freidenkender

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freidenkender
RE: Irgendwo dazwischen | 28.10.2015 | 19:40

Interessanter Beitrag - ich sehe vieles ähnlich.

Ich glaube, dass man sich dem stellen muss, wenn man davon betroffen ist, weil alles Andere, Verdrängung, oder Anpassung an Muster, die einfach nicht funktionieren, zu noch katastrophaleren Ergebissen führt.

Natürlich muss man sich damit auseinandersetzen. Es stellt sich allerdings die Frage der Angemessenheit; einerseits, was den eigenen Leidensdruck betrifft, andererseits, welche Mittel ich zur Beseitigung desselbigen wähle.

Konkret heißt das, das es dem Betroffenen zu wünschen ist, dass er das wahre (!) Ausmaß seines gefühlten Andersseins und gern auch die Ursachen dafür realisiert, und anschließend zu für ihn sinnstiftenden Maßnahmen greift.

So wichtig es ist, anhand von regelmäßiger Internetrecherche zu diesem Thema hauptsächlich die Erfahrung zu sammeln, mit diesen Gefühlen nicht allein dazustehen, so verwirrend und sogar gefährlich wird es, wenn man die dort geschilderten Erfahrungen, Herangehensweisen und Lösungsvorschläge als maßgeblich für das eigene Leben betrachtet. Selbiges gilt für das Posten des eigenen Körpers in sozialen Netzwerken; was anfänglich u.U. einen kleinen Schub für das Selbstwertgefühl gibt, erzeugt ab einem gewissen Level nur noch Druck.

Es besteht die Gefahr, dass sich letztenendes alles nur um einen selber dreht. Man gerät in eine Spirale, aus der man nur schwer wieder entkommt.

RE: Irgendwo dazwischen | 28.10.2015 | 19:04

dass das kein gutes Ende nehmen wird, sondern der momentane Status auch nur wieder ein weiterer Abschnitt wird, nach Beendigung man umso verzweifelter da steht.

Die Wege, welche der Autor wählt, um mit sich klarzukommen, sehe ich nicht nur als nicht förderlich an, sondern betrachte sie sogar als schädlich und stellenweise ursächlich für seine momentane Situation.

RE: Irgendwo dazwischen | 28.10.2015 | 18:54

Hallo Columbus, Danke für Ihren Kommentar. Es geht mir nicht darum, beim Verfasser des Textes irgendetwas zu diagnostizieren; dazu wäre ich unter keinen Umständen in der Lage, erst recht nicht anhand dieses Erfahrungsberichts. Dennoch, als Leser mache ich mir natürlich Gedanken; zu verzweifelt wirkt das Ganze, zu verfahren, zu aussichtslos. Und es ist, nach meiner Wahrnehmung, eben auch recht offensichtlich,

RE: Irgendwo dazwischen | 28.10.2015 | 16:02

Der Artikel lässt mich ein wenig sprachlos zurück...

Alles, worum es sich beim Autor zu drehen scheint: "ich ich ich ich ich"

Übersteigerter Selbstbezug ist eine der, wenn nicht die Hauptursache für Depressionen.

Mache ich es mir als Leser zu leicht, wenn ich das Meiste des oben Geschilderten hauptsächlich als Folge einer narzisstischen Störung wahrnehme?

Dieser Wahn, die innere Zerissenheit publikumswirksam nach außen zu verlagern; eine vermeintliche Individualität auf die krassestmögliche Art zu erzwingen....

Ich weiß nicht, ob da etwas Gutes bei rauskommt.

RE: Das große Rauschen | 01.09.2015 | 14:38

“Stundenlang lag ich in der Sonne, tat nichts, dachte an nichts. Den Geist leer zu halten, ist eine Fähigkeit, die auch gut für die Gesundheit ist. Den ganzen Tag lang zu schweigen, keine Zeitung zu lesen, kein Radio zu hören, keinem Klatsch zu lauschen, völlig und gründlich zu faulenzen, völlig und gründlich gleichgültig dem Schicksal der Welt gegenüber zu sein, ist die beste Medizin, die sich ein Mensch verschreiben kann."

"Das Fehlen von Zeitungen, das Fehlen von Nachrichten über das, was die Menschen in den verschiedenen Erdteilen tun, um das Leben lebenswerter oder nicht lebenswert zu gestalten, ist der größte Segen. Wenn wir die Zeitungen ausschalten könnten, hätten wir schon einen großen Schritt vorwärts getan, davon bin ich überzeugt. Zeitungen erzeugen Lügen, Haß, Gier, Neid, Miißtrauen, Furcht, Bosheit. Die Wahr heit, die uns von den Zeitungen aufgetischt wird, brauchen wir nicht. Wir brauchen Frieden und Einsamkeit und Muße.

Wenn wir alle streiken, und uns nicht um das, was unser Nachbar tut, kümmern würden, könnten wir ein neues Leben beginnen. Wir könnten lernen, ohne Telephon, ohne Radio, ohne Zeitungen auszukommen, ohne Maschinen irgendwelcher Art, Ohne Fabriken, ohne Bergwerke, ohne Sprengstoffe, ohne Kriegsschiffe, ohne Politiker, ohne Advokaten, ohne Konserven, ohne Fahrzeug oder ähnliche Erfindungen, sogar ohne Rasierklingen oder Zellophanpackungen oder Zigaretten oder Geld.

Das sind Wunschträume, ich weiß es. Menschen streiken nur, um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, bessere Aussichten zu erlangen, um ihr Los zu verbessern."

Henry Miller in "Der Koloss von Maroussi", entstanden 1940...

RE: Janus in uns | 01.09.2015 | 13:45

Je mehr ich über diese Person aus Daten wusste, desto weniger Respekt, Achtung und Wertschätzung hatte ich über diesen Menschen noch als gleichberechtigten Mensch, die diese Person ja ist.

Das ist eine wichtige Erkenntnis. Transparenz geht immer zu Lasten des Vertrauens, aber ohne Vertrauen ist keine Gemeinschaft möglich. Dieses "Datenwissen" (eine schöne Formulierung übrigens) ist selten etwas anderes als gefährliches Halbwissen und per se destruktiv.

"Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!" - dieser Ausspruch bekommt eine neue Wichtigkeit.

RE: Schlingensief fehlt | 24.08.2015 | 14:54

"In seinen Dialogen, ob mit Late-Night Talker Harald Schmidt oder in seiner eigenen Talkshow, sieht man die Schlingensiefsche Mäeutik, die Hebammenkunst, in ihrer Reinform."

Ein in meinen Augen eher unglücklich gewähltes Beispiel; ich muss bei Schlingensief/ Schmidt immer zuerst hieran denken:

https://www.youtube.com/watch?v=BhZRclRzFVc

Klar kann man hinterher viel hinein interpretieren (bspw. das gewollte Bloßstellen Schmidts als selbstgefälligen Alleinunterhalter (dessen es aber ganz sicher nicht bedurft hätte)), auf mich wirkt das Ganze aber durchaus so, als wäre Schlingensiefs Plan hier nicht aufgegangen und der nachgeschobene, sehr bemüht wirkende selbstironische Rechtfertigungsversuch verstärkt diesen Eindruck noch.

Insofern lernt man durch diese Episode viel mehr über den Gastgeber als über den Gast, was ja auch nicht übel ist...