich etwas bewirkt, wenn auch u.U. nicht das, was sich alle Protogonisten dabeivorgestellt haben. Dennoch hat es auch Gutes bewirkt. Sonst würden wir uns nicht hier so austauschen können. Freundliche Grüße und nochmals danke für Ihre empathischen Beiträge. W.H.

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 22.05.2013 | 22:57

Lieber Balsamico, der "Einschlag eines Asteroiden" ist bereits erfolgt:

die gewaltsamen Veränderungen in der arabischen Welt! Wenn es m.E. nicht bald zu neuen ersthaften Friedens kommt, droht die ganze Region in die Luft zu fliegen, von einen drohenden "Flächenbrand" ist bereits die Rede. Wie geht es in Syrien weiter, wie im Iran, in Ägypten, wie in allen Nachbarstaaten Syriens und Israels sowie der Palästinser? Millionen von müssen erneut Flüchtlinge verkraften werden und wer mixt in all diesen Staaten nicht alles mit? Mit Waffengewalt lässt sich der Nahe Osten nicht befrieden, sondern nur durch eine vernünftige und kluge, ausgleichende Friedenspolitik. Das müßte eigentlich nach den Jahrzehnte langen blutigen Erfahrungen schließlich doch allen Seiten dämmern.

Denn dieser Konfliktherd könnte der Beginn eines 3. Weltkrieges werden. Jedenfalls deutet die permante Aufrüstung und Gewalteskalation in diesem gesamten Raum für mich in diese Richtung, einschließlich der Entstehung des internationalen Terrorismus mit seinen selbstmörderischen Gefolgsleuten in aller Welt. Es wäre sehr sinnvoll ud human und würde zur Beruhigung der Lage entscheidend beitragen, wenn sich Israelis und Palästinenser auf eine neue Roadmap für den Frieden einigen könnten. Illusionär ist, wie gesagt, der weitere Weg der Gewalt. Er wird niemals zum Frieden führen, sondern die Spirale des Krieges immer weiter und weiter drehen., zum Schaden der Menschen auf allem Seiten, in die auch der sog. Westen, d.h. auch wir, immer mehr hineingezogen werden. Deshalb erscheint mir eine solche Diskussion gerade auch hier sinnvoll, wenn wir uns immer wieder an die blutigen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts erinnern, die zweimal von Deutschland ausgingen.

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 22.05.2013 | 21:43

Liebe Diskutanten, ich habe das Bedürfnis, mich doch noch mal zu Wort zu melden. Als Erstes wollte ich Euch mitteilen, dass der zuständige Redakteur Lutz Herden, meine Kritik an seinen, mit mir nicht abgesprochenen Kürzungen und Veränderungen des ursprünglich eingereichten Textes, "als Zumutung" bezeichnet hat und mir angkündigte, dass eine zukünftige Zusammenarbeit mit mir, für ihn nunmehr nur noch "sehr begrenzt" möglich sei, obwohl er mir noch einen Tag zuvor zugesichert hatte, dass keine Veränderungen am Text notwendig wären. Er ging gar nicht auf meine Kritik ein, sondern warf mir seinerseits vor, dass ich, in dem, vor längerer Zeit angekündigten Beitrag, einen Bezug auf Leo Beck`s Israel-Position weggelassen hatte. Das stimmt zwar, aber ich habe dies damit begründet, dass in meiner letzten Fassung dazu kein Platz mehr blieb, weil nicht mehr genug Zeichen dafür übrig waren, wenn ich meinen Vorschlag für eine föderalen Zweistaatlichkeit begründen wollte. Daraufhin sah sich plötzlich die Redaktion außerstande, den Artikel zu drucken, sondern wollte ihn nur online erscheinen lassen. Ich lehnte zunächst ab und versuchte kurzfristig eine andere Zeitung zum Druck zu bewegen. Als das mißlang, blieb mir nicht anderes übrig, den Text online erscheinen zu lassen, weil ich sonst mein Gehirnschmalz völlig umsonst verbrutzelt hätte, und es wäre nicht zu unserer interessanten Diskussion gekommen, für die ich dankbar bin. Das nochmals als Nachtrag zum Thema "Pressefreiheit". Ich schlage vor, dass der Freitag zukünftig nur seine festangestellten Redakateure die Artikel selbst schreiben lässt, weil sie am Besten das Innenleben ihres Blattes kennen und befolgen können.

Liebe Mittheoretiker in Sachen Nahost! In der Sache, finde ich, dass man die Ängste der Palästinser und der Israelis vor einer für sie jeweils nachteiligen Konfliktlösung sehr ernst nehmen musss. Für beide Seiten steht dabei Existentielles auf dem Spiel. Das haben auch die Pro- und Conta-Argumente der ersthaften Diskutanten für mich sehr deutlich gemacht. Dehalb schlage ich - wieder als theoretisches Denkmodell- noch einmal mein Denkmodell weiter gedacht, Folgendes vor:

in zukünftigen, hoffentlich dauerhaft institutialinierten Friedensverhandlungen könnten, unter UN-Vermittllung folgende Verhandlungskörbe gebildet werden, die allerdings nur in Kraft treten können, wenn alle "Körbe" zu einer Einigung geführt haben.

1. Korb: Sicherheitsabkommen und vertrauensbildende Maßnahmen, damit möglichst keine Menschen mehr auf beiden Seiten sterben brauchen. D.h. dass sich alle Seiten verpflichten, eskalierende Gewaltanwendungen auf allen Seiten zu unterlassen bzw. zu unterbinden.

2. Korb: Ökonomische Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil, damit Menschen und Resourcen verstärkt so eingesetzt werden, dass dadurch Lebenschancen von Palästinensern und Israelis dauerhaft verbessert werden.

3. Korb: Definition einer Zweistaatlichkeit in ausgehandelten Grenzverläufen, die bisherige UN-Beschlüsse berücksichtigt, aber flexibel umsetzt, so das auch Gebietsaustausche möglich sind.

4. Korb: Siedlungsfragen, d.h. wieviel Palästinser ( auch aus den Flüchtlingslagern) können sich auf israelischem Gebiet ansiedeln, wieviel Israelis auf palästinensischen Gebiet und welche Rechte und Pflichten haben sie dabei jeweils als ethnische Minderheiten im jeweilig anderen Staatsgebiet zu beachten.

5. Korb : Hauptstadtfrage, d.h. welche palästinensischen und israelischen Institutionen sollten in Jerusalem arbeiten, welche in anderen israelischen und palätiensischen Städte, etwa Tel Aviv bzw. Ramalla.

6. Korb: Reglung jeweils friedlicher Außenbeziehungen mit den Nachbarstaaten: Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten

7. Korb: Bildung eines dauerhaften Kooperations- oder Konföderationsrates mit einer eigenen Charta, dessen Sitz in Jerusalem sein könnte.

8. Korb: Ausgewogenes Förderprogramm der UN und dessen Bedingungen für eine friedliche politische, ökonomische und kulturell-religiöse Entwicklung von Palästinsen und Israels.

Jede Seite hat darüber hinaus das Recht, eigene Verhandlungskörbe vorzuschlagen, die für ein dauerhaftes Friedensabkommen der jeweils anderen Seite relevant erscheinen.

Danke für Eure nochmalige Lese- und Gedankenanstrengungen. Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen! Wolfgang Herzberg

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 19.05.2013 | 21:10

L iebe Blogger, wir haben, glaube ich, unsere Grundpositionen jetzt erschöpfend ausgetauscht. Mir fällt jedenfalls nichts mehr substanziell Neues ein. Ich habe mich gefreut und war sehr interessiert Eure Standpunkte kennezulernen und mich mit Euch auszutauschen. Ich weiss sehr gut, dass das alles da unten sehr verfahren und kompliziert ist. Jetzt noch erneut durch die eskalierenden Konflikte mit Syrien und schon lange mit dem Iran. Hoffen wir, dass es da nicht noch zu neuen größeren Waffengängen kommt. Viele Eurer Bedenken kann ich völlig nachvollziehen und teile sie auch. Mir war und ist es darum gegangen, meine eigenen Gedankenideen zum Thema, die ich seit langem mit mir herumschleppe, etwas genauer zu klären , während ich sie aufschrieb, wohl wissend, dass es sich da, mehr oder weniger, um theoretische Erwägungen handelt. Es war mir wertvoll Eure Bedenken, aber auch ein gewisses Verständnis zu spüren. Dafür herzlichsten Dank - vielleicht bis zum nächsten Mal - ich klinke mich jetzt wieder aus. Euch alles Gute. Es ist schön, dass da noch ein paar andere Leute sind, die sich oft kenntnisreich einen Kopf um diesen Weltkonflikt machen. der auch uns aus vielerlei Beziehungen tangiert - machts Gut- Wolfgang Herzberg

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 19.05.2013 | 18:40

Nochmals: der Vorschlag einer konföderalen Zweistaatlichkeit geht von folgenden Grundprämissen aus:

1. die Konfliktparteien- auf Augenhöhe- in einen institutionalisierten und internationalisierten Friedensprozess einzubinden. (s. KSZE). So etwas gab es m. W. bisher noch nicht in Nahost. Dies ohne Vorbedingungen, aber mit einer klaren Roudmap , einfach deshalb, weil beide Seiten sowieso immer (!)miteinader zu tun haben werden.

2. Erst die elementaren gemeinsamen Interessen schrittweise aushandeln, z.B: wie können in Zukunft weitere Opfer auf beiden Seiten vermieden werden; ökonomisch vorteilhafte Zusammenarbeit zugunsten der jeweiligen Völker, gerechte Aufteilung des Zugangs zu Wasser und anderer Resourcen usw.

3. Schwierigste Fragen, die aber möglicherweise leichter zu lösen sind, wenn es Einigungen zu Punkt 1 und 2 gegeben hat: zukünftige Grenzverläufe, Hauptstadtfrage, Reglung des Grenzverkehrs und schließlich die Siedlungsfrage, wer darf, unter welchen Bedingungen, im jeweils anderen Gebiet wohnen, bzw, arbeiten, wie das ja auch in der EU oder den U.S.A. usw. möglich ist, aber natürlich nicht ohne politisch-juristische Regelungen.

4. Unter welchem ständigen politischen Dach (s. Konföderationsrat) wollen die beiden Völker zukünftig ihre Anglegenheiten regeln, d.h. Umwandlung der ständigen Friedenskonferenz in einen solchen Rat.

5. Welche Verpflichtungen kann die UN übernehmen, um alle Seiten ökonomisch, juristisch etc. zu unterstützen.

Fazit: auch ich schließe mich der hier schon angedeuteten Meinung an: ein palästinensischer Staat ist auf Dauer nicht völlig autark lebensfähig, wie auch Israel nicht völlig autark lebensfähig ist, schon deshalb nicht, weil es ansonsten permanent mit dem Widerstand der palästinensischen Bevölkerung auf seinem eigenen Terrritorium (ca. 25 % Araber) , sowie mit dem Widerstand aus den heutigen palästinensischen Gebieten, sowie der überall hin vertriebenen Palästinenser und dem Widerstand der gesammten arabischen Welt, ja der Welt insgesamt, zu tun hat, der jeder Zeit - s. 1948 bis heute- , in bewaffneten Widerstand und Krieg umschlagen kann, d.h. immer wieder auch die eigene jüdische Bevölkerung und ihre Soldaten trifft! Abgesehen davon, wieviel Resourcen Israel für Militär usw. an Milliarden Steuermitteln bisher ausgegeben hat und ausgeben wird, die besser in die Verbesseung der Lebenschancen für Israelis und Palästinenser gesteckt werden sollten. Das ist auf Dauer wohl viel sinnvoller eingesetzt, kommt viel preiswerter und hat zudem für alle Seiten einen gewaltigen humanen, ökonomsichen und friedensstiftenden Sinn! Deshalb also die Idee einer konföderalen Zweistaatlichkeit, implementiert durch die UN. Es geht mir also nicht um eine Konservierung der jetzigen unhaltbaren Zustände, im Niemandsland zwischen Krieg und Scheinfrieden, sondern i.G. um einen Lösungsansatz, der für beide Seiten viel mehr friedliche Lebenschancen eröffnet, als es bisher je durch die grausame Spirale der Gewalt möglich war.

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 19.05.2013 | 14:01

Entschuldigung die Rechtschreibfehler , aber ich bin umgepolter Linkshändler. Dank für Eure Nachsicht. Freundliche Grüße - endölich soetwas wie ein Dialog!

RE: Schwerter zu Pflugscharen | 19.05.2013 | 13:53

Ja, haken wir Weghorn ab. Ich bin aus folgenden Gründen nicht so pessimistisch, was die Zukunft anbetrifft:

1. Wer voraus denkt, kann eher Zukunft beeinflussen, als Leute, die von vorne herein pessimistisch resignieren.

2. Die soziale Leidensfähigkeit der Bevölkerungen sollte nicht unterschätzt werden. Sie hat immer wieder politische Aus- und Aufbrüche hervorgebracht, wenn die sauch nicht weit trugen, aber immerhin. Intellektuelle können dabei helfen, die Verhältnisse zu tanzen zu bringen, wenn man ihen "stets die eigenen Melodie vorspielt" und Wege andeutet, die zukunftsfähig sein könnten.

3. Freiheit ist immer wieder Einsicht in die Not-wendigkeit anzumahnen, allderdings auch die Kompetenz mit Sachkenntnis Entscheidungen mit herbeizuführen. - zumeiste ein langwieriger evolutionärer Prozeß.

4. Wir sollten nicht vergessen, dasss eine eine wesentliche Archillesverse der vorherrschenden Weltpolitik die gigantischen Staatsdefizite sind. Mit dieser globalen Finanzkrise werden die Herrschenden immer unfähiger die Sozialsysteme aufrechtzuerhalten, geschweige denn weiterzuentwickeln oder gar ökologisch und sozial sinnvole Arbeitsplätze zu schaffen. Damit delegetimiert sich das System. In diese Vertrauenskrise können Linke im weitesten Sinne Tarrain gewinnen, wenn sie eine stärkere Meinungsführerschaft gewinnen. Das geht aber nur, wenn die Protagonisten, besonders Punkt 3 mit Leben erfüllen.

4. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass ein großer Krieg in Nahost etwa, alle ohnehin krisengeschüttelten Staaten mit in den Abgrund reißen könnten. Keine der Kollonialkriege des Westens seit 1989 sind wirklich gewonnen worden, sondern haben auch die Staatsdefizite immer weiter eskalieren lassen, abgesehen davon, dass diese Gewaltpolitik viel mehr Opfer und Geld kostete, als eine präventive Friedenspolitik.

5. Präventive Friedenspolitik ist alos für alle Seiten im wohlverstandenen eigenen Interesse. Der Schlüssel dazu im Nahost ist f.m. B. zunächst eine unter UN-Mandat stehende, institutionalisierte, also dauerhafte Friedenskonferenz, wo zunächst gemeinsame Interessen der Konfliktparteinen verhandelt werden, um sich näher zu kommen, um dann eine gewisse Zeistaatlichkeit oder wenigsten eine auf einander abgestimmte universelle Selbstverwaltung von Israelis und Palästinensern zu organisieren, was natürlich das Komplizierteste am Nahost-Konflikt ist und deshalb erst der Schlußstein der Friedensverhandlungen sein kann und nicht der Anfang. Ich weiss, das sind alles theoretische Überlegungen. Abr solche und andere intellektuelle Überlegungen gehen häufig, ja zwingend, neuen prkatischen Lösungen voraus.

4.