Afghanistan und der Tod der deutschen Soldaten

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In den letzten Wochen wurden unsere Augen und Ohren von Nachrichten wie

Dann die Schock-Nachricht: Schon wieder ein verheerender Taliban-Anschlag auf die Bundeswehr!

oder

Deutsche Soldaten im Fadenkreuz der Taliban

überflutet.
Doch wen wundert es ernstlich, dass inzwischen auch "viele" deutsche Soldaten Angriffen zum Opfer fallen?
Die deutschen Soldaten befinden sich auf dem Boden eines fremden Landes. Der Tod vieler Afghanen in Kunduz durch deutsche Soldaten liegt noch nicht allzu lange zurück und auch die Zustimmung zu den Einsätzen der Isaf-Truppe befindet sich bei den Afghanen auf einem Tiefpunkt.
Wen also kann es ernsthaft wundern, dass sich immer mehr Menschen den Taliban anschließen, die sie als einzigen Schutz vor den ausländischen Besatzern ansehen. Das Video das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde und in dem gezeigt wird, wie amerikanische Soldaten Zivilisten erschießen, wird mit Sicherheit den Taliban weiteren Zulauf bescheren.
Selbst der afghanische Präsident Karzai äussert sich inzwischen sehr kritisch zu den Internationalen Truppen, in dem von ihm regierten Land. Dies ist nur eine logische Konsequenz für die immer höher werdenden Opferzahlen unter der afghanischen Bevölkerung. Die Einsätze der Truppen zielen inzwischen nicht mehr auf den Aufbau von Schulen und humanitären Aufgaben, sondern vielmehr auf die vollständige Vernichtung der Taliban. Doch dies wird nicht gelingen, denn die meisten Schläge gegen die Taliban treffen auch Zivilisten.
Die afghanische Bevölkerung leidet nicht nur unter Hunger und ihr verwehrt gebliebenen humanitären Mitteln, sie leidet vor allem unter den stetig neuen Toten. Das wird sich nicht ändern, wenn wir nicht erkennen, dass auch die Deutschen von großen Teilen der dortigen Bevölkerung als Besatzer gesehen werden. Humanitäre Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe sollten der Fokus der Bundeswehr sein, keine Kampfeinsätze welcher Art auch immer.
In Afghanistan herrscht Krieg, ein Krieg in dem Menschen sterben und die Trauer unserer Politiker sollte jedem sicher sein, egal ob dieser Soldat ist oder nicht. Ein Soldat rechnet bei seinen Einsätzen zumindest damit zu sterben, denn das Töten zählt auch zu seinem Beruf. Ein Zivilist dagegen sollte niemals fürchten müssen, von den Menschen erschossen zu werden, welche ihn angeblich befreien.
Die Kanzlerin und auch der Verteidigungsminister erkennen inzwischen an, dass in Afghanistan Krieg herrscht. Das Bundeswehrmandat ist allerdings nicht für einen Kriegseinsatz gedacht.
Dieser wird auch durch das Grundgesetz verboten. Da Kriegshandlungen, die nicht der Verteidigung Deutschlands dienen, untersagt sind, sollten diese Kriegshandlungen eingestellt werden! (Artikel 26 Grundgesetz).
Unsere Freiheit wird nicht in Afghanistan verteidigt, die Afghanen haben in den letzten Jahrhundert keinen Krieg begonnen, sie waren Opfer verschiedenster Angriffe, aber niemals Angreifer. Sie würden auch keine Bundeswehrsoldaten angreifen, wären diese hier in Deutschland stationiert, sie tun es in Afghanistan, weil die Einsätze der internationalen Truppen täglich Opfer unter den Afghanen fordern.

19:09 23.04.2010
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