Bürgerkrieg in Leipzigs Süden?

Leipzig Am 12.12. kam es im Zuge einer Demonstration rechter Kräfte zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Autonomen. Medien und Politik sprechen von Straßenterror.
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Drei rechte Organisationen hatten zu einer Großdemonstration in Leipzigs Süden aufgerufen, der schon seit einigen Jahren von Linken und Alternativen bewohnt wird. Das Ziel in Connewitz, der linken Hochburg Leipzigs, einen rechten Sternenmarsch zu organisieren, scheiterte schon an den zuständigen Behörden. Letztlich durften die rechten Kräfte, die aus Anhängern der Kleinstpartei Die Rechte, Mitgliedern der Organisation Offensive für Deutschland und dem Thüringer Pegidaableger Thügida bestanden, nur durch die Südvorstadt marschieren, zwar nicht weit entfernt von Connewitz, aber doch soweit, dass kein Zeichen gesetzt werden konnte. Die Polizei schirmte die Nazidemo mit einigen Hundertschaften Polizei, Wasserwerfern, zwei Helikoptern und einem Räumpanzer ab, Gegenproteste in Hör- und Sichtweite der Rechten schien kaum möglich. Der Schutz und die sichere Durchführung der Nazidemo schien gewährleistet, gerade auch weil im Vorfeld sowohl Linke als auch Rechte zu Gewalt aufgerufen hatten. Während die Rechten "Connewitz in Schutt und Asche legen" wollten, gab es auf linker Seite Aufrufe zum "Nazis jagen".

Als Befürworter von jedem Protest, der sich gegen rechte Menschenfeinde richtet, war der Autor auch zugegen, als die Lage eskalierte. Da es keinerlei durchkommen auf die Naziroute zu geben schien, sammelte sich eine große Menge schwarzgekleideter Autonomer auf einen Platz in der Nähe der Demoroute, um von dort aus Polizeisperren zu durchbrechen und der Demo ein Ende zu bereiten. Als der schwarze Block dann endlich losgestürmt war, scheiterte er bereits an der ersten Polizeisperre, die Autonomen wurden unter dem massiven Einsatz von Tränengas zurückgetrieben und sahen keine Chance mehr, Widerstand gegen die Rechten zu leisten. Die neue Gewalt richtete sich nun gegen Glasfenster von Banken und Geschäften, unschuldige Mülltonnen und vorallem gegen die Polizei, die die Nazis zu schützen schien. Pflastersteine und Tränengasgranaten flogen zwischen beiden Parteien hin und her, Wasserwerfer schoßen in den Mob und die Rechten marschierrten derweil ungehindert ihre wenige Meter lange Demoroute. Währenddessen schien das Eskalationspotential vorallem von den Sicherheitskräften auszugehen; ein Polizist schlug den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König ins Gesicht, ein anderer feuerte Tränengas auf die Teilnehmer einer friedlichen Kundgebung (an der der Autor dieser Zeilen zu diesem Zeitpunkt ebenfalls teilnahm).

Die Auseinandersetzungen hielten noch an, als die Rechten schon lange wieder auf dem Heimweg waren und sich vor Begeisterung die Hände rieben. Linke Kräfte wurden als Terroristen dargestellt, von "offenen Straßenterror" und "Bürgerkrieg" war die Rede. Der Großteil der Medien griff den Samstag in Leipzig begierig auf und ein Großteil des zivilgesellschaftlichen Widerstandes distanzierte sich von der Gewalt der Autonomen. Es gab erste Rufe nach mehr Polizeipräsenz in Connewitz und der Bekämpfung der geistigen Brandstifter in Parteien und linken Organisationen. Was die Medien nicht berichteten; war der Molotowangriff auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Pirna (Sachsen) in der gleichen Nacht und das sich für die wenigen Nazis, die am Samstag marschiert waren, der Traum erfüllt hatte, wenigstens einmal nicht als die Bösen in den Medien dazustehen.

13:26 16.12.2015
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