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16.01.2012 | 21:21 5

Die Würdigung der Felicia Langer

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied freiheitsliebender

Im Rahmen seines Besuches am Dienstag in Berlin wird Präsident Abbas die Rechtsanwältin Felicia Langer mit dem palästinensischen Orden für besondere Verdienste ehren. Langer war die erste israelische Rechtsanwältin, die palästinensische Gefangene vor israelischen Gerichten verteidigte. Sie war eine der Ersten in Israel, die erkannte, wie sehr die israelischen Araber vom System benachteiligt werden.

Felicia Weit wurde am 9. Dezember 1930 als Tochter jüdischer Eltern in Tarnów (Polen) geboren. 1939 flüchtete die Achtjährige mit ihren Eltern vor den Nationalsozialisten und der drohenden Gefahr für jüdische Bürger in die Sowjetunion. Alle anderen Mitglieder ihrer Familie blieben in Polen und überlebten den Holocaust nicht.

1949 heiratete Felicia Weit in Breslau (Schlesien) den jüdischen Feinmechaniker Mieciu Langer, der als einziger seiner Familie den Aufenthalt in fünf KZ’s lebend überstand. Aus der Ehe ging 1953 der Sohn Michael hervor. 1950 emigrierte Felicia Langer zusammen mit ihrem Mann Mieciu nach Israel, wo sie 1959 ein Jurastudium begann um sich für die Freiheit und die Menschenrechte einzusetzen.

Mitte der 1960-er Jahre eröffnete Felicia Langer in Tel Aviv eine eigene Anwaltspraxis, in der sie vor allem unterprivilegierte Mandanten verteidigte. Nach immer neuen Berichten über das israelische Unrecht gegenüber den Palästinensern, begann sie sich mit dem Konflikt zu beschäftigen.

Als Folge ihrer Studien eröffnete sie ein Büro in Jerusalem und verteidigte fortan vor israelischen Militärgerichten palästinensische Opfer israelischer Willkür. Da sie jede Form von Gewalt ablehnte, weigerte sie sich, Palästinenser zu vertreten, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung verübt hatten.

22 Jahre lang bekämpfte Felicia Langer konsequent die israelischen Militärgerichte und die unmenschliche Behandlung der Palästinenser. Ihre Klienten berichteten über Folterungen, erzwungene Geständnisse, völkerrechtswidrige Deportationen und sippenhaftähnliche Bestrafungen wie das Niederreißen der Häuser von Verdächtigen. Wegen dieses ungleichen Kampfes wurde sie von den Palästinensern hoch geachtet, von den meisten Israelis dagegen beschimpft und bedroht.

Dokumentation des Unrechts

Felicia Langer verfasste insgesamt acht Bücher über ihre Erfahrungen als Menschenrechtsanwältin. Drei davon sind während der Zeit, in der sie in Israel lebte, in englischer Sprache erschienen: „With My Own Eyes” (1975), „These Are My Brothers” (1979) und „An Ages of Stone” (1987). Fünf weitere Bücher kamen in Deutschland heraus, wo sie seit 1990 mit ihrem Mann lebt.

In dem Buch „Die Zeit der Steine – Eine israelische Jüdin über den palästinensischen Widerstand” (1990) klagt Felicia Langer leidenschaftlich das menschenverachtende Vorgehen der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik an. In „Zorn und Hoffnung – Autobiographie” (1991) liefert sie ein Zeugnis für Mut, Widerstand und Liebe innerhalb eines Unrechtssystems, das mit Panzern gegen Kinder kämpft, die mit Steinen ihre Befreiuung zu erreichen versuchen.

Das Werk „Brücke der Träume – Eine Israelin geht nach Deutschland” (1994) schildert, wie die Autorin in ihrer neuen Heimat mit der deutschen Vergangenheit konfrontiert wird und wie sie den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern sieht. In ihrem Werk „Wo Haß keine Grenzen kennt – Eine Anklageschrift” (1995) erarbeitet sie die Rolle, die die israelische Politik und Medien bei den Morden in Hebron gespielt haben.

In „Laßt uns wie Menschen leben – Schein und Wirklichkeit in Palästina” (1996) tritt Felicia Langer für die Selbstbestimmung der Palästinenser ein und für ein friedliches und solidarisches Zusammenleben beider Völker. Die Vorstellung dieses Werk geht mit einer Erklärung einher, in der sie die palästinensische Gewalt verurteilt, aber erklärt, dass die Israelis durch Häuserzerstörung, Folter und andere schwerste Menschenrechtsverletzungen, diese fördern würden.

Im Alter von 59 Jahren hatte Felicia Langer 1990 nach zahlreichen politischen Aktivitäten und Verhandlungen für die Unterdrückten Palästinenser keine Kraft mehr und zog nach Deutschland. Sie schloß auch ihre Anwaltskanzlei, „aus Protest gegen das Rechtssystem, das zur Farce geworden ist”.

Im Juli 1990 zog Felicia Langer mit ihrem Mann nach Tübingen in die Nähe ihres Sohnes. Dort wollte sie lehrend und schreibend „die öffentliche Meinung in der ganzen Welt für die palästinensische Sache mobilisieren” sowie „für Frieden und Gerechtigkeit zwischen Israel und Palästina kämpfen”. Die Chance dafür gab ihr die Universität Bremen, an der sie einen Lehrauftrag erhielt. Außerdem hielt sie Vorträge in Europa und in den USA sowie vor dem UN-Untersuchungsausschuss, der Israels Politik in den besetzten Gebiete überprüfte.

Als Vizepräsidentin der israelischen „Liga für Menschenrechte” setzte sich Felicia Langer ebenfalls für die Rechte der Palästinenser ein. Ihr ungewöhnliches Engagement begründete sie mit der schmerzvollen Geschichte ihres eigenen Volkes. Sie sagte: „Weil wir Juden wissen, was es heißt, zu leiden, dürfen wir andere nicht unterdrücken.”

Ihr Lebenslauf ist der einer unbeugsamen Frau, die sich jedem Übel entgegenstellt und die jegliche Art von Gewalt ablehnt, ob nun von palästinensischer oder israelischer Seite. Felicia Langers Leben ist bestimmt von dem Kampf gegen Unrecht und Gewalt im Nahen Osten, ihre Bücher treffend und ihre Haltung in diesem Konflikt zeugt von Menschlichkeit, Solidarität und Liebe, ihre Würdigung durch Abbas ist mehr als nur verdient!

Erstveröffentlicht auf der Freiheitsliebe

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (5)

Alien59 17.01.2012 | 17:16

Ich dachte, du hättest >die Debatte absichtlich hier unerwähnt gelassen, die entstand, als sie das Bundesverdienstkreuz bekam.
www.n-tv.de/politik/dossier/Bundesverdienstkreuz-fuer-Felicia-Langer-article417316.html
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,637765,00.html
www.focus.de/panorama/vermischtes/israel-kritikerin-felicia-langer-will-das-bundesverdienstkreuz-nicht-zurueckgeben_aid_420045.html
Und das waren die Kommentare in recht seriösen Medien, die anderen kannst du dir denken.

Langner tut und tat etwas, was "man" in Deutschland tunlichst nicht tut, vor allem nicht als Jüdin: Palästinenser verteidigen.